Konstruktive Kritik

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Die hohe Kunst in zwischenmenschlichen Beziehungen

Ob im Beruf oder im Privatleben. Wir haben im Allgemeinen Schwierigkeiten damit, unsere Mitmenschen mit ihren Macken und Marotten anzunehmen.

Es nervt einfach, wenn man immer wieder über die Kleidungsstücke des Partners stolpert, die den Weg in die Küche zu einem Parcours machen oder die Schmatzgeräusche des Kollegen, der in regelmäßigen Abständen die firmeneigene Keksschachtel leer futtert, aber nie füllt. Alles Dinge, die unwichtig wären, hätten wir nur noch 100 Tage zu leben, aber wichtig genug sind, um unseren Blutdruck regelmäßig ansteigen zu lassen.

Nur wie erklären wir diese kleinen Alltagsprobleme unseren Mitmenschen, so dass die Wahrscheinlichkeit einer gewünschten Verhaltensänderung tatsächlich steigt?

Konstruktives Meckern

Sagen wir unserem Partner genervt, dass wir es trotz der Jammerei über den Winterspeck nicht schätzen, wenn er regelmäßig dafür sorgt, dass der Gang in die Küche zum Hindernislauf mutiert, wird er vermutlich mit Reaktanz reagieren. Schließlich hat es für ihn einige Vorteile seine Kleidung malerisch in der Wohnung zu verteilen anstatt sie an ihren Platz zu bringen. Die Chance, dass der Partner ein Einsehen in die Problematik hat, erhöht sich, wenn man sich der klassischen Feedback-Regeln bedient (nach Günther & Sperber, 1995).

Regeln für denjenigen, der Rückmeldung gibt

  • Sage zuerst, was gut war. Nenne dann die Dinge, die besser sein könnten.
  • Nenne genau, was Dir gefallen hat und was nicht so gut war. Allgemeine, globale Aussagen sind weniger nützlich.
  • Wenn Du etwas kritisierst, sage, welche Folgen das kritisierte Verhalten Deiner Meinung nach hat.
  • Mache möglichst konkrete und realisierbare Änderungsvorschläge.
  • Gebe die Rückmeldung möglichst direkt.

Solltest Du derjenige sein, der in regelmäßiger Selbstverständlichkeit für chaotische Gemütlichkeit sorgt, ist es für das erfolgreiche Funktionieren von zwischenmenschlichen Beziehungen hilfreich, folgende Verhaltenstipps zu berücksichtigen.

Regeln für denjenigen, der Rückmeldung bekommt

  • Höre Dir die Kritik in Ruhe an.
  • Wiederhole die Kritik in eigenen Worten und frage nach, wenn Du etwas nicht verstanden hast.
  • Bitte andere um Rückmeldung, wenn sie nicht spontan angeboten wird – Du kannst nur dazulernen.

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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