Tweets und Blogs zur Wissenschaft – Lindau 2014

BLOG: Quantensprung

Versuch einer Aufklärung
Quantensprung

@Astro_Alex ist der Shooting-Star der deutschsprachigen Wissenschaftsszene auf Twitter. Er ist Alexander Gerst, ein Geophysiker, Vulkanologe und Abenteurer. @Astro_Alex lebt und arbeitet seit 28. Mai diesen Jahres auf der Internationalen Raumstation ISS. Wer seine Tweets und seinen Blog verfolgt, kann an seiner einzigartigen Reise teilnehmen.

Die NASA und ihr europäisches Pendant die ESA sind sehr versiert darin, ihre jeweiligen Missionen ins Bild zu rücken. Neben der Faszination des Weltraums stehen wissenschaftliche Experimente im Vordergrund, die Astronauten wie @Astro_Alex während ihres Aufenthalts an Bord der ISS durchführen.

In einem Podcast von BR2 äußert der Journalist Stefan Geier, Alexander Gerst sei einfach ein “guter Typ”, jung, gut aussehend – und: er könne sprechen. Das könne neben seinem wissenschaftlichen Hintergrund und seiner körperlicher Fitness ein entscheidender Faktor für die Wahl von Gerst aus mehr als 8000 Bewerbern gewesen sein. “Denn Raumfahrt…lebt von dem Image, der Faszination. Und diese Faszination kann Alexander Gerst sehr gut verkörpern”, konstatiert Geier.

©Lindau Nobel Laureate Meetings, Christian Flemming
Alexander Gerst bei der 63. Nobelpreisträgertagung in Lindau 2013
©Lindau Nobel Laureate Meetings, Christian Flemming

Inwieweit das stimmt, sei dahin gestellt. @Astro_Alex gelingt jedenfalls durch seine Aktivitäten in den Social Media eine noch nie da gewesene Transparenz und Nähe zu den fernen Menschen da oben über unserer Erde. Fast 46.000 Menschen folgen seinen Tweets.

@Astro_Alex ist bei weitem nicht der einzige Wissenschaftler, der soziale Medien für Kommunikation nutzt. Einer von 40 Wissenschaftlern (Festangestellte, Post-Doktoranden, Doktoranden) an ausgewählten US-amerikanischen und britischen Universitäten ist auf Twitter aktiv. Das ergab die Ende 2012 veröffentlichte Erhebung ”Prevalence and use of Twitter among scholars” von Jason Priem und Team.

Auch in den Blogs tut sich einiges. Eine Sammelstelle für wissenschaftliche Blogs mit einem besonderen Prädikat ist Researchblogging.org. Dort werden nur Blogs aufgenommen, die begutachtete Fachpublikationen besprechen und eine entsprechende Referenzenliste aufweisen. Mehr als 2900 solcher Blogs sind dort eingetragen. Und genau diese Plattform hat eine jüngste Studie unter die Lupe genommen. In ‘How is research blogged? A content analysis’ haben Hadas Shema und Team nach den Motiven hinter derartigen Blogposts im Bereich Gesundheit gefahndet. Ein Zitat aus ihrem Abstrakt ist sehr interessant:

“…die Mehrzahl ihrer Blogbeiträge (90 Prozent) schließen eine allgemeine Diskussion zum Publikationsthema ein. Dabei bieten mehr als ein Viertel gesundheitsrelevante Ratschläge zum Thema mit an.

Dies lässt darauf schließen, dass sie durchaus ein größeres, nicht wissenschaftliches Publikum einbeziehen wollen.” 1

Genau von solchen Motiven berichten mir die meisten bloggenden und twitternden Wissenschaftler. Sie nutzen diese Werkzeuge um einerseits mit anderen Forschern zu diskutieren, aber oftmals eben auch, um mit der breiten Öffentlichkeit in Dialog zu treten.

Wissen Sie übrigens, dass auch Nobelpreisträger twittern und bloggen? Ich werde in den nächsten Tagen davon berichten.


1 Übersetzung: Beatrice Lugger

Dieser Beitrag ist ein leicht modifiziertes Cross-Posting aus dem offiziellen Blog zur Lindauer Nobelpreisträgertagung 2014.

Veröffentlicht von

Beatrice Lugger ist Diplom-Chemikerin mit Schwerpunkt Ökologische Chemie. Neugierde und die Freude daran, Wissen zu vermitteln, machten aus ihr eine Wissenschaftsjournalistin. Sie absolvierte Praktika bei der ,Süddeutschen Zeitung' und ,Natur', volontierte bei der ,Politischen Ökologie' und blieb dort ein paar Jahre als Redakteurin. Seither ist sie freie Wissenschaftsjournalistin und schreibt für diverse deutsche Medien. Sie war am Aufbau von netdoktor.de beteiligt, hat die deutschen ScienceBlogs.de als Managing Editor gestartet und war viele Jahre Associated Social Media Manager der Lindauer Nobelpreisträgertagung, des Nobel Week Dialogue in 2012/2013 und seit 2013 berät sie das Heidelberg Laureate Forum. Kommunikation über Wissenschaft, deren neue Erkenntnisse, Wert und Rolle in der Gesellschaft, kann aus ihrer Sicht über viele Wege gefördert werden, von Open Access bis hin zu Dialogen von Forschern mit Bürgern auf Augenhöhe. Seit 2012 ist sie am Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation, NaWik - und seit 2015 dessen Wissenschaftliche Direktorin. Sie twittert als @BLugger.

1 Kommentar

  1. Pingback:Zurück in den Elfenbeinturm?

Schreibe einen Kommentar