Geschenke!

Ich war in den großen Weiten des Internets unterwegs, um originelle Wege zu finden „Danke“ zu sagen. Eine kleine Aufmerksamkeit – ein kleines Geschenk – das nicht zuviel Aufhebens um sich macht, zu finden war die Mission. Und ich wurde fündig und möchte Ihnen heute die Ausbeute meines Streifzuges als Geschenk darreichen.

„Man irrt, wenn man glaubt, dass Schenken eine leichte Sache sei.“ Dieses Zitat kann ich bedenkenlos als Fazit unter meine Recherche setzen, auch wenn es Seneca wahrscheinlich etwas anders gemeint hat. Sie haben ja keine Vorstellung wie kompliziert der Schenkungsakt in seiner ganzheitlichen Betrachtung ist … Ich würde vorschlagen, wir arbeiten uns erstmal durch die Grundlagen. Im Kern betrachtet sind Geben und Nehmen die Grundlage für jede Beziehung. Schenken schafft Frieden, schließlich sind die Gebenden seliger als die Nehmenden. Während Nehmen des Öfteren in der Kritik steht, hat das Schenken einen guten Ruf. Aber weit gefehlt. Ganz so einfach ist das natürlich nicht, muss ich feststellen während ich systematisch durch die Googlelisten pflüge.

Gabenaustausch beruht auf der Norm der Reziprozität. Das meint die gesellschaftlich geteilte Sicht, dass wir uns verpflichtet fühlen, anderen einen Gefallen, eine Leistung oder ein Entgegenkommen zurückzugeben, welche wir angeboten bekommen oder erhalten haben. Und das trifft nicht nur auf das Schenken im Kollegen- oder Bekanntenkreis an Geburtstagen zu, sondern auch unter Verwandten und Liebenden am Weinachtsfest. Im intimen Kreis wird vielleicht kein Gegengeschenk erwartet, aber Freude strahlende Augen im Gesicht des geliebten Beschenkten.

Wer schenkt, will binden. Diese vier Worte bestechen durch ihre Klarheit und scheinen auf die meisten Situationen auch zu zutreffen. Menschen, die mit guter Absicht schenken, zielen in den meisten Fällen auf Bindung. Das Geschenk verursacht eine emotionale Abhängigkeit, die stabilisierend auf die Beziehung wirkt. Doch auch für Gaben, die mit negativer Intention verschenkt werden, kann das zutreffen.

1. Das Geschenk als ein Symbol für Macht

„In der indianischen Tradition war es unter Häuptlingen üblich, sich gegenseitig überaus reich zu beschenken. Dabei wollte jeder Schenkende den Vorgänger übertreffen, auch wenn er dabei alles hergeben musste.“ (laut Wikipedia) Und wenn ich hier noch anmerken darf: es ist wohl eine der schöneren Machtanwendungen, die ich kenne.

2. Das Geschenk als Friedensangebot

In Konfliktmanagementseminaren lernt man, dass eine kleine Aufmerksamkeit auf dem Schreibtisch in Konflikt- oder schwierigen Verhandlungssituationen Wunder bewirken kann. Und tatsächlich wirkt freiwilliges Schenken aggressionshemmend.

3. Das Geschenk als juristisches Problem

„Die Schenkung ist nach deutschem Schuldrecht eine Zuwendung, durch die jemand aus seinem Vermögen einen anderen bereichert und beide Teile darüber einig sind, dass die Zuwendung unentgeltlich erfolgt (§ 516 Abs. 1 BGB).“ Aber in zwei Fällen kann man von dem notariell beglaubigten Schenkungsversprechen (§ 518 BGB) zurücktreten: bei Verarmung des Schenkers oder Vorliegen von groben Undank.

4. Das Geschenk als Selbstoffenbarung

Ein Geschenk ist eine Aussage über Gefühle und Erwartungen. Geschenke sind Boten der Absichten von Gebendem und Nehmenden. Es sagt etwas aus über das Bild, was der Schenker vom Begünstigten hat. In Seminaren wird mit Vorliebe der Feedbackprozess mit einer Schenkung verglichen. Wenn der Mann seiner Frau Geschirrhandtücher schenkt, und die Frau ihrem Mann eine Gartenschere und beide sich nicht über ihre Geschenke freuen, haben wir ein negatives Beispiel vorliegen. Aber auch Geschenke, die klassische Stereotypen bedienen, fallen in diese Kategorie.

„Ein Geschenk ist genau soviel wert wie die Liebe mit der es ausgesucht worden ist.“ (Thyde Monnier, Schriftstellerin) Geschenke sind ein wundervolles Mittel, um zarte Regungen und unsagbare Gefühle auszudrücken. Ich habe als kleines Dankeschön ein Schokotelegramm verschickt.

Früher tendierte der Mensch eher dazu, seine Wertschätzung durch liebevolle Bastelei in mühevoller Kleinarbeit auszudrücken. Heutzutage gibt es einen Trend in Richtung monetärer Symbolik. Am schönsten sind aber immer persönliche Geschenke, die eine Geschichte erzählen. Der Mosaic Maker bietet mit ein bisschen Kreativität eine Grundlage für schöne Geschenkideen, wenn es möglich ist diese Mosaike auf hochwertigen Papier in Übergröße von sehr guter Qualität drucken zu lassen (Tipps?). Das Ganze funktioniert so:

1. Gib deine Antwort auf jede der untenstehenden Fragen ins Flickr-Suchfeld ein.
2. Such ein Bild von der ersten Seite aus.
3. Copypaste jeden Bildlink in den Mosaic Maker.

Update: Flickr-Mosaik gelöscht wegen Geschenken der etwas anderen Art.

Hier sehen Sie meinen Versuch mit diesen etwas uninspirierten Fragen:

1. Dein Vorname?
2. Lieblingsessen?
3. Auf welche Schule bist du gegangen?
4. Lieblingsfarbe?
5. Celebrity Crush?
6. Lieblingsgetränk?
7. Traumurlaubsziel?
8. Dein Lieblingsnachtisch?
9. Was willst du werden, wenn du groß bist?
10. Was magst du am meisten am Leben?
11. Ein Wort, das dich beschreibt?
12. Dein flickr-Name.

Na, da fallen uns doch wesentlich originellere Fragen ein … Ich lade Sie herzlich ein, in den Kommentaren Vorschläge zu machen, denn „schenke mit Geist ohne List, sei eingedenk, dass Dein Geschenk Du selber bist". (Joachim Ringelnatz)

Quelle: Internet (Idee Mosaic-Maker via Anke)

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. beschenkt

    Hallo,
    sehr schöner Beitrag. Ich möchte manchmal Menschen etwas schenken, aber die scheinbar natürliche Distanz, lässt das nicht zu.
    Ich liebe Menschen (meistens), das darf man ja aber so nicht zeigen.

    Gruß Uwe Kauffmann

  2. Schenker nicht gleich Schenker

    Hallo,
    der Beitrag ist sehr interessant. Ich wusste nicht, dass dieser Akt der Nächstenliebe im BGB geregelt ist.

    Eine kleine Ergänzung hierzu:
    Es gibt Anlassschenker und es gibt Gelegenheitsschenker und auch – wie ich meine – Personenspezifische Schenker.

    Der Anlassschenker ist eine Person, die ausschließlich zu Feiertagen schenkt (z.B. Geburtstag). Die Geschenke dieser Person fallen ebenso wenig persönlich wie originell aus. “Hauptsache etwas” lautet hier die Devise.
    Solche Menschen sind ein graus für jeden Anlass.

    Der Gelegenheitsschenker schenkt ab und zu, aber nicht vorhersehbar, anlassgerichtet oder berechnbar. Er sieht, kombiniert (in Bezug auf darauf, dass es jemandem gefallen könnte), kauft und schenkt.

    Der Personenspezifische Schenker, wozu ich mich zähle, hält nichts von Anlässen, die mit einem Erwartungsdruck und Zwang verbunden sind. Er schenkt dann, wenn er etwas sieht von dem er der Meinung ist, einer ganz bestimmten Person könne es eine Freude machen. Er ist ein Mensch, der sich gut in andere hinein versetzen kann und empathisch genug ist, um anderen zuzuhören und Bedürfnisse auch zwischen den Zeilen zu erkennen.

    Kennt ihr noch weitere Schenkertypen? Mir persönlich ist der letzte am sympathischsten. Nicht weil ich mich dazu zähle sondern weil man davon ausgehen kann, dass so ein Geschenk einen tieferen Sinn hat und keines ist, welches man nicht besitzen möchte.

    In diesem Sinne…

  3. Schenken

    Hey, Hey,
    auf der Suche nach Möglichkeiten Menschen zum Schenken zu animieren bin ich auf dieser Seite gelandet. Fein, Fein, Fein !
    Danke – besonders für nden Gedanken von Ringelnatz !!!
    A.-M.

  4. Das ist aber wirklich ein sehr schöner Beitrag..Ich verstehe auch nicht, dass man heutzutage viel mehr auf den Wert des Geschenkes achtet, als auf die Botschaft..Ich freue mich mehr über ein Geschenk, mit dem ich etwas verbinden kann…und genauso probiere ich auch immer das zu verschenken, was einfach das Herz berührt:-)

  5. So habe ich das noch nie betrachtet

    Okay, ich muss sagen, manchmal macht man sich zuviel Gedanken über unwichtige Dinge, und oft zuwenig für die wirklich wichtigen Dinge.
    Gerade beim Schenken merkt man das oft. Ein Geschenk wir leider oft als lästige Pflichtaufgabe gesehen. Dabei kann es auch selbst soviel Freude bereiten, wenn man sich wirklich darauf einlässt.
    Ich finde es oft schade, dass wenige so denken.
    Ein gutes Geschenk macht Arbeit, klar, aber eigentlich ist das Geschenk nur die materielle Hülle für die Liebe, die verschenkt wird.
    Und ich glaube daran, dass jeder empfänglich ist für Liebe. Manche sind nur misstrauisch.
    Ich merke es immer wieder, dass nur wer Liebe gibt, auch Liebe bekommt. Alles was man braucht ist Mut die Angst zu überwinden verletzt zu werden.
    Vielen Dank für den Artikel.

  6. Schenken ist kompliziert, dass kann man wohl sagen!
    Was hat es zu bedeuten, wenn die Schenkende am Ende der Beziehung das erste und wahrscheinlich intimste Geschenk aus dem Haushalt stiehlt und es mit sich nimmt, ohne etwas zu sagen. Es gibt zwei dieser Objekte – eines hat sie und eines hatte ich. Ich habe sie darauf angesprochen und ernte nur Schweigen – schlechtes Gewissen, oder einfach Frechheit?

    Wenn Sie sich im Geschenk selbst offenbart und Bindung herstellen möchte, was bedeutet dann die Rücknahme – sich vor dem anderen wieder verschließen und entbinden? Rücknahme wegen eines sich unverstanden fühlen (empfundener Undank)?

    Und was macht sie mit diesem Symbol, wo sie es zurückgenommen hat – schenkt sie es einem neuen Partner? Ist das Geschenk gleichzusetzen mit ihrer Person?

    Was sagt Ihr dazu? Soetwas ist mir bisher noch nicht begegnet und es macht mich traurig und wütend zu gleich. Sie stiehlt sich aus meinem Leben und nimmt eine der wichtigsten Erinnerungen mit.

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