Im goldenen Käfig des Selbst

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Wir alle ärgern uns über uns selbst. Da hatten wir uns vorgenommen in bestimmten Situationen anders zu reagieren: erwachsener, reifer, überlegter – und trotzdem fallen wir in entscheidenden Situationen wieder in unsere alten Verhaltensmuster zurück.

Verhaltenshierarchien

Während unseres Lebens haben wir verschiedene Verhaltensweisen für eine bestimmte Situation erlernt. Dabei gibt es die dominante Verhaltensweise, die öfter belohnt wurde – und nun eine höhere Reaktionsstärke aufweist, d.h. sie wird häufiger eingesetzt als andere mögliche Reaktionen.

Mit steigender Aktivierung – z.B. durch intensive Reize, Konflikte, starke Gefühle, Frustration – wird der Unterschied zwischen den Reaktionsstärken erhöht. Die sowieso schon dominante Reaktion wird noch häufiger, heftiger, schneller und löschungsresistenter. Dies dient wahrscheinlich der Handlungsfähigkeit im evolutionstheoretischen Sinne. Das Verhalten wird rigide, eine Änderung und der Neuerwerb von Verhaltensweisen – Kreativität – schwer möglich.

Ein Experiment von Davitz (1952) illustriert diesen Effekt sehr eindrücklich an Kindern. (Dieses Experiment ist sicher ethisch bedenklich. Ich möchte aber diese Debatte an dieser Stelle außen vor lassen und das Ergebnis diskutieren.)

  • Eine Hälfte der Kinder wurde zunächst wiederholt für kooperatives Verhalten in Spielsituationen verstärkt, die andere Hälfte für aggressives Verhalten beim Spiel.
  • Dann wurden alle Kinder stark aktiviert (sie wurden frustriert, indem ein gerade laufender Film unterbrochen wurde und der Versuchsleiter ihnen Süßigkeiten wegnahm).
  • Diejenigen Kinder, bei denen aggressives Spielverhalten dominant war, waren nach der Frustration noch aggressiver. Die andere Versuchsgruppe (bei denen Kooperation dominant war) wurde noch kooperativer und weniger aggressiv als vor der Frustration.

Neue Verhaltensweisen auszuprobieren wird schwieriger, wenn wir stark involviert sind. Stehen wir ständig unter Druck, wird unser Handlungsspielraum auf wenige Alternativen begrenzt bleiben.

Jede Erziehungstechnik, die zu extremer Aktivierung führt (etwa starker Leistungsdruck oder massive Strafen und Strafandrohungen) beeinträchtigt die Entwicklung zu einer flexibel handelnden Person.

Quelle: Herkner (1996), Lehrbuch Sozialpsychologie

(kat)

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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