Eine schöne Bescherung

Psychologieblog

“Für den produktiven Charakter … ist Geben höchster Ausdruck seines Vermögens. Gerade im Akt des Schenkens erlebe ich meine Stärke, meinen Reichtum, meine Macht.” Erich Fromm

Aber Schenken macht nicht nur einfach glücklich im Angesicht der Freude des Beschenkten. Es kann laut einer Untersuchung von Bellemare und Shearer von der Universität Laval in Québec auch eine Organisation produktiver machen: „Wer seine Mitarbeiter zu größerer Leistung anspornen möchte, sollte ihnen hin und wieder etwas schenken.“

In einem kanadischen Aufforstungsbetrieb kamen die Mitarbeiter, deren Leistung durch Akkordlohn honoriert wird, zu einem unerwarteten Geldsegen in Form von einem einmalig ausgezahlten Bonus unabhängig von ihrer Arbeitsleistung.

Am Tag des Geldgeschenks erhöhte sich die Produktivität der Mitarbeiter um mehr als zehn Prozent. Je länger ein Mitarbeiter schon bei der Firma beschäftigt war, desto andauernder entfaltete die Gratifikation eine positive Wirkung.

Dahinter verbirgt sich der reziproke Charakter einer Schenkhandlung. Hilfsorganisationen und auch weniger seriöse Unternehmungen, bedienen sich der Norm der Reziprozität. Diese Studie, erschienen beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, bestätigt, dass sie auch im Arbeitsleben eine einflussreiche Rolle spielt. Bellemare nimmt an, „dass der Effekt bei einem Fixlohn noch höher wäre“, da Akkordarbeit bereits einen starken Leistungsanreiz darstellt.

Vielleicht erhöht sich die Produktivität nicht, wenn es sich um eine Wagenladung leistungsmindernder Mitbringsel handelt, denn „man irrt, wenn man glaubt, daß Schenken eine leichte Sache sei“ (Lucius Annaeus Seneca).

Quelle: Psychologie Heute: Der schlaue Chef verteilt Geschenke

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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