Placebos wirken auch ohne Homöopathie

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Gedanken eines Experimentalphysikers
Quantenwelt

Seit der Spiegel die Homöopathie öffentlich kritisiert hat, ist sie wieder in aller Munde und war nicht nur in meinem Blog, sondern bei SciLogs auch bei Graue Substanz und bei Mente et Malleo. In diesen Diskussionen wird immer wieder ein scheinbares Argument für die Homöopathie zur Diskussion gestellt:

In der Homöopathie wirkt immerhin der Placebo-Effekt. Ist es nicht allein deshalb sinnvoll, Homöopathie einzusetzen?

Nein, ist es nicht. Placebos sind definiert als Scheinmedikamente ohne Wirkstoff. Wenn es also heißt, dass ein Homöopathikum so gut wirkt wie ein Placebo, dann bedeutet das, dass das Zuckerkügelchen ebenso gut wirkt, wenn man es nicht mit einem homöopathisch hergestellten Saft beträufelt. Oder eben, dass das Wasser / der Alkohol ebenso gut wirkt, wenn er nicht vorher in einem Gefäß verschüttelt wurde, das einmal einen (vermeintlichen) Wirkstoff gesehen hat. Globuli haben also vergleichbare Wirkungen, wie die bunten Zuckerkugeln vom Jahrmarkt.

Placebos werden in der Forschung benutzt, um systematische Fehler aller Art in der statistischen Prüfung von Arzneimitteln auszuschließen. Man behandelt zwei Gruppen von Patienten exakt gleich, nur gibt man der einen das zu untersuchende Medikament und der anderen ein Placebo. Gibt es in beiden Gruppen etwa gleich viele scheinbare Wirkungen und Nebenwirkungen, so hat das Medikament offenbar nichts bewirkt und nur die anderen Aspekte der Behandlung oder der natürliche Verlauf der Krankheit haben dazu geführt, dass sich die Patienten subjektiv besser (oder schlechter) fühlen oder dass sie sogar objektiv gesundet sind.

Die nicht auf Medikamente zurückgehenden Wirkungen gibt es natürlich nicht nur in wissenschaftlichen Studien. Bei jedem Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt gibt es jede Menge Nebenbedingungen, die den Krankheitsverlauf positiv aber leider auch negativ beeinflussen können. Homöopathiebefürworter geben oft zu bedenken, dass sich ein Homöopath viel mehr Zeit für die Anamnese lasse und deshalb die Homöopathie Vorteile gegenüber wissenschaftlicher Medizin habe. Das ist kein gutes Argument. Ein wissenschaftlich denkender Arzt könnte auch viel mehr Tipps zu hilfreichen Verhaltensweisen geben und dem Patienten ein besseres Gefühl vermitteln, wenn er mehr Zeit für das Beratungsgespräch hätte. (Und vielleicht könnte er sogar einen Patienten überzeugen, dass eine Behandlung mit Medikamenten in manchen Fällen nicht sinnvoll ist.)

Placeboeffekte sind kein Argument für Homöopathie, denn sie sind nur die Begleitumstände der Behandlung. Sollte man nicht besser daran arbeiten, die Begleitumstände der konventionellen Medizin auf den Stand der (meist privat bezahlten) Homöopathie zu bringen? Als ich 2007 in einem schwedischen Krankenhaus operiert wurde, hatte ich das subjektive Gefühl, in guten Händen zu sein. Das hat sicher den Heilungsprozess positiv beeinflusst. Auch ohne Homöopathie.

Veröffentlicht von

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Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

27 Kommentare

  1. Stimmt offensichtlich nicht…

    …”Placeboeffekte sind kein Argument für Homöopathie, denn sie sind nur die Begleitumstände der Behandlung.”

    Wenn der Patient aus welchen Gründen auch immer sich nur beim Homöopathie Arzt/Ärztin behandeln lassen will, dann ist dies – Placeboeffekte – offensichtlich doch ein Argument.

    Das Gefühl in guten Händen zu sein kann sich dramatisch z.B. von vor einer Op zu nach einer Op ändern. Beispiele kennt jeder genug. Generell wird gerne vergessen, dass sich unser Körper selbst wieder von Krankheiten erholen kann.

  2. Aber nicht von mir

    @Stefan Hippler:
    “Generell wird gerne vergessen, dass sich unser Körper selbst wieder von Krankheiten erholen kann.”

    Stimmt, genau deshalb habe ich das in diesem Blog erwähnt: “oder der natürliche Verlauf der Krankheit”. Ist meines Erachtens eher ein Argument gegen den Glauben, Homöopathie würde wirken.

    Das Problem sind aber die Krankheiten, von denen man sich nicht erholt. Da wird das Vertrauen in den Homöopathen schnell gefährlich. Beispiele kennt jeder genug.

  3. Patientensicht und Schulmediz. Sicht

    Aus der Sicht der Schulmedizin ist Homöopathie Placebo. Ein Placebo, das maximal wirkt, wenn der Patient an die Homöopathie glaubt. Dieser Glaube verträgt sich aber nicht mit Aufklärung. Sogar der homöopathische Arzt kann nicht einfach so tun als ob – auch er muss an die Lehren Hahnemanns glauben. Nur so ist er glaubhaft.

    Viele, wenn nicht die meisten Patienten brauchen die menschliche Zuwendung, das Ernstgenommenwerden, das Mitfühlen des Artzes – wie das vom Autor in diesem Artikel zu recht als allgemeinverbindlich gefordert wird.

    Einige – und nicht wenige – brauchen auch ein Stück Magie im Heilungsprozess: Das Medikament als Talisman, Tröster und Retter. Der Heilprozess als magische Prozedur, in der Ausser- und Übersinnliches abläuft.

    Homöopathie mag dieses Magische sein, gibt aber teilweise vor, eine rationale Antwort auf ein Leiden zu sein. Gerade das macht sie gefährlich.

    Man muss sich bewusst sein, dass evidenzbasierte Medizin und aus Überzeugung vertretene Homöopathie immer wieder in Konflikt geraten, ja geraten müssen. Homöopathie ist eine Lehre, die von Hahnemann in einer Zeit entwickelt wurde, in der brachiale schulärztliche Methoden (wie Aderlass) gang und gäbe waren. Seine sanften Methoden jedoch, angewandt auf Infektionskrankheiten oder zum Ausdruck gebracht in der Ablehnung des Impfens, sind heute jedoch, wo es wirksame mediz. Mittel gibt, schlicht und einfach verantwortungslos. Placebo wäre dagegen – im richtigen Moment angeawandt – geradezu gut.

    Wer Homöopathie mit Globulie gleichsetzt ist ein Ignorant. Homöopahtie ist eine Einstellung zum Heilen und eine Lehre mit innerer Logik. Und aus der Sicht der Schulmedizin ist es eine Irrlehre, die medizinisch angezeigten Massnahmen zuwiderlaufen kann. Beispiel: Nicht wenige Homöopathen sind Impfgegner. Wenn Masern in Europa nicht ausgerottet werden können, dann auch darum, weil Homöopathen Widerstand leisten und Patienten in ihrer Impfgegnerschaft unterstützen.

    So gesehen ist Schamanenmedizin – wenn nur als Zusatz zur regulären Behandlung ausgeübt – weniger gefährlich als Homöopathie. Denn Homöopathie gibt oft vor, die adäquate Antwort auf ein Leiden zu sein und lässt dann oft auch keine “Störung” durch eine parallel ablaufende schulmedizinische Behandlung zu.

  4. Maximale Wirkung

    @Martin Holzherr
    Danke für die zusätzlichen Gedanken. An einem Punkt möchte ich aber nachhaken:
    “Ein Placebo, das maximal wirkt, wenn der Patient an die Homöopathie glaubt.”
    Ist das erwiesen, gibt es dazu Studien? Ich glaube unbesehen, dass der subjektive Effekt mit Glauben zunimmt. Aber gilt das auch für objektiv messbare Symptome?

  5. Homöopathie /Placebos

    Ich warte auf den Zeitpunkt, an dem sich die Diskussion vom Nachweis der Wirksamkeit bzw. Unwirksamkeit weiterbewegt und die Aufmerksamkeit auf das Setting/Compliance zwischen Arzt und Patient richtet.
    Der klassisch ausgebildete Homöopath beherrscht die methodische Anamnese und richtet seine besondere Aufmerksamkeit auf psychisches Befinden.Er erfragt genauestens und in mehreren Sitzungen Symptome und Modalitäten,bevor er etwas verabreicht.
    Das hat auch einen Effekt auf Patienten,die sich in der Schulmedizin abgekanzelt,missverstanden und zu flüchtig behandelt fühlen. Es ist m.E. nicht der Placebo_Effekt, sondern eher das sich angenommen fühlen und der Bestand eines Vertrauensverhältnisses.
    Das sollte mehr Raum finden in der modernen Medizin.Diskussionen über Wirksamkeit /Unwirksamkeit lenken doch nur ab von der gerechtfertigten Kritik an den Mängeln der Schulmedizin.

  6. @Sabine Trofniew

    Es geht ja in meinem Beitrag gar nicht um den Nachweis der Wirksamkeit. Der ist bereits oft genug fehlgeschlagen. Es geht hauptsächlich um die von Ihnen angesprochenen Punkte:
    ” Es ist m.E. nicht der Placebo_Effekt, sondern eher das sich angenommen fühlen und der Bestand eines Vertrauensverhältnisses.”
    Auch das geht selbstverständlich in den Placebo-Effekt ein. Der Placebo-Effekt ist alles, was nicht durch das Medikament selbst bewirkt ist. Mein Beitrag ist ausdrücklich auch ein Appell daran, ein Vertrauensverhältnis in der Medizin aufzubauen.

  7. “Placebos werden in der Forschung benutzt, um systematische Fehler aller Art in der statistischen Prüfung von Arzneimitteln auszuschließen.”

    Autsch! Natürlich wird mit Placebos nur ein systematischer Fehler ausgeschlossen, nämlich eben der des Placeboeffekts. Andere systematische Fehler (Auswahlfehler, ungenügende Verblindung oder Randomisierung, usw.) werden damit nicht ausgeschlossen.

    Ansonsten: genau!

  8. Recht im Unrecht

    @Michael:
    Natürlich hast du recht, die von dir genannten systematischen Fehler werden durch Placebos nicht ausgeschlossen. Dennoch muss ich widersprechen:
    “Autsch! Natürlich wird mit Placebos nur ein systematischer Fehler ausgeschlossen, nämlich eben der des Placeboeffekts.”

    Placebos schließen sehr viele verschiedene Effekte mit ein. Zum Beispiel dass viele Symptome auch ohne Behandlung besser werden, dass viele man subjektiv eine Besserung spürt, wenn man sich nur gut behandelt weiß, dann manchmal bewusst oder unbewusst während der Behandlung auch andere Einfüsse, wie Ernährung, Entspannung, Bewegung geändert werden und vieles mehr.

    Unter Placeboeffekt kann man all das subsummieren, dann hast du zwar recht mit deinem Einwand, aber er wird auch zur Nullaussage. Meinst du mit Placebo-Effekt aber nur den Effekt, dass Glauben zu einer subjektiven Besserung der Symtome führt, dann ist es eben nicht Korrekt. Mit Placebos kann man nicht die verschiedenen Einflüsse voneinander trennen.

  9. Vielleicht ist das nur eine unterschiedliche Interpretation des Wortes “alle”. Wenn man den Satz liest mit der Interpretation “alle=sämtliche”, dann ist er falsch. Wenn man interpretiert “alle=diverse”, dann kann man ihn stehen lassen.

  10. auch die schulmedizin nutzt placebos …

    … ein allgemeinmediziner wird vermutlich seinerseits eine hohe quote placebopräparate verschreiben (müssen). viele patienten möchten einfach etwas nach hause mitnehmen, nicht nur einen warmen händedruck. wenn sie medizin nehmen, haben sie das gefühl, schnell und unkompliziert etwas zu tun – nur abwarten ist mitunter (psychologisch) anstrengender als (irgend)etwas zu tun.

    mal ganz zu schweigen von etwaigen tips des mediziners zu einer insgesamt gesunderen lebensführung – das ganze leben umkrempeln will dann doch kaum einer 😉

  11. @Michael

    Volle Zustimmung. Meine Formulierung “systematische Fehler aller Art” ist zumindest missverständlich. Und ich muss auch zugeben, dass ich an die Fehler, die du genannt hast, nicht gedacht hatte. Andererseits möchte ich in diesem Beitrag gerade betonen, dass der Placebo-Effekt eben kein homogener psychologischer Effekt ist, wie oft vermittelt wird, sondern dass da auch “alle möglichen” anderen Effekte in zunächst unbekanntem Maße eine Rolle spielen.

    Deshalb auch meine Frage an Martin Holzherr, wie gesichert es denn ist dass der Glaube eine entscheidende Rolle bei tatsächlichen Genesungen spielt. Dass er bei subjektiven Einschätzungen des Befindens wichtig ist, bezweifle ich nicht.

  12. Maximale Wirkung: Patienten Compliance

    “Ein Placebo, das maximal wirkt, wenn der Patient an die Homöopathie glaubt.”

    Im tieferen geht es um die Patienten-Compliance, also das Mitmachen bei der Therapie. Der Begriff Placebo ist dafür vielleicht zu kurz gegriffen. Bei längeren Krankheitsprozessen, gar chronischen Erkrankungen, spielt die Einstellung des Patienten zur Krankheit eine entscheidende Rolle. Der Patient erlebt die Krankheit oft als externes System, externe Belastung, der er etwas entgegensetzen muss. Das kann eben das System der Homöopathie sein. Nimmt er es an, kämpft er nicht mehr allein gegen die Krankheit: er hat nun einen Beistand in Form eines Systems, das die Symptome in einen Zusammenhang bringt und das Elemente der Abwehr bereithält.

    Homöopathie ist oft ein alternatives System, dass der Patient erst wählt, wenn er sich von der Schulmedizin im Stich gelassen fühlt. Oft fehlt eben die therapeutische Partnerschaft, die es bei längeren oder chronischen Krankheiten braucht. Der homöopathisch orientierte Arzt strebt – wie von andern hier schon angedeutet – eine solche therapeutische Partnerschaft weit häufiger und erfolgreicher an als viele Schulmediziner und er baut die Partnerschaft schon bei der Anamnese (zeigt Empathie …) auf.

    siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Compliance_(medicine)
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7114986

  13. Wollen die Leute wirklich H.?

    Tolya:”viele patienten möchten einfach etwas nach hause mitnehmen, “
    … und damit wird nicht selten begründet, warum H. angewendet wird. Ich frage mich, warum man die Leute nicht einfach über die Krankheit aufklärt, in einfachen Worten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in der Apotheke einem Produkte verkauft werden, die sich dann als Homöopathika erwiesen haben. Sollte es die auch die Pflicht sein von Ärzten und Apothekern, die Patienten aufklären, zumal diese ihnen ja das Studium finanziert haben?

  14. Placebo, Nocebo

    Statt sich über die Homöopathie zu ärgern, wäre es sinnvoller endlich zielgerichtet zu untersuchen wie und warum Placebos überhaupt wirken.
    Denn auch die Medikamente der Schulmedizin nutzen Placebo-Effekte; z.B. wirkt Form/Farbe/Preis der Medikamente auf den Behandlungserfolg.
    Zudem wirkt sich auch ein negativer Placebo-Effekt (= Nocebo) auf das Behandlungsergebnis aus; wenn die Patienten durch das Lesen des Beipackzettels in Angst und Schrecken versetzt werden.

  15. Das eine tun, das andere nicht lassen

    @KRichard
    Untersuchungen zur Wirkungsweise von Placebos gibt es viele. Das wird schon lange untersucht. Woher sonst wissen wir, dass teure Placebos besser abschneiden als billige und dass rote Pillen für einige Beschwerden besser geeignet sind als blaue. Sicher könnte ich auch darüber schreiben. Vielleicht ein anderes Mal.

    Hier geht es aber um die Frage: Wenn es nur Placebos sind, brauchen wir dann Homöopathika? Die Antwort ist nein.

    Oder sehen sie es einmal so: Wenn wir alles Geld, das heute für Homöopathika verschwendet wird, zur weiteren Erforschung des Placeboeffektes einsetzen, dann ist allen geholfen. Andererseits sollte man es damit auch nicht übertreiben und dem Placebo magische Fähigkeiten zuschreiben. Noch besser ist es, Verfahren zu entwickeln, die besser sind als Placebos.

  16. Nocebo-Effekt vermeiden

    Vielleicht sollte im Beipackzettel abgesehen von den Nebenwirkungen auch noch etwas positives stehen, z.B. dass dieses Medikament nachweislich wirkt und in z.B. 99% der Fällen zur Linderung/Heilung führt. Man könnte ja mal eine Studie machen mit einem relativ gebräuchlichen Medikament, dem randomisiert&verblindet verschiedene Versionen des Beipackzettels beiliegen. An dem Text mit dem kleinsten Nocebo-Effekt könnte man sich dann in Zukunft orientieren.

  17. Warum und Wie

    Untersuchungen zur Wirkungsweise von Placebos gibt es viele, die meisten davon sind uninteressant – weil sie bloß der Frage nachgehen ob Placebos wirken, aber kaum der Frage ´Warum und Wie wirken sie?´.

  18. Mehr Zeit für die Patienten

    “Homöopathiebefürworter geben oft zu bedenken, dass sich ein Homöopath viel mehr Zeit für die Anamnese lasse und deshalb die Homöopathie Vorteile gegenüber wissenschaftlicher Medizin habe. Das ist kein gutes Argument. Ein wissenschaftlich denkender Arzt könnte auch viel mehr Tipps zu hilfreichen Verhaltensweisen geben und dem Patienten ein besseres Gefühl vermitteln, wenn er mehr Zeit für das Beratungsgespräch hätte.”

    Ich denke das ist die eigentliche Essenz der gesamten Diskussion! Ich halte das nämlich für ein sehr gutes Argument der H.-Befürworter: Schaut man zurück auf die Anfänge der H., da war sie der damaligen “Schulmedizin” natürlich überlegen. Letztere bestand vor 200 Jahren ja meist aus eher fragwürdigen weil zT hochtoxischen und bestenfalls wirkungslosen Mittelchen. Da war so ein Placebo zumindest nicht schlechter und die Patienten wurden nicht mit Arsen und co. zusätzlich gepeinigt. Die H. hat also einen schwerwiegenden Missstand der damalig etablierten Medizin aufgezeigt. Und genauso sehe ich es heute auch – als Chance: Sobald die Ärzte wirklich wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben, werden weniger Menschen nach solchen Alternativen suchen. Wenn die Behebung dieses Missstandes das Ergebnis der gegenwärtigen Debatte sein sollte, wäre ich der H. (trotzdem ich ein absoluter Gegner bin) sogar sehr dankbar! Nur glaube ich irgendwie nicht, dass das so schnell wieder bezahlbar wird….

  19. Placebo, Glaube und Wirkung

    “”Ein Placebo, das maximal wirkt, wenn der Patient an die Homöopathie glaubt.”
    Ist das erwiesen, gibt es dazu Studien? Ich glaube unbesehen, dass der subjektive Effekt mit Glauben zunimmt. Aber gilt das auch für objektiv messbare Symptome?”

    Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Kenne die OriginalVÖ nicht, aber hier ist was dazu:
    http://www.welt.de/…lacebo-Effekt-optimiert.html

  20. Homöopathie

    Meiner Meinung nach ist Homöopathie sinnvoll. Zwar denke ich wissenschaftlich, jedoch birgt die Schulmedizin für mich zu viele Risiken (Nebenwirkungen), sodass ich die Globuli, Bachblüten… einfach ausprobierte. Ein Beispiel?!:
    Als ich fast 40° Fieber hatte, nahm ich keine Antibiotika etc. sondern homöopathische Mittel und war nach ZWEI Tagen wieder ganz gesund. Eine meiner Bekannten praktiziert Naturheilkunde und ihr Klientenkreis erweitert sich ständig. Die bereits vorhandenen Klienten kommen aus Überzeugung immer wieder und empfehlen diese Heilmethode anderen Personen weiter.
    Ich würde empfehlen, einmal einen Heilpraktiker aufzusuchen und mit ihm zu reden, oder diese Heilmethode einfach auszuprobieren.
    Meiner Meinung nach sollte man sich auf anderem Wege als nur über die Pharma-Industrie imformieren.
    Denn schließlich gibt es auch Personen, die z.B. der Existenz des Higgs-Bosons so kritisch gegenüberstehen, wie Sie der Homöopathie.
    Noch ein Kommentar zur Schulmedizin:
    Wegen dem häufig verschriebenen Medikament erleiden viele Kinder irreparable Schäden, nur weil die Eltern nicht über die Nebenwirkungen aufgeklärt wurden oder den Ärzten blind vertrauten und wollten, dass es ihre Kinder leichter haben. Dies war nur ein Beispiel, jedoch würde ich es immer zuerst mit Homöopathie als mit Schulmedizin versuchen, da die Nebenwirkungen häufig schlimmer sind, als die eigentliche Krankheit!
    Auch die Homöopathie hat ihre Berechtigung!
    “Ritalin” (für KINDER mit ADS/ADHS)

  21. Entschiedener Einspruch

    @Anna Mey,

    Sie scheinen davon auszugehen, dass die Alternative von Homöopathie und Bachblüten der unverantwortliche Umgang mit wirksamen Medikamenten sei. Das ist nicht der Fall. Ich bin gegen viele der im Fernsehen beworbenen rezeptfreien Medikamente beinahe ebenso skeptisch wie gegen die Homöopathie. Die können aber immerhin eine gewisse Wirksamkeit nachweisen. Homöopathie kann das nicht.

    Woher wissen Sie denn, dass ihr Fieber nicht auch ohne Homöopathikum nach zwei Tagen verschwunden wäre. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist recht groß, denn mit den meisten Infektionen kann der Körper selbst fertig werden. Antibiotika hätte man ohnehin nur gegeben, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt.

    Wenn die Nebenwirkung eines Medikamentes schlimmer ist als die Krankheit. Dann ist es wohl angebracht, auf dieses Medikament zu verzichten. Homöopathie oder Bachblüten braucht man dennoch nicht.

  22. Und Globuli wirken doch!

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir die Homöopathie helfen. Und egal, ob die Wirksamkeit dieser Therapie in wissenschaftlichen Studien bestätigt werden kann oder nicht – wer hilft, hat Recht. Für mich sind Globuli Kügelchen und Co zwar kein Allheilmittel, aber doch eine durchaus nützliche Ergänzung der Schulmedizin. Ich finde, schon die Lebensgeschichte des Begründers der Homöopathie, Samuel Hahnemann, spricht für sich. Denn sie ist voll von zweifelsfrei dokumentierten Erfolgen.

  23. Hahaha.

    @P.Prank

    Sie argumentieren nach dem Schema „Ich habe Recht, denn ich habe Recht“.

    Dazu kann man nicht viel mehr sagen, als dass sie mit Ihrem Glauben gerne glücklich werden dürfen, aber ohne Belege von niemanden erwarten dürfen, dass man ihnen zustimmt.

  24. Der Placeboeffekt ist kein Konstante

    Ihre Argumentation basiert m.E. auf der unausgesprochenen Annahme, dass der Placeboeffekt eine feste und paientenunabhängige Größe ist. Der Effekt ist allerdings stark patienenabhängig, man spricht auch von sog. “Placeborespondern”. Ebenso ist erwiesen, dass die Umstände (Art der Gabe des Placebos, Farbe bzw. Größe der Tabletten usw.) einen maßgebliche Einfluss auf den Effekt haben.

    Homöopathie als Placebotherapie macht deswegen genau dann einen Sinn, wenn dadurch ein effizienter Therapieeffekt erreicht werden kann. Patienten, die an die Wirksamkeit der Homöopathie glauben und gute Placeboresponder sind, werden davon deutlich besser profitieren, oftmals auch besser als eine schulmedizinische Vergleichsbehandlung.

    Offenbar haben Sie auch übersehen, dass die Aussagekraft einer statistischen Untersuchung (pharmakologische Medikamentenstudie) ihre Gültigkeit nur bezogen auf die untersuchte Gruppe besitzt, keinesfalls aber auf den Einzelfall übertragen werden kann. In der Medizin geht es schließlich darum, *jedem* Patienten möglichst effektiv zu helfen und Leiden zu lindern und nicht darum, einen möglichst hohen Durchschnittstherapieeffekt zu erreichen. Genau aus diesem Grund werden beide Systeme (Schulmedizin und Alternativmedizin) benötigt.

  25. @Gerd Häußler: Patientenabhängigkeit

    Nein, meine Argumentation setzt keine Patientenunabhängigkeit voraus, wie kommen Sie darauf?

    Ganz im Gegenteil weise ich darauf hin, dass es ganz unterschiedliche Effekte gibt, die im Placeboeffekt im weiteren Sinne enthalten sind. Dabei auch ganz profane Effekte wie den, dass die meisten Krankheiten auch ohne Behandlung überstanden werden. Aber auch der Placeboeffekt im engen Sinne, also der tatsächliche Vorteil einer Scheinbehandlung gegenüber einer Nicht-Behandlung, hat mehrere Ursachen, die selbstverständlich von Patient zu Patient unterschiedlich sind.

    Um Patienten, die gut auf Placebos ansprechen, zu helfen, braucht es aber keine Homöopathie, da der Placeboeffekt ja auch bei pharmazeutisch wirksamen Mitteln mitspielt. Wenn man dem Patienten also Vertrauen in richtige Medizin vermitteln kann, ist ihm gleich doppelt geholfen. Wenn der Patient eigentlich gar kein Medikament benötigt, wäre ihm auch mit einer unbehandelten Zuckerpille in einem etikettierten Behälter geholfen.

    Homöopathie braucht’s in keinem Fall.

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