La dolce vita

Überall lockt die süße Verführung. Schokolade, Kuchen, Chips, Bier, Wein, Schnaps. Nur ein kleines bisschen. Dann frisst man zuviel, trinkt zuviel, raucht zuviel. Von allem zuviel. Die Gefräßigkeit kennt keine Grenzen. Als sechste der sieben Todsünden ist die Völlerei bekannt. Sitzt ihnen der Beelzebub im Nacken verlieren viele die Beherrschung. Der Eine widersteht der Versuchung länger, während ein Anderer sich vom Höllenfürsten zu Maßlosigkeiten verführen lässt.

Unserer gefräßigen Gesellschaft fehlt womöglich die Selbstkontrolle. Laut Dr. Fujita von der Ohio State University erhöht sich die Selbstkontrolle durch eine bestimmte Art und Weise des Denkens:

This article reviews psychological models of self-control and describes a new integrative approach based on construal level theory (e.g., Trope & Liberman, 2003). This construal-level perspective proposes that people’s subjective mental construals or representations of events impacts self-control. Specifically, more abstract, global (high-level) construals promote self-control success, whereas more concrete, local (low-level) construals tend to lead to self-control failure.

Das Geheimnis liegt laut Fujita im großen Ganzen. Bei jeder kleinen Entscheidung liegt die Antwort im übergeordneten Ziel. Wer sich zum Beispiel gesünder ernähren will, kann das Kalorienzählen sein lassen. Die spezifischen Details der Situation können vernachlässigt werden. Den meisten Menschen fällt es leichter disziplinierte Entscheidungen zu treffen, wenn sie ein Ziel vor Augen haben. Und wenn Sie der Versuchung nicht widerstehen können, dann zelebrieren Sie den Genuss und essen langsam

„Das Glück besteht darin, in dem zur Maßlosigkeit neigenden Leben das rechte Maß zu finden.“ (Leonardo da Vinci)

Quellen:

Fujita, K. (2008). Seeing the Forest Beyond the Trees: A Construal-Level Approach to Self-Control (Abstract). In: Social and Personality Psychology Compass, Volume 2/3 (2008), 1475 – 1496. 

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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  1. “Unserer gefräßigen Gesellschaft fehlt womöglich die Selbstkontrolle”

    Nö! Zunächst kommen hier Begriffe vor, bei denen Luzifer aus der Haut fahren möchte: Todsünde, Höllenfürst, Versuchung… Moralischer Quark -so würde er schreien! Gesellschaft? Auch Quark! Wer hat all die ungezählten, namenlosen, verzweifelten und doch suchenden Menschen gefragt? Wer hat hinter dem Fressen und Saufen die innere Leere erblickt? Selbstkontrolle? Wer hat nicht Freude, im Gespräch Rauch aufsteigen zu sehen und sich seiner prophetischen Gabe im Rausch des Weines hinzugeben? Wir brauchen keine Moralapostel -Nietzsche hat nicht umsonst gelebt! Sehen Sie es aber nicht als Angriff gegen Ihre Person. Es ist eher als Angriff gegen die Moral zu verstehen!

  2. @ Katja

    Trappsen Da nicht – verbal neu eingekleidet (“more or less abstract construals”) – die alten Heiligen drei Könige Es, Ich, und Über-Ich, die schon Freud auf die Reise schickte, durch den vorweihnachtlichen Wissenschaftswald?

    Das hat einen gewissen linguistischen Neuigkeitswert (ich sah mich gezwungen, das Wort “construal” nachzuschlagen), aber sonst?

    Wenn ich das mal in deutsche Worte zu packen versuchen darf: Menschen, die sich sehr abstrakten Zielen/Idealen/Weltinterpretationen verpflichtet sehen, haben sich selbst besser unter Kontrolle.

    Das gilt für Hilter (der weder soff, rauchte, noch frass), für Robespierre (den “Tugendhaften”), aber auch für Jesus Christus (falls er ein Mensch war).

    Nicht die Wirksamkeit der “Ideale”/der “construals”/ der “weltinterpretationen” gilt es zu untersuchen, sondern deren INHALTE.

  3. @Katja wie Helmut

    Ich habe den Artikel nicht gelesen, sondern auch nur die Zusammenfassung (um hier das Wort abstract zu vermeiden.

    Danach sehe ich die Kernaussage auf die Polarität von abstraktem und konkretem Wissen orientiert. Dies führt doch wohl nicht automatisch zum Über-Ich oder den Ideenwelten von Hitler, Robespierre oder Jesus Christus, sondern eher zu einer Qualität des Denkens. Die Metapher vom Wald und den Bäumen drückt das klar aus.

    In einer Zeit, in der das Konkretisieren und das Exemplifizieren die didaktischen Leuchtürme des Bildungssystems darstellen, könnte ein Zusammenhang zwischen der Selbstkontrolle und dem Niveau abstrakten Denkvermögens viel Zündstoff bieten.

    Insofern würde für mich aus dem Artikel nicht die Aufforderung zu einer Zielfindung oder zum Maßhalten, das da angeblich glücklich macht, folgen, sondern eher der Ratschlag, Zusammenhänge verstehen und sie sprachlich (medial) klar formulieren zu wollen. Das passt natürlich schlecht zum Chips vernichtenden, zappenden Fernsehzuschauer, der von einem Wissensquiz in das andere springt und sich zwischendurch mit Einzelinformationen aus den Newsshows füttern lässt.

  4. @ Werner Große

    Gut, womöglich hat mich die Sprache in die Irre geleitet.

    Was aber ist ein “more abstract, global (high-level) mental construal of events” im Gegensatz zum “local (low-level) concrete construal”? Wenn ich mir das in die Sprache übersetze, die ich verstehe, dann lande ich “aufwärts” (die Abstraktionsleiter hoch) bei Platons Ideen, und abwärts bei der schieren Präsenz des momentanen sensorischen oder emotionalen Perzepts. Von da ist der Weg zu Es-Ich-Überich doch nicht sehr weit, oder?

    Und ich möchte bei meiner anfänglichen Kritik bleiben. Selbstkontrolle per se ist kein Wert. Es geht um die Frage, was man mit dem Selbst macht, das man unter Kontrolle hat.

  5. Herr Große, genau so verstehe ich diese kurze Zusammenfassung auch – nur wird das, zugegeben, in dem Blogbeitrag nicht erkennbar. Die Einleitung ist nicht nur aus sprachlicher Sicht etwas irreführend (das liegt daran, dass ich mich mit den Rönne-Novellen von Benn im Zusammenhang mit Nietzsche beschäftigte und in deren Werken wimmelt es von Dämonen und Rausch, da habe ich mich mitreißen lassen). Der Aufbau des Beitrags (Maßlosigkeit – Selbstkontrolle – Denken) hinkt und man stolpert beim Lesen so vor sich hin. Ich kann’s Ihnen nicht verdenken und bin dankbar, dass die bisherigen Kommentare das schiefe Bild begradigen. Kleine Irrungen und Wirrungen bringen ja auch interessante Gedanken an den Tag … Nur leider kämpfe ich seit heute morgen mit einer Grippe und verfolge daher bis auf weiteres die Diskussion als stiller Leser. Wenn ich die Kopfschmerzen erst mal los bin, kann ich auch über Helmuts Anmerkungen nachdenken.

  6. Zweck und Mittel

    Geht es im Artikel des Dr. Fujita auch um Chips und Zigaretten? Ich denke wohl nicht und deshalb rätseln hier wohl auch alle. Es scheint mir doch hier um eine Neuauflage des aristotelischen Praktischen Syllogismus zu gehen, welche zu erklären versucht, wie ein (bewußter) Mensch zu einer Handlung kommt. Nämlich indem er sich ein Ziel setzt. Für dieses Ziel werden dann Lösungsschritte gesucht, gefunden und dann ausgeführt. (hübsch beschrieben bei Von Wright’s practical syllogism). Eine solche Denkungsart führt wohl tatsächlich zu einer absolut bewußten und disziplinierten Lebensweise, was aber auf keinen Fall etwas über den moralischen Wert oder Inhalt einer solchen aussagt und auch dazu führen kann, dass man vor jeder Ampel stundenlang verharrt, um bewußt und diszipliniert bis in die letzte Verästelung zu prüfen, ob der nächste Schritt wirklich zum eigentlichen Ziel paßt. Am Ende muß wohl auch das Maß- und Innehalten maßvoll genossen werden…

  7. ein praktisches Beispiel

    @ Katja Schwab

    Da Sie im Moment an Grippe leiden, haben Sie ja (gezwungenermaßen) die Muße, um es einmal auszuprobieren. Das höhere abstrakte Ziel ist nun die schnelle Genesung (dies kann man natürlich noch weiter konkretisieren). Dazu müssen Sie nun Schritte (als Zwischenziele)formulieren und dies bewußt unter Berücksichtigung aller Ihrer medizinischen Kenntnisse. Am Ende stehen dann konkrete Handlungen positiver Art (Inhalation, Tee trinken) und negativer Art (nicht rauchen, kein Marathonlauf). Sofern Sie das oberste Ziel tatsächlich als Prämisse anerkennen, werden Sie diszipliniert alles erforderliche unternehmen. Sollten Sie aber zum beispiel doch rauchen, also undiszipliniert sein, so ist das kein Fehler des Systems, sondern vielmehr sollten Sie dann das oberste Ziel überprüfen. Ich glaube, man kann in diesem Zusammenhang “diszipliniertes” Handeln mit “bewußtem” Handeln gleichsetzen. Der bewußte Mensch handelt immer diszipliert im Sinne seines obersten Zieles. Jedoch herrscht nur sehr selten Klarheit über dieses Ziel. So kommt es zu (scheibarer) Undisziplin in den Handlungen. Ich wünsche Ihnen also auf dem Weg zur Genesung Klarheit über diese und die Wahl der richtigen Mittel.

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