Zufall ist kein freier Wille

BLOG: Quantenwelt

Gedanken eines Experimentalphysikers
Quantenwelt

In der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik spielt der Zufall eine ebenso wichtige Rolle, wie der Determinismus, also die Vorherbestimmung von Vorgängen aus dem Anfangszustand. Ob die Entwicklung eines physikalischen Systems in letzter Instanz zufällig oder vorherbestimmt ist, ist eine oft diskutierte Fragestellung. Doch sagt diese Diskussion auch etwas zum freien Willen? Gewährleistet der quantenmechanische Zufall die Existenz des freien Willens oder gibt es neben Zufall und Vorherbestimmung noch die Beliebigkeit als dritte Möglichkeit?

Zunächst vielleicht ein paar Erläuterungen: Der Determinismus taucht im Grunde in (mindestens) zwei verschiedenen Ausprägungen auf. In der Physik geht es in der Regel um die Frage, ob eine vollständige und exakte Kenntnis des Zustandes des Universums zu einem Zeitpunkt es erlaubt, alle Zustände in Zukunft und Vergangenheit zu berechnen. Sollte diese Frage mit ja zu beantworten sein, so gibt es keinen freien Willen, denn was ich morgen tue, steht schon heute durch den Zustand meines Gehirns und aller Dinge, die bis morgen auf mich Einfluss nehmen werden, fest. Das würde bedeuten, dass auch die endgültige Form dieses Textes schon feststeht und ich gar keinen Einfluss mehr darauf habe, wie sich dieser Text entwickeln wird. Ein beruhigender Gedanke vielleicht. Aber auch einer, der unseren Stolz als selbstbestimmte, freie Menschen stark ankratzt.

Für diesen Determinismus steht im Grunde die gesamte Physik bis zur Entwicklung der Quantenmechanik in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Alle klassischen mechanischen Gesetze sind deterministisch. Kennt man den Anfangszustand eines mechanischen Systems, so kann man seine Entwicklung zum Beispiel durch eine Computersimulation beliebig genau berechnen. Daran ändert auch die Chaostheorie nichts. Sie sagt lediglich, dass kleine Ungenauigkeiten im Anfangszustand große Änderungen der berechneten Entwicklung bewirken können, so dass unsere Messungen nie genau genug sein können, um die Zukunft zu berechnen. Chaos macht also die Zukunft unberechenbar, vorherbestimmt bleibt sie dennoch. Die endgültige Form dieses Textes wäre also bereits in meinem Gehirn und meiner Umgebung vorhanden, aber wir können meinen momentanen Zustand nicht exakt genug messen um den Text vorauszuberechnen.

Die zweite Art von Vorherbestimmung begegnet uns eher in der Theologie, aber auch manchmal (abgeschwächt) in der Biologie. Es ist die Zweckbestimmung. In der Theologie wird oft diskutiert, ob die Bibel die Existenz eines vorherbestimmten Schicksals nahelegt, oder ob sie dem Menschen einen freien Willen zugesteht. Das Schicksal orientiert sich dabei nicht so sehr an dem Ist-Zustand, sondern an einen Soll-Zustand in der Zukunft. Man stellt sich die Entwicklungen der Welt zielgerichtet vor und die Menschen als Räder im Getriebe, die ihre Texte nicht schreiben, weil ihr Gehirn nun einmal in dem dazu führenden Status ist, sondern weil sie zu diesem Zweck in die Welt gesetzt wurden. Dieser Determinismus ist schon schmeichelhafter.

Zweckdeterminismus kommt auch – weniger heroisch – in der Biologie vor, wenn man zum Beispiel argumentiert, dass die Blütenblätter farbig seien um Bienen anzulocken oder dass die Gene bestrebt seien sich zu reproduzieren. An diesem Beispiel kann man gut sehen, wie die beiden Determinismen verbunden sind: Evolutionstheoretisch ist die Argumentation nämlich genau anders herum. Die Gene sind da, weil sie sich in der Vergangenheit erfolgreich reproduzieren konnten. Damit haben sie die Fähigkeit zur Reproduktion geerbt und werden es auch in Zukunft tun. Sie existieren, weil sie sich in der Vergangenheit erfolgreich reproduziert haben, ihr Ziel war das nicht.

In diesem Blogeintrag soll es mir aber nicht um Determinismus gehen, sondern um die Gegensätze des Determinismus, also um den Zufall einerseits und den freien Willen andererseits. Es ist nicht unüblich freien Willen mit Zufall gleichzusetzen. So liest man zum Beispiel bei www.jesuslebt.de, dass “Quanten wollen”. Der zufällige Ausgang von quantenmechanischen Messungen wird hier als Einfallstor des freien Willens in die deterministische Welt vorgestellt. “Absolut freier Wille”, so heißt es dort, sei “insbesondere die Abwesenheit jedes Determinismus und damit naturwissenschaftlich dem Zufall äquivalent.” Ist das so?

Aus dem Blickwinkel eines Experimentalphysikers sehe ich das anders. Zufall begegnet uns Quantenmechaniker im Arbeitsalltag überall dort, wo wir Messwerte auszuwerten haben. Wir fertigen Statistiken an, mit denen wir die Messergebnisse beurteilen und die Fehlerwerte angeben können. Dabei zeigt sich, dass zufällige Ereignisse klaren Regeln unterliegen. Ein Photoelektronen-Spektrum sieht bei jedem neuen Versuch etwas anders aus. Wann und wie viele Elektronen aus der Probe herausgeschlagen werden und ob sie genau unseren Detektor treffen, unterliegt dem quantenmechanischen Zufall. Das führt zu verrauschten Spektren. Aber die grundlegende Struktur des Spektrums ist jedesmal gleich. Sie folgt den streng deterministischen Regeln, nach denen sich die quantenmechanischen Wellenfunktionen entwickeln. Und wenn wir den Versuch nur oft genug durchführen, dann mitteln sich die zufälligen Schwankungen im Spektrum heraus und die Struktur wird klar. Zufall ist also nur für ein Einzelereignis wirklich frei. Die Menge der Ereignisse verhält sich regelhaft. Zufall ist kein freier Wille.

Der freie Wille sollte sich eher in Willkür als in Beliebigkeit zeigen. Also darin, dass eine Handlung weder nur von dem aktuellen Zustand des Systems abhängt noch völlig zufällig ist. Vielmehr müsste die durch den freien Willen gesteuerte Handlung die Absicht des Individuums wiederspiegeln. Aber wie unterscheidet sich dieser freie Wille dann von dem unfreien Willen, der nur in der molekularen Struktur, im momentanen Zustand meines Gehirns kodiert ist? Offensichtlich gar nicht. Jedenfalls nicht für den experimentellen Forscher. Das Gehirn ist viel zu komplex. Von vielen Milliarden Neuronen können wir gar nicht den aktuellen Zustand bestimmen. Ob also neben den äußeren Reizen, dem aktuellen Zustand des Gehirns und vielleicht noch etwas Zufall auch noch freier Wille bei unseren Entscheidungen eine Rolle spielt, wird experimentell in absehbarer Zukunft nicht bestimmt werden können.

Joachim Schulz

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

30 Kommentare

  1. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein freier Wille etwas mit Zufall zu tun haben könnte. Eine freie Entscheidung eines Individuums ist eine Auswahl zwischen unterschiedlichen Optionen, die nicht durch äußere Zwänge und Existenzerhaltung begründet ist, sondern die sozialen Motivationen und Präferenzen der Entscheidung abbildet und somit eine Bewertung der Entscheidung bezüglich der soziale Kompatibilität ermöglicht.

  2. Freier Wille – welcher?

    Ich habe große Schwierigkeiten, auf inhaltliche Feststellungen zum sog. “freien Willen” einzugehen. Für mich “schwebt” er in einem Nichts, in Medien, in Diskussionen und in Stellungnahmen und es scheint eine “Übereinkunft” über dessen Bedeutung zu geben, welche ich allerdings nicht kenne. Wer weiß genaues darüber, was der freie Wille denn sein soll?

    Wir sprechen von ihm, wie von einem Haus, mit einer bestimmten Architektur, einem festen Standort und einer innenarchitektonischen Vorstellung. Aber niemand erklärt, wie dieses “Gebäude”, was sich freier Wille nennt, wirklich aussieht ?????

    Es sind interessante Gedanken, die überall kursieren, nur, so frage ich mich, sollten wir uns nicht zuerst darüber einigen, was wir darunter (=> freier Wille) verstehen und dann darüber sprechen?

  3. Freier Wille ist das, was einen Menschen dazu bringt, aus mehreren Optionen eine bestimmte zu wählen.

    Die Frage die sich daraus jedoch wieder ergibt ist, wie sich dann Maschinen von uns unterscheiden. Ich glaube, dass eine Maschine sich gerade durch den Determinismus – ich tu mich schwer zu glauben, dass der freie Wille auch auf Determinismus gründet – von uns unterscheidet.
    Eigentlich könnte jeder Mensch eine Maschine sein, ohne dass man selbst es von Menschen unterscheiden könnte…

  4. @ Armand

    Der Wille ist ein blindwütiger Drang. Im Rahmen seiner Möglichkeiten ist er frei ein Handlungsmotiv zu wählen. Er strebt aber danach, den Rahmen seiner Möglichkeiten zu erweitern. Dabei wird er durch Moral und Gesetz behindert. Erst, wenn er durch Mitgefühl zur Vernunft kommt, ist er frei. Der Wille ist bei Mensch und Tier im Geschlechtstrieb manifestiert. Ein Trieb zum Leben, der einem Pilze gleich durch das Erdreich zum Lichte strebt. Da der Wille blindwütig ist, ist er auf die vernehmende und hinterfragende Instanz, die Vernunft heißt, angewiesen.

  5. Definition kommt später

    Vielen Dank für die Rückmeldungen!

    Ich habe den Beitrag bewusst einseitig aus Sicht des Physikers geschrieben. Natürlich habe auch ich mir vorher Gedanken gemacht, wie “freier Wille” denn eigentlich zu definieren sei. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass wir noch nicht so weit sind.

    Man kann es vielleicht mit dem Begriff “Energie” aus der Physik vergleichen. Dieser Begriff ist heute eindeutig definiert. Jeder Physikstudent lernt heute relativ früh im Studium die Definition von Energie. Das war aber nicht immer so. Zu Newtons Zeiten sind durchaus mehrere Definitionen von energieähnlichen Größen mit unterschiedlichen Begriffen verwendet worden. Erst später haben sich dann die heutigen strenge Definitionen von Energie und Impuls herauskristallisiert, die mit den Alltagsbegriffen nur noch wenig gemeinsam haben.

    Bein “freien Willen” fehlt meines Erachtens noch die experimentelle Grundlage. Ein Wissenschaftler, der dieses Gebiet erforscht, wird also nicht darum herumkommen, zunächst zu erklären, was er misst, und dann warum das “freier Wille” ist oder nicht. Vielleicht werden sich dann auch etwas andere Konzepte als tragfähig erweisen.

  6. @Dietmar Hilsebein

    “Der Wille ist bei Mensch und Tier im Geschlechtstrieb manifestiert.”

    Das wäre dann aber mehr der Determinismus. Nämlich das Handeln aufgrund des aktuellen hormonellen Zustands des Körpers.

  7. Noch einmal kurz zum Kommentar von Herr Hilsebein:
    “Dabei wird er durch Moral und Gesetz behindert. […] Da der Wille blindwütig ist, ist er auf die vernehmende und hinterfragende Instanz, die Vernunft heißt, angewiesen.”

    Ich denke Vernunft gehört irgendwie direkt zum freien Willen. Durch unseren freien Willen entscheiden wir uns für eine von mehreren Handlungsoptionen. Ich denke dass jeder Mensch versucht vernünftig zu handeln und dass keiner dabei einen Widerspruch zum freien Willen sieht.
    Insofern finde ich auch, dass der freie Wille nicht durch Moral und Gesetz behindert wird. Moral und Gesetz dienen nur dazu, Alternativen abzuwägen. Eine Entscheidung durch unseren freien Willen kann dennoch auch gegen Moral und Gesetz gehen. Ich denke eher Moral und Gesetz sorgen eher dafür, dass sich nicht all unser Wollen in unserem Handeln spiegelt, da wir aufgrund willentlich getroffener Entscheidungen auch Teile unseres Wollens unterdrücken können.

  8. @Schulz

    “Das wäre dann aber mehr der Determinismus. Nämlich das Handeln aufgrund des aktuellen hormonellen Zustands des Körpers.”

    Der Wille selbst gründet auf ein Unbehagen. Aus dem Behagen erwächst mir kein Antrieb. Findet der Wille kein Handlungsmotiv, so ist er aber dennoch aktiv -in Form der Langeweile. Freud sieht alle Kultur (Objektivierung des Willens) als Sublimierung des Sexualtriebes. Wobei dabei wichtig ist, daß Sublimierung nicht mit Triebverzicht verwechselt werden darf. Vielmehr nimmt der Wille ein Handlungsmotiv wahr, das für ihn einen höheren Reiz darstellt -im Gegensatz zur bloßen sexuellen Triebabfuhr.

  9. absichtvoller = freier Wille

    Von manchen Nahtod-Erlebnissen wird berichtet, dass sich die Person daran erinnerte wie sie früher eine wichtige Entscheidung traf: Das Abwägen der Entscheidung (vor- und nachteile), die getroffene Entscheidung und welche Auswirkungen die Entscheidung hatte – werden dabei nochmals erinnert.
    Dies deutet darauf hin, a) dass man einen freien Willen hat, b) dass die Entscheidungsfindung als Erfahrung im Gehirn abgespeichert wird

  10. Frei ist der Wille…

    … wenn er nicht durch die Kombination äußerer Einflüsse und innerer Zustände determiniert ist.

    Dass die Entscheidung erinnert wird, ist kein eindeutiger Hinweis darauf, dass sie frei war. Auch eine Maschine kann die äußeren Einflüsse und inneren Zustände, die zu einer Entscheidung geführt haben, abspeichern und später wieder hervorholen.

    Das ist natürlich kein Beweis, dass es keinen freien Willen gibt.

  11. @joachim, Frei ist der Wille

    Tja, das ist aber Pech; denn der Wille ist ja allerdings durch innere Zustände determiniert – denn schließlich benutzt man ja immer das Gehirn, um ein Entscheidung zu treffen.
    Und die Entscheidungsmöglichkeiten des Gehirns sind durch die vorgegebenen Nervenverbindungen (= Gedächtnis) vorgegeben.
    => Es gibt nie einen freien Willen, wenn jemand sein Gehirn benutzt.
    Und ohne Gehirn gibt es auch keinen freien Willen.
    D.h. es gibt überhaupt nie einen freien Willen.
    Und so einen Blödsinn schreibe ich auch noch nieder. Peinlich, peinlich

  12. absichtsvoller = freier Wille, 2.Versuch

    Man kann also per Definition jeden Unsinn belegen, das habe ich ja in meinem vorherigen Beitrag (@joachim) gemacht.
    Aber mein vorletzter Beitrag wurde nicht richtig bentwortet:
    Wieso sollte in den Erinnerungen eine Entscheidungsfindung erkennbar werden, wenn wir keinen freien Willen hätten?

  13. Entscheidungsfindung zeigt freien Willen

    @ Litsche:
    Die Tatsache, dass man sich an bewusst getroffene Willensentscheidungen erinnern kann, zeigt, dass man einen freien Willen hat. Wenn alles schon vorbestimmt wäre, dann wäre eine solche Willensentscheidung vollkommen überflüssig.

    D.h. die im Blog von Joachim Schulz getroffne Annahme, dass es einen freien Willen nicht geben würde, ist falsch.

  14. Falsch

    “D.h. die im Blog von Joachim Schulz getroffne Annahme, dass es einen freien Willen nicht geben würde, ist falsch.”

    Lesen Sie meinen Blog gerne nochmal. Dass es keinen Freien Willen gibt, habe ich nicht behauptet.

  15. freier Wille – Determinismus

    Auch für mich ist freier Wille kein Zufall!
    Soll man etwa zufrieden mit seiner “freien” Entscheidung sein, wenn man nun jedesmal eine Münze oder Würfel nimmt, wenn etwas zu entscheiden ist? Nein sage ich!
    Ich empfinde als freien Willen, wenn ich das Für und Wider abwägen darf und dann daraus zur Entscheidung komme.
    Möglicherweise ist dieser Vorgang determiniert (im Innersten meiner Gehirnwindungen). Aber was solls!!?
    Gäbe es eine bessere Form von freien Willen als diesen? Ich brauche dazu keine Unbestimmtheit der Quanten, falls diese im Gehirn überhaupt eine Rolle spielen.
    Ein Zufall wäre für mich bei der Willenentscheidung keine Bereicherung!
    Freier Wille und Determinismus widersprechen sich für mich nicht.

  16. wieso

    schaut man in diesem fall nicht erstmal nach, was darüber in der philosophie der letzten 2000 jahre gedacht und geschrieben wurde? nicht jeder muss das rad neu erfinden, man kann sich auch die entwicklung des rades anschauen und es verbessern. bieri, tugendhat, frankfurt, searle, etc. haben in den letzten jahren gute ansätze entwickelt.

  17. freiheit, allmacht uam

    Ein wahrhaft FREIER Wille wäre meines Erachtens gleichbedeutend mit einer freien Wahl meiner Zukunft. Dann könnte ich aber auch wählen, beispielsweise das Universum anzuhalten. Oder wählen, es zu verlassen. Oder die Zeit rückwärts laufen zu lassen.
    Wer jetzt sagt, dass die Naturgesetze das verbieten, der sagt auch, dass ich nicht frei bin, weil die Naturgesetze mich determinieren.

    Zufall, so es ihn wirklich gäbe, wäre niemals ein Indiz von Freiheit. Man kann ja den Zufall nicht mit dem Willen wollen, er ist innerhalb eines Systems (oder Universums) möglich.

    Auch der Zufall ist determiniert in Gestalt der Möglichkeit dieses Zufalls. Wäre dieser Zufall nämlich unmöglich, dann könnte er sich nicht ereignen. Das Unmögliche muss unmöglich bleiben.

    Erst, wenn ich Unmögliches möglich machen kann, dann kann ich eventuell von einer Freiheit sprechen – weil ich dann Unfreiheiten sprengen kann allein mit dem Willen. Man könnte diesbezüglich auch von Allmacht sprechen. Und von diesem freien Willensakt dann als von einer Form von Wunder oder Zauberei.

    Aber Zaubereien sind nur dann möglich, wenn Zaubereien auch erlaubt sind in einem Universum. Und die Erlaubnis zur Zauberei ist wiederum rückführbar auf eine höhere Gesetzmäßigkeit.

    Es mag eine simple Form von Wahlfreiheit oder Handlungsfreiheit geben – trinke ich Weißwein oder doch lieber Rotwein? Oder, wer es dramatischer mag: Bringe ich mich um oder nicht?
    Aber mir die Freiheit herauszunehmen und zu sagen, ich möchte beides gleichzeitig tun, also tot sein und lebendig – das ist mir nicht möglich, nicht erlaubt.

    Kurzum: Allmacht ist nicht möglich, lediglich Handlungsfreiheit ist in geringem Maß gegeben und wird dann gerne mit dem Freien Willen verwechselt …

  18. Zusammenfassung

    Ich fasse zusammen:

    Wir verfügen “quasi” über freien Willen, denn wir werden vermutlich auf ewig zu blöd sein den aktuellen Zustand unseres Universums zu messen und damit auch zu berechnen.

    Die Chaosforschung scheint diese These zu stützen … Chaos sei Dank! Ich sehe das Chaos auf meinem Schreibtisch nun aus einer ganz anderen Perspektive …

  19. Zufall??

    So sehe ich das auch.
    Ab einer gewissen Komplexität schlägt die Entrophie schmerzlich zu denn es steht nicht beliebig viel Energie zur Verfügung um das Problem zu lösen. Wir kriegen das deshalb nicht final gelöst.
    Liebe Grüße
    Holger Bach

  20. Freier Wille ?

    E=mc² bedeutet in letzter Konsequenz, dass Materie eine Form der Energie ist. Damit steht fest, Energie ist der Baustoff dieser Welt. Die Eigenschaft der Energie ist Kraft. Alle Ursachen und ihre Wirkungen lassen sich auf ein Wechselspiel von Kräften reduzieren, die keinen Willen kennen. Deshalb können wir nur wollen, was wir in unserem Leben gelernt haben. Wäre es anders, dann müsste ein gerade geborenes Kind sofort ausrufen können: Hallo hier bin ich, mein Name ist…
    Würden wir alle Argumente als exakte Kräfte ausweisen, dann wäre uns unsere Zukunft bekannt.
    Deshalb bin ich mir absolut sicher, diese Welt ist determiniert, unser freier Wille – nur ein Illusion.
    Darum gibt es auch keinen Zufall. Mit Zufall wird bezeichnet, was wir nicht in das Kräftespiel einordnen können. Deshalb ist der Begriff Zufall unserem Unvermögen zuzuordnen und sollte aus unserem Wortschatz getilgt werden.

    So hart es auch klingen mag, aber wir müssen uns damit abfinden: Wir leben nicht, sondern wir werden gelebt und haben unser vorgegebenes Schiksal zu ertragen. Ich kann wollen was ich will, aber immer nur, was mir die Kraft der Vergangenheit zugebilligt hat, weil Wille einfach nur Wirkung ist, Wirkung eines vorangegangenen Kräftespiels.

  21. Illusion als Triebkraft

    Der Glaube an den freien Willen (auch wenn ihn die Physik ausschließt, da die Quantenmechanik schließlich nicht einen Bogen um die Gehirne macht!) ist aber für viele ein Motivator, so wie für andere die Religion. Man wird ihn deshalb den meisten nicht ausreden können.

  22. Bin auch der Meinung, dass der freie Wille eine Illusion ist. Wie schon im Blogg erwähnt, nehmen wir an es gäbe keinen Zufall, so gäbe es auch keinen freien Willen. Dies würde bedeuten, dass
    der freie Wille vom Zufall abhängt. Das wiederum würde bedeuten, dass der freie Wille zufällig entsteht, also ein zufälliger freier Wille?

  23. kein Betreff

    Bin auch der Meinung, dass der freie Wille eine Illusion ist. Wie schon im Blogg erwähnt, nehmen wir an es gäbe keinen Zufall, so gäbe es auch keinen freien Willen. Dies würde bedeuten, dass der freie Wille vom Zufall abhängt. Das wiederum würde bedeuten,dass der freie Wille zufällig entsteht, also ein zufälliger freier Wille?

  24. Conway’s “free will theorem”

    Ich fand Conway’s free will theorem schön, z.B. kann man damit ein paar Grundkonzepte der Quantenphysik schön darstellen. (Hoffentlich kein redundanter Hinweis, zum Überfliegen der bisherigen Beiträge dazu fehlt mir gerade die Zeit)

  25. “Freier Wille” pragmatisch betrachtet

    Determinismus, Zufall und dann noch “Freier Wille”. Da ist etwas zuviel! Wie Joachim Schulz festhält gibt es kein – bis jetzt? – beobachtbares physisches Korrelat zum “Freien Willen”. Doch meiner Ansicht nach ist die ganze Diskussion grösstenteils müssig und akademisch. In der Praxis vertragen sich Determinismus und “Freier Wille” durchaus. Determinismus, angewandt auf die Historie einer bestimmten Person, bedeutet doch, dass die Person einen bestimmten (vielleicht sogar bis in Detail determinierten? ) Lebensweg durchläuft, der sich in ihrer Person (Gedächtnis, Gewohnheiten, Bedürfnisse etc.) niederschlägt. Diese Person fühlt sich in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt, wenn sie nicht machen kann was sie will. Die Idee, die hinter einem weitergehenden Konzept von Willensfreiheit steckt, nämlich, dass die Person sogar wollen können soll, was sie will, beschäftigt kaum jemanden, den ich kenne.
    Interpretiert man Determiniertheit als Gegensatz zum Geschwisterpaar “Freier Wille”/”Verantwortlichkeit” kann das allerdings Probleme schaffen. Man könnte argumentieren, dass jemand der subjektiv zwar frei handelt, aber in Wirklichkeit durch seine Geschichte und die Umstände gar nicht anders handeln kann, nicht schuldfähig ist und deshalb beispielsweise Gefängnisstrafen “ungerecht” seien und durch Verwahrungen/Korrekturbehandlungen zu ersetzen wären. Natürlich steckt dahinter auch unser judäo-christliches Erbe, welches Strafe (ewige Verdammniss) als Antwort auf persönliche Schuld vorsieht und es stellt sich tatsächlich die Frage wie es Verantwortlichkeit und Schuld ohne absoluten freien Willen geben kann. Die Lösung für dieses Dilemma ist wohl, dass wir nicht nur unsere überhöhten Vorstellungen von dem, was freier Wille ist, aufgeben, sondern auch die Begriffe Schuld und Verantwortung pragmatischer interpretieren. In dieser Interpretation ist Strafe für ein Vergehen gerechtfertigt, das eine zurechnungsfähige Person in vollem Bewusstsein seiner Verwerflichkeit (oder auch nur Illegalität) begeht unter der Voraussetzung, dass die Person änderungsfähig ist. Ein Richter, der eine Strafe ausspricht, urteilt also auch über die Anpassungsfähigkeit des Angeklagten. Ob die Tat des Verurteilten letzlich determiniert war spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass der Täter auch anders handeln könnte, wenn er wollte (es genügt schon, dass er anders handeln will, weil sonst Strafe droht).

    Die pragmatische Version des freien Willens nennt man wohl Selbstbestimmung: Die Person tut – warum auch immer – was sie tun will (also ohne äusseren oder inneren, z.B. drogenbedingten Zwang). Selbstbestimmung und Determinismus schliessen sich nicht aus. Wenn schon könnten eher unkontrollierbare zufällige Hirnprozesse die Selbstbestimmung beinträchtigen. Der Zufall ist also nicht nur ein Feind des metaphyisch überhöhten “freien Willens”, sondern sogar der Selbstbestimmung.

  26. adenosine

    An “adenosine”
    Diese Aussage zeigt,dass du den Artikel nicht verstanden hast.
    Versuch den Artikel nochmal zu lesen und ihn wirklich zu verstehen. Lg

  27. determination

    ” Zufall ist also nur für ein Einzelereignis wirklich frei. Die Menge der Ereignisse verhält sich regelhaft. Zufall ist kein freier Wille.”

    das ist eine schwache begründung.

    wenn sie sich gleichmäßig auf dem schirm verteilen würden, also überall mit der gleichen wahrscheinlichkeit, würden sie dann immernoch sagen “sie verhalten sich regelhaft”?

    man muss auch eine sache bedenken:

    es geht hier nicht um den zufall, sondern um die qualität der nicht-determiniertheit. wenn das bewusstsein des menschen tatsächlich was mit unbestimmtheit der quantenmechanik zu tun hat, dann ist dieser zufallsbegriff falsch. dann das bewusstsein verhält sich ja dann nicht zufällig, sondern einfach nur nicht-determiniert, es befolgt sozusagen nicht-deterministischen regeln.
    das ist ein bisschen schwer zu formulieren. was ich letztendlich sagen will, ist, dass es vielleicht garkeine willkür ist.

  28. ich sehe ein grundsätzliches Problem bei der Beantwortung der Frage nach der Willensfreiheit: Wir haben selbst mit unseren wohlbegründetsten und bewährtesten Naturgesetzen nie mehr als eine bisherige 100-prozentige Prognostizierbarkeit des Verhaltens der Dinge. Dies erlaubt jedoch nicht den Schluss auf einen Zwang – der für den Beweis des Determinismus notwendig wäre.

    Leider lässt sich der Determinismus auch nicht widerlegen bzw. die Freiheit beweisen, da wir nie ausschließen können, dass wir vorherbestimmt sind. Daher ergibt sich m. E. für das “Problem” der Willensfreiheit die prinzipielle Unlösbarkeit. Wir sollten das einfach vergessen und uns bedeutenderen Themen zuwenden.

    Hier habe ich dazu ausführlicher Stellung genommen:

    http://www.buzznews.de/2015/06/07/determinismus-oder-freier-wille-pfeift-auf-den-streit/

    Vielleicht mag mir der eine oder andere ja mitteilen, wenn ich einen Denkfehler gemacht haben sollte.

Schreibe einen Kommentar