Das Forum ist tot, es lebe…

Viele Jahre habe ich auf der Domain quantenforum.de ein Internet-Forum zur Physik betrieben. Die Zeiten sind nun endgültig vorbei. Das Forum ist off-line.

Schon lange hatte ich den Eindruck, die Zeit der Foren sei vorbei. Das Quantenforum hatte kaum noch Aufrufe und wenige neue Beiträge. Es meldeten sich auch nur selten neue Mitglieder. Entsprechend gering war meine Motivation, Zeit in die Pflege und Moderation zu stecken.

Etwas Geschichte

Ich glaube nicht, dass das ein spezielles Problem meines Forums ist. Internet-Foren (und vorher das Usenet) waren in den 1990ern und 2000ern die wichtigsten Einstiegspunkte für Lernende und interessierte Laien. Hier gab es fachlich versierte Antworten auf Fragen und Hilfestellung bei Übungsaufgaben. Aber schon bald setzten sich mehr und mehr Internetseiten durch, auf denen die Interessierten direkt Antworten bekamen.

Frequently-Asked-Questions (FAQ) Seiten wurden aufgebaut, und Fragende an diese Verwiesen. Um die Jahrtausendwende startete ich meine Seite Joachims Quantenwelt. Wäre es zwei/drei Jahre später gewesen, hätte es die Quantenwelt vermutlich nie gegeben, denn Anfang der 2000er kam die Wikipedia ins Spiel und bot Antworten zu so ziemlich jede Frage. Ach ja, und Google startete 1997 und machte Webseiten deutlich leichter auffindbar. Damit war es seltener nötig, irgendwo nach Informationen zu fragen.

Soziale Medien

Manche Kommentatoren nennen den Kommentarbereich unter meinem Blog ein Forum. Ich glaube nicht, dass Kommentare unter Blogs und Nachrichtenseiten das Zeug haben Foren-Diskussionen zu ersetzen. Die Struktur ist einfach eine andere: Während Foren alle Beiträge gleich stellen —eine Diskussion beginnt oft mit einer Frage oder Diskussionsaufforderung— gibt es im Blog einen deutlichen Unterschied zwischen Blogartikel und Kommentaren. Die Kommentare sind eine Ergänzung, die sich dem Artikel schon organisatorisch unterordnen. Sie sind nicht das Hauptprodukt sonden ein Mehrwert.

Meines Erachtens sind soziale Medien wie Facebook und Twitter —um die größten zu nennen— ein guter Ersatz für die alten Internetforen. Sie ermöglichen Diskussionen zwischen Gleichberechtigten und die Moderation findet nicht von Oben statt sondern liegt beim Empfänger. Persönlich habe ich auf Twitter gute Erfahrungen gemacht. Das 280-Zeichen-Limit für einen einzelnen Tweet wird von vielen überwunden, indem längere Gedankengänge durch einen Thread von verbundenen Tweets abgebildet werden. Ich persönlich bevorzuge kurze Statements, die eine gewisse Sachlichkeit erzwingen und Positionen auf den Punkt bringen. Twitter ist, wenn man bereit ist einander entgegen zu kommen, eine sehr gute Diskussionsplattform.

Ende des Quantenforums, es lebe das Quantenforum

Den Zeitpunkt des Endes habe ich mir nicht selbst ausgesucht: Die Software meines Forums war hoffnungslos veraltet und wird von meinem Provider nicht mehr unterstützt. Damit ging das Forum auch für mich überraschend von heut auf morgen off-line. Ich kann nicht einmal genau sagen, wann das war. Ich bin aber nicht sehr traurig, weil ich das bevorstehende Ende bereits im Forum angekündigt hatte. Es gibt jedoch ein anderes Quantenforum auf der Plattform quanten.de, das ich Ihnen ans Herz legen möchte, wenn Sie ein Physik-Forum suchen. Ich werde auch ab und zu vorbeischauen.

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das sehe ich etwas/ganz anders – es liegt wohl eher am Thema und/oder an der Forensoftware.
    Ich kann gar nicht mehr zählen wieviel hochfrequentierte Foren im Technischen/Softwarebereich mit Discourse, Flarum und ähnlichen “modernen” (meist recht neue Software) ich in den letzten Jahren und Monaten entstanden sind.

    Ergo: Schlussfolgerung mag die richtige sein – aber das liegt eher am Thema.

  2. Es ist nicht die Zeit der Foren, die vobei ist, sondern die Zeit der Fach-Foren mit besonderen Themen (wie z.B. Physik und Kosmologie) sind vorbei. Man sieht immer die selben Gesichter, wobei auch immer die selben Gesichter aneinander geraten und immer die selben Gesichter wegen ihrer Meinung oder Überzeugung raus fliegen. Das ist weder eine Diskussionsgrundlage noch eine Art Meinungsbildung, sondern mehr Meinungsformung bzw. -gleichschaltung. Schauen Sie sich doch nur mal die heutigen Beiträge in dem von Ihnen empfohlenen Forum Quanten.de an – wieso denken Sie, da sei mehr los, als bei Ihnen oder woanders (mal abgesehen von UWudL wegen der Prominenz der Herren Gaßner und Lesch oder dem Mahag, wo kaum oder gar nicht moderiert wird)? Selbst Egosoft hatte nach seiner Pleite mit X-Rebirth gefühlt noch mehr User als aktuell alle deutschsprachigen Physik-Foren zusammen. Und gut besuchte Fachforen gibt es btw. auch noch.
    https://www.java-forum.org/
    Es liegt eindeutig am Themenbereich und was da alles zugelassen wird.
    Und btw. Das Flair eines Blogs mag vllt. ein Anderes sein, aber sobald man eine Kommentarfunktion aktiviert, eröffnet man damit eine Diskussionsplattform – ist so – erst recht bei solch umstrittenen Themen, wie Physik und Kosmologie.

    Bleibt nur noch “Rest in Peace” zu all diesen “Fach-Foren” zu sagen.

  3. @ Joachim Schulz und auch zu:
    ….Manche Kommentatoren nennen den Kommentarbereich unter meinem Blog ein Forum. Ich glaube nicht, dass Kommentare unter Blogs und Nachrichtenseiten das Zeug haben Foren-Diskussionen zu ersetzen. Die Struktur ist einfach eine andere: Während Foren alle Beiträge gleich stellen —eine Diskussion beginnt oft mit einer Frage oder Diskussionsaufforderung— gibt es im Blog einen deutlichen Unterschied zwischen Blogartikel und Kommentaren. Die Kommentare sind eine Ergänzung, die sich dem Artikel schon organisatorisch unterordnen. Sie sind nicht das Hauptprodukt sonden ein Mehrwert….”
    (Zitatende)

    1.
    Zur Definition von “Forum ” siehe bei Wikipedia: Hauptfunktion ist Meinungsaustausch und nicht “Belehrung” oder “Nachhilfe für Lernende oder Fachfremde oder interessierte Laien.

    2.
    Allein das (äußerst erfolgreiche) Beispiel von telepolis mit Autorenartikel und oft gewaltigem Kommentarthread widerlegt ihre obige Argumentation, dass sich das alles überholt habe.

    3.
    Es ist schon sehr merkwürdig, dass manche Kommentarfunktionen bei manchen naturwissenschaftlichen scilogs- blogs wegen zu überschäumnder bzw. ausufernder Diskussionen geschlossen werden, Sie aber wegen mangelnder Kommentare ihren Sandkasten schließen (müssen?)
    Zumal die überwiegende Anzahl der scilogs Blogs seit Jahren mit einstelligen Kommentarzahlen leben darf.

    4.
    Man bleibt also wegen der zumindest teilweisen Inkonsistenz Ihrer Begründung für die Schließung des hiesigen blogs etwas verwundert zurück. Oder vermutet sogar Motive, die eventuell nicht öffentlich kommuniziert werden sollen.

  4. Die Kommentare sind eine Ergänzung, die sich dem Artikel schon organisatorisch unterordnen. Sie sind nicht das Hauptprodukt sonde[r]n ein Mehrwert.

    Mehrwert ist ja schon mal nicht schlecht, zudem muss es immer administrativ Bevollmächtigte geben, es sei denn, es sei denn, auf sog. Blockchain-Basis wird derart Neues versucht.
    Boards, Newsgroups, Foren, WebLogs, Wikis etc. – alles hat seine Grenzen im Web (außer : siehe oben – auch das sog. Darkweb ist vglw. “sexy”).
    Die sog. Social Media leiden an den Besitzverhältnissen, vielleicht hat dies schon jemand anderes als Dr. Webbaer bemerkt, wie dort Meinung gesteuert wird, bspw. auf FaceBook.

    Ansonsten : Viel Erfolg in neuer Medienlage, Herr Dr. Schulz, Sie gehören sicherlich, aus diesseitiger Sicht jedenfalls, zu den Besten!
    Danke für Ihre Arbeit im Web.

    MFG
    Dr. Webbaer

  5. Bonuskommentar hierzu :

    Twitter ist, wenn man bereit ist einander entgegen zu kommen, eine sehr gute Diskussionsplattform.

    Twitter ist ein gutes Medium, ‘wenn man bereit ist einander entgegen zu kommen’, auch geeignet Aphorismen bereit zu stellen, ansonsten eine Art War-Zone, wenn dies nicht der Fall ist.
    Die Begrenzung der Nachricht auf 140 (oder mittlerweile auch etwas anders gestaltet, nichts am Wesen sog. Tweets ändernd) Zeichen ist nicht geeignet umfangreiche Argumentation beizubringen.
    Dr. W geht davon aus, dass genau dies sein Alleinstellungs- und Erfolgsmerkmal ist für diejenigen, die es im Web mal kurz und knackig verleitet Empörung auszudrücken, um so politisch wirksam zu werden, im ochlokratischen Sinne.

  6. @Dr Webbär
    Erstmal Dank für das Kompliment. Hört man gern.

    Die Argumentation, 140 Zeichen seinen zu kurz für eine umfangreiche Argumentation, höre ich oft. Das stimmt sogar. Allerdings habe ich hier die Erfahrung gemacht, dass die Artikel am besten sind, die sich kurz und bündig auf einen Aspekt beschränken. Mit 140 Zeichen komme ich im Blog natürlich nicht aus, unterschiedliche Medien stellen nun mal unterschiedliche Herausforderungen und geben unterschiedliche Möglichkeiten.

    Wer mir bei 140 Zeichen Unvollständigkeit vorwirft, hat das Medium nicht verstanden oder ist nicht zur Diskussion bereit. Dasselbe gilt aber hier im Blog. Auch hier kann ich nie in einem Artikel alle Aspekte eines selbst gewählten Themas abdecken. Dazu müsste ich ein Sachbuch schreiben.

  7. @Dr. W.

    Die Begrenzung der Nachricht auf 140 (oder mittlerweile auch etwas anders gestaltet, nichts am Wesen sog. Tweets ändernd) Zeichen ist nicht geeignet umfangreiche Argumentation beizubringen.

    Hat eine SMS deswegen 160 Zeichen?
    Klare und direkte Antworten sollten in einen kurzen Satz passen und wenn dann noch etwas unklar ist, empfiehlt sich Nachhaken und danach darf eine Antwort auch schon mal länger und präziser ausfallen – jedoch immer so kurz wie möglich. Es gibt mWn sehr viele Leute, die den Argumente-Hammer in sog. “Wortwänden” für äußerst unhöflich und arrogant halten, weil einem damit meist nur “Dummheit” unterstellt werden soll, was man meist daran erkennt, dass in diesen Wortwänden immer die selben Phrasen (meist aus Schopenhauers Kramkiste eristischer Dialektik) gedroschen werden, womit der (meist falsche) “Sachverhalt” unterstrichen werden soll.
    Zwar kann ein Beitrag auch mal verunglimpfen und länger werden, aber solange das nicht zur Gewohnheit wird, ist das okay.

  8. Wer mir bei 140 Zeichen Unvollständigkeit vorwirft, hat das Medium nicht verstanden oder ist nicht zur Diskussion bereit.

    Es kann halt bei derartiger Einschränkung, die witzigerweise das Alleinstellungs- und Erfolgsmerkmal des hier genannten Micro-Blogging-Dienstes ausmacht, nicht umfänglich das Streitgespräch gesucht, argumentiert werden.

    Dr. W geht davon aus, dass Sie, werter Herr Dr. Joachim Schulz, wie gewohnt sozusagen, auch i.p. Micro-Blogging hoch leisten.

    Dennoch geht er davon aus, dass es sich, die Menge meinend, primär um ein Gassen- oder Empörungsmedium handelt, das aber gegenredend sinnhaft bspw. für Aphorismen, geballte & konzentrierte Nachricht genutzt werden kann, insofern Sinn ergibt, weil sich nicht (direkt) ausgemärt [1] werden kann.
    In der Kürze liegt die Würze.
    Allerdings ist Dr. W geschwätzig.

    MFG + gute Arbeit und wo auch immer!
    Dr. Webbaer

    [1]
    Es heißt ‘ausmären’, die Mar, auch das Märchen bleiben gemeint, ein H wäre hier zu viel, Morava oder Mähren meinend.
    Dr. W ergänzt, ganz untergeordnet, gerne, dass es bspw. der bekannte Publizist Henryk M. Broder oft so verhunzt, also mit einem H.

  9. Bonuskommentar hierzu (“To Whom It May Concern”) :

    Klare und direkte Antworten sollten in einen kurzen Satz passen […]

    Für ‘klare und direkte Antworten’ gilt diese Einschätzung.
    Blöderweise gibt es Fragestellungen, die nicht in kurzen Sentenzen bearbeitet werden kann, antwortend.
    Dies hängt mit der Komplexität der Welt zusammen.
    Sittliche Niedrigkeit kommt oft in der Kürze der sprachlichen Nachricht zum Ausdruck, wir vergleichen tagesaktuell sozusagen mit Slogans der Art ‘Yes, we can!’ und ‘Wir schaffen das!’.
    Insofern erregen sich auch einige, wenn sie bspw. von Donald J. Trump sozusagen mit eigenen Mitteln, mit eigener Medikation sozusagen, bearbeitet werden – und stellen dann ganz “pösen Populismus” fest, also bedarfsweise.

    MFG
    Dr. Webbaer (der auch im Alter nicht verstanden hat, was er will, dies abär auch so kundtut – als Tool will er abär auch nicht verstanden werden)

  10. @Dr. W.:

    Sittliche Niedrigkeit kommt oft in der Kürze der sprachlichen Nachricht zum Ausdruck

    Vorsicht! Der Satz hat keine 140 Zeichen. 😉
    Ich jedenfalls würde bei sprachlicher kurzatmigkeit nicht von sittlicher Niedrigkeit sprechen, denn das hört sich so an, als könnte man erst dann zu gehobeneren Schichten gehören, wenn man Sätze im Umfang einer Din A4 Seite bilden kann. Solche Sätze funktionieren nur leider auch nicht immer und das liegt sicher nicht an der Komplexität der Welt, sondern eher an der Komplexität, die man daraus macht.

    Bündnerfleisch ist hier wohl unvergessen. Bitte keine gepfefferten Zusatzfragen. 😀

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