Bloggen und Karriere: Forscher trifft Personaler…

Reactions

Bloggen und KarriereBloggen und Karriere oder doch eher Bloggen oder Karriere? Das Bloggewitter greift spannende und zugleich schwierige Fragen auf: Welche Bedeutung hat Wissenschaftsbloggen für eine Karriere in forschenden Unternehmen wie der BASF? Werden Forschungsblogger gesucht, ermutigt oder – Stichwort Informationsschutz – vielleicht eher kritisch bewertet? In unserem Forschungsblog wollen wir beide Seiten zu Wort kommen lassen – Forscher und Personaler – und haben Anna Rebecca Lohmann und Prashant Deshmukh um einen gemeinsamen Gedankenaustausch gebeten. Anna beschäftigt sich mit dem Einsatz von Social Media im Employer Branding. Prashant begann 2007 als Chemiker bei BASF in der Insektizidforschung.

 

Prashant: Ich habe vor sieben Jahren promoviert, da war Bloggen unter Forschern wenig verbreitet. Selbst Facebook war damals erst eine Idee. Den Social Media Spirit von heute konnte man allenfalls erahnen. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, fallen mir auch die vielen Stunden im Labor, das intensive Recherchieren, die Präsenz auf Kongressen oder das Publizieren ein. Wann hätte ich Zeit zum Bloggen finden sollen? Die Smartphones oder Tablets von heute machen es da schon einfacher: man kann einfach unterwegs Bloggen und Twittern. Für mich bleibt aber die Frage nach dem Nutzen. Hätte es mir Vorteile bei der Bewerbung, zum Beispiel in unserem Unternehmen, gebracht?

 

Anna: Das hängt entscheidend von den Inhalten ab. Schreibt der Wissenschaftler über seine Hobbies, wird die Blogaktivität im Bewerbungsverfahren keine Rolle spielen. Stellt der Wissenschaftler aber durch das Bloggen seine Forschungsinhalte vor und bringt diese auch Fachfremden näher, kann sich das auch positiv auf seine Bewerbung auswirken – wenn er beispielsweise in Fachforen Kontakte knüpft und von Kollegen oder Bekannten auf interessante Stellen oder Praktika hingewiesen wird oder eine Einladung zu einer Konferenz erhält. Wir sind selbst im Social Web unterwegs, um mit dem potenziellen Nachwuchs in Dialog zu treten. Momentan betreiben wir allerdings im Social Web nur Employer Branding, keine Rekrutierung. Das heißt wir stellen interessante Themen vor, beantworten Fragen – sprechen aber niemanden direkt an, googlen nicht nach Bewerbern und auch Bewerbungen nehmen wir nur über unser Online-Bewerbungssystem auf den Karriereseiten entgegen.

 

Prashant: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Fähigkeit, seine Forschung so zu erklären und aufzubereiten, dass sie auch Laien verstehen, an Bedeutung gewinnen wird. Unter Laien verstehe ich auch Forscher aus anderen Forschungsfeldern: Forschung wird zunehmend interdisziplinärer. Deshalb wird das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Fachrichtungen zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Ein Baustein dabei ist, dass die Forscher aus den verschiedenen Disziplinen komplexe Zusammenhänge einfach und verständlich vermitteln. Ein Wissenschaftsblogger ist geübt darin und kann beweisen, dass er dieses Talent besitzt.

 

Anna: Wissenschaftliche Inhalte zugänglich zu machen und zu vermitteln, ist aber nicht nur in der Scientific Community gefragt. Für uns als Industrieunternehmen ist beispielsweise Open Innovation heute ein wichtiges Thema, um Innovationsprozesse anzustoßen. Dazu gehören Forscher, die neben exzellenter Forschung auch in der Lage sind, ihren Leuchtturm zu verlassen, Dialoge anzustoßen und die Wissenschaft in die Gesellschaft zu tragen. Mit diesem Blog „Reactions“ möchten wir unseren Forschern den Raum zum Bloggen bieten. Speziell Forscher, die auf Unternehmensseite arbeiten, müssen dabei immer sehr genau darauf achten, keine Interna öffentlich zu machen. Das ist oft ein schmaler Grat, da auch belanglos erscheinende Informationen rechtlich relevant sein können – hier braucht jeder Fingerspitzengefühl und sollte sich im Zweifelsfall immer mit seinem Vorgesetzten oder der Rechtsabteilung beraten. Bei der BASF gibt es für die Mitarbeiter klare Richtlinien für die Nutzung von sozialen Medien. Dabei ist nicht nur der Informationsschutz ein wichtiges Thema. Die BASF gibt ihren Mitarbeitern Tipps für den sicheren Umgang mit den neuen Medien. Zudem gibt es mit connect.BASF ein internes Netzwerk mit Blog- und Wikifunktionen für den internen Austausch mit Kollegen.

 

Prashant: Natürlich wäge ich ab, worüber ich bloggen kann. Wir leben von Innovationen und befinden uns in einem Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Wenn ich zu früh über aktuelle Projekte und jüngste Entdeckungen schreibe, sind andere Unternehmen womöglich schneller und lassen diese vor uns patentieren oder eine Patentierung ist wegen eines Blogeintrags nicht mehr möglich. Trotzdem bleibt viel Raum für spannende, kontrovers diskutierte Forschungsthemen und Technologien, in denen ich eine Brücke zu meiner Forschung schlagen kann. Als Forscher habe ich die Möglichkeit, Zusammenhänge und Vorgänge zu erklären:  Was genau passiert im Nanokosmos? Wie funktioniert Biokatalyse? Auch bei Nachhaltigkeit oder Energieversorgung kann ich meine wissenschaftlichen Kenntnisse in öffentliche Diskussionen einbringen,  aktuelle Methoden der Forschung veranschaulichen und Anwendungsbeispiele vorstellen.

Anna: Das sind faszinierende Themen. Das Bloggen darüber kann dazu beitragen, dass Wissenschaft in der Gesellschaft wahrgenommen wird, ein Gesicht erhält. Es eröffnet einen Dialog, in dem Vertrauen entstehen und Akzeptanz erreicht werden kann. Denn letztlich entscheidet die Öffentlichkeit mit darüber, woran in Zukunft wie und in welchem Ausmaß geforscht wird.

 

Verwandte Blogbeiträge.

https://scilogs.spektrum.de/chrono/blog/vergangenheitsstaub/allgemein/2012-01-04/oeffentlichkeitsarbeit-als-pflicht-fuer-wissenschaftler

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/01/schadet-wissenschaftskommunikation-und-medienprasenz-der-akademischen-karriere.php

https://scilogs.spektrum.de/blogs/blog/graue-substanz/2010-09-19/wissenschaftsbloggen-ist-lobbyismus

Judith Schrauf-Papadopoulos

Veröffentlicht von

Judith Schrauf-Papadopoulos studierte Germanistik und Computerlinguistik an der Universität Heidelberg. Im DFG-Graduiertenkolleg „NeuroAct“ promovierte sie zum Einfluss von Sinneswahrnehmung, Emotionalität und Metaphorik auf die Sprachverarbeitung. 2010 fing sie bei BASF Crop Protection in der globalen Kommunikation an. Anschließend wechselte sie in den spannenden Bereich der Forschungskommunikation und kümmert sich unter anderem darum, die Forschung bei BASF im Web zu präsentieren. Dr. Judith Schrauf-Papadopoulos

1 Kommentar

  1. Das ist ein interessanter Einblick in ein forschendes Unternehmen. Das hat mir ganz andere Möglichkeiten und Grenzen des Bloggens näher gebracht, die ich so vorher nicht kannte.

Schreibe einen Kommentar