Vorhang auf!

Psychologieblog

„Hey, ich kann einen neuen Jongliertrick. Wollt ihr mal sehen?“ Alle sind gespannt. Ich leg los, wie ich es vorher fleißig vor dem Spiegel geübt habe – und plötzlich jonglieren da zwei linke Hände. Einer meiner Freunde kriegt einen Ball ins Gesicht, die anderen können sich gerade noch ducken. „Toller Trick, den du da gelernt hast …“

Wie Zuschauer die eigene Leistung beeinflussen

Zahlreiche psychologische Untersuchungen zeigen, dass die Anwesenheit anderer die eigene Leistung verschlechtert (soziale Hemmung), im Alltag ist das Ganze unter dem Vorführ-Effekt bekannt.

In vielen Fällen tritt jedoch genau das Gegenteil ein: kaum sitzt man nicht mehr allein im stillen Kämmerlein meistert man eine Aufgabe besser (soziale Erleichterung).

Ja wie denn nun?

Einen Erklärungsansatz für diese widersprüchlichen Erklärungen lieferte Zajonc (1965). Dem Organismus fällt es unter einem erhöhten Erregungsniveau leichter, gut gelernte Verhaltensweisen zu zeigen, als neue, ungewohnte (Hull, 1943). Zajonc nahm an, dass die bloße Anwesenheit anderer evolutionsbedingt zu einem Anstieg des Erregungsniveaus führt (man weiß ja nie, ob die anderen es gut mit einem meinem) und demnach soziale Erleichterung bei einfachen, vertrauten Aufgaben eintritt.

Bei ungewohnten Aufgaben (wie bei meinem für mich noch neuen Trick) wird die eigene Leistung hingegen gehemmt.

Diese Theorie stimmt mit vielen Studienergebnissen überein. Allerdings zeigte sich, dass die bloße Anwesenheit anderer nicht ausreicht. Das Gefühl bewertet zu werden, gibt den Ausschlag für mehr Sicherheit oder Unsicherheit beim Handeln. So lassen einen Beobachter, von denen man annimmt, dass sie die eigene Leistung nicht beurteilen können, kalt (z.B. Sasfy & Okun, 1974).

Und meine Jonglier-Vorführung hätte wahrscheinlich wunderbar geklappt, hätte ich meinen Freunden vorher die Augen verbunden (Cottrell et al., 1968).

(irm)

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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