Der vernetzte Student

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Der rasante technologische Fortschritt verstärkt die Verständigungsprobleme von Jung und Alt. Viele Eltern schauen ratlos auf das digitale Treiben ihrer Kinder. Mit fehlendem Wissen geht Unsicherheit einher. Was macht mein Kind da? Begibt es

Twittern für Eltern

sich in Gefahr? "Meine Mutter weiß über das Internet nur so viel, wie sie damals über meinen frühen Zigarettenkonsum im Gebüsch beim Hallenbad wusste: sie tut es. Und es ist ungesund." schreibt eine Bloggerin. Die Blogpiloten erklären deshalb regelmäßig Fachbegriffe aus der Netzwelt in der Serie "Wie sag ich’s meinen Eltern?".

Während die Jungen mit digitaler Technologie aufwachsen, werden Ältere erst im Erwachsenenalter mit neuen Entwicklungen im Netz konfrontiert. Um den Unterschied zu verdeutlichen, haben sich die Bezeichnungen "Digital Native" und "Digital Immigrant" herausgebildet. Diese beiden Gruppen unterscheiden sich nicht nur in der Häufigkeit der Techniknutzung, sondern auch in der Art des Gebrauchs. Hier können Sie testen, ob sie unabhängig vom Alter in die Gruppe der "Digital Natives" gehören.

Die schöne neue Medienwelt hält auch Einzug in der Lehre. Informelles und selbstbestimmtes Lernen durch z.B. Social Networks sind zentrale Themen. Das folgende Video "The connected student" im Stil von Common Craft zeigt wie Studenten ein Lernnetzwerk aufbauen können.

Die Funktion des Lehrenden wird kurz am Ende des Videos angesprochen. Er fördert selbstbestimmtes Lernen, zeigt Kommunikationswege auf und demonstriert Möglichkeiten und Grenzen digitaler Vernetzung. In unserer Gesellschaft definiert sich Wissen heute weniger über den Zugang zu Informationen, sondern mehr durch die Frage nach der Auswertung von Informationen. Wie können wir die Informationflut filtern? Wie sind Quellen zu prüfen und zu bewerten?

Im Netz finden sich viele Ansätze wie die neuen Dienste Lernen fördern können. Aber selten ist neben der Euphorie über das Potential der digitalen Möglichkeiten Raum für eine realistische Betrachtung. Denn im Zentrum der Lehre steht nach wie vor der Lehrende – und das meist frontal vor der Klasse. Lehrende gehören häufig zur Gruppe der digitalen Immigranten, die Mühe haben mit dem technologischen Fortschritt mitzuhalten. Und das ist nicht erstaunlich angesichts der vielfältigen Web-Dienste, der unübersichlichen Vernetzung und der rasanten Entwicklung. Gerade deshalb werden die Forderungen nach Vermittlung von Medienkompetenz lauter. Erste Pilotprojekte werden gestartet. Der  kindliche und jugendliche Umgang mit den Medien beobachtet.

Nach wie vor ist das wichtigste Curriculum des Lehrers seine eigene Person (Hartwig von Hentigs). Ist der Lehrende nicht von den Inhalten und Kompetenzen seines Themengebietes überzeugt, wird er sie nicht vermitteln können. Und so wie viele der Lehrer die technologische Entwicklung mit Skepsis betrachten, möchte auch nicht jeder Schüler digital vernetzt lernen. Es gilt eine Schnittstelle zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und den Möglichkeiten zu schaffen. In Anbetracht der verlangsamten Umsetzung der theoretischen Möglichkeiten in die Praxis gilt die Politik der kleinen Schritte.

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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