Ist Kriminalität ansteckend?

Psychologieblog

Mit den Nachbarskindern darfst du nicht spielen!

Viele Eltern beobachten die Freundschaften ihrer Zauberwesen mit Argusaugen. Die Angst, dass das eigene Kind auf die schiefe Bahn gerät, wenn es sich in schlechten Kreisen aufhält, ist laut einer wissenschaftlichen Untersuchung mit cirka 260 Jugendlichen im Alter von 13 Jahren nicht ganz unberechtigt.

Die Jugendlichen und ihre Lehrer wurden von den Entwicklungspsychologen aus Kanada und Neuseeland nach ihrer Beteiligung an Diebstählen, Einbrüchen, Vandalismus und Schlägereien in den vergangenen 12 Monaten befragt. "Es zeigte sich, dass Jugendliche, die sich delinquent verhielten, einen schlechten Einfluss auf Gleichaltrige hatten und diese zu kriminellen Delikten verleiteten" (Journal of Adolescence, 1/2007).

Kriminalitätsrisiko im Jugendalter

Die Forscher ermittelten Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Jugendlicher kriminelle Verhaltenweisen zeigt, wenn er mit delinquenten Gleichaltrigen in Kontakt ist. Dazu zählen laut Psychologie Heute Lernschwierigkeiten und "mangelnde Unterstützung in der Familie sowie ein frühes, heftiges Einsetzen der Pubertät". Der negative Einfluss von "falschen" Freunden scheint sich vor allen Dingen auf sehr selbstunsichere Jugendliche auszuwirken. Auch eine fehlende Angst vor Bestrafung und die Suche nach Spannung und Aufregung können negative Einflüsse von einem kriminellen Umfeld wahrscheinlicher machen. Ebenso können sich Temperamentsmerkmale wie Impulsivität zum Risikofaktor entwickeln: "Personen, die sehr impulsiv sind, handeln ohne zu planen und nachzudenken. Sie sind leicht ablenkbar, ungeduldig und fangen Dinge an, ohne sie zu Ende zu führen."

Der Freundeskreis spielt scheinbar keine untergeordnete Rolle, wenn es um die kriminelle Laufbahn geht … aber das haben die Eltern ja schon immer gewusst.

Quelle: Psychologie Heute, Juni 2007: "Jugendliche unter Einfluss"

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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