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Psychologieblog

Man wird das Gefühl nicht los, dass die Frage: „Was ist Glück?“ das Potential birgt ein sprachlicher Rorschachtest zu sein. Die Meinungen und Herangehensweisen, Ideen und Überzeugungen zum Glück sind facettenreich, vielfältig und fast allesamt interessant: von der abstrakt theoretischen Betrachtung über die empirische Annäherung bis hin in die allerletzte durch Räucherstäbchen vernebelte Esoterik-Ecke.

Fragen wir die klassischen Philosophen, das ist immer ein guter Anfang. Schopenhauer war überzeugt, dass Leiden dem Leben wesentlich ist und hat auf dieser Basis den Begriff  Eudämonologie geprägt, der sich um die Theorie eines „glücklichen Lebens“ rankt: „Die Eudämonologie hat mit der Belehrung anzuheben, dass ihr Name selbst ein Euphemismus ist, und dass unter 'glücklich leben' nur zu verstehen ist 'weniger unglücklich', also erträglich leben“. Nietzsche hat mal gesagt: Glück ist die Verbindung von Macht und Freude. Sucht man das Glück bei Google, findet man unter anderem das:

  • Glück ist relativ
  • Glück ist lernbar
  • Glück ist Gen-Sache
  • Glück ist eine Blase
  • Glück ist käuflich
  • Glück ist goldgelb

Barbara Ann Kipfers hat über das Glück ein Buch geschrieben mit nur einem richtigen Satz: „Eine Liste von Sachen, wie sie einem gerade in den Sinn kommen.“ Darauf folgen „14000 Gründe, um glücklich zu sein". Seit sie ein kleines Mädchen war, hat die Autorin alles aufgeschrieben, was sie glücklich macht und eine Liste mit einer großen Auswahl von kleinen Dingen des Alltags erstellt, wie zum Beispiel „Spaghetti mit leuchtend roter Tomatensauce". Einen Überblick der anderen Art bekommt man von UNESCO (via Karrierebibel). Die ersten Konferenzen zum Thema sind glücklich verlaufen. Die ersten Pilotprojekte sind gestartet: An einer  Heidelberger Schule wird seit letztem Jahr Glück als Schulfach gelehrt. Ein ganzheitliches Konzept soll ein Schritt in Richtung Zukunft sein und aus „Schulbildung wieder Bildung“ machen. Vor allem Selbsterfahrungseinheiten sollen einen Raum schaffen, in dem die Fähigkeit Glück empfinden zu können, gefördert wird. Theaterspiel, Positives Denken und die "Beschäftigung mit dem Ich" stehen unter anderem neben Kletter- und Entspannungsübungen auf dem Stundenplan des Glücks.

Alles im Leben kann zum Glück beitragen, lautet die Botschaft. Am Ende bleibt nur eine Sache, an der es für Schüler hapern könnte: "Glück" ist ein Unterrichtsfach. Und das bedeutet: Es gibt Noten. Macht nichts, finden die Schüler. Einer sagt: "Ich habe das Fach doch gewählt, weil es mich interessiert. Glauben Sie, ich will eine Fünf in 'Glück'?" (1)

Ich wünsche diesem Vorhaben viel Glück.

Quellen:
(1)    Spiegel: Fröhliche Schüler in Heidelberg
(2)    Spiegel: Gefühle nach Stundenplan
(3)    Karrierebibel: Wo die Menschen glücklich sind

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

8 Kommentare

  1. mit Humor…

    rechte Hemisphäre: Ich, Seele, Gral, Gott.
    linke Hemisphäre: Du sprichst in Bildern, damit kann ich nichts anfangen.
    rechte: ich quäle mich so, merkst du nicht, daß ich leide?
    linke: wie kann ich dir helfen?
    rechte: lies mal die Philosophen.
    linke: Welche?
    rechte: fang mal bei Nietzsche an -der spricht so wunderschön in Bildern.
    linke: “Gott ist tot”
    rechte: bist du meschugge? Ich rede doch mit dir.
    linke: liest Nietzsche…
    rechte: bist du bald fertig? Oh Gott -mir ist so langweilig…
    linke: die Geduld mußt du als Gefährtin wählen.

  2. frühkindliche Ursache von Glück

    Hier noch eine andere Ursache für Glück:

    Die Glückserfahrungen aus der Zeit nach der Geburt und vor der Entwicklung einer eigenständigen ICH-Persönlichkeit, begleiten uns unterbewusst das ganze Leben lang.
    Ab der Entwicklung eines Ich-Bewusstseins (ab 2. Lebensjahr) werden alle Erfahrungen als ´Ich´-Erlebnisse kodiert. Weil aber jede bewusste Erinnerung verfälscht werden kann (z.B. beim Wiedererinnern)können sich nur die Ich-Erlebnisse wandeln; die vor-Ich-Glücks-Erlebnisse sind unveränderbar, weil sie nicht ICH-kodiert sind.

    Es ist eigentlich schade, dass diese Tatsache niemand interessiert.

  3. @Richard

    Hallo,
    aber was folgt daraus deiner Meinung nach?
    Kann jemand der als Kind nicht geliebt wurde nie richtig glücklich werden, oder erwirbt man
    im glücklicherem Fall ein Polster, daß einen vorm Ärgsten bewahrt?
    Vieleicht braucht man ja auch ein Ich um glücklich sein zu können, und alles vorher ist nur wohlbehagen?
    Ich denke da gegen spricht borderline.

    Gruß Uwe

    Gruß Uwe

  4. @ uwe kauffmann

    Was daraus folgt ist noch unklar. Weil man diesen Lebens-Bereich bisher mehr oder minder ignoriert hat.
    Das Thema ´infantile Amnesie´ führt bisher ein Schattendasein.

    Wenn diese uncodierten Erinnerungen eine Ursache von Glück sind, dann ist das zunächst einfach nur nett – wenn man aber durch intensivere Beschäftigung mit diesem Zeitraum eine Möglichkeit findet, um frühkindliche Traumata zu behandeln, dann wäre dies eine wirkliche Hilfe und neue Therapiemöglichkeit.

  5. @Richard Gibt es das?

    Hallo Richard,
    die älteste Erinnerung die ich habe, ist folgende.
    Ich muss damals irgendwie rund um ein Jahr alt gewesen sein.
    Da ich scheinbar krabelnderweis, meiner Mutter auf den Nerv ging, beschloss sie mich wohl in ein Laufställchen zu verbringen. Dort machte ich dann wohl Ausbruchsversuche.
    Wohl in der Sorge das ich mich verletzten würde, nahm sie dann den guten Rat einer Verwandten an mich anzuschirren.
    Und nun kommt das an das ich mich noch heute erinnere.
    Ich stelle fest das ich mich im Ställchen nicht bewegen kann und fange an zu heulen. Frage mich was und warum meine Mutter das mit mir gemacht hat.
    Nebenbei bekomme ich dann noch mit wie die Tante sagt, Bei ihrem großem hätte Sie das auch so gemacht und es hätte ihm nicht geschadet.
    Das ist meine älteste Erinnerung.

    Gruß Uwe Kauffmann

  6. Uwe, angeschirrt

    Hallo Uwe
    Weil Du Dich noch bewusst daran erinnern kannst, deutet dies darauf hin, dass dieses Erlebnis ab der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres stattgefunden hat.
    Die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit (mit entsprechend verknüpften persönlichen Erinnerungen) findet etwa ab diesem Zeitraum statt.

  7. Links

    Weiß jemand, ob es standardisierte Möglichkeiten gibt, Referenz- klar von Empfehlungslinks zu unterscheiden? Bei einigen Beiträgen würde ich mir so eine Kennzeichnung wünschen.

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