• Von Teilprojekt 06a RexMemes
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Scrollen, lachen, liken… beeinflusst werden? Wie Rechtsextreme Internet-Memes strategisch nutzen

Internet-Memes sind weitaus mehr als bloße Unterhaltung im Netz. Sie haben sich zu einem wirkungsvollen Instrument politischer Kommunikation entwickelt – eines, das auch von rechtsextremen Akteuren gezielt genutzt wird, um menschenfeindliche Botschaften zu verschleiern und insbesondere unter jungen Zielgruppen zu verbreiten.

Memes sind ein fester Bestandteil digitaler Kommunikation. Sie verbreiten sich schnell und sind äußerst anschlussfähig. Die verwendeten Motive leben davon, dass Nutzer*innen sie wieder und wieder aufgreifen, verändern und weiterverbreiten. Dabei kombinieren Memes Bild-, Text-, Video- und Soundelemente zu immer neuen, oft zugespitzten Botschaften. Zugleich wirken sie gemeinschaftsstiftend: zum einen durch ihren partizipativen Charakter, zum anderen durch ihre „In-Group vs. Out-Group“-Logik. Wer ein Meme versteht, signalisiert Zugehörigkeit und grenzt sich zugleich von denjenigen ab, die die darin enthaltene Botschaft nicht entschlüsseln können.

Was zunächst wie lockere digitale Unterhaltung erscheint, erfüllt häufig auch politische Funktionen. Memes ermöglichen es, Meinungen auszudrücken, aktuelle Ereignisse zu kommentieren und sich am öffentlichen Diskurs zu beteiligen. Durch ihre einfache Gestaltungsweise – oft beschrieben als „internet ugly“-Ästhetik – sind sie besonders zugänglich und lassen sich ohne großen Aufwand kostengünstig erstellen und verbreiten.

Memes als Instrument zur Verbreitung rechtsextremer Ideologie

Gerade diese Eigenschaften machen Memes auch für rechtsextreme Akteure sowie für demokratiefeindliche Bewegungen insgesamt attraktiv. Sie ermöglichen es, politische Inhalte subtil zu vermitteln und insbesondere junge Zielgruppen gezielt anzusprechen. Dabei müssen die Botschaften nicht einmal offen formuliert sein, sondern können über mehrdeutige Anspielungen, Symbole oder bekannte Motive transportiert werden. Für Außenstehende bleiben die tatsächlichen Bedeutungen in solchen Fällen oft nur schwer erkennbar.

Die in diesem Beispiel genutzte Meme-Vorlage (abgebildet ist „Saruman der Weiße“, ein Zauberer aus J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“-Universum) wird auch in alltäglichen, nicht offensichtlich politischen Bedeutungszusammenhängen verwendet. Hier wurde sie mit textuellen Ergänzungen versehen, die auf das in rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen häufig verwendete Narrativ der sogenannten „Cancel Culture“ anspielen. // Der Grauschleier sowie die nicht vorhandene Quellenangabe dienen der Vermeidung einer Weiterverbreitung.

Selbst ursprünglich verhältnismäßig unpolitische Inhalte werden systematisch umgedeutet: Bekannte Meme-Figuren oder Bildvorlagen werden von Extremist*innen mit neuen Bedeutungen versehen und in eigene ideologische Kontexte eingebettet. Nicht selten entwickeln sich daraus etablierte Szene-Symbole. So entstehen digitale Identifikationsangebote, die sich unauffällig in bestehende Internetkulturen einfügen.

Gestaltungsstrategien: Humor, Codes und Popkultur

Internet-Memes arbeiten mit vielfältigen Strategien, die weit über ihre anschlussfähige visuelle Gestaltung und die Reduktion komplexer Inhalte hinauswirken.

Humor als Zugang

Memes nutzen häufig humoristische Mittel wie Ironie oder Übertreibung. Humor erleichtert den Zugang zu komplexen oder belastenden Themen und erhöht zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte „gelikt“, geteilt und damit weiterverbreitet werden. Gleichzeitig eröffnet die humorvolle und oft mehrdeutige Gestaltung eine häufig genutzte Verteidigungsstrategie gegenüber Kritik: Antidemokratische und menschenfeindliche Inhalte werden nicht selten mit Verweis auf ihren angeblich rein unterhaltenden Charakter („Ist doch nur Spaß!“) oder unter Berufung auf die Meinungsfreiheit („Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“) relativiert.

Symbole und Codes

Dass Rechtsextreme Codes und Symbole verwenden, um extremistische Einstellungen zu verschleiern und ungehindert zu verbreiten, ist nicht neu. Das Prinzip bleibt dabei stets gleich: Wer die Bedeutung kennt, versteht die Botschaft – für andere bleibt sie verborgen. Internet-Memes eröffnen jedoch durch ihre Vielschichtigkeit ganz neue Möglichkeiten der Verschlüsselung. Insbesondere bei multimedialen Meme-Formaten ergibt sich der eigentliche Bedeutungszusammenhang oft erst aus dem insgesamten Zusammenspiel von Bild, Ton, Text und Kontext. Dessen Entschlüsselung erfordert umfangreiches Hintergrundwissen sowohl über rechtsextreme Narrative als auch über aktuelle Digitalkultur. Dies erschwert eine fundierte Analyse entsprechender Kommunikationsstrategien und gestaltet in der Folge auch die Entwicklung geeigneter Präventions- und Gegenmaßnahmen anspruchsvoll.

Anschluss an Popkultur

Ferner knüpfen viele Memes an aktuelle popkulturelle (Internet-)Trends an und greifen gängige Online-Ästhetiken auf. Sie orientieren sich damit am jeweiligen digitalen Zeitgeist und fügen sich unauffällig in den Online-Alltag der Nutzer*innen ein. In Memes verarbeitete Trends wirken häufig auch direkt in die analoge Welt hinein. So hat die kürzlich auf Social Media, unter anderem in Memes, aufkommende Glorifizierung der 1990er Jahre zu einem anhaltenden Hype für bestimmte Kleidungsstücke und Marken aus diesem Jahrzehnt geführt. Dazu zählen auch Stilelemente, die einst explizit mit der neonazistischen „Baseballschläger-Szene“ der 1990er Jahre in Verbindung standen. Auf solche Weise tragen Memes dazu bei, dass ehemals randständige, radikale Erscheinungsbilder wieder stärker im Mainstream sichtbar, normalisiert und in manchen Kreisen sogar wieder als „cool“ angesehen werden.

Fazit

Memes sind weit mehr als kurzlebige „Internetwitze“. Sie stellen ein strategisch genutztes Kommunikationsmittel dar, das Unterhaltung, Teilhabe und politische Inhalte wirkungsvoll miteinander verbindet. Gerade im rechtsextremen Kontext zeigt sich, wie sie eingesetzt werden, um antidemokratische Positionen subtil zu verbreiten, in aktuelle Online-Logiken einzubetten und so insbesondere für junge Zielgruppen anschlussfähig zu machen. Wer heutige rechtsextreme Kommunikationsstrategien im digitalen Raum verstehen will, sollte daher auch berücksichtigen, wie ausgrenzende Botschaften in scheinbar „banalen“ oder „humorvollen“ Digitalformaten wie Internet-Memes vermittelt werden und schließlich „viral“ gehen können.

Weiterführende Literatur

Bezold, Veronica, & Knieper, Thomas. (2025a). Meme. Communicatio Socialis – Zeitschrift für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft, 58(1), 82–89. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2025-1-82

Bezold, Veronica, & Knieper, Thomas. (2025b). Scrolling Through Cute Cats and Swastikas: On Defining Political Internet-Memes and Studying Mimetic Challenges for Today’s Democracy. In Marcel Lemmes, Stephan Packard, & Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.), Bilder im Aufbruch: Herausforderungen der Bildwissenschaft (S. 264–283). Herbert von Halem Verlag.

Bezold, Veronica, & Knieper, Thomas. (2026). Meme – Humoristische Vereinfachung oder populistische Botschaften. In Alexander Filipović, Annika Franzetti, & Susanna Endres (Hrsg.), Grundbegriffe der Medienethik für Studium, Wissenschaft und Praxis (S. 291–302). UVK Verlag.

Bezold, Veronica, Hohlfeld, Ralf, & Knieper, Thomas. (2026). Memes als Instrument politischer Beteiligung. In N. Kersting, J. Radtke, & S. Baringhorst (Hrsg.), Handbuch Digitalisierung und politische Beteiligung. Springer VS. [im Erscheinen].

Knopp, Vincent, Terizakis, Georgios, Denker, Kai, Groß, Eva, Häfele, Joachim, & Pollich, Daniela. (2024). Rechtsextreme Meme: Eine praxisorientierte Einführung für die Ausbildung in Polizei und Sozialwissenschaften (1. Aufl.). utb GmbH. https://doi.org/10.36198/9783838563275

Koschei, F. (2024). How to deal with: Rechtspopulistische Memes. In Zentrum Liberale Moderne (Hrsg.), Narrativ Check.: Was hinter radikalisierenden Botschaften steckt. libmodredaktion.fra1.digitaloceanspaces.com/wp-content/uploads/20241126102748/LibMod_Popkultur2.pdf

Beitragsbild: Foto von Charlotte May auf Pexels

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Rechtsextreme setzen bei ihrer Kommunikationsstrategie auch auf Soziale Medien. Dabei spielen Internet-Memes eine große Rolle. Sie eignen sich durch ihr Verbreitungspotenzial für die Streuung rechtsextremer Botschaften. Darstellungen, bei denen die rechtsextreme Ideologie nicht so einfach zu erkennen ist, können dabei einen niedrigschwelligen Berührungspunkt für verschiedene Zielgruppen, aber insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene darstellen.