Phoenix – Mehr als Bilder vom Mars

Die NASA hat heute Nacht eine neue Sonde erfolgreich auf dem Mars abgesetzt. Phoenix hat bereits erste Bilder geschickt, seine Solarzellen und eine Wetterstation ausgefahren und die Systeme getestet. Es scheint zu funktionieren. Aber haben wir nicht genug Bilder vom Mars? Was suchen die noch?

Marsboden gesehen von der Marssonde PhoenixVon uns aus betrachtet ist der Mars einfach der Mars. Die beiden Mars-Rover Spirit und Opportunity haben uns mit zahlreichen Bildern vom Mars versorgt. Vor diesem Hintergrund bringen uns die Bilder von Phoenix nicht viel neues. Aber auf der Entfernung verliert man schnell den Blick für Größenordnungen. Der Mars ist nicht einfach ein Objekt oder ein Ort. Er ist ein ganzer Planet, dessen Größe mit der der Erde vergleichbar ist. Bilder von verschiedenen Orten auf dem Mars können also ebenso verschiedene Informationen geben, wie Postkarten aus verschiedenen Urlaubsorten. Die Bilder von Phoenix sind also zweifellos ganz neu. Von dieser Gegend haben wir noch keine Postkarte erhalten.

Hinzu kommt, dass die wissenschaftliche Information gar nicht hauptsächlich in den Bildern steckt. Bilder lassen sich wie Ansichtskarten schnell aufnehmen und vermitteln einen ersten Eindruck von NASAs neuem Ausflugsziel. Die Sonde Phoenix kann aber viel mehr. Sie kann die Verteilung verschiedener Wellenlängen, das Spektrum, analysieren und damit Informationen über die chemische Zusammensetzung von Gesteinen aber auch von Wolkenstrukturen gewinnen. Durch Stereo-Bilder kann außerdem ein dreidimensionaler Eindruck gewonnen werden.

Das Wesentliche der neuen Marsmission ist aber, dass Phoenix in tiefere Schichten der Marsoberfläche graben kann und mit einem Labor ausgestattet ist, das die Bodenproben analysieren kann. Damit können nun vielleicht doch Hinweise auf aktuelles oder historisches Leben gefunden werden. Zumindest aber über einen Teil der Entstehungsgeschichte unseres Nachbarplaneten. Wir können also gespannt sein. Nicht nur auf die neuen Bilder von der Polarregion.

Ein weiterer Artikel zur Phoenix-Mission bei den KOSMOlogs:
Platz da, jetzt kommt Phoenix!

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wie stehen denn die Wetten, dass Mikroorganismen gefunden werden, die einen anderen genetischen Code haben?

  2. Noch nicht möglich.

    Das Labor in der Sonde ist gar nicht dazu in der Lage, den genetischen Code zu untersuchen. Es besteht natürlich die Gefahr, Organismen zu finden, die man selbst eingeschleppt hat. Aber dieser Gefahr sind sich die Forscher bewusst. Die Sonde wurde ganz sicher sorgfältig desinfiziert und falls man etwas lebendes unter dem Mikroskop findet, wird man mit Sensationsmeldungen vorsichtig sein müssen.

  3. Bilder als Teil des Puzzlespiels

    Man muss sich, wie Herr Schulz richtig schreibt, die Dimensionen des Mars vor Augen fuehren: die Oberflaeche des Mars entspricht in etwa der gesamten Landflaeche der Erde – also ein gewaltig grosses Gebiet.

    Die Bilder und Messdaten von Spirit und Opportunity geben Aufschluss ueber zwei eng umschriebene Regionen: den Gusev-Krater und einen kleinen Teil von Meridiani Terra. Phoenix ist aber in der subarktischen Permafrostregion niedergegangen, und da “sieht es ganz anders aus”, was man von den anderen, aequatornahen, Regionen weiss, laesst sich nicht so einfach uebertragen.

    Wir wissen noch so wenig ueber Mars, dass den Bildern und Messdaten jeder neuen Sonde hohe Bedeutung zukommt.

    Auch wenn die Presse immer davon spricht, dass Phoenix nach Leben sucht, das Projekt definiert die eigenen wissenschaftlichen Ziele viel vorsichtiger: als Suche nach einem besseren Verstaendnis, ob die Bedingungen an der Landestelle Leben, wie wir es kennen, zulassen koennten.

    Herr Schulz sagt auch zu Recht, dass die Experimentausstattung nicht wirklich die Analyse von Lebensformen zulaesst. Es sind eher geochemische und geophysikalische Experimente. Wir wissen zum Beispiel immer noch nichts ueber die organische verbindungen in der Marsoberflaeche. Hier wird der Gaschromatograph /Massenspektrometer wichtige Daten liefern.

    Die Bedingungen an der Oberflaeche des Mars sind Leben nach unserem Verstaendnis eher unzutraeglich. Die UV-Strahlung dringt fast ungehemmt durch und wuerde bis in etwa 1 cm Tiefe den Boden sterilisieren. Die durch die UV-Strahlung gebildeten aggressiven Oxydantien, wie Wasserstoffperoxid, machen es bis in eine Tiefe von ca. 50 cm sehr ungemuetlich. Kosmische Strahlung dringt bis in ueber einen Meter Tiefe vor – und immerhin reden wir hier von Bedingungen, die so oder aehnlich wie heute vielleicht schon seit Milliarden Jahren vorherrschen, denn so lange har der Mars schon keine dichte Atmosphaere und kein Magnetfeld mehr.

    Also hat sich entweder das Leben auf dem Mars, der frueher waermer und feuchter war und eine dichte Atmosphaere hatte, angepasst … wobei sich die Frage stellt, ob wir es noch erkennen wuerden. Oder aber, das Leben hat sich in groessere Tiefen zurueckgezogen. Dann musste man in Tiefen graben, wo die kosmische Strahlung nicht mehr hinkommt. Oder aber, das Leben auf dem Mars hat nie existiert … was man als realistische Moeglichkeit ins Kalkuel ziehen muss.

    Der europaeische Rover ExoMars, der 2013 gestartet wird, traegt diesen Umstaenden Rechnung und wird ein Bohrgestaenge mitfuehren, das die Entnahme von Proben aus bis zu 2 Metern Tiefe gestattet.

  4. @ adenosine

    Mikroorganismen – wenn sie einst gefunden und genau untersucht werden sollten – MÜSSEN nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung einen anderen genetischen Code haben, sonst wäre das der Beweis, dass sie von der Erde eingeschleppt wurden!

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