NEOCP auf dem Smartphone

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Amateurastronomie und -Raumfahrt
Raumschiff Erde

Asteroidenjäger aufgepasst. Auch die Amateurastronomen gehen mit der Zeit.
Schon seit vielen Jahrzehnten leisten die Amateure im Bereich der Kleinplanetensuche einen großen und wichtigen Beitrag zur Arbeit der Profis. Ziel der Suche ist seit jeher nicht nur neue Asteroiden zu finden sondern damit auch sogenannte “(N)ear (E)arth (O)bjects” aufzuspüren.
Diese Brocken kommen der Erde im Vergleich zu zB. Hauptgürtelasteroiden sehr nahe und stehen unter ständiger Beobachtung. Sogenannte Surveys haben mittlerweile den gut ausgestatteten Amateur weitgehend abgelöst. Damals konnte man noch mit einem 8″ Teleskop und durch Vermessen der Positionen auf chemischen Film einen neuen Asteroiden entdecken. Heute muss man schon wesentlich mehr Licht einfangen können um mit den Surveys einigermaßen mitzuhalten. Aber jenseits der 18mag Helligkeit gibt es trotzdem noch sehr viel zu entdecken.

Amateur- wie auch Profi-Astronomen melden beobachtete Kleinplaneten kontinuierlich an das MPC (Minor Planet Center). Die besonders interessanten NEOs werden auf der NEOCP (NEO Comfirmation Page) gelistet und sind meist neben dem Oppositionspunkt der erste Anhaltspunkt bei der Planung einer Beobachtungsnacht.

Einer dieser Amateurastronomen ist ein in der Szene ein bekannter Programmierer. Matthias Busch wurde bekannt durch sein Planetariumsprogramm “EasySky” , welches es bald in einer neuen Version für PC, Tablet und Smartphone geben wird. Er hat nun – sozusagen zwischendurch – eine kostenlose NEOCP App für Windows- und Android-Smartphones entwickelt. Mit ihr kann man jetzt jederzeit überprüfen, ob sich ein interessanter NEO auf der Liste befindet.

Alle Informationen auf einen Blick:

NEOCP Screenshot

Rechts oben in blau:
Datum und Zeit incl. deren Darstellung als Tagesbruchteil.

Erste Spalte (weiß):
Die vorläufige Bezeichnung des neu entdeckten NEOs.

Zweite Spalte (gelb):
Die Helligkeit (V) des Objekts in Magnituden. Je kleiner der Wert desto heller.

Dritte Spalte (rot/grün):
Wann die letzte Beobachtung eingesendet wurde und ob das Objekt überhaupt schon bestätigt wurde. Rot sind sogenannte “One-Nighter”. Also Objekte die bis jetzt nur eine Nacht beobachtet wurden.

Ein Aktualisierungsbutton sorgt dafür, dass man immer die aktuellen Daten angezeigt bekommt.

Man kann auf einen Listeneintrag tippen und erhält so diese Detailinfos:

NEOCP Screenshot

Arc (blau):
Der aktuelle “Beobachtungsbogen”. Das Teilstück der Umlaufbahn (von-bis) das bisher vermessen wurde. Je größer diese Zeitspanne, desto genauer kann die Bahn bestimmt werden.

darunter in gelb:
Die beteiligten Observatorien mit OBS-Code

danach kommen die Ergebnisse der Messungen.
Sie zeigen Zeit, Position, Helligkeit usw.

NEOCP Screenshot

Die App für
Windows Phone
Android

Veröffentlicht von

www.astrotobi.de

Seit Ich 2003 zu Weihnachten mein erstes Teleskop geschenkt bekam hat mich der "Astrovirus" und alles was damit zu tun hat gepackt. Ich studiere zur Zeit Luft- und Raumfahrttechnik an der FH in Aachen und bin dort auch an der Volkssternwarte sehr aktiv. Vor meiner Studienzeit war die Starkenburg-Sternwarte Heppenheim e.V. (611) mein Heimatobservatorium bei dem ich immer noch Mitglied bin. Am meisten macht mir die Öffentlichkeitsarbeit Spaß. Was gibt es schöneres als staunende Besucher beim Anblick des Sternenhimmels? Ich versuche so oft wie möglich mit dem Teleskop zu Beobachten und mich mit Anderen auszutauschen. 2008 entdeckte ich mit Matthias Busch meinen ersten Kleinplaneten an der Starkenburg Sternwarte Heppenheim und bin Mitglied im Teide Observatorium Tenerife Asteroid Sourvey (TOTAS) welches zum Großen Teil an diese Arbeit anknüpft bzw. primär nach Near Earth Objects (NEO) sucht. Im Rahmen meines Studiums bin ich außerdem an dem Pico-Satellitenprojekt "Compass 2" beteiligt, welches zum Ziel hat schon den zweiten Cubesat der FH Aachen von Studenten zu bauen und zu betreiben.

3 Kommentare

  1. Eine Frage: Ist geplant, die App mit EasySky zu verknüfen, so dass man sich die neuen NEOs immer gleich auf einer Himmelskarte anzeigen lassen kann? Falls man vorhat, die Dinger nachzubeobachten, sofern die Möglichkeiten vorhanden (20mag kriegt man nicht eben mal so hin…)

  2. Pingback:Hilo und Kona am Nachthimmel › Raumschiff Erde › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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