Magie im Kopf

Wir leben in einer aufgeklärten, modernen Welt. Die meisten Menschen würden sicher der Aussage zustimmen, dass es keine Hexen oder Geister gibt, die ihr Unwesen treiben. Trotzdem erwischte ich letztens einen guten Freund, der mit Leib und Seele Physiker ist und ein glühender Verfechter der Naturwissenschaften, bei einem Aberglauben.

Ich wollte in bester Absicht einen alten verrosteten Pfennig, der unansehnlich auf seinem Schreibtisch herumlag, entsorgen. Doch dann wurde diese altruistische Aufräumaktion durch einen markerschütternden Schrei "NEIN!" gestoppt. Unter meinem fragenden Blick wurde er rot und murmelte verlegen:"Das ist mein Glückspfennig."

Mit diesem Verhalten befindet er sich in guter Gesellschaft mit seinem Kollegen Niels Bohr, der über seiner Haustür ein Hufeisen angebracht hatte und auf verdutzte Nachfragen antwortete:"Es hilft auch, wenn man nicht dran glaubt!".

Wir sind alle anfällig für magisches Denken. Bruce Hood, Psychologieprofessor an der Universität Bristol bat in einer Vorlesung um Personen, die sich zur Verfügung stellen für 10 Pfund eine etwas altmodische Jacke anzuziehen. Sofort fanden sich viele Freiwillige, die ihr Budget aufbessern wollten. Dann erklärte Hood:"Allerdings, das muss ich hinzufügen, gehörte die Jacke Fred West.", der in England ein berüchtigter Serienmörder war. Plötzlich schwand die Zahl der Freiwilligen enorm.

Wir neigen dazu – weit öfter als wir denken – Gegenständen moralische oder psychische Eigenschaften zuzuschreiben, als ob sich das "Wesen" des Besitzers auf sie übertragen hätte. Mit anderen Worten: wir denken magisch und sind ziemlich abergläubisch.

Magisches Denken kann die Lücke füllen, die Fragen, auf die es keine befriedigende Antwort gibt, hinterlassen. Es gibt "ein Mindestmaß an Gewissheit (…), indem wir an gute oder böse Geister, an die Kraft von Gebeten, an Rituale, religiöse Dogmen oder an andere paranormale Kräfte glauben, reduzieren wir existenziellen Stress und Angst."

Abakadabra.

Quelle: timesonline, Evolution keeps us superstitious. Now that's lucky.
Psychologie Heute, Dezember 2006, Harry Potter – übernehmen Sie.

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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