Geheimnisse unseres Gedächtnisses

Klatsch und Tratsch in der Unimensa: nach nahezu achtwöchiger vorlesungsfreier Zeit trifft sich die eingeschworene Studentengemeinde zum kollektiven Austausch von Urlaubserinnerungen, Praktikumserfahrungen und vor allen Dingen zur anschaulichen Schilderung der Mißerfolgserlebnisse während der letzten Prüfungsperiode.

Dabei scheint die schmerzhafte Erfahrung mißglückter Prüfungen umso nachdrücklicher, je fleißiger, intensiver und aufwendiger die Vorbereitung ausfiel. Da wurde schließlich wochenlang minutiös jede Formel, Jahreszahl oder empirische Studie auswendig gelernt und im entscheidenden Augenblick verweigert das Gedächtnis seine Mitarbeit.

Es ist, als sei der Schlüssel zur Schublade mit den aufbewahrten Erinnerungen verloren gegangen. Das der Schlüssel zum Erfolg die eigene Stimmungslage oder die situative Umgebung des Prüflings sein könnte, haben Psychologen in eindrücklichen Forschungsstudien nachgewiesen.

Lernen ist kontextabhängig

Godden und Baddeley haben beispielshalber schon vor über dreißig Jahren Taucher Wortlisten einerseits an Land und andererseits mehrere Meter unter der Wasseroberfläche lernen lassen. In einem späteren Gedächtnistest, der ebenso abwechselnd unter Wasser und am Land durchgeführt wurde, sollten die Probanden versuchen alle erlernten Begriffe zu reproduzieren. Es stellte sich heraus, dass die Anzahl erinnerter Wörter deutlich größer war, wenn die Umgebung der Lern- und Wiedergabephase identisch war. Dahingegen führte ein Kontextwechsel zu einer Verschlechterung der Erinnerungsleistung.

Auch Effekte der eigenen Stimmung dürfen nicht vernachlässigt werden: In einer Untersuchung von Teasdale und Russell mussten sich Untersuchungsteilnehmer Wörter neutraler, positiver oder negativer Natur einprägen. In einer späteren Sitzung sollten sie nach der Induktion entweder einer heiteren oder traurigen Stimmung, möglichst viele Wörter erinnern. Während die neutralen Worte in beiden Stimmungsgruppen vergleichbar schlecht erinnert wurden, konnten die Fröhlichen deutlich mehr positive und die Traurigen bedeutsam mehr negative Wörter wiedergeben.

Um Euch optimal auf die nächste Prüfung vorzubereiten, müsst Ihr Euch mit den entsprechenden Lernutensilien im Büro Eures Professors einnisten oder wo auch immer sonst die Prüfung stattfinden soll.

(gast)

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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  1. Geheimnisse unseres Gedächtnisses

    interessanter Beitrag !

    es ist ja auch schon lange bei praktischer Mentaler Prüfungs-vorbereitung und Bearbeitung von Prüfungs-Blockaden bekannt, daß die mentale Repräsentation der Prüfungs-Lokalität in einer intensivierten Entspannungssituation deutliche Erfolge bei Prüfungsleistungen ergeben kann, …..dies wird allerdings im Sinne der umgekehrten U-Funktion von psychophysischer Anspannung und Prüfungsleistung interpretiert
    ( mittlere Anspannung optimal )

    Ewald Butz ätt aol.com , Coach und DP

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