Frauenquoten & Quotenfrauen

BLOG: Psychologieblog

Das menschliche Miteinander auf der Couch
Psychologieblog

Diskriminierung von Randgruppen und Minderheiten hat weitreichende negative Effekte auf die betroffenen Personen. Die Gesellschaft ist sich einig, dass etwas unternommen werden muss, um diskriminierte Personen zu schützen. Neben dem Minderheitenschutz, der sich ausschließlich auf ethnische und nationale Minderheiten bezieht, wurden auch andere Maßnahmen eingeführt wie ein vorgegebener Frauenanteil bei der Besetzung von Stellen. Die Einführung der Frauenquote wird zu Recht als Erfolg der Emanzipation gewertet.

Trotzdem bedeutet die Frauenquote für die betroffenen Frauen eher einen Mißerfolg, welcher sich im negativ konnotierten Begriff der „Quotenfrau“ wiederspiegelt. Ein Experiment von Heilman, Simon und Repper verdeutlicht diesen Effekt.

Ein Experiment zu mehrdeutigem Feedback

Versuchsteilnehmern einer geschlechtergemischten Gruppe wurde mitgeteilt, dass sie für eine Führungsposition ausgewählt wurden, da sie sehr gute Ergebnisse in dem vorangegangen Test zu ihrem Führungspotential erzielt hätten. Probanden einer anderen Versuchsgruppe wurde gesagt, dass sie in die enge Auswahl kommen, weil die Organisation mehr Personen ihres Geschlechts benötigt. Die Auserwählten traten abermals zu einem Test an, deren Auswertung für die eine Hälfte der Teilnehmer ergab, dass sie die Aufgabe bestanden, während der anderen Hälfte mitgeteilt wurde, dass sie nicht bestanden hätten. Daraufhin wurden alle Probanden gebeten ihre eigenen Führungsqualitäten einzuschätzen.

Der Erfolg oder Misserfolg bei der Aufgabe hatte kaum einen Einfluss auf die Selbsteinschätzung der Teilnehmer hinsichtlich ihrer Fähigkeiten. Die Frauen bewerteten sich unabhängig von ihrer Performance bei der Aufgabe viel schlechter auf der Skala der Führungsfähigkeit, wenn ihnen gesagt wurde, dass sie aufgrund ihres Geschlechts in die engere Auswahl gelangten. Interessanterweise konnten die Wissenschaftler diesen Effekt bei den männlichen Probanden nicht beobachten. Sie bewerteten ihre Führungsqualitäten relativ unabhängig von Auswahlkriterium und Erfolg/Misserfolg bei der Bearbeitung der Aufgabe.

Es ist auf gesellschaftlicher Ebene schwer gegen Diskriminierung vorzugehen, denn positive Diskriminierung im Sinne von einer bewussten Bevorzugung von Mitgliedern einer Minderheit zum Ausgleich von Nachteilen birgt ebenfalls Risiken.

Quelle: Smith & Mackie (2. Aufl., 2000). Social Psychology. Kendalville: Courier.

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

Schreibe einen Kommentar