Beo-Tipps KW17

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Amateurastronomie und -Raumfahrt
Raumschiff Erde

Direkt aus dem Oster-Urlaub sind wieder die neuen Beobachtungs-Tipps für KW17 für euch.

Der Mond nimmt weiter ab und erscheint erst in der zweiten Nachthälfe als Vorbote des Sonnenaufgangs. DeepSky-Beobachter kommen also voll auf ihre Kosten.

 

Fernglas:

Gilt auch diese Woche noch:

“Der Mond bietet natürlich in den frühen Morgenstunden noch ein schönes Ziel. Frühaufsteher werden außerdem mit einem ersten Blick auf die Sommermilchstraße belohnt. Zusäzlich gibt es dieser Tage gleich drei helle Planeten am Himmel gleichzeitig zu sehen; Jupiter, Mars und Saturn, der gegen 22 Uhr als letzter aufgeht.”

Außerdem kann man sich mit dem Fernglas sehr gut auf die Suche nach “Asterismen” machen. Asterismen sind Schein-Sternbilder, die meistens sehr klein sind und (meistens ziemlich lustige) Formen bilden. Der bekannteste Asterismus dürfte der “Kleiderbügel” beim Schwan sein. Dazu mehr gibt es aber später im Jahr.

Hier gibt es eine kleine Zusammenstellung weniger bekannter Asterismen. Am besten ist wohl die “Cheshire Cat” im Moment zu sehen.

 

Kleines Teleskop/Stadthimmel:

Für kleinere Teleskope (Öffnung) sind natürlich immernoch die Planeten interessant. Besonders Saturn mit seinem hellen Ringsystem und den bis zu 7 sichtbaren größten Monden. Zusätzlich begint langsam die Zeit der Kugelsternhaufen. Neben M53 mit 7.6mag gibt es zB. auch den deutlich schwächeren NGC5053 an dem man seine Grenzen und die des Teleskops ausprobieren kann. M3 im Bärenhüter hatte ich ja vor ein paar Wochen schon erwähnt, jetzt hat er allerdings um Mitternacht seinen höchsten Stand. Weitere schöne Kugelsternhaufen sind am Westhimmel zu sehen: M5, M13, M92, M10, M12 und NGC6229.

M53 & NGC5053

M53 & NGC5053

 

Großes Teleskop/Landhimmel:

Durch die größtenteils Mondlose Nacht und den Höchstatnd um Mitternacht herum sind natürlich die Galaxienhaufen in den Jagdhunden und dem Haar der Berenike die Ziele der Wahl. Zur Zeit hat außerdem die große “Feuerrad-Galaxie” M101 im großen Wagen ihren höchsten Satnd fast im Zenit. Sie ist sehr flächig mit vereinzelten Knoten in den Spiralarmen und erfordert einen wirklich guten, dunklen Himmel und wenig Vergrößerung. Ein weiteres spannendes “Kopfkino”-Objekt ist die Riesengalaxie Virgo A (M87). Sie erscheint im Teleskop mit 9,6mag ziemlich strukturlos, ist aber ein Kracher im Radiobereich. Besitzer wirklich großer (meist Dobson) Teleskope können mit etwas Glück ein wenig vom Jet des riesigen Schwarzen Lochs im Inneren sehen. Direkt daneben befindet sich die berühmte Galaxiengruppe “Markarian’s Chain” mit M84 und M86.

M87 & Makarians Chain

M87 (links unten) mit Markarian’s Chain, Aufnahme von David Malin

Veröffentlicht von

www.astrotobi.de

Seit Ich 2003 zu Weihnachten mein erstes Teleskop geschenkt bekam hat mich der "Astrovirus" und alles was damit zu tun hat gepackt. Ich studiere zur Zeit Luft- und Raumfahrttechnik an der FH in Aachen und bin dort auch an der Volkssternwarte sehr aktiv. Vor meiner Studienzeit war die Starkenburg-Sternwarte Heppenheim e.V. (611) mein Heimatobservatorium bei dem ich immer noch Mitglied bin. Am meisten macht mir die Öffentlichkeitsarbeit Spaß. Was gibt es schöneres als staunende Besucher beim Anblick des Sternenhimmels? Ich versuche so oft wie möglich mit dem Teleskop zu Beobachten und mich mit Anderen auszutauschen. 2008 entdeckte ich mit Matthias Busch meinen ersten Kleinplaneten an der Starkenburg Sternwarte Heppenheim und bin Mitglied im Teide Observatorium Tenerife Asteroid Sourvey (TOTAS) welches zum Großen Teil an diese Arbeit anknüpft bzw. primär nach Near Earth Objects (NEO) sucht. Im Rahmen meines Studiums bin ich außerdem an dem Pico-Satellitenprojekt "Compass 2" beteiligt, welches zum Ziel hat schon den zweiten Cubesat der FH Aachen von Studenten zu bauen und zu betreiben.

3 Kommentare

  1. Dieser wöchentliche “Newsletters” ist mit den helleuchtenden Objekten zwar wohl eher an ein breiteres Publikum bzw. Einsteiger gerichtet. Der im vorletzten BlogPost genannte Quasar 3C273 hat mich aber angeregt, auf ein paar weitentfernte Deepskyobjekte hinzuweisen:

    In etwa sechsfacher Entfernung (300-400 Mio. Lj.) zu den hier beschriebenen Galaxien im Sternbild Jungfrau findet man abends hoch am Himmel den sogenannten Comacluster: Dieser besteht aus einigen tausend Galaxien, von denen knapp 50 in einem mittleren Amateurgerät mit 12 Zoll- Objektiv (30 cm) relativ dicht beisammen sichtbar sind. Die hellsten Objekte kann man bereits mit einem kleinen Fernrohr von 6 Zoll (15 cm) Öffnung erspähen. Der Comacluster liegt im Sternbild “Haar der Berenike”. Mit einer ordentlichen Sternkarte sind diese Galaxien auch weniger erfahrenen Beobachtern zugänglich.

    In der Rekordentfernung von etwa 750 Mio Lj liegt die Galaxie MGC 13-12-22 (Sternbild “Kleiner Wagen”). Die Gesamthelligkeit beträgt 14,7 mag. Ich habe dieses Objekt mit meinem 12-Zöller (30 cm) noch knapp erkennen können – ich beobachte in etwa 25 km Entfernung des kunstlichtdurchfluteten Rhein-Main-Gebietes.

    Die letzgenannte Galaxie erfordert neben gutem Kartenmaterial einige Erfahrung in Starhopping und indirektem Sehen. Das gilt auch für die folgenden – noch viel, viel weiter entfernten Quasare:

    In ca. 7 Mrd. Lj Abstand liegt der Quasar PKS 1424+240 (Sternbild “Bärenhüter” – Bootes),.
    Die Helligkeit beträgt aktuell etwa 14,2 mag. Das Objekt dürfte damit einem Fernrohr mit 8 Zoll-Objektiv zugänglich sein.

    In der Monsterdistanz von 13 Mrd. Lj. findet man den Quasar QSO B1634+7037. Ich habe das Objekt zuletzt im Februar gesehen und schätze die Helligkeit zu diesem Zeitpunkt auf 14,8 mag. Dies erfordert ein Fernrohr mit 10-12 Zoll Öffnung. QSO B1634+7037 findet etwa in der Mitte der “unteren” Kastensterne des “Kleinen Wagens” und des Sternbildes “Drache”

    Viel Spaß beim Suchen und vor allem beim erfolgreichen Finden !

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