Blogparade – Auf Galileos Spuren

BLOG: Quantenwelt

Gedanken eines Experimentalphysikers
Quantenwelt

Mir hat der Weihnachtsmann ein eigenes Teleskop für die Dachterasse gebracht. Endlich kann ich mich ernsthaft in die Reihe der Hobbyastronomen eingliedern. Eine Neigung zur Astronomie hat sich in meiner Physikerlaufbahn erst spät entwickelt. Vorlesungen zur Artrophysik habe ich in meinem Studium aus diversen Gründen nicht besucht und meine Ausbildung verlief entsprechend irdisch.

Sternenbilder

Meine Katze und ich studieren die Sternbilder.

Im Jahr 2002 zogen meine Frau und ich nach Südschweden. Ich hatte eine Postdoc-Position am Speicherring MAX-Lab in Lund angenommen und auf der Wohnungssuche verschlug es uns im November des Jahres auf einen Resthof, etwa zwanzig Kilometer nördlich von Lund. Das Leben auf dem Land hat einige Reize. Einer davon ist, dass man in klaren Winternächten einen faszinierenden Sternenhimmel zu Gesicht bekommt. In den Nächten Südschwedens habe ich die Milchstraße kennengelernt. Dort habe ich begonnen anhand schwedischer Astronomiebücher die wichtigsten Sternbilder zu lernen und den Himmel mit bloßen Augen zu beobachten. Das Geld und die Zeit, dem Hobby Astronomie mit einem Teleskop nachzugehen, habe ich jedoch noch lange nicht aufgebaut.

Teleskop

Ein 6-Zoll-Newtonteleskop auf unserer Dachterrasse in Schenefeld bei Hamburg.

Seit einiger Zeit haben wir nun in einem Vorort von Hamburg eine Wohnung mit großer Dachterrasse. Dort passt ein Teleskop hervorragend hin. Die Beobachtungsbedingungen sind so dicht an der Milionenstadt alles andere als perfekt. Dennoch ist der Himmel hier im Westen ausreichend dunkel, dass ich es wagen kann, erste Schritte mit einem Teleskop zu unternehmen.

Auf die Idee, über diese ersten Schritte zu bloggen, hat mich Stefan Gotthold von ClearSky-Blog gebracht. In seine Blogparade reihe ich mich gerne hinter Astroholl und Asterythms ein. Was also habe ich mir, astronomisch gesehen, für 2012 vorgenommen?

Galileos Blick

Vor gut 400 Jahren hat Galileo Galilei erstmals durch ein Teleskop den Weltraum gesehen und seine Beobachtungen publiziert. Zwei seiner Beobachtungen trugen zur Revolution des physikalischen Weltbildes bei: Zum ersten beobachtete er Gebirgszüge und “Meere” auf dem Mond. Zum anderen entdeckte er, dass der Planet Jupiter Begleiter hat.

Der Mond als steiniger Planet mit der sprichwörtlichen Mondlandschaft aus staubigen Ebenen und zerklüfteten Felsformationen stellte die alte Teilung in Himmels- und Erdmechanik in Frage. In der vormodernen Physik war es selbstverständlich, dass die Himmelskörper nicht denselben Gesetzen folgen konnten, wie irdische Körper. Anders war es nicht zu erklären, dass sie statt herunterzufallen unermüdlich ihre Kreise drehten. Deshalb ging man auch davon aus, dass der Mond und alle anderen Himmelskörper aus einem irdischer Materie unähnlichen Stoff bestehen müssten. Galileos Beobachtung zeigte nun, wie ähnlich der Mond der Erde war und ebnete damit den Weg für eine Physik, die Himmel und Erde einheitlich beschreibt.

Die Begleiter des Jupiters, die galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto, zeigten erstmals eine Art Planetensystem um einen anderen Himmelskörper. Im alten ptolemäischen Weltbild kreisten alle Himmelsobjekte um die Erde. Die gängige Erklärung war, dass Himmelsobjekte um das Weltzentrum kreisen. Nun kann man aber im Teleskop beobachten, dass einige Himmelsobjekte um einen der Planeten kreisen. Damit ist der streng hierarchische Aufbau des Kosmos in Frage gestellt. Es braucht nicht einen Zentralkörper, sei es Sonne oder Erde, um den alle anderen Himmelskörper kreisen. Jeder Himmelskörper kann von anderen begleitet sein und ein Planetensystem bilden. Galileo hat mit dieser Beobachtung den Weg in eine relativistische Auffassung des Raumes geebnet. In einen Raumbegriff, der ohne einen absoluten Mittelpunkt auskommt.

Meine astronomischen Ziele

Meine astronomische Zielsetzung für dieses Jahr kann noch recht einfach ausfallen. Als absoluter Neuling werde ich mich zunächst damit beschäftigen, Galileos Beobachtungen mit eigenen Augen nachzuvollziehen. Der Mond und die Planten werden meine ersten Ziele sein. Dann werde ich vermutlich versuchen, einige der helleren Messier-Objekte aufzuspüren. Ein Buch dazu ist schon bestellt. Im Vordergund wird dabei der Spaß am Live-Beobachten sein. Natürlich können die großen Sternwarten in weniger lichtverschmutzten Gebieten bessere Bilder machen. Das besondere an eigenen Beobachtungen ist, dass man es mit eigenen Augen gesehen hat. Und natürlich werde ich versuchen, meinen Nichten und Neffen, deren Eltern und meinen Freunden die Begeisterung für Astronomie zu vermitteln.

Leider kann ich bisher noch nicht von einer eigenen Beobachtung berichten, seit Weihnachten haben wir in der Nähe von Hamburg durchgehend bewölkten Himmel. Ich bin aber zuversichtlich, dass es auch hier noch in diesem Jahr die eine oder andere sternklare Nacht geben wird.

Joachim Schulz

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

6 Kommentare

  1. Willkommen bei den Sternkiekern!

    Ich geb dir mal einen kleinen Grundkurs Hobbyastronomie 😉

    – Pro gekauftem Zoll Teleskopöffnung gibt es erfahrungsgemäß eine Woche schlechtes Wetter. Wird also noch ein Weilchen dauern, bis du richtig loslegen kannst 😉

    – Guter Himmel ist durch nichts zu ersetzen. Klar, die heimische Dachterasse ist bequem zu erreichen, aber laß es dir nicht nehmen das Teleskop auch mal in den Kofferraum deines hoffentlich vorhandenen Autos zu packen und damit Abstand zumLichtmoloch Hamburg zu gewinnen. Vorzugsweise in Richtung Süden, dann hat man nämlich die Lichtglocke der Großstadt im Norden, während sich die interessanten Himmelsobjekte in Richtung Süden tummeln

    – Die Spezies Amateurastronom ist ein geselliges Wesen. Schau doch mal bei der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie vorbei, da lernst du den Manfred (Astroholl) dann auch persönlich kennen. Tips und Tricks zum Umgang mit deinem Geräts gibts inklusive.

    – Öffnungsfieber ist eine unheilbare Krankheit. Wenn dich der Virus einmal gepackt hat, muß bald was größeres her, und schwuppdiwupp nennst du einen ganzen Teleskopwald dein Eigen 🙂

  2. Infiziert !

    Die Faszination ist definitiv bei mir angekommen. Mit einem Fuß stehe ich sozusagen schon im entsprechenden Fachgeschäft für Sternkieker. 🙂

    Mit eigenen Augen sehen – das ist wohl etwas, was der Mensch häufig gar nicht mehr als eine wunderbare Gabe wahrnimmt.

    Danke für die Inspiration 🙂

  3. Mama allein auf dem Weg zu den Sternen

    Hm, das könnte spannend werden. Ich bin seit meiner frühesten Kindheit von den Sternen fasziniert, als mir mein Vater die Sternbilder und die Milchstraße zeigte. Kürzlich las ich in einer Zeitschrift (Vital 12/2011), dass 44% aller Deutschen unter 30 Jahren nachts noch nie das Band der Milchstraße gesehen haben. Der Grund ist die immer stärker zunehmende Lichtverschmutzung, die hierzulande pro Jahr um etwa 6% zunimmt. Trotzdem gibt es immer noch Stellen wo man die Sterne gut sehen kann.
    Als mein Sohn noch klein war bin ich mit ihm öfters zu einer Sternwarte in unserer Nähe gefahren, leider verlor er später etwas das Interesse daran. Da er Physik in der Schule hat, hoffte ich, er würde den Kurs “Astrophysik” wählen, er entschied sich aber für Atomphysik. (Zu dieser in Bayern möglichen Alternative hat Andreas Müller mal einen Beitrag geschrieben, den ich unten verlinkt habe.) Darauf angesprochen meinte er: “Mama, wenn dir so viel daran liegt warum betreibst du es dann nicht als dein Hobby?” Ich bin nun aber keine junge Frau mehr und meine Umwelt hat wenig Verständnis für so eine Passion. Deshalb freue ich mich, dass es hier Gleichgesinnte gibt.
    https://scilogs.spektrum.de/…ronomie-in-schulklasse-12

  4. Viel Erfolg

    Dann mal viel Spaß und Erfolg an der beobachtenden Astronomie!

    Die Dachterrasse sieht gut aus und hat zwei gewaltige Vorteile: man beobachtet viel. Kleine Wolkenlücken und/oder wenig verfügbare Zeit schrecken nicht ab. Ich kenne genug Leute, bei denen der innere Schweinehund verhindert, das ganze Geraffel bei mäßigem Wetter ins Auto zu werfen. Meine Erfahrung vom Einsteigen war: viel (beobachten) hilft viel. Für Mond und Planeten ist die Luftruhe sowieso entscheidender, da ist abzuwarten, wie stark sich die Terrasse tagsüber aufheizt und dadurch abends die Luft in Unruhe bringt. Zur Not tags abschatten.

    Aber Carolin hat natürlich recht: unter dunklem Himmel wird es für den visuellen Deep-Sky-Beobachter so richtig stark. In hellen Objekten erscheinen Details und schwache Objekte werden überhaupt erst sichtbar. Tipp aus meiner eigenen Balkonerfahrung: für Deep Sky (Messier u.a.) hilft es sehr viel, direkte Lichtquellen abzuschirmen – zur Not muss man sich unter einer Decke o.ä. zurückziehen.

  5. Vielen Dank..

    ..für die guten Wünsche und Ratschläge.

    @Carolin
    Ich denke tatsächlich schon darüber nach, wie ich das Teleskop für den Urlaub oder kleine Beobachtungsausflüge verpacken kann. Sachdienliche Hinweise über Transporttaschen für einen 150/750 Tubus, Stativ und Montierung nehme ich gern entgegen.

    Ich werde mich mal bei den Sternfreunden hier vor Ort vorstellen, das ist eine gute Idee.

    Jedenfalls werde ich hier berichten, wenn ich mal ein wenig klaren Himmel bekommen habe und erste Erfahrungen mit dem Winterhimmel Schenefelds teilen kann.

  6. Bei meinen Eltern zu Hause hatten wir auch eine riesige Terrasse und mein Vater hatte vor 6 Jahren ein Teleskop gekauft (beim Lidl für 90 Euro… ich schwöre. Für Anfänger war schon ein lustiges Teil aber!).
    Jetzt zieh ich nach Hamburg und würde auch am besten ein Haus mit Dachterrasse finden (nicht so einfach aber ich habe schon was gesichtet, vielleicht frag ich mal denn meinen Vater, ob das Teleskop noch da ist. Dieser Artikel hat mir völlig inspiriert!

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