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Psychologieblog

Koalabären und Kängurus, Sonnen-schein und Ozean. Ich bin dem Grau des Berliner Winters entflohen und habe ich mir auf der anderen Seite der Welt die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Während die Menschen in Deutschland eingemummelt und ohne nach rechts oder links zu schauen die Strassen entlang hasten, begegnen einem die Australier mit ihrem charakteristischen „no worries“. Fast überall trifft man auf offene, freundliche und hilfsbereite Leute. Es scheint an der Ostküste keine Termine zu geben, die wichtiger sind als ein nettes Gespräch mit Fremden. The grass is always greener at the other side sagen die Australier. Und das Wetter ist auch viel besser. Wahrscheinlich der naheliegendste Grund für den auffälligen Unterschied im Verhalten der Menschen.

Als ich eben dem Cafébesitzer von der offensichtlichen Gelassenheit der Australier berichtete, sagte er gleich: „Ja klar. Kein Wunder. Wie soll man bei dem Mistwetter denn auch gute Laune haben. Ich sehe es doch jeden Morgen: scheint die Sonne, sind die Leute gut drauf. Ist es kalt, nass und dunkel, dann hasten sie griesgrämig an meiner kleinen Coffeebar vorbei.“ Der Zusammenhang zwischen dem Wetter und unserer Laune scheint offensichtlich. Ein warmer Sommertag im Juni zaubert von ganz allein lächelnde Gesichter im Vergleich zu einem dunklen, nass-kalten Novembertag.

Wissenschaftler um Denisson (2008) von der Humboldt-Universität untersuchten den Zusammenhang und kommen zu dem überraschenden Ergebnis, dass das Wetter nur einen geringen Einfluss auf die Stimmung hat. Im Durchschnitt hatte das Wetter keinen Einfluss auf eine positive Stimmung. Mehr Sonne oder eine höhere Temperatur scheinen nicht automatisch zu besserer Laune zu führen. Aber eine negative Stimmung scheint durch die Wetterlage beeinflusst, wenn dieser Effekt auch ziemlich gering ausfällt. Weniger Sonnenlicht scheint tatsächlich mit größerer Müdigkeit zusammenzuhängen. Doch dieser Zusammenhang ist wesentlich kleiner als gemeinhin angenommen.

„Diese Studie ist doch wissenschaftlicher Quatsch“, bestätigt das Pärchen am Nebentisch die landläufige Meinung, welches sich an unserem morgendlichen Kaffeekränzchen beteiligt. „Ich würde mich heute wesentlich besser fühlen würde, wenn die Sonne bei 25 Grad scheinen würde,“ ist die Frau überzeugt und der Mann nickt wissend.

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

10 Kommentare

  1. Hm, Neuseeland soll eine hohe Selbstmordrate haben, das ist direkt nebenan. Norwegen soll in der Hinsicht auch nicht ohne sein. Ich weiß aber nicht, ob es stimmt. Wenn es stimmt, dann spricht es eher gegen die Einflüße der Sonne.

  2. Mal von der Selbstmordrate abgesehen sind die Neuseeländer auch so fröhlich drauf wie die Australier, aber in Neuseeland ist ständig Regenwetter. Kann jetzt natürlich im Sinne beider Theorien ausgelegt werden.

  3. @ Harald

    Die Ergebnisse der Untersuchung, die ich oben im Beitrag aufgegriffen habe, beziehen sich auf die alltägliche Stimmung im nicht-pathologischen Bereich. Menschen, die unter einer SAD (seasonal affective disorder) leiden, zeigen tatsächlich starke Stimmungsänderungen in Abhängigkeit vom Wetter. Aber auch hier wird im Allgemeinen angenommen, dass es vor allen Dingen in der kalten und dunklen Jahreszeit zu negativer Stimmung kommt, wenn ich richtig informiert bin. Denisson und Kollegen fanden aber eher einen umgekehrten Zusammenhang: Menschen, die unter der SAD leiden, waren gerade in den Sommermonaten niedergeschlagener, nicht im Winter. Aber ja, auch bei Depressionen im klassischen Sinne wird eine Lichttherapie eingesetzt. Aber hierzu liegen mir zu Wirksamkeit und Anwendung keine Daten vor. Wer weiß mehr?

  4. @ Kauffmann

    Das “Eso-Link” auf die Zirbeldrüse ist völliger Stuss. Noch nicht mal die Lagebeschreibung stimmt. Der Aufsatz bei Wikipedia über die Zirbeldrüse ist inhaltlich korrekt, aber fade geschrieben…

  5. @Wicht

    Hallo,
    vielen Dank, dachte mir schon das es sich um ein Rechtfertigungsgeschreibsel, für eine idiotologgische Mystologie handelt. 🙂

    Gruß Uwe Kauffmann

  6. @ – Katja

    Obwohl es kontraintuitiv ist, scheint es doch tatsächlich so zu sein: Der Sonnenschein hat keineswegs eine so aufhellende Wirkung wie weithin angenommen. Ich glaube, der Nobelpreisträger Daniel Kahneman von der Princeton University, der auf das sogenannte “emotional forecasting” spezialisiert ist, hat mal eine entsprechende Untersuchung durchgeführt: In Chicago glauben zwar alle, dass die Menschen in San Diego glücklicher seien, aber sie sind es nicht!

  7. @ – Katja: “Down Under”

    Yep, Aussies are nice folks. Dennoch eine Frage: Stimmt es, dass sie gerade die Zigarettenpreise auf 10 Dollar erhöht und die Zigarettenpackungen allen Ernstes mit abstoßenden Bildern versehen haben?

  8. @ Edgar

    Ja, die Zigaretten sind sehr teuer. Ich habe im Durchschnitt sogar mehr als 10 Dollar bezahlt. Ich glaube auch, dass abschreckende Bilder auf den Packungen waren, aber so genau hab’ ich nicht hingeschaut … 😉

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