Stereotype – Alle Blogger sind Freaks!

Gestern saß ich mit einer Kollegin zusammen und während ich über die Weiten der Blogosphäre philosophierte, beendete sie meinen euphorischen Vortrag lakonisch mit:"Blogger sind doch Freaks. Ich glaube, die haben einfach alle zuviel Zeit."

Auf meine Nachfrage antwortete sie, dass Freaks für sie Leute sind, die sehr viel Zeit in ein merkwürdiges Spezialgebiet investieren z.B. ist der Stereotyp eines klassischen Freaks für sie einer dieser sonderbaren Typen, die von A nach B reisen, nur um möglichst seltene Flugzeugtypen zu fotografieren und zu sammeln.

Dieses Vorurteil wird sicher bei einigen Bloggern Empörung hervorrufen, dabei sind Stereotype für die Wahrnehmung unserer komplexen Welt hilfreich. Stereotype sind eine Form der sozialen Kategorisierung, mit der Menschen als Mitglieder einer sozialen Gruppe wahrgenommen werden.

Der positive Aspekt sozialer Kategorisierung

Stereotype stellen Informationen zur Verfügung, die nicht direkt wahrgenommen werden können (Bruner, 1957). Mitglieder einer sozialen Gruppe teilen in der Regel viele Charakteristika, die der Stereotyp in seiner überspitzten Form beinhaltet.

Das ermöglicht es mir von einem typischen Gruppenmitglied auf andere Mitglieder zu schließen, obwohl ich diese z.B. nicht kenne. Dieser Mechanismus erlaubt einen schärferen Fokus auf unsere komplexe Umwelt (Wilder, 1986).

Meine Kollegin weiß also, dass der typische Blogger viel Zeit braucht, um Beiträge zu recherchieren, zu schreiben und für das Netz aufzubereiten, und das er Spezialwissen über die Mechanismen des sozialen Web besitzt. Daher schließt sie auf alle Mitglieder der Blogger-Community – überspitzt gesagt – dass sie es mit Freaks zu tun hat.

Der negative Aspekt sozialer Kategorisierung

Stereotype haben noch einen zweiten wichtigen Aspekt, der oft negative Folgen wie Diskrimierung mit sich bringt. Soziale Kategorisierung macht die Mitglieder einer Gruppe einander ähnlicher als sie es tatsächlich sind (McGarty & Penny, 1988). Dadurch wird die Ähnlichkeit zwischen Gruppenmitgliedern häufig überschätzt und ihre Vielfalt übersehen (Wilder, 1981).

Oder anders ausgedrückt: Nicht alle Blogger sind Freaks.

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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