Von der Veränderungsresistenz (Part I)

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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"Gestern hat's geregnet, heute scheint die Sonne – das sind Umstellungen, die muss man erst mal verkraften." Jürgen Kohler im ZDF-Sportstudio, Abwehrspieler bei Borussia Dortmund

Ich will so bleiben, wie ich bin

Entwicklung und Veränderung, optimal initiiert durch Innovation, ist erhofft und gewünscht. Im beruflichem als auch privaten Bereich.

Aber so einfach, wie es sich anhört, ist es nicht. Das Sich-Verändern. Und das Andere-Verändern scheint eine noch größere Herausforderung zu sein. Immer wieder derselbe Stein, über dem man stolpert, obwohl man doch annahm, ihn ordentlich weggeräumt zu haben. Und auch der ein oder andere Mitarbeiter scheint veränderungsresistent. 

Ursachenforschung

Veränderung braucht Wissen:
Diese Aussage hört sich banal an, wird aber in ihrer Wirkung in der Praxis unterschätzt. Gerade Führungskräfte ziehen zu selten in Betracht, dass es dem Mitarbeiter beispielsweise schwer fällt, sich zu organisieren, weil ihm hilfreiches Wissen über ein effektives Zeitmanagement fehlt.

Veränderung braucht Kompetenz:
Es ist ein Unterschied, ob man weiß, wie effektives Zeitmanagement theoretisch funktioniert oder ob man es auch tatsächlich erfolgreich anwendet. Der entscheidende Punkt ist die Verhaltenskompetenz, die zur Umsetzung unabdinglich ist. Zum Beispiel erfuhr ich auf einer Veranstaltung, dass das Seminar zu „Zeitmanagement – Selbstorganisation leicht gemacht“ ausfallen musste, weil der Dozent nicht rechtzeitig fertig geworden ist.

Veränderung braucht Motivation:
Doch auch wenn Wissen und Verhaltenskompetenz gegeben sind, ist alles für die Katz, wenn man sich selbst oder jemand nicht ändern will.
Motivation ist die Grundvoraussetzung. Über die intrinsische Motivation hinaus, beeinflussen folgende Aspekte den Willen zu einer Veränderung:

  • Ergebniserwartungen (Atkinson, 1975)
  • Selbstwirksamkeitserwartungen (Mielke, 1984)
  • Erfahrungsschatz über bisherige Veränderungen und generelles Angstniveau.

"Die vernünftigen Menschen passen sich der Welt an; die unvernünftigen versuchen, sie zu verändern. Deshalb hängt aller Fortschritt von den Unvernünftigen ab." George Bernard Shaw, irischer Schriftsteller

Quelle: Krumbach-Mollenhauer, P. & Lehment, T. (2007). Führen mit Psychologie, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co.KGaA, Weinheim 

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

6 Kommentare

  1. Also ich fands alte Design

    irgendwie schöner….
    Aber werde trotzdem nicht aufhören, fleißig mitzulesen!
    Danke für die vielen interessanten Texte!

  2. Sehr lustig

    … wenn ich mir den Artikel durchlese und dann den Kommentar von Paul. Paßt unfreiwillig gut zu Thema. 😀

    Meist kommt der Mut zur Veränderung doch nur über den Schmerz. Falls wir dahinterkommen, daß schlechte Angewohnheiten, Charakterzüge usw. dahinterstecken, die uns in den Schmerz hineingeführt haben. Schöner wäre es sich aus der Erkenntnis heraus zu ändern, doch Veränderung bedeutet auch loslassen. Erstmal loslassen und dann steht man vor neuem, womit man noch nicht umzugehen weiß. Das macht Angst. Hinzu kommen noch die vielen Selbstentschuldigungen, die uns in trügerische Selbstzufriedenheit wiegen, es wäre alles in Ordnung, ich bin voll ok. Warum sich dann ändern, wenn man ganz in Ordnung ist?

    Es ist gar nicht so einfach, da heraus zu kommen. Dein Text ist ein guter Denkanstoß.

  3. Ohne Worte

    @Katja
    Ich bin seit knapp einem Jahr ein Stammleser deines Blogs. Ich wurde darauf aufmerksam weil du bei viralmarketing.de kommentiert hattest. Dadurch kam ich wiederum auf Corecon und SL. Bei dir hat sich ja scheinbar jetzt ne ganze Menge verändert ;-). Vielleicht wäre es ja psychologisch gesehen ein paar Worte wert gewesen was passiert ist? Naja, auf der anderen Seite scheint es jetzt eher in eine etwas distanziertere Richtung zu gehen. Das Blog hier wirkt auf mich sehr unpersönlich. Nichts mehr mit Corecon und SL???

  4. Korrekt

    Ich finde, mit dem letzten Zitat ist alles gesagt. Man muss sich anpassen, man wird nicht als Genie geboren, man wird eins und genauso muss man sich dazu verändern. Guter Artikel, gut recherchiert. Sind wir ja gewöhnt!

  5. ich bleibe es nicht….

    schöner Artikel – ich bin der Meinung dass Veränderung total wichtig für jeden Menschen ist. Für mich ist Stillstand der Tod! ich freue mich immer wieder ein mich alte Bekannte nach Jahren wieder sehen, und mir sagen ” Menschen, du hast dich aber verändert!”. wenn sie würden mir sagen, du bist ja immer noch der alte geblieben. Wäre es mit Sicherheit für mich eine Beleidigung.

    Wir Deutschen haben es sowieso sehr schwer mit der Veränderung. Gott sei Dank leben wir heute in Zeiten, wo wir sowieso gezwungenermaßen, den willen zur Veränderung entwickeln müssen.

    Ich selber als Legastheniker musste all die Jahre massiver Prozesse der Veränderung durchleben. Sonst wäre ich heute bestimmt nicht da ruhig heute bin. Denn ich bin heute kein Mauerblümchen mehr, heute bin ich sogar stolz Legastheniker zu sein – das ist Veränderung.

    Ob sich unsere Gesellschaft verändert, werden wir sehen. Aber wir können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten selber erstmal zu verändern. Dann wird sich auch unser Umfeld im kleinen verändern, wie unsere Gesellschaft. Wir müssen es nur wagen….

  6. Eine Frage des Grades der Neugier

    Neugier ist ein starker Trieb. Bei stabilen Lebensbedingung hat der weniger Neugierige höher Chancen bei sich verändernden Bedingungen, wie wir sie Heute überwiegend antreffen hat natürlich der Neugierigere höher Anpassungschancen und damit Überlebenschancen. Aber auch Neugier ist eine Frage der Balance. Die Maus die zu neugierig ist wird von der Katze gefressen.
    Anpassung, und dies erfolgt meist durch lernen, also Stufe um Stufe vom Einfachen zum Schwierigen, ist ein wesentlicher Aspekt von Veränderung. Man kann keinen Schritt auslassen – “nehme zwei Schritte auf einmal und falle aufs Maul” besingt Reinhard Mey.
    Siehe: http://www.dpast.de/erfolg.htm
    Lernen findet immer in einem Kontext mit Raum, Zeit, den fünf Sinnen und dem sechsten Sinn, es gibt ihn wirklich, die Repräsentation des Körpergefühls statt.
    http://www.dpast.de/arbeitsblaetter.htm – siehe Bewusstsein.
    Zeit kann man nicht managen, sie vergeht einfach so, sie ist für alle geleich ob arm ob reich. Seine Lebensführung kann man planen. Vorsicht, die meisten Zeitmanagementsysteme sind sehr oberflächlich: Die meiste Zeit im Leben geht durch falsche Ziele, ein falsches Studium zum Beispiel, verloren. Die meiste Zeit gewinnen wir durch vordenken und zum “Ich” passende Ziele. Es ist nicht einfach diese Ziele zu finden, denn Ziele einfach bestimmen, definieren ist zu einfach. Wie findet man seine Ziele?:
    http://www.dpast.de – Ziele finden, nicht suchen!
    Um etwas zu verändern muss man etwas tun. Um etwas zum guten zu verändern muss man das richtige tun, dies richtig und zur richtigen Zeit.
    Dieter Past

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