Science oder Wissenschaft – Englisch oder Deutsch?

Quantensprung

Wie wichtig ist es über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache zu kommunizieren?

Diese Frage treibt den Biophysiker Ivan Fernando Gonzalez (@gonzalezivanf ) schon seit einiger Zeit um. Für das anstehende Großtreffen der wissenschaftlichen Onlinegemeinde, ScienceOnline14, in Durham Ende Februar hat er die Session ScioLang rund um sein Herzensthema geplant und inzwischen viele Mitstreiter um sich geschart. Ivan umreißt es auf Englisch (sic!) so:

„English is the “lingua franca” of science, and that carries a lot of benefits, but also carries the issues of fairness, marginalization, and pro-English bias in scientific publication. With national sciences being strong and growing we are also missing out on important research published only on national languages. Should we have an army of translators bringing the world’s science into English?

Engaging non-English speaking audiences requires more than translation. True engagement requires the use of culturally-relevant examples, an understanding of the literacy levels, and an understanding of the problems and interest of our audience.“

Inzwischen sind wir 13 Twitterer an seiner Seite, die sich im Vorfeld in ihren jeweiligen Ländern umhören (von Arabisch bis Spanisch, siehe Liste unten). Ich bin dabei und möchte nun im deutschsprachigen Raum Eure Meinungen und Eindrücke sammeln. Dafür bitte ich Euch um Eure Unterstützung.

Damit dies nicht im luftleeren Raum geschieht, habe ich zur Orientierung ein paar Fragen formuliert, die sicher das Themenfeld nicht umfassend umreißen, aber vielleicht helfen. Also gerne mehr erzählen! Wie schätzt Ihr die folgenden Fragen ein:

  1. Wie wichtig ist es, eine universelle Wissenschaftssprache über alle Ländergrenzen hinweg zu haben?
  2. Ist Englisch dafür eine geeignete Sprache?
  3. Wie wichtig ist es umgekehrt, dass über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache kommuniziert wird?
  4. Wie ist Eure Einschätzung bei internationalen englischsprachigen Publikationen: Werden englischsprachige Muttersprachler womöglich bevorzugt? Haben sie es leichter?
  5. In welchen Situationen im Forschungsalltag oder bei welchen Diskussionen wird eher Deutsch oder Englisch gesprochen?

Wissenschaftskommunikatoren:
6. Welche Sprache nutzen Sie in der Außenkommunikation über Ihr Forschungsinstitut, Ihre Gesellschaft, Ihre Universität z.B. bei Pressemeldungen, auf Facebook oder im Institutsjournal?

Bitte diskutiert mit, schreibt Eure Meinungen in den Kommentaren! Twitter #ScioLang_de

 

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Wer mitbekommen will, was die anderen 12 so treiben, kann auf Twitter unter #sciolang mitlesen und -diskutieren. Mit dabei sind

Beatrice Lugger

Veröffentlicht von

Beatrice Lugger ist Diplom-Chemikerin mit Schwerpunkt Ökologische Chemie. Neugierde und die Freude daran, Wissen zu vermitteln, machten aus ihr eine Wissenschaftsjournalistin. Sie absolvierte Praktika bei der ,Süddeutschen Zeitung' und ,Natur', volontierte bei der ,Politischen Ökologie' und blieb dort ein paar Jahre als Redakteurin. Seither ist sie freie Wissenschaftsjournalistin und schreibt für diverse deutsche Medien. Sie war am Aufbau von netdoktor.de beteiligt, hat die deutschen ScienceBlogs.de als Managing Editor gestartet und war viele Jahre Associated Social Media Manager der Lindauer Nobelpreisträgertagung, des Nobel Week Dialogue in 2012/2013 und seit 2013 berät sie das Heidelberg Laureate Forum. Kommunikation über Wissenschaft, deren neue Erkenntnisse, Wert und Rolle in der Gesellschaft, kann aus ihrer Sicht über viele Wege gefördert werden, von Open Access bis hin zu Dialogen von Forschern mit Bürgern auf Augenhöhe. Seit 2012 ist sie am Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation, NaWik - und seit 2015 dessen Wissenschaftliche Direktorin. Sie twittert als @BLugger.

25 Kommentare

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  2. 1. Wie wichtig ist es, eine universelle Wissenschaftssprache über alle Ländergrenzen hinweg zu haben?

    Ohne geht es nicht.

    2. Ist Englisch dafür eine geeignete Sprache?

    Ja.

    3. Wie wichtig ist es umgekehrt, dass über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache kommuniziert wird?

    Unvergleichbar weniger wichtig aber dabei immer noch nicht unwichtig.

    4. Wie ist Eure Einschätzung bei internationalen englischsprachigen Publikationen: Werden englischsprachige Muttersprachler womöglich bevorzugt? Haben sie es leichter?

    Gute Sprache wird bevorzugt und deswegen sind englischsprachige Muttersprachler durchaus im Vorteil. Auch weil sie weniger Zeit aufbringen müssen, eine Fremdsprache zu erlernen. Andererseits: soviele Sprachen man spricht soviele Menschen ist man.

    5. In welchen Situationen im Forschungsalltag oder bei welchen Diskussionen wird eher Deutsch oder Englisch gesprochen?

    Wenn nur deutsch Muttersprachler anwesend sind, wird Deutsche geredet. Sonst englisch, es sei den sehr wenige Nichtmuttersprachler sind anwesend und die reden nahezu perfekt Deutsch.

    6. Welche Sprache nutzen Sie in der Außenkommunikation über Ihr Forschungsinstitut, Ihre Gesellschaft, Ihre Universität z.B. bei Pressemeldungen, auf Facebook oder im Institutsjournal?

    Deutsch und Englisch.

  3. Hi @Markus, was meinst Du mit “noch” nicht unwichtig. Immerhin bloggst Du in deutscher Sprache. Wenn wir also das Terrain des reinen wissenschaftlichen Austausches verlassen und Themen transportieren wollen, spielt die uns selbst umgebende Gesellschaft eine wichtige Rolle. Richtig oder Falsch? Warum tust Du, was Du tust?

    • Ich schrieb, Deutsch sei “noch” nicht unwichtig, weil verglichen zu einer absolut wichtigen Lingua Franca der Wissenschaft, die Deutsch bekanntlich nicht ist, Deutsch relativ unwichtig ist aber — deswegen ja noch nicht gleich unwichtig ist. Das meinte ich also nicht zeitlich, sondern relativ.

      Wobei der Blog in Deutsch wohl aus drei Gründen besteht: 1) der selbe warum man unter nur deutschen Muttersprachlern Deutsch redet (wirkt irgendwie künstlich, abgesehen davon das man es eben nicht so gut kann) 2) ich bin schneller, 3) ich spreche Laien an.

      Was ich mir von den einen (Gray matters) und dem anderen (Graue Substanz) verspreche und ob das unterschiedlich ist? Weiß ich gar nicht …

      • Du hältst also den wissenschaftlichen Austausch auf Englisch für wichtig. Wenn es aber um die Kommunikation in Richtung breite Öffentlichkeit geht, ist Deutsch natürlich hilfreicher.

  4. Ich mach’s mir erst mal leicht und verlinke auf einen Beitrag in meinem Blog, in dem ich diese Frage aufgegriffen habe. Aber nun zu den einzelnen Punkten:

    1. Wie wichtig ist es, eine universelle Wissenschaftssprache über alle Ländergrenzen hinweg zu haben?
    Essentiell! Nur so können chinesische und mexikanische (Länder sind hier beliebig austauschbar) über ihre Arbeit reden – und einander verstehen.
    2. Ist Englisch dafür eine geeignete Sprache?
    Im Prinzip würde sich jede (einigermaßen weit verbreitete) Sprache eignen – es gab mal Zeiten, da war Deutsch die lingua franca der Wissenschaft. Und in 50 Jahren wird es vielleicht Mandarin sein. Entscheidend ist nicht, welche Sprache genommen wird, sondern dass es eine gemeinsame Sprache gibt. Aber derzeit ist Englisch diese Sprache – und sie ist dafür jedenfalls nicht schlechter geeignet als jede andere Sprache.
    3. Wie wichtig ist es umgekehrt, dass über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache kommuniziert wird?
    Auch das ist essentiell, denn es muss – MUSS – möglich sein, über Wissenschaft auch in einerÖffentlichkeit außerhalb der WIssenschaft zu reden.
    4. Wie ist Eure Einschätzung bei internationalen englischsprachigen Publikationen: Werden englischsprachige Muttersprachler womöglich bevorzugt? Haben sie es leichter?
    Ich publiziere zwar nicht, aber ich unterweise Wissenschaftler im kommunizieren. Und aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass das Lernen des “Wissenschaftlichen” (als eine besondere Form der Kommunikation) für Muttersprachler nicht wesentlich leichter ist. Ich sag’s vorsichtshalber noch einma anders herum: Die Sprach- und Kommunikations-Konventionen der Wissenschaft sind hinreichend stark verschieden von den Konventionen der Alltagssprache, dass wissenschaftliches Kommunizieren fast wie eine neue Fremdsprache gelernt werden muss.
    5. In welchen Situationen im Forschungsalltag oder bei welchen Diskussionen wird eher Deutsch oder Englisch gesprochen?
    Kann ich aus eigener Erfahrung nicht beurteilen, aber soweit ich das beobachtet habe, werden bestenfalls Varianten des “Denglisch” gesprochen, wenn sich beispielsweise zwei oder mehrere deutsche Forscher über ihre Arbeit unterhalten.
    6. Welche Sprache nutzen Sie in der Außenkommunikation über Ihr Forschungsinstitut, Ihre Gesellschaft, Ihre Universität z.B. bei Pressemeldungen, auf Facebook oder im Institutsjournal?
    Weil,ich eigentlich nicht wirlich Außenkommunkation betreibe, antworte ich hier mal mit “n.a.” (was kurz für “not applicable” ist).

  5. @Markus @Joachim Mal anders gefragt: Es ist wohl “state of the art”, dass Wissenschaftskommunikation unter Wissenschaftlern in der Publikationsebene mehrheitlich auf Englisch stattfindet.
    Da gibt es Fragen, die in die Richtung dahin zielen: Schafft dies Hürden? Wie leicht fällt es einer Nichtmuttersprachlerin im Vergleich zu english natives, ihre Ergebnisse in hoch-qualitativen Journals zu publizieren.
    Meine weitere Frage ist: Weshalb haltet ihr es offenbar für wichtig (oder bequem?) Eure Themen auch in eurer Muttersprache, sprich in eurem Land zu vermitteln und zu diskutieren?
    Das halte ich in der Diskussion für wichtig.

    • Ich glaube nicht, dass die zusätzliche Hürde hoch ist, die Ergebnisse auf englisch zu publizieren. Es ist schon rein fachlich für eine Anfängerin schwer, eine Veröffentlichung in einem hochwertigen Journal unterzubringen. Natürlich wäre die erste Formulierung auf Deutsch einfacher, aber niemand veröffentlicht die erste Arbeit ganz allein. Es gibt immer erfahrene Kolleginnen und Betreuerinnen, die unterstützen können. Da wächst man rein.

      Meine Websites und mein Blog sind keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Dort versuche ich nicht Wissenschaft voranzubringen, sondern populär zu vermitteln. Ich halte das für einen wichtigen Unterschied. Auch wenn Populärwissenschaft unter vielen Wissenschaftlerinnen einen schlechten Ruf hat, halte ich sie für eine spannende Kunstform. Und populäre Literatur darf man im deutschen Sprachraum auf Deutsch verfassen.

  6. @Beatrice
    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich angesprochen war, aber ich kann aus praktischer Erfahrung als der Kommunikationslehrer einer hohen Anzahl von Studentinnen und Studenten, die Englisch nicht als Muttersprache sprechen, mit großer Sicherheit feststelle (müsste meine Notengebung mals auswerten, was ich vielleicht in einer ruhigen Miniute wirklich mal machen sollte), dass es KEINEN Zusammenhang zwischen der Qualität der schriftlichen Kommunikation und der Muttersprache gibt. Es gibt zwar ein paar “Quirks” (Sprachen wie Spanisch oder Chinesisch benutzen keine oder kaum Artikel, und das schlägt manchmal auch auf die Paper durch – aber das sind oberflächliche Fehler, die selbst ein fachlich unbedarfter Lektor/Korrektor in minutenschnelle beheben könnte), aber auf die Qualität der Kommunikation insgesamt hat dies keinen erkennbaren Einfluss.

    Warum es wichtig ist, dass eine Diskussion über Wissenschaft auch in anderen Sprachen als Englisch stattfindet? Wie gesagt, es geht hier um die Fähigkeit, die Wissenschaft auch für eine nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

  7. 1. Wie wichtig ist es, eine universelle Wissenschaftssprache über alle Ländergrenzen hinweg zu haben?

    Benötigen wir bei der heutigen extremen Spezialisierung in den verschiedenen Wissenschaftszweigen noch eine universelle Wissenschaftssprache wie im Mittelalter/Frühen Neuzeit das Latein? Also braucht es DIE Wissenschaftssprache oder sollen sich nicht die einzelnen Fachgebiete selbst jeweils auf eine Sprache einigen? Hängen wir hier einer alten Tradition und dem Glauben an, wir Historiker, Chemiker, Physiker, Bauingenieur etc. wollen und müssen in allen Fachgebieten an der Wissenskumulation mitmachen? Welcher Historiker liest ein heutiges aktuelles Fachbuch zum Pflanzenschutz mittels anorganischer Chemie in Tansania?
    Ich denke, eine Verkehrssprache für die Kommunikation zwischen den einzelnen Fachgebieten ist notwendig. Jedoch sehe ich es als noch wichtiger an, daß die einzelnen Fachgebiete je nach ihren Anforderungen ihre Sprache haben. Denn dort findet der wirklich wichtige Austausch statt. Als Landeshistoriker kommuniziere ich zu 100 % mit meinen deutschprachigen Kollegen. Nur um den modernen Touch aufrechtzuerhalten mittels Kommunikation in englischer Sprache geht am Sinn des Kommunizierens vorbei. Also die Fachbereich, deren Mitglieder über mehrere Sprachgebiete verstreut sind, brauchen eine Verkehrssprache. Die Fachbereiche, deren Mitglieder sich aus einem Sprachgebiet rekrutieren, haben ihre Kommunikationssprache. Darüber hinaus wäre natürlich eine allgemeine Verkehrssprache zur Verständigung gut, die ich aber eher auch auf einem etwas höheren Niveau als die Allgemeinsprache ansiedle. Denn letztlich prägen zu viele Fachwörter doch die einzelnen Wissenschaftsbereiche, die in der Bewertung Verständigung in ihrer Bedeutung als Barriere nicht außer acht gelassen werden sollen.

    2. Ist Englisch dafür eine geeignete Sprache?
    Aus westeuropäischer Sicht hat sich das Englische momentan als gängige Verkehrssprache in der Wissenschaft etabliert. Die Sprachverwandtschaft mit dem Deutschen ist so groß, daß der Erwerb uns leicht fällt. Ich weiß jedoch nicht, wie Mitglieder anderer Sprachfamilien (asiatische beispielsweise) die Frage beantworten würden.

    3. Wie wichtig ist es umgekehrt, dass über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache kommuniziert wird?
    s. Punkt 1

    4. Wie ist Eure Einschätzung bei internationalen englischsprachigen Publikationen: Werden englischsprachige Muttersprachler womöglich bevorzugt? Haben sie es leichter?
    Kommt aufs Fachgebiet an. Für Spezialbereiche wie Landesgeschichte spielen internationale Publikationen keine Rolle.

    5. In welchen Situationen im Forschungsalltag oder bei welchen Diskussionen wird eher Deutsch oder Englisch gesprochen?
    Wieder wird die Antwort über das jeweilige Fachgebiet gesteuert. In meinem Fachgebiet Geschichte wurde im Forschungsalltag immer Deutsch gesprochen, auch die Publikationen waren zu 98 % auf Deutsch.
    Die Frage ist doch die, ob nur um des “Weil-es-für-die-internationale-Karriere-in-langer-Zukunft-mal-notwendig-wäre” es sinnvoll ist, wenn beispielsweise in einem Seminar, deren Teilnehmer ausschließlich deutsche Muttersprachler sind, alle Englisch reden. Besteht hier nicht die Gefahr, ein rudimentäres, falsches Englisch zu benutzen, bei dem sich englische Muttersprachler die Hände über den Kopf ob lauter Verzweiflung der Fehler schlagen würden. Wer korrigiert die Teilnehmer, wenn sie falsche Ausdrücke, Grammatik, Wortwahl benutzen. Ist schlechtes Englisch tatsächlich für die Wissenschaft zum Kommunizieren gut genug, wenn es auf das richtige Wort, auf den richtigen Ausdruck ankommt? Wieviel Informationen gehen durch schlechtes Englisch verloren?

    Wissenschaftskommunikatoren:
    6. Welche Sprache nutzen Sie in der Außenkommunikation über Ihr Forschungsinstitut, Ihre Gesellschaft, Ihre Universität z.B. bei Pressemeldungen, auf Facebook oder im Institutsjournal?
    Die Einrichtungen, die ich auf FB beispielsweise verfolge, kommunizieren alle auf Deutsch.

    • Danke für diese ausgewogene Sichtweise. In der Tat müssen wir wohl zwischen den Naturwissenschaften und den Geistes- und Sozialwissenschaften unterscheiden. Immerhin gibt es beispielsweise in der Chemie auch die deutschsprachige anerkannte Fachpublikation die “Angewandte Chemie”.

  8. Beatrice Lugger schrieb (30. Januar 2014):
    > 1. Wie wichtig ist es, eine universelle Wissenschaftssprache über alle Ländergrenzen hinweg zu haben?

    Es ist wesentlich, dass die an gemeinsamer wissenschaftlicher Kommunikation Beteiligten eine gemeinsame enzyklopädische Ontologie besitzen; bzw. teilweise voraussetzen können und darauf aufbauend weiter ausarbeiten. Diese sollte allerdings individuellen linguistischen Ausdrucksformen gegenüber weitgehend transparent sein. Man kennt und nutzt diese Unterscheidung u.a. in Form von “Wikilinks”:

    “[ <gemeinsame_Begriffsdefinition> | <nutzerspezifische_Ausdrucksform> ]”.

    > Ist Englisch dafür eine geeignete Sprache?

    Die Englische Sprache wird als Mittel der Ontologie-Erstellung gegenwärtig sicher am meisten benutzt; d.h. “die Englische Wikipedia” besitzt z.Z. mehr Artikel als “andere Wikipedias” oder andere Fragmente (“Wiktionaries”, “Wikiversities” usw. in verschiedenen Sprachvarianten), die die enzyklopädische Ontologie implementieren.

    > Wie wichtig ist es umgekehrt, dass über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache kommuniziert wird?

    Das ist sehr wichtig, besonders um zu illustrieren, dass “Verwikilinkung innerhalb der Englischen Wikipedia” (bzw. “Verwikilinkung innerhalb irgendeines bestimmten anderen Wikipedia-Fragments”) nicht das Selbe ist wie die zugrundeliegende dargestellte Ontologie an sich und insgesamt.

    > 4. Wie ist Eure Einschätzung bei internationalen englischsprachigen Publikationen: Werden englischsprachige Muttersprachler womöglich bevorzugt? Haben sie es leichter?

    Ich bin mir jedenfalls nicht bewusst, dass mir beim Publizieren in “der Englischen Wikipedia” ein Nachteil dadurch erwachsen wäre, dass Englisch nicht meine Mutterspache ist.
    Muttersprachler mögen beim öffentlich-wissenschaftlichen Schreiben sogar den Nachteil haben, dass sie von vornherein weniger recherchieren müssten und folglich auch weniger vollständig verwikilinken würden.

    > In welchen Situationen im Forschungsalltag oder bei welchen Diskussionen wird eher Deutsch oder Englisch gesprochen?

    (N/A, d.h. “not applicable”. Gesprochene Sprache zu verwikilinken ist wohl möglich, erscheint aber z.Z. unnötig umständlich.)

    > Wissenschaftskommunikatoren: 6. Welche Sprache nutzen Sie in der Außenkommunikation über Ihr Forschungsinstitut, Ihre Gesellschaft, Ihre Universität z.B. bei Pressemeldungen, auf Facebook oder im Institutsjournal?

    In schriftlicher Kommunikation, die (wie hier) Verwikilinkung noch nicht unmittelbar unterstützt, nutze ich insbesondere Deutsch, Englisch und LaTeX.

  9. zu
    1. Sehr wichtig.
    2. Ja, für die Naturwissenschaften, da sie der Zielgruppe heute entspricht. Aber auch Geisteswissenschaften sind Wissenschaften, da dürfte das Bild viel differenzierter aussehen.
    3. Unverzichtbar, da Wissenschaft ein Teil der Gesellschaft ist, in der sie lebt und arbeitet, und mit der sie sich austauschen muss. Die verwendete Sprache muss der Zielgruppe entsprechen: Mindestens ebenso wichtig wie die Nationalität ist daher auch das Niveau der verwendeten Sprache. Ich habe wissenschaftliche Vorträge auf Deutsch gehört, die waren so unverständlich als spreche der Redner Chinesisch.
    4. Leichter: Ja, da die vielen Doppel- und Spezialbedeutungen in einer Sprache nur schwer erlernbar sind. (Beispiel, das mir kürzlich begegnete: In einem sozialwissenschaftlichen Text das Wort “partisan news”, dessen Bedeutung als “parteiliche Nachrichten” sicher in keinem Lehrbuch steht.) Bevorzugt: Keine Erfahrung
    5. Keine Erfahrung.
    6. Das hängt von der Zielgruppe und den Zielen der Kommunikation ab. Wenn ich den Politikern belegen will, dass sie das Geld bei meinem Institut richtig ausgeben, dann natürlich in der Landessprache, wenn ich die internationale Kollegenschaft beeindrucken will, dann natürlich in Englisch – oder sowohl als auch.
    Fazit: Die Lösung heißt: Bilingualität. Ein Erziehungs- und Bildungsthema, das angesichts unserer globalen Vernetzungen heute viel zu klein geschrieben wird.
    Übrigens, vielleicht sogar in diesem Zusammenhang: Mir fällt auf, das in der Liste der aktiven 12 oben ausgerechnet Frankreich fehlt. Aus meiner Sicht unverzichtbar und ganz besonders von diesem Thema betroffen.

  10. I feel like a German Bose (http://en.wikipedia.org/wiki/Satyendra_Nath_Bose): Being Bengali, Satyendra Nath Bose devoted a lot of time to promoting Bengali as a teaching language, translating scientific papers into it, and promoting the development of the region…

    Bilingualität ist das Stichwort. Momentan ist Englisch die “Wissenschaftssprache”. Früher war es Französisch oder Deutsch. In Zukunft vielleicht … Chinesisch? Aber die Muttersprache sollte dabei nicht in Vergessenheit geraten! Die englischen Muttersprachler haben derzeit einen Vorteil – aber auch den Nachteil, sich das Pidgin English vom Rest der Welt anhören zu müssen…

  11. Wie wichtig ist es, eine universelle Wissenschaftssprache über alle Ländergrenzen hinweg zu haben?

    Im Moment noch wichtig, wird zunehmend unwichtiger werden, da Echtzeit-Ubersetzungssysteme nur Frage der Zeit sind.

    Ist Englisch dafür eine geeignete Sprache?

    Sicher. Ist weitverbreitet, vglw. leicht erlernbar.

    Wie wichtig ist es umgekehrt, dass über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache kommuniziert wird?

    Je nach Publikum sehr wichtig bis unwichtig

    Wie ist Eure Einschätzung bei internationalen englischsprachigen Publikationen: Werden englischsprachige Muttersprachler womöglich bevorzugt? Haben sie es leichter?

    Ja, werden bevorzugt. Ja, haben es leichter.

    In welchen Situationen im Forschungsalltag oder bei welchen Diskussionen wird eher Deutsch oder Englisch gesprochen?

    Hängt von den Fähigkeiten der Teilnehmer und persönlichen Vorlieben ab. Da gehen alle Mischungen und Kombinationen.

  12. Mal meine Einschätzung als Wissenschaftsjournalist:

    1. Grundlegend. Wer außerhalb seiner Sprachgrenzen wahrgenommen werden will, muss auf Englisch publizieren. Das gilt meines Erachtens z.B. auch für Landeshistoriker. Wenn ich etwas über die Geschichte Japans schreiben will, schaue ich, wer auf Englisch publiziert und zitiere dann eben den/die oder rufe dort an. Und gerade bei wissenschaftlichen Details würde ich mich nie auf automatische Übersetzungen verlassen.

    2. Es gibt derzeit nichts Besseres.

    3. Kommt auf die Zielgruppe an. Soll die breite Öffentlichkeit erreicht werden, geht das nur in der Landessprache (allerdings nicht in dem Kauderwelsch, den Wissenschaftler gerne unter Landessprache verstehen). Bei Pressemitteilungen ist es mir persönlich dagegen völlig egal, ob die auf Englisch oder Deutsch ankommen, Hauptsache, sie sind gut und verständlich geschrieben.

    4. keine Erfahrung

    5. Meine Einschätzung als Beobachter: Wenn nur Deutsche anwesend sind, wird deutsch gesprochen. Sobald jemand da ist, der kein Deutsch versteht, wird (mit einigen Ausnahmen, die ich persönlich für unhöflich halte) zu Englisch gewechselt.

  13. Es gibt noch zwei Aspekte, die indirekt ein Rolle spielen.

    Englisch wird (langsamer und eher in den höheren Semestern) auch die Sprache der Lehre, ist also nicht nur in Forschung allgegenwärtig. Ich mache nächste Woche meine erste Blockvorlesung (16 Doppelstunden) in English. Bei der Vorbereitung ist mir das nicht mal aufgefallen.

    Mir wurde vorab gesagt, dass von den ca. 20 Studierende (überwiegend Psychologie) der Großteil aus Deutschland kommt, überhaupt werden wohl nur einige wenige Deutsch nur schlecht verstehen.

    Nun könnte man denken, das ist halt deren Problem und die Vorlesung sollte besser in Deutsch unterrichtet werden. Für mich wird umgekehrt ein Schuh daraus. Ich kann letztlich in vielen anderen Ländern dieser Erde einen Job bekommen, so z.B. in Frankreich, weil auch dort Englisch die linga france der Wissenschaft ist.

    • Klarer Hinweis. Gemeinsame Wissenschaftssprache bedeutet auch einen erweiterten Arbeitsmarkt, darüber hatte ich noch nicht nachgedacht. Darf ich eines nachfragen: Gab es auf Deinem Weg durch die Universitäten spezielle Lehrangebote für Englisch? Oder woher kannst Du es so gut? Bzw. gibt es, wenn wir Englisch als lingua franca akzeptieren, Deiner Ansicht nach genügend Lehrangebote für Englisch in den Curricula?

  14. Vorrede: Die anderen Kommentierenden haben so viele kluge Sachen gesagt, denen ich fast durchwegs zustimme. Insofern hier nur kurz und zwei Punkte ein wenig näher ausgeführt.

    Wie wichtig ist es, eine universelle Wissenschaftssprache über alle Ländergrenzen hinweg zu haben?
    Sehr sinnvoll, ja unabdingbar.

    Ist Englisch dafür eine geeignete Sprache?
    Ja.

    Wie wichtig ist es umgekehrt, dass über Wissenschaft in der jeweiligen Landessprache kommuniziert wird?
    Ebenfalls unabdingbar. Wobei ich hier nicht nur die Sprache, bei uns also Englisch als Sprache IN DER (Natur-)Wissenschaft und Deutsch als Sprache, in der ÜBER Wissenschaft geredet, als solche sehen würde, sondern die Art der Sprache. ÜBER Wissenschaft muss so geredet werden, dass die, die es betrifft und die dafür bezahlen, es verstehen. Bei uns also Deutsch und ohne Jargon.

    Wie ist Eure Einschätzung bei internationalen englischsprachigen Publikationen: Werden englischsprachige Muttersprachler womöglich bevorzugt? Haben sie es leichter?
    Sie haben es definitiv leichter, aber ob sie bevorzugt werden, weiß ich nicht.

    In welchen Situationen im Forschungsalltag oder bei welchen Diskussionen wird eher Deutsch oder Englisch gesprochen?
    Unser Institut, molekularbiologische Grundlagenforschung, ist hauptsächlich englischsprachig. Sobald ein Nicht-Muttersprachler/in im Raum ist, wird Englisch geredet, zumindest über Wissenschaft (Administration nicht ganz so konsequent). Seminare, Konferenzen: Englisch.

    Zweiter Punkt, ein bisschen von Wenke angesprochen: Wissenschaftskommunikation ist auch innerhalb des Wissenschaftssystems unabdingbar. Die Disziplinen haben sich in den letzten Jahrzehnten so sehr aufgesplittert, dass keiner mehr den anderen richtig versteht, wenn jeder im Fachjargon bleibt. Zugleich kommen wir zu einer immer stärkeren Re-Integration der Disziplinen, Beispiel MDC: Physiker, Bioinformatiker, Mathematiker, Biologen, Chemiker, Genetiker und Mediziner arbeiten zusammen und müssen einander verstehen. Was bei uns geforscht wird, hat womöglich große Auswirkungen auf die Gesellschaft (1000-Dollar-Genom, Genomic Privacy, Stammzelltherapie, Pränataldiagnostik, Biomarker für künftige Erkrankungen etc.). Da müssen auch Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler in die Debatte integriert werden.

  15. Josef meinst Du, dass die von Dir angesprochene Re-Integration verschiedener Disziplinen in einer englischesprachigen Kommunikation leistbar ist? Wenn ich sehe, wie schwer es vielen Forschern fällt, ihre eigene Forschung in ihrer Muttersprache in einfachen Worten zu erklären, frage ich mich, wie notwendige Vereinfachungen für einen Dialog in einer Fremdsprache gelingen können. Oder sagen wir, wie ungleich schwerer das ist.
    Meine Frage also: Ist Deutsch als Wissenschaftssprache neben dem genannten Einsatz im Dialog über Wissenschaft nicht auch noch im interdisziplinären Dialog wichtig?

  16. Beatrice, mit Deutsch gewönne man m.E. nichts, sobald Menschen zusammenkommen, die nicht sämtlich deutsche Muttersprachler sind. Einer, mindestens, bleibt immer sprachlich benachteiligt. Das ist auch die Crux an dem, was Fernando Gonzalez sagt: Should we have an army of translators bringing the world’s science into English? — Ja und dann? frag ich mich. Kommunikation ist doch “two-ways”, um gleich mal ins Denglisch zu verfallen, Es müsste also auch umgekehrt lauten: Should we have an army of translators bringing the world’s science out of English? But where to? All languages? “Out of English”, das ist der Job der Wissenschaftler_innen, wenn sie in ihrer Landessprache zu Landsleuten sprechen, und das ist der Job der Kommunikator_innen.

    Pragmatisch und aus meiner Erfahrung gesprochen: Mittlerweile ist es insbesondere im Westen, aber auch in Indien und China, absolut üblich, Karriere-Stagen im (englischsprachigen) Ausland zu machen. Nahezu alle unserer Postdocs und Profs, die wir rekrutieren, kommen aus USA oder UK (wenn sie ursprünglich aus Deutschland kommen, waren sie zumindest für eine längere Zeit “drüben”). Kurzum: Englisch IST de facto die lingua franca der Natur- und Lebenswissenschaften, also reden die Leute untereinander Englisch und also kann die Re-Integration der Disziplinen, oder eine Nummer kleiner, die Verständigung zwischen den Disziplinen, derzeit nur auf Englisch passieren. Das System ist, wenn man so will, anglophon. Take it or leave it.

  17. @Josef Danke für diese Einschätzung, dass wie selbstverständlich sehr gerne Postdocs und Professoren mit englischsprachigem Hintergrund auch in Deutschland besser Fuß fassen, ob Muttersprachler oder mit ausgewiesenem Forschungsaufenthalt im englischsprachigen Raum.

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