Planung braucht Köpfchen

Dass man ein bisschen Grips zum Denken benötigt ist klar. Doch wie Denk- und Entscheidungsprozesse genau ablaufen, stellt die Hirnforschung vor viele Fragen. Was passiert in den grauen Zellen, wenn wir am Horizont eine grüne Ampel sehen. Bereitet sich unser Gehirn darauf vor, bei Bedarf zu bremsen oder schnell noch Gas zu geben, wenn sie kurz vor dem Passieren auf gelb spingt?

Amerikanische Neurowissenschaftler beobachteten mittels eines Kernspintomographen die Gehirnaktivität von Personen, die einen schlichten Reaktionstest bearbeiteten. Es gab zwei verschiedene Schwierigkeitsstufen der Aufgaben. Bei der einfachen Version sollten die Probanden mit einer Hand einen Knopf drücken, sobald eine Markierung auf einer Seite des Bildschirms auftauchte. Bei der schwierigeren Variante sollten sie dagegen den Knopf auf der jeweils anderen Seite drücken. Zusätzlich gab es vor einigen Aufgaben einen vorweg eingeblendeten Hinweis auf den Schwierigkeitsgrad.

Die Forscher hatten erwartet, dass die Teilnehmer zunächst zwei Regionen im Scheitellappen und im hinteren Teil des Stirnlappens aktivieren würden, die an räumlicher Aufmerksamkeit und Bewegungsplanung beteiligt sind. Erst danach sollte eine Aktivierung im vorderen Stirnlappen die Entscheidungsfindung anzeigen. Tatsächlich wurden alle drei Regionen gleichzeitig aktiv, wenn die Probanden den Hinweis sahen.

Noch vor dem Erscheinen der Aufgabe aktiviert das Gehirn eine Region, die mit dem Fällen von Entscheidungen assoziiert ist, wenn zuvor der Hinweis auf den Schwierigkeitsgrad eingeblendet wurde. Eric Schumacher vom Georgia Institute of Technology vermutet, dass diese Reaktion einer spezifischen Form der Vorbereitung dient und somit eine schnellere Reaktion ermöglicht.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Planen und Handeln keine klar zu trennenden Prozesse sind bei der Bearbeitung von leichten Aufgaben.

Quelle: Brain Research, Vol. 1136(1), pp 77-87, DOI via Scienceticker, Wie das Gehirn vorausplant

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Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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