Warum? Darum!

Kinder in einem bestimmten Alter können ihre Eltern mit „Warum“-Fragen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geist gehen. Warum-Fragen zu beantworten ist oft anstrengend, obwohl oder gerade deshalb wird das Wörtchen „Warum“ gerne und viel in unserer Kommunikation verwendet.

Wieso?

Gerade in schwierigen sozialen Situationen lösen „Warum“-Fragen Reaktanz aus und münden entgegen ihrer Intention nicht selten in einer Kommunikationsblockade. Jemand, der unter emotionalem Druck steht, wittert in diesen fünf Buchstaben einen versteckten Angriff und reagiert wahrscheinlich mit Rechtfertigungen oder einem Gegenangriff.

Weshalb?

Das verdeutlicht vielleicht diese kleine Geschichte vom sensiblen Fragezeichen:

Ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen rutschten beim Umfallen eines Bücherstapels aus ihrem Test und marschierten (…) durch die Zeilen, um ihren angestammten Platz wiederzufinden. „Da ist ein Platz für dich“, sagte das Ausrufezeichen „da steht ein WARUM.“ „Da will ich aber nicht hin“, antwortete das Fragezeichen. „Warum denn nicht?“ fragte das Ausrufezeichen. „Warum, warum, warum wohl“, fauchte das Fragezeichen. „Entschuldige bitte, ich wollte dir nicht auf die Nerven gehen. Ich wollte doch nur wissen, warum du da nicht hin willst.“ „Das ist es ja gerade“, sagte das Fragezeichen. „Ich habe schon oft in meinem Leben hinter einem WARUM gestanden. Und danach kamen meistens ganz empörte Sätze, die mich fast umgeblasen haben.“ „Warum das denn?“, fragte das Ausrufezeichen verwundert. „Man wird doch noch fragen dürfen!“ „Natürlich darf man fragen“, erwiderte das Fragezeichen. „Aber nicht WARUM. Du musst doch merken, dass Warumfragen die Leute auf die Palme bringen.“ „OK“, sagte das Ausrufezeichen. „Das kann ich verstehen, aber ich muss doch Fragen stellen, wenn ich die Gründe für etwas herausfinden will!“ „Das ist richtig. Aber nicht WARUM.“ „Und warum nicht? Oh, entschuldige bitte.“ „Ist schon gut. Also, wenn du die Gründe für etwas herausfinden willst, ist es auch nicht sinnvoll warum zu fragen. Die Leute geben dann meistens Antworten, die sie sich zurechtgelegt haben. Und die fördern nicht gerade das Verständnis der Sache. Oh, ich sehe, du möchtest schon wieder WARUM fragen.“ „Nein, will ich nicht!“ sagte das Ausrufezeichen empört. Ich will etwas ganz anderes fragen, nämlich: Wie frage ich dann, wenn ich nicht WARUM fragen darf?“ „Das ist eine gute Frage,“ sagte das Fragezeichen "Komm (…) wir finden sicher eine Stelle an der ich dir klarmachen kann, wie gute Fragen sich anhören."

Fortsetzung folgt.

Quelle: Mohl, Alexa: "Das Metaphern-Lehrbuch – Geschichten und Anleitungen aus der Zauberwerkstatt". (3. Auflage, 2004).

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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