Stress als Einstellungssache

*Ich-muss-nicht-alles-100%ig-machen* *Ich-lasse-mich-nicht-unter-Druck-setzen* *Tief-durchatmen* *Ich-lasse-mich-nicht-verrückt-machen* *entspannen* *Nichts-überstürzen-erst-mal-Überblick-verschaffen*

Stress ist eines der Lieblingswörter dieser Gesellschaft. Jedermann ist heutzutage irgendwie gestresst. Lassen Sie sich zur Einstimmung auf das Thema diese Wortschöpfung unserer Zeit auf der Zunge zergehen: Stressmanagement.

Stress gehört zu den wichtigen gesellschaftlichen Themen. Daher wollte ich schon lange einen Beitrag zu Stress schreiben. Aber Sie kennen das ja und haben sicher Verständnis, dass ich zuviel Stress hatte, um mich dem Stress zu widmen. Ein perfider Schachzug des Stresses, um sein Überleben zu sichern. Gibt man ihm den kleinen Finger, nimmt er gleich die ganze Hand. Er schleicht sich auf leisen Sohlen in Ihre Nähe, unbeachtet steht er so in der Ecke herum. Das stört nicht, schließlich braucht jeder Mensch ein bisschen Stress. Im Verlauf der Zeit steht er einem dann öfters mal im Weg, man fndet seine Spuren in der Küche und im Bad bis man sich schließlich aus Versehen direkt auf ihn setzt, weil er Bier trinkend und Chips essend auf der Couch liegt und RTL2 schaut. Er hat die Tendenz jeden Bereich des Lebens zu vereinnahmen, wenn man ihn nicht beachtet und seinem Treiben Einhalt gebietet. Ein unsensibler Untermieter, der – hat er sich einmal eingenistet – auch nicht auszieht, wenn man ihn höflich bittet. Nicht jeder kennt diese Situation. Hatten Sie schon mal solch einen Untermieter, oder ist diese Metapher einfach zu abwegig?

Was ich sagen will, ist, jetzt kommt’s. Nun warten Sie doch mal. Entspannen Sie sich. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung. Atmen Sie ruhig und gleichmäßig. Ihr ganzer Körper entspannt sich. Achtung jetzt: Stress ist Einstellungssache. Stress ist nichts anderes als ein „subjektiv unangenehmer Spannungszustand, der aus der Befürchtung entsteht, dass eine aversive Situation wahrscheinlich schwer kontrollierbar ist“ (Greif, 1991). Nach Lazarus empfinden wir Stress, wenn eine Situation als negativ, stark herausfordernd oder bedrohlich bewertet wird und die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten als unzureichend erlebt werden. Stress entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und den persönlichen Möglichkeiten. 

Des Stresses Kern ist die individuelle Bewertung einer Situation und nun sagen Sie nicht, hier kann man nichts machen. Es gibt einen Unterschied zwischen stressmildernden und stressverschärfenden Gedanken. Wir schätzen Situationen nicht objektiv ein und tendieren daher häufig in die eine oder andere Richtung. Man kann die eigene Reaktion hinterfragen, anstatt Perfektionismus oder andere unangenehme Haustiere zu füttern. Wir sind wieder bei dieser holprigen Metapher von oben mit dem Haus und dem Stress und so. Ich zieh das jetzt durch.

Es gibt natürlich auch eine Vielzahl von Methoden, die helfen sollen, den Stress zu reduzieren. Neben der Flut von Entspannungstechniken, gibt es auch … ach, das dauert hier jetzt einfach zu lange noch einen schlüssigen Rahmen zum Abschluss dieses Beitrages zu formulieren. Ich muss weg. Und mach mir jetzt keinen Stress und schreibe einfach: Ende.

*Alles-halb-so-wild* *Andere-machen-auch-Fehler* *In-der-Ruhe-liegt-die-Kraft* *Worum-geht-es-eigentlich?* *Nerven-bewahren* *Es-gibt-Schlimmeres* *Ich-kann-es-nicht-allen-recht-machen*

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Einfach so …

    Damit zum Stress nicht auch noch die Einsamkeit hinzu kommt, liebe Katja:
    Ein schöner Blog, den ich gerne lese.
    Das mal einfach so 😉

  2. stress (unvermeidbar)

    stress ist m. e. unvermeidbar.
    wir können im interaktiven leben kaum verhindern, dass unser zeitmanagement durcheinander kommt. könnten wir en detail vorausplanen und auch perfekt einschätzen, in welcher zeit wir welche aktivität bewältigen können, hätten wir wohl auch kein stressproblem.

    stress ist somit (m. e.) auch als zeitmangel definierbar – was selbstredend auch mit zu hohen ansprüchen einhergeht, wenn ich mehr umsetzen möchte, als ich schaffen kann.
    wer also permanent mehr möchte, als er umsetzen kann, wird gestresst werden.

    im arbeitsleben ist stress ohnehin kaum zu vermeiden: vieles muss auf zuruf erledigt werden, und wer kennt nicht die momente, wenn man drei zurufe gleichzeitig erhält, während man zuvor sich stundenlang eher gelangweilt hat?

    stress gänzlich zu vermeiden hieße dann allerdings: sich gegenüber den reizen von außen weitestgehend abzuschotten.

    (oder klagen einsiedler auch über stress? war robinson c. auch gestresst? 😉

    … danke für den artikel, war sehr nett (und auch stressfrei) zu lesen.

  3. Stress immer negativ?

    Hallo,

    Stress kann doch maaaal auch ganz nett sein. Es kommt eben darauf an, ob es sich um eine lange Liste Dinge handelt, die man meint tun zu müssen, oder die man tun möchte. (Da fängt das mit der Einstellung schon an.)

    Ein bisschen Stress tut ab und an ganz gut. Das ist wie Intervalltraining beim Sport: hin und wieder ein Sprint und der Körper freut sich, bedankt sich danach mit dem entsprechenden Hormoncocktail.

    Ansonsten zahlt sich auch das derzeit-in-aller-Munde “Achtsamkeit” aus. Solange man wirklich nur im Hier und Jetzt und dies richtig ist, bleibt kein Fitzelchen im Hirn frei um sich Gedanken darüber zu machen, was man noch alles nicht erledigt, und was man nachher noch alles meint erledigen zu müssen… inkl. der Gedankenschleifen und hausgemachten Stresses.

    Aber die Methoden wollten wir ja weglassen. 😉

    Viele Grüße
    Sterne

  4. guter Stress – schlechter Stress

    Wie meine Mama immer sagt: “Alles in Maßen.” – das gilt auch beim Stress. Bei mir läuft das so: Nach einer Woche faulenzen am Strand hab ich bereits ein mulmiges Gefühl für die zweite Woche. Denn, mir ist langweilig… Ganz klarer Fall von Stressentzug! Laut Wissenschaft kann “punktueller Stress” sogar unsere Gesundheit fördern, weil wir seit Höhlenzeitgedenken Stress als unangenehmen, manchmal sogar als angenehmen “Untermieter” 🙂 kennen. Wen’s interessiert: http://www.gesundheit-heute.de/gh/ebene3.html?id=2356
    Ansonsten wollte ich mich nur mal für die tollen Blogeinträge bedanken – macht immer wieder Spass, sie zu lesen und darüber zu schmunzeln.

  5. Der Blog ist echt gut. Ich setze mich fast täglich unter Streß, weil ich denke ich schaffe das sonst nie oder ich habe keine Zeit mehr. Es ist echt ein Luxus, wenn man entspannt an Sachen dran gehen kann. Ich werde es aber in nächster Zeit mal versuchen.

  6. Super

    Ich finde den Beitrag sehr gut. Stress entsteht nur, wenn man denkt, dass man alles das, was man geplant hat, nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen kann.Viel Beschäftigt zu sein allein bewirkt keinen Stress. Wie es schon auf den Punkt gebracht wurde: Stress ist Einstellungssache

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