Gehorche!

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Heute möchte ich diesen Beitrag einem Klassiker der Psychologieforschung widmen: dem Milgram-Experiment.

Der Versuchsleiter weist die als Lehrer agierende Versuchsperson an, dem Schüler bei „Fehlern“ in der Zusammensetzung von Wortpaaren elektrische Schläge zu verabreichen. In Wirklichkeit ist der Schüler ein Schauspieler, die Schocks nicht real. Die Versuchperson in ihrer Rolle als Lehrer wird in dem Glauben der Echtheit gelassen, um ihre Reaktionen zu testen. Viele Probanden versetzten auf Geheiß des Versuchsleiters jeweils stärkere „Elektroschocks“, selbst dann, wenn der Schauspieler unter vorgetäuschten Schmerzen den Abbruch des Versuchs verlangte und eine ernsthafte gesundheitliche Gefährdung des Schülers vermutet werden konnte.“

Hier ist das gesamte Experiment ausführlich beschrieben, deshalb spare ich mir die Beschreibung.

Die Norm des Gehorsams definiert sich als geteilte Ansicht, das Personen einer legitimierten Autorität gehorchen sollten (Smith & Mackie, 1999). Folgende Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen Anweisungen von Autoritäten folgen:

  1. Die Norm des Gehorsams gegenüber Autoritäten muss zugänglicher sein als andere Normen
    Die Probanden des Milgram-Experimentes befanden sich in einem Gewissenskonflikt. Einerseits fühlten sie sich verpflichtet dem Versuchsleiter zu gehorchen. Andererseits konnten sie die Norm der sozialen Verantwortung, z.B. andere nicht zu verletzen, nicht ignorieren. In einer variierten Versuchsanordnung war die Distanz zwischen "Lehrer" und "Schüler" reduziert, somit war des "Schülers" Leiden näher und irgendwie persönlicher. Befanden sich "Schüler" und "Lehrer" in demselben Raum, folgten nur noch 40 Prozent der Probanden den Anweisungen.
  2. Die Autorität muss Verantwortung übernehmen
    Wenn im Verlauf des Milgram-Experimentes einige der Versuchspersonen in der Rolle des „Lehrers“ Bedenken hatten, das Experiment fortzusetzen, erinnerte sie der Versuchsleiter daran, dass er die volle Verantwortung übernimmt – was in der Regel den Gehorsam aufrechterhielt. Nur wenn Menschen glauben, sie tragen die Verantwortung für ihr Handeln sinkt die Bereitschaft zu gehorchen.
  3. Die Autorität muss legitimiert sein
    In erster Linie ist Autorität durch Kleidung legitimiert z.B. der weisse Kittel des Arztes oder andere Uniformen. Diese Symbole reichen in der Regel aus, die Norm des Gehorsams gegenüber Autoritäten zu aktivieren. Die autoritäre Person muss anwesend sein, damit Menschen gehorchen. In einem anderen Experiment wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert einen Bewerber zu schikanieren, der sich um einen Job bewirbt. In einem Kontrolldurchgang war der Versuchsleiter während des Interviews nicht anwesend – und kein einziger Teilnehmer gehorchte und schikanierte den Bewerber. Aber sobald der Versuchsleiter im Raum war, gehorchten 92 Prozent der Teilnehmer und ruinierten die Chancen des Kandidaten den Job zu bekommen (Meeus & Raaijmakers. 1986).Ob das Tragen einer Uniform ausreicht, dass der Partner gehorcht? – vielleicht im Schlafzimmer 🙂

(kat)

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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