Nasa aktuell – Prof. Jesco Freiherr von Puttkamer zu Gast in der FH-Aachen

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Am 11.10.2011 fand in der FH-Aachen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der FH, ein Vortrag mit dem Titel “Weltraumhotels und Marskolonien” statt. Thema des Abends war die Zukunft der bemannten Raumfahrt.

Zu Gast war Herr Prof. Jesco Freiherr von Puttkamer der demnächst auf eine 50-jährige Karriere bei der Nasa zurückblicken kann. Herr von Puttkamer hat dort z.B. Flugbahnen berechnet, bzw. war an verschiedensten Projekten wie der Saturn 5 oder dem Shuttle Programm beteiligt. Im Moment beschäftigt er sich mit kleineren und größeren Problemen der ISS. So zieht zum Beispiel der kürzliche Absturz eines Progress Versorgungsschiffs eine Menge Arbeit hinter sich, wie er uns eindrucksvoll schilderte.

“Don’t go to the industry, come to Huntsville…”

Spiegel-Ressortleiter Olaf Stampf leitete das Gespräch mit Herrn von Puttkamer und fragte ihn nach seinen Anfängen. Er berichtete über seine Science-Fiction Geschichten, die er schrieb und dass er während des Studiums ein wenig Geld verdiente indem er englische Science Fiction ins Deutsche übersetzte.
Herr von Puttkamer war sich in seinem Studium unschlüssig, da zu dieser Zeit noch keine Studiengänge zur Luft- und Raumfahrttechnik angeboten wurden. Er berichtete von einem Brief den er an Wernher von Braun schrieb. Dieser gab ihm wertvolle Tips um sich trotz des fehlenden Studiengangs das nötige Wissen eines Raumfahrtingenieurs anzueignen und legte ihm ans Herz: “Don’t go to industry, come to Huntsville, we fly to the moon”. Und so studierte Herr von Puttkamer Maschinenbau und wanderte dann kurz nach Kennedys berühmter Ankündigung in die USA aus, um im Team von Wernher von Braun zu arbeiten.

Im weiteren Geprächsverlauf ging es auch um die aktuelleren Projekte. So berichtete er z.B. von den Kommunikationsproblemen beim Shuttleprogramm, der Gefahr von in Überschall betonharten Schaumstoffteilen oder der Vorstellung ein Shuttle innerhalb von 2-3 Tagen wieder starten zu können.

Relativ zum Schluss kamen zukünftige Planungen ins Gespräch. Herr von Puttkamer erzählte über die private Raumfahrt, der er eher skeptisch entgegensieht. Es wurde von privaten Unternehmen schon viel geleistet, Ende November sollte die Kapsel Dragon auf einer Falcon 9 Rakete des Unternehmens SpaceX zur ISS fliegen, der Start wurde jedoch auf Februar verschoben, man müsse hier erstmal abwarten was private Unternemen leisten können. Sie wären aber durchaus eine Perspektive in der Zukunt der Raumfahrt.
Weltraumtourismus hingegen würde sich erst durchsetzen wenn die Tickets für jedermann erschwinglich wären.

Zum Glück wird nicht alles allein an privaten Unternehmen hängenbleiben. Herr von Puttkamer kündigte eine neue Ära der bemannten Raumfahrt der Nasa an:  NewSpace
Es geht hierbei um nichts geringeres als eine neue Rakete, welche größer als die Saturn 5 werden soll. Sie soll fast komplett aus schon existierenden Teilen bestehen. Der Hauptkörper dieser Rakete wird aus dem Haupttank der Shuttles bestehen, nur wesentlich länger. Darauf soll eine Kapsel (Orion), ähnlich der Apollo Kapsel, welche aus dem Ares Projekt stammt und für bis zu 6 Personen Platz bietet. Seitlich werden auch Booster verwendet. Vorerst die Shuttle Booster, später sollen jedoch Flüssigtreibstoffbooster entwickelt werden.
Als Triebwerke werden Shuttle und Saturn 5 Triebwerke genutzt.

Dieses neue Trägersystem soll als Erstes in einer kleinen Variante (nur kurzer Hauptkörper und Kapsel) bis 2017 fliegen. Die Rakete Soll im Endstadium der Entwicklung eine Nutzlast von unglaublichen 120 Tonnen in den Orbit befördern können. Das wäre genug um damit eine Marsmission zu realisieren, so Herr Puttkamer.

Man darf also gespannt sein…

Links:
SpaceX’s Dragon
Nasa NewSpace

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www.astrotobi.de

Seit Ich 2003 zu Weihnachten mein erstes Teleskop geschenkt bekam hat mich der "Astrovirus" und alles was damit zu tun hat gepackt. Ich studiere zur Zeit Luft- und Raumfahrttechnik an der FH in Aachen und bin dort auch an der Volkssternwarte sehr aktiv. Vor meiner Studienzeit war die Starkenburg-Sternwarte Heppenheim e.V. (611) mein Heimatobservatorium bei dem ich immer noch Mitglied bin. Am meisten macht mir die Öffentlichkeitsarbeit Spaß. Was gibt es schöneres als staunende Besucher beim Anblick des Sternenhimmels? Ich versuche so oft wie möglich mit dem Teleskop zu Beobachten und mich mit Anderen auszutauschen. 2008 entdeckte ich mit Matthias Busch meinen ersten Kleinplaneten an der Starkenburg Sternwarte Heppenheim und bin Mitglied im Teide Observatorium Tenerife Asteroid Sourvey (TOTAS) welches zum Großen Teil an diese Arbeit anknüpft bzw. primär nach Near Earth Objects (NEO) sucht. Im Rahmen meines Studiums bin ich außerdem an dem Pico-Satellitenprojekt "Compass 2" beteiligt, welches zum Ziel hat schon den zweiten Cubesat der FH Aachen von Studenten zu bauen und zu betreiben.

7 Kommentare

  1. Willkommen!

    Sieh an, ein neuer Kosmologger! Herzlich willkommen in den Blogs! Ich freue mich schon auf viele weitere Berichte aus Amaterastronomie und Amateurraumfahrt 🙂

    Eine Frage hätte ich, als raumfahrttechnisch nur am Rande Gebildeten: Sind diese Zukunftsvisionen nun die persönlichen Ansichten v. Puttkamers oder bezieht sich das irgendwie auf die offiziellen Pläne der NASA?

  2. Ein Servus aus München

    Na, das war doch ein wunderbarer erster Post!

    Herzlich willkommen bei den KosmoLogs auch von meiner Seite. Finde ich toll, dass wir Nachwuchs bekommen haben.

    Bin schon auf Deine weiteren Beiträge sehr gespannt.

    So long, alles Gute
    Andreas

  3. Jesco von Putkamer

    Vorgestern, also letzten Samstag, habe ich ihn als Zuhörer auf der Buchmesse erlebt, vorher sogar im ICE nach Frankfurt. Der Astronaut Gerhard Thiele hat mit dem französischen Philosophen Jacques Arnould über Weltraumpolitik geredet. Verantwortung und Ethik! War sehr interessant. Unsere Erde ist wirklich klein. Thiele ist wohl bem ESPI European Space Policy Institute engagiert.

  4. Weltraum Tourismus wird auf absehbare Zeit nur reichen Einzelpersonen vorbehalten bleiben – zu rar und zu teuer sind noch die freien Plätze für das reine Vergnügen

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