Weisheit

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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„In ihr ist ein Geist, gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, durchdringend, unbefleckt, klar, unverletzlich, das Gute liebend, scharf, nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend und alle Geister durchdringend, die denkenden, reinen und zartesten. Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles.“ (Buch der Weisheit)

Weisheit. Auf Erfahrungen und umfassendem Wissen beruhende tiefe Einsicht in Lebenszusammenhänge. Ab und zu entdeckt man sie in einem Satz, einem Lächeln, einer Handlung. Auch das archaische Bild der weisen alten Frau mit schlohweißem Haar oder des weisen alten Mannes mit schlohweißem Bart habe ich lieb gewonnen. Aber immer wenn ich mehr über die Weisheit erfahren möchte und anfange systematisch Antworten zu suchen, verfange ich mich im Dschungel der Weisheitsliteratur: ich stolpere über die buddhistischen Wurzeln, versinke im religiösen Morast. Verwirrt finde ich mich in philosophischen Weisheitsbetrachtungen wieder, schüttele den Kopf und vertraue auf die natürliche Entwicklung. Im Laufe unseres Lebens werden wir nämlich ganz automatisch „sozialkompetenter, zuverlässiger, emotional stabiler, widerstandsfähiger“, sagt Ursula Staudinger, Dekanin des Jacobs Center on Lifelong Learning and Institutional Development und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Aber nicht unbedingt auch weiser. Die Entwicklungspsychologin unterscheidet zwei positive Lebensverläufe: den Weg der Weisheit und den Weg des Wohlergehens.

Der Weg der Weisheit ist steinig. „Wer ihn beschreite, müsse Dinge infrage stellen, unbequem sein, die gegebenen Umstände verändern und verbessern wollen“. Judith Glück, Psychologieprofessorin an der Universität Klagenfurt, nimmt an, dass Weisheit „oft mit schmerzlichen Erlebnissen verbunden“ sei.

Der Weg der Erforschung der Weisheit ist auch steinig. Bisherige Versuche die Weisheit empirisch zu erfassen, stehen auf wackligen Füssen. Staudinger & Baltes (1996) haben ein empirisches Weisheitsparadigma mit fünf Kriterien entwickelt: reiches faktisches und prozedurales Lebenswissen, Lifespan-Kontextualismus, Wert-Relativismus, Erkennen und Umgehen mit Ungewissheit. Unter standardisierten Bedingungen wurden Protokolle lauten Nachdenkens über schwierige Lebensprobleme erhoben und anhand der Kriterien ausgewertet. Glück ist dem Wesen der Weisheit mit qualitativer Methodik auf der Spur: „Wir fragen nach prägenden Ereignissen aus dem Leben und wie damit umgegangen wurde. Die Arbeitshypothese ist, dass weise Menschen sich in der Auseinandersetzung mit solchen Situationen positiv weiterentwickeln." Die Weisheit ist schwer zu fassen, denn sie „ist beweglicher als alle Bewegung“.

Quellen:

(1) Die Zeit: "Alte an die Arbeit"  

(2) Der Standard: "Wissenschaft von der Weisheit"

Staudinger, U. M., & Baltes, P. B. (1996). Weisheit als Gegenstand psychologischer Forschung. Psychologische Rundschau, 47, 57-77. 

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

10 Kommentare

  1. @ Katja

    Autsch, jetzt muss ich aber mit dem ss/ß aufpassen

    Vielleicht liegt ja ein gewisses Maß an Weisheit in der Einsicht, dass die Weißheit der Bärte und Haare, die Du erwähntest, allegorisch und analogisch, klanglich und inhaltlich zur Weisheit in Beziehung tritt. Denn Weiß ist die Farbe, die entsteht, wenn man alle anderen Farben zu gleichen Teilen mischt, wenn man also, weise und weiß geworden, die schreiende Buntheit des Lebens zu balancieren gelernt hat.

  2. Weisheit, – ein uneingelöster Anspruch

    Wie könnte die Menschheit endlich vernünftig mündig und weise – wie kann der Mensch konkret vom Triebtäter zum Hommo sapiens werden?

    Die globale, evolutiv bedingte Finanzkrise als Chance für die Erarbeitung globalethischer
    Grundsätze im Miteinander

    oder:
    Die evolutiven individuellen, kollektiven und globalen Fallen sind evolutiv-ethisch umgehbar
    oder:
    Von einer evolutiven – vom Unbewußten dominierten, ethisch individualistisch
    beliebigen, maßlosen “Lebenskunst” zu einer ethisch dominierten – bewußt
    gelebten – Überlebenskunst

    oder:
    Der barbarische Umgang mit den anderen Menschen, Tieren unserer Lebenswelt kann nur
    durch einen gelebten ethisch-moralischen Wandel beendet werden

    Die vom Menschen verursachten Nöte der Natur, bei Mensch und Tier wachsen überall sichtbar
    und bedrohlich, weil/wenn es weiterhin an (global) einfachen, klaren, ethisch eindeutigen und
    a l l t a g s t a u g l i c h e n Maßstäben v e r b i n d l i c h e n menschlichen Handelns fehlt.

    Wir, alle Lebewesen, haben bewußt u./oder unbewußt den angeborenen gemeinsamen Wunsch,
    dass das Leben optimal gedeihlich gelinge. Somit stellt sich die philosophische Frage, wie wir
    Menschen richtig leben sollten und leben könnten.
    Wegen der zunehmend existentiell dringlichen und der not-wendig vermehrt gestellten Sinn-
    und Orientierungsfragen hat das Thema Ethik für uns, für jeden einzelnen Menschen und
    g l o b a l, höchste Priorität.

    Lassen Sie uns das notwendige Bemühen um nachhaltig sinnvolle Lebensweisen als einen
    Wettbewerb um die besten ethischen Argumente “für ein gedeihlicheres Leben” diskursethisch
    in allen Lebensbereichen/Redaktionen führen.
    Die Globalisierung kann auch hierin als Chance begriffen und genutzt werden.
    Deshalb wird hier zur Anregung eines breiten Diskurses ein
    natürlicher, evolutionärer Ethikansatz vor- und zur Diskussion gestellt:

    Dabei soll es n i c h t um die Errichtung eines neuen ethischen Dogmas gehen, sondern um e i n e
    Einsicht in die dynamischen Prozesse menschlich-richtiger Lebensgestaltung in Theorie und Praxis.
    Es gibt in allen Religionen, Sekten, Kulturen und Gesellschaftsformen eine natürliche und historisch
    notwendige Hierarchie vernünftiger Werte, die ein ethischer gesellschaftlicher Permanentdiskurs
    global durchforsten und natur-angepaßt in einem ethischen Konsens fein-justieren können sollte.

    Erst im praktischen Vollzug eines menschenwürdigen Wertewandels werden wir den – uns als “homo
    sapiens” selbst angemaßten – menschlichen Würdeansprüchen gerecht, wenn wir aus gemachten
    Fehlern klug werden.
    Die fundamentale Frage, wie wir unsere menschengemachten globalen Probleme lösen könnten
    und können, sollte unser Wollen antreiben und uns zu einer für alle Menschen gültigen praxisnahen
    Fundamentalethik führen.

    Helfen Sie mit, einen solchen global-ethischen Permanent-Diskurs für mehr Demokratie und
    Gerechtigkeit in Gang zu setzen und im Wettbewerb um die besseren Argumente aus menschenwürdiger
    Solidarität in Gang zu halten.
    Solch Bedarf wächst täglich mit den Folgen unserer ethisch naturunangepaßten Fehlverhaltensweisen
    und somit mit jeder Folgegeneration. Vielleicht können Sie in diesen Betrachtungen auch die eine
    oder andere Anregung für ´s eigene Leben und unser gemeinsames Bemühen um eine optimale und damit
    gerechte Lebensgestaltung finden und dieser multiplikativ zur Wirkung verhelfen, in dem Sie eine
    solch ethische Diskussion fördern.

    Somit hängt unsere globale Zukunft fundamental von einer kurzfristigen und paradigmatischen
    ethischen Korrektur ab, wenn es eine gedeihlich lebbare Zukunft geben soll.

    Menschliche Krisen sind weitestgehend die – natürliche – Folge menschlich-ethischer Fehlentwicklung.
    Die Symptome sind Ausdruck einer drohenden evolutiv existenzbedrohlichen Falle.
    Es sind die Symptome einer technischen superioren und ethisch unzulänglichen evolutiven Entfaltung
    und Nutzung menschlicher Erkenntnismöglichkeiten. Die Symptome imponieren als zunehmender
    sittlicher Verfall. Ein “sittlicher Verfall”, der nur ethisch-moralisch aufzuhalten und durch einsichtige
    ethische Selbstüberwindung zu einer optimal gedeihlichen Lebensgestaltung umzubauen ist.

    Die Sitte, die moralische Gesamthaltung eines Einzelnen oder einer Gruppe und deren Wirkungen
    sind formale und inhaltlich vielfältige R e a l i t ä t , deren Kern als Weltethos beschreibbar ist.
    Die Antriebe, sich artgemäß ethisch richtig – bedingungsangepaßt – lebensförderlich ” zu verhalten,
    sind allen Lebewesen auf der Suche nach gedeihlichem Leben eigen.
    Vom Fressen und Gefressenwerden zum solidarisch gedeihlichen Leben des Menschen ist es ein
    weiter und hochkomplexer philosophisch-lebenskünstlerischer, also bildungsabhängiger Weg, der
    durch einfache und klare moralische Grundsätze sehr wirksam erleichtert werden kann.
    Wenn man die Entwicklung der Menschheit und deren Folgen für unser globales Leben in den letzten
    dreihundert Jahren bis heute betrachtet, dann wird ein Wertewandel der Menschen aus existentiellen
    Gründen immer unaufschiebarer n o t-wendig, weil die evolutiv dominanten und noch weitestgehend
    unbewußt gelebten Werte uns in eine evolutiv existentiell bedrohliche Falle führen.
    Des Menschen ethische Lehren, denen wir kulturell und religiös folgen, haben sich, wie überall
    sichtbar ist, n i c h t hinreichend bewährt, wie das am sozialen und ökologischen Zustand der
    Menschen und der Welt deutlich wird.

    Der nötige globale Wertewandel ist nur im global-ethischen Miteinander möglich – oder eben nicht!
    Deshalb brauchen wir kurzfristig einen globalen Wertediskurs und einen gelebten globalethischen,
    nachhaltig lebensförderlichen Wertewandel.
    Eine solche oder ähnliche paradigmatische Werteumkehr ist nur realisierbar, wenn Sie und viele
    andere Menschen für die vorliegende Betrachtung eine sinnvolle – die NÖTE- wendende –
    multiplikative Verwendung finden.

    Dr. Klaus Roggendorf

    Anhang: ” Globaler Wertewandel- eine Notwendigkeit”,
    für Einsteiger und Multiplikatoren:

    Leben ist Anpassung an die Natur!

    Sartre´s Satz, der Mensch sei zur Freiheit v e r u r t e i l t, ist selbstwidersprüchlich, weil die
    sog. Freiheit selbst evolutiv determiniert ist. Schon Kant hat vermutlich diesen Widerspruch geahnt
    und sich entsprechend zwiespältig geäußert.Die philosophische Beantwortung seiner drei
    lebenspraktischen Fragen ist existentiell notwendiger denn je.

    1. Was kann ich wissen?
    Jeder Mensch kann heute wissen, warum und mit welchen verheerenden Folgen der Mensch
    ein Naturwesen ist. Eine sinnvolle ethische Gesinnung/moralische Entscheidung hängt somit
    direkt und ganz besonders von einer stets bewußten Reflektion der Phylogenese menschlicher
    Erkenntnis ab, welche eine natürliche und bildungsabhängige solidarische Empatie einschließt.

    2. Was soll ich/was sollten alle Menschen tun?

    Alles, was die menschlich verursachten existentiellen Bedrohungen/ökologische und soziale
    Naturschäden mildert und minimiert. Jeder Mensch ist als Teil der Menschheit mitverantwortlich,
    zu tun, was der Erhaltung/Wiederherstellung der natürlichen ökologischen Balance dient.
    D.h. die phylogenetisch unbewußten, dominanten Handlungsantriebe maßlose Eitelkeit und
    Gier z.B., müssen ständig bewußt naturangepaßt berücksichtigt und durch Werteumkehr
    sinnvoll korrigiert und in z.B. begründeten berechtigten Stolz und sinnvolles Streben verwandelt
    werden, wenn künftiges Leben gedeihlich gestaltbar sein soll.
    Wertvoll wäre künftig und philosophisch dann, was nachhaltig lebensförderlich ist.

    3. Was darf der Mensch als Teil des Ganzen hoffen?

    Alles, vor allem ein global gedeihlich gelingendes Leben, wenn eine entsprechend ethische
    Gesinnungsethik solidarisch gefordert, global gefördert und praktisch gelebt wird. Die global
    solidarische Gesinnungsverwandtschaft ist die heut sinnvollste aller Verwandtschaften.
    Sie verbindet alles, was lebt!

    Der Mensch als Naturwesen ist zur Anpassung an die Natur verurteilt:

    Der Spielraum bei der un- und bewußten Suche nach optimaler Anpassung an seine
    Lebensbedingungen – zwischen gelingender und verfehlter Anpassung – charakterisiert
    das Ausmaß menschlich gefühlter und reflektierter Freiheit.
    Deshalb ist Freiheit eine Negation der Wirklichkeit, ein menschlich-idealistischer und
    verhängnisvoller Begriff, wie wir am Zustand der Natur und der westlichen Welt sehen
    können.
    Wenn der Mensch sich einbildet, dass sein bewußtes Denken weltgestaltender Reflexivität… nicht
    evolutiv auf dem “unbewußten Erfahren, Erkennen…”aufbauen würde – mithin nicht natürlich
    prozeßhaft entstanden sei, sondern eine menschliche besondere, künstliche kreative Hinzufügung
    von ihm sei, dann erklärt dies, dass die verheerende Naturzerstörung durch den Menschen durch
    obige Selbstüberhöhung besonders gefördert wurde.

    Das Bewußtsein steht evolutiv auf den Schultern des noch dominanten Unbewußten und die
    Menschheit im Stadium evolutiv-pubertärer Verwicklungen. Die Bewußtheit sollte nunmehr
    den ethisch weiteren Horizont entwickelt, der allein es den Menschen ermöglichen kann,
    seinen besonderen Würdeansprüchen und seiner Verantwortung auch wirklich gerecht zu
    werden und ihn befähigt, ein gedeihlicheres Leben hier auf Erden nachhaltig zu gestalten,
    statt sich im Kulturkämpfen zu verschleißen.
    Zwischen dem Bewußtsein, der Bewußtseinslosigkeit und der Bewußtlosigkeit gibt es alle möglichen
    fließenden Übergänge. Die menschlichen “Begriffe” trennen, was dynamisch zusammen gehört. Das
    angeblich “tierisch unbewußte” Leben hat sich durchaus evolutiv bewährt, während das “bewußt”
    menschengestaltete sich gerade in einem existentiell bedrohlich labilen, “pubertären”
    Bewährungsstadium befindet. Existentiell bedrohlich, weil die unbewußten, noch dominant wirksamen
    Antriebe den Menschen in eine evolutive Falle geraten lassen, wenn es ihm nicht gelingt, diese
    ethisch
    durch eine bewußt tiefenpsychologisch zeitgemäßere, demokratisch zu erarbeitende, vernünftige und
    verantwortungsvolle-Werteordnung zu zügeln.

    Die Freiheit und den “freien Willen” gibt es immer nur relativ, und dieser bleibt naturabhängig
    bestimmt. Der systemimmanente Freiheitsspielraum wird relativ größer für Psychopathen, wenn
    diese den Freiheitsgedanken manipulativ egozentrisch, pur-kapitalistisch mißbrauchen.
    Die Psychopathie des Menschen liefert dabei die lebenspraktisch nachvollziehbare Abbildung des
    natürlich-ethisch beliebig oder unreflektierten evolutiv verhängnisvollen Erfolgstyps. Kein
    fürsorglicher
    Vater würde seine Familie so verschulden, wie es die Politiker ihren Bevölkerungen kurzsichtig
    interessenorientiert zumuten. Schließlich ist diese Verschuldung von den Völkern in Finanzkrisen –
    Generalentschuldungen u./o. Währungsreformen – oder von den Folgegenerationen – auszubaden.
    Alle Menschen, besonders auch die Politiker, müssen sich, wie die Bankvorstände und alle
    Macht- und Einflußhaber, der demokratisch strikten und um-fassenden Transparenz und Kontrolle
    unterziehen, weil Macht und Geld Menschen – evolutiv/historisch betrachtet, schon immer und
    sytematisch korruptieren.

    Der Freiheitsspielraum wird für die Mehrheit der Menschen nur größer, wenn das Sein ethisch
    tiefenpsychologisch erschlossen, moralisch bewußt, nachhaltig lebensförderlich gestaltet und
    wahrheitsorientiert realisiert wird. Entscheidend ist der gegenwärtige Stand des Wissens/der
    Wahrheitsnähe der Einzelwissenschaften, deren Aktualität sich rasant in wenigen Jahren ändert.
    Je wahrheitsnäher das (unbewußte und das bewußte) Sein ist, desto freier von Nöten, desto
    weniger leidvoll, ist beglückender gelingendes Leben möglich. S o optimal bewußt gestaltbar
    ist das Leben (das Sein und Sollen) allerdings nur, wenn der Mensch sich ethisch-moralisch
    b e w u ß t strikt an den Naturwahrheiten orientiert – sich ihnen lebenspraktisch nähert und anpaßt!

    Das unbewußte und das bewußt wirksame unüberholbare –
    ” G e b o t der Natur” steht – so lange es Leben gibt – gnadenlos fest:

    Was lebt, hat sich den Lebens-Notwendigkeiten anzupassen oder
    ihnen auszuweichen.

    Zeitgemäßer und ethisch bewußter formuliert:

    Lebe stets so nachhaltig lebensförderlich,
    wie es Dir möglich ist – aber nicht weniger.

    D.h.: Die Natur bestimmt noch unbewußt dominant – zunehmend via Bewußtheit – unser ganzes Sein,
    also letztlich auch unser reflexiv-ethisches (empathisches) Fühlen, Wollen und Können.
    Die handlungsbestimmende Einsicht in die Wahrheit dieser Zusammenhänge und deren Notwendigkeiten
    kann unseren Freiheitsspielraum erweitern und so eine realistisch berechtigt fühlbare Freiheit und
    Würde begründen.
    Eine bewußt gestaltete, gedeihlich lebbare und global für alle Menschen verbindlich gelebte
    Werteordnung steht noch aus, wenn man es nicht ignorant bei ideellen Menschenrechten und
    selbstüberhobenem idealistischen Menschenbild ohne klare Mit-Verantwortung und Menschenpflichten
    bewenden lassen “will”. Dann jedenfalls wird geschehen, was immer schon im evolutiven `Circulus
    vitiosus` leidvoll geschah. Wir brauchen den demokratisch geführten globalethischen Diskurs jetzt.
    Jeder Mensch sollte sich als Mitgestalter verstehen, besonders aber alle Führenden sollten zu
    Multiplikatoren eines gedeihlichen ethisch-paradigmatischen Wandels werden.

    Falsche Selbst- und Weltbilder – falsche Ethik – falsches Leben – evolutive Falle

    Was müssen/müßten und können wir prinzipiell und konkret tun und lassen

    Evolution – vom evolvere »hervorrollen«, »abwickeln« von dominant unbewußtern zu fortschreitender
    bewußter und ethisch-moralischerr Entwicklung als menschliche Fortentwicklung seiner Phylogenese
    (Stammesentwicklung) im Geschichtsablauf.

    Die Eigensucht, der pure Egoismus hat sich als evolutives Prinzip mit verhängnisvollen Folgen
    individuell und gesellschaftlich systematisiert. Wir stecken in der obigen evolutiven Falle, weil
    das durch die Überbevölkerung zu klein gewordene globale Boot – die globale Natur – unsere
    ressourcenverschlingenden Maßlosigkeiten – ohne weiteren Schaden zu nehmen und in jeder Hinsicht –
    “klimatisch” nicht mehr ertragen kann.
    Die Folgen sind Symptome eines allgemeinen – evolutiv bedingten – technisch und ethisch ermöglichten
    sittlichen Verfalles, der durch maßlose Eitelkeiten, eigensüchtiger Konkurrenz und
    individualistische Maßlosigkeiten kennzeichenbar ist. Sittlicher Verfall ist nur ethisch-moralisch
    durch einsichtige – bewußte – Selbstüberwindung aufzuhalten und
    zu einer maßvollen, optimal naturangemessenen, gedeihlichen Lebensgestaltung – nachhaltig
    lebensförderlich – umzugestalten.

    Was heißt das konkret:

    Nachhaltige Lebensförderlichkeit – ein natürlich bedingter zeitgemäßer Lebensgrundsatz

    Es geht um den sich evolutiv notwendig und natürlich vollziehenden ethischen Prozeß des Menschen zu
    mehr Einsicht, Vernunft und Verantwortung, den man durch Erziehung fördern aber leider auch
    idealistisch behindern, fälschen oder blockieren kann.
    Die evolutiv rational-ethischen Einsichten sind bei zunehmender ethischen Reife des Menschen unsere
    einzige Überlebenschance gegen das übermächtig wirksame, triebhafte – auch das Bewußtsein
    weitestgehend dominierende – Unbewußte. Auch bewußt ethisch gelenktes Sein entsteht natürlich und
    wird wesentlich von den unbewußten Antrieben geleitet und beeinflußt.

    Ethik ist die Lehre vom richtigen Leben.

    Die vielen ethischen und religiösen Lehren, Kulturen und Gesellschaftsordnungen sind Ausdruck des
    menschlichen Strebens nach gelingendem Leben und der Suche nach stabiler moralischer
    Lebensorientierung.
    Die richtigen Visionen, Religionen Kulturen… sind ganz natürlich nachhaltig lebensförderlich, bis
    sie ebenso natürlich mißbraucht und hoffentlich recht bald entsprechend ethisch korrigiert werden.
    Sie sind evolutiv selbstzweck-bestimmte Mittel sowohl natürlich unbewußter als auch bewußter
    idealistischer Anpassung des Menschen an seine idealistischen Lebensgestaltungsziele, die auf
    falschen Begriffe von der Würde und Freiheit aufbauen und somit auf falschen Selbst- und
    Weltbildern beruhen.

    Nachhaltige Entwicklungen folgen vorausschauend und freiwillig den menschlich-ethisch-
    wahrheitsorientierten Einsichten in die natürlichen und/oder “menschengemachten” Not-
    Wendigkeiten. Nachhaltigkeit heißt, Um- und Mitweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit
    sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten v o r r a n g i g e t h i s c h
    zu berücksichtigen. Die Nachhaltigkeit zielt, wie z. B. langfristig nachhaltiges Wirtschaften…,
    darauf hin, uns und unseren Kindern ein intaktes ökologisches, soziales und
    ökonomisches Umfeld zu hinterlassen – ihnen ein gedeihliches – menschliches Überleben
    zu ermöglichen.

    Lebensförderlich ist alles, was das Leben evolutiv fördert.

    Ethisch sinnvoll und zukunftsfähig ist jedes, so nachhaltig wie möglich gestaltete,
    lebensförderliche/be-glückende und leidmindernde Verhalten. So ist es lebensförderlich, sich und
    anderen Menschen Freude zu bereiten. Freude selbst ist nur lebensförderlich, wenn sie maßvoll
    genossen wird – Glück ist nur möglich, wen man es nicht direkt anzusteuern versucht.
    Die Einschätzung dessen, was als sinnvoll und maßvoll lebensförderlich erkannt wird, ist vorrangig
    abhängig von der e t h i s c h e n Bildung und somit von der philosophisch-moralisch begründeten
    Lebenskunst.

    Macht, Reichtum, Bildung, Ruhm und Wissen – ohne ethisch vernünftig begründete Bildung
    mit ebensolchen klaren Kriterien – sind gefährlich, wie dies am Zustand der Welt sichtbar ist
    und führt in eine existentielle evolutive Falle.
    Da der Mensch – technolgisch/biologisch zu erfolgreich, ethisch natur-unangepaßt – evolutiv
    idealistisch im Neandertal zurückgeblieben – im Begriffe ist, durch Überbevölkerung und
    Umweltzerstörung global seine eigene Existenz zu gefährden, ist der längst überfällige
    kurzfristige Wertewandel – die ethisch-moralische Umkehr – unabdingbar notwendig.

    Nötig ist zunächst eine “Globale Konsens-Philosophie” als Gegenpol zu den heutigen
    individualistisch-ethisch-selbstüberheblichen und idealistischen Beliebigkeiten.
    Eine solche ” Globale Konsens-Philosophie” sollte als Orientierungshilfe im Umgang mit der
    komplizierten Unübersichtlichkeit differenzierter Philosophien und Wissenschaften ethische
    Klarheit und Sicherheit, demokratische Transparenz und Kontrolle bei der Lebensgestaltung
    vermitteln.

    Globale Krankheiten bedürfen globaler Therapien, wenn die
    Globalisierung – das Leben – global gedeihlich gelingen soll

    Die Konsens-Philosophie folgt ganz natürlich nachhaltig dem entscheidenden Kriterium – dem
    be- und unbewussten Sinn allen Lebens – dem Streben nach gelingendem Leben. Dieses
    Streben kann allein in der unbewußten und bewußt-ethischen evolutiven Auseinandersetzung
    mit dem Ganzen gelingen.

    Eine naturangepaßte Globalphilosophie, Universal-Philosophie und -Ethik oder wie auch immer
    bezeichnete Moralphilosophie, sollte allen Menschen eine einfache, verständlich-einsehbare
    Orientierung mit klaren Grundsätzen, Kriterien und Maßstäben zur optimalen Lebensgestaltung
    für jede Lebenssituation vermitteln können.

    Die natürlichen/gesellschaftlichen/konstitutionellen Gegebenheiten – die erkannten und unerkannten
    Wahrheiten – bestimmen mit ihren Kausalbeziehungen unseren Lebensraum, die Bedingungen und
    Grenzen unseres Seins und somit auch die Grenzen unseres “ethisch-richtigen” Sollens
    zu gedeihlichem Leben.

    D.h., diese Wahrheiten, unsere Annäherung an sie, bestimmen unser Sein. Die Wahrheit bestimmt
    unser Sein optimal positiv nur, wenn unser Verhalten wahrheitsorientiert, von Wahrhaftigkeit geprägt
    und damit n a t u r a n g e p a ß t ist.

    Deshalb ist die emotionale, rationale und p r i o r i t ä r ethische Bildung, die Selbst- und
    Welterkenntnis die Basis gelingenden menschlichen Lebens. Sinnvoll, vernünftig und gut ist
    folglich stets das n a c h h a l t i g optimal l e b e n s – f ö r d e r n d e Tun und Lassen so-
    wie die Mitwirkung eines jeden bei der Gestaltung des Ganzen.

    Glaub und tu, was Du willst, es muss nur so wahrheitsorientiert und nachhaltig
    lebensförderlich sein, wie es unter den bestehenden Umständen möglich ist.

    Jeder so gut er kann – aber nicht weniger.

    Das nachhaltig lebensförderliche Streben, gemessen am Stand menschlicher Erkenntnis,
    ist nicht nur d i e B a s i s des individuell und gesellschaftlich g l üc k e n d e n gelingenden
    L e b e n s in größtmöglicher Freiheit, sondern global das Kriterium und der Maßstab für
    menschliches Verhalten, was den W e r t, d i e Weisheit, W ü r d e und Kultur d e s
    M e n s c h e n begründet und definierbar macht.

    Wie universell gebräuchlich, klar und eindeutig dieses Kriterium der nachhaltigen
    Lebensförderlichkeit ist, zeigt sich, wenn man eine Situation zu benennen sucht,
    für die es n i c h t – entscheidend – geeignet und alltäglich verwendbar ist.

    Die nachhaltige Lebensförderlichkeit im Fühlen, Denken und Handeln ist ein natürlich begründetes
    Prinzip und deshalb eine existentiell unüberbietbare, philosophisch abschließende Lebensmaxime.

    Es gilt, die bisher gelebten ethischen Grundsätze anhand des Kriteriums “nachhaltiger
    Lebensförderlichkeit” zu prüfen und lebenspraktisch zu korrigieren, wenn sie überwiegend einer nur
    eingebildeten idealistischen Freiheit oder einem unrealistischen, selbstangemaßten –
    naturfeindlichen – besonderen Würdeanspruch entspringen.
    Ebenso gilt es, dem natürlichen ethischen Grundsatz und Kriterium der nachhaltigen
    naturangepaßten Lebensförderlichkeit gemäß zu entscheiden und entsprechend zu handeln, wenn
    menschliches Leben zukünftig und global gedeihlich gelingen soll.

    Dr. Klaus Roggendorf

    Mehr in den Suchmaschinen und in der NG » de.sci.philosophie «
    “Klimaethik”, “Der Kampf der Kulturen ist vermeidbar”, ” Nachhaltige
    Lebensförderlichkeit “, ” Globaler Wertewandel- eine Notwendigkeit”,
    “Gott und die Wahrheit”, “Peinlichkeiten der Philosophie” …u.v.a.m.

    Erfolgreich und zufrieden kann – bewußt vernünftig – heutzutage nur leben,
    wer so nachhaltig lebensförderlich wie möglich lebt.

  3. @ klaus Roggendorf

    Dieses Feld haben Sie doch mit Herrn Hövelborn schon ausgiebig beackert. Ich bin auch der Überzeugung, dass sich Weisheit doch in einem gewissen Grad der Bescheidenheit äußert und wahrhaft weise Dinge auch ganz knapp und prägnant formuliert werden können.

  4. Danke Frau Schwab

    …das Sie sich diesem Thema gewidmet haben. Es scheint als drängte sich das Ringen um die Weisheit selbst wieder mehr in den öffentlichen Raum und würde dort – hört, hört – Beachtung erfahren.
    Sehr schön finde ich, das Sie (wie auch ich) aus dem Buch der Weisheit, resp. der Weisheit Salomos zitieren. Ans Herz legen möchte ich Ihnen die Beschäftigung mit der Literatur Walter Odermatts zu diesem Thema und bin sicher, das Sie dort über die Weisheit fündig werden.
    Einen schönen Tag.

  5. @ Philipp Maichrzack

    Vielen Dank für die Empfehlung. Ich habe gerade auch Ihren Text über die Weisheit gelesen. Der Archetyp des oder der Weisen ist einfach faszinierend. Hier gibt es ja auch interessante Ansätze, die der analytischen Psychologie Jungs entspringen …

  6. Weisheit? Wo?

    Vielleicht hilft es dem Verständnis der Weisheit, sich einige “weise” Menschen in Erinnerung zu rufen und dann deren Besonderheit zu untersuchen. Fallen Ihnen denn “weise” Menschen ein?

  7. Was wäre das für ein Traum

    Was wäre wenn ein Mann erst seine Reife
    mit 30 Jahren erlangt, weil er sein ganzes bisheriges Leben lang
    alleine war mit seinen Problemen.
    Beziehungsweise sich in der Kindheit und spähteren Pubertät dissen Psychischen-Problemen selber anfing zu stellen und dabei immer tiefer und noch mehr dieser Probleme gerieht, bis am Ende fast nichts mehr übrig blieb was er hätte noch durchmachen können.

    Wäre er dann nicht in seinem Alter und ohne graue Haare, vieleicht weiser als so manch studierter der Psychologie?

    Und wo mag ihn dann diese
    Psycho(logische)-Weisheit dann noch in seinem hinbringen?

  8. Weisheit

    “dumm wird man nicht geboren, dumm wird man gemacht”

    ALS MENSCH ANFING SEINE TOTEN ZU BESTATTEN, WURDE MENSCH ZUM MENSCH – ALS MENSCH ANFING AUCH DARAUS EIN GESCHÄFT ZU MACHEN, WAR ALLES FÜR DEN ARSCH, bzw. der geistige Stillstand seit der “Vertreibung aus dem Paradies” (unser erster / einzige geistige Evolutionssprung) ward MANIFESTIERT

    “und willste übern Rasen laufen, mußte dir ein Grundstück kaufen”

    In diesem System des “gesunden” Konkurrenzdenkens im “freiheitlichen” Wettbewerb um …, in Konfusion durch Überproduktion von Kommunikationsmüll, mit gutbürgerlich-gebildeter Suppenkaspermentalität auf stets zeitgeistlich-systemrationaler “Sinn”- und Sündenbocksuche, wird niemand weise, sondern viel mehr zynisch, egoistisch, gewalttätig, revolutionär, ignorant, arrogant oder eben einfach konsum- und profitautistisch.

    “Individualbewußtsein” zu geistig-heilendes Selbst- und Massenbewußtsein, mit allen daraus einzig menschenwürdig resultierenden Konsequenzen / wirklich-wahrhaftigen Möglichkeiten, dann klappts auch mit der Weisheit.

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