Du bist Deutschland

Psychologieblog

„Behandle dein Land doch einfach wie einen guten Freund.“

So hört sich der neue Patriotismus an. An sich selbst glauben, an sein Land, an Deutschland, und sich dafür einsetzen.

Patriotismus – hat das nicht was mit Vaterlandsliebe, Stolz und bitterem Beigeschmack zu tun? Wer außer unseren rechten Mitbürgern traut sich denn schon Schwarz-Rot-Gold zu tragen? Außer vielleicht bei der WM?

Im ursprünglichen Sinn bedeutet Patriotismus ein Gefühl der Verbundenheit zum Vaterland. Seit 60 Jahren wird Patriotismus allerdings mit Nationalismus assoziiert. Liebe zum eigenen Land wird mit Hass gegenüber anderen Ländern verbunden.

Zwar weist die Theorie der sozialen Identität (Tajfel, 1978) darauf hin, dass wir schnell dazu neigen andere Gruppen abzuwerten, um unsere eigene Gruppe ins rechte Licht zu rücken. Und zwar umso stärker, je mehr wir uns mit der eigenen Gruppe identifizieren.

Mein Freund, das Vaterland

Dass Patriotismus jedoch unabhängig von der Abwertung anderer Nationen sein kann, zeigt ein einfaches Experiment (Feshbach, 1994): Das Abspielen patriotischer Musik wie der Nationalhymne, führte zu einer stärkeren Aktivierung von patriotischen Gefühlen. Nicht aber zu einem stärkeren Gefühl der nationalen Überlegenheit. Dieses wurde nur durch Militärmusik erhöht, welche wiederum den Patriotismus nicht steigen ließ.

Ein weiterer Versuch der Abgrenzung ist die Unterscheidung von blindem und konstruktivem Patriotismus (Straub, 1997). Blinde, das heißt unkritische Treue hängt unter Anderem mit nationalistischen Werten zusammen.

Konstruktiver Patriotismus hingegen drückt eine kritische Loyalität aus. Sich mit seinem Land zu identifizieren, bedeutet zu hinterfragen, zu verändern, sich für das eigene und nicht gegen andere Länder einzusetzen.

Ob Slogans wie „Du bist Michael Schumacher“ oder „Du bist Alice Schwarzer“ helfen, sich als Deutsche(r) zu identifizieren ist eine andere Frage …

(irm)

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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