Die Qual der Wahl

Nicht-Wählen scheint schick geworden zu sein. In Berlin und Mecklenburg Vorpommern beispielsweise gingen 10% weniger Bürger zur Urne als beim letzten Mal.

Was ist los mit dem Volk?

„Bei der derzeitigen Wahl empfindet ein politisch denkender Mensch ein Gefühl von ohnmächtigen Zorn angesichts einer nicht vorhandenen Alternative.“

Ob wir handeln hängt davon ab, ob wir glauben Kontrolle über die Folgen unseres Tuns zu haben. Haben wir das Gefühl etwas erreichen zu können, stellt sich zusätzlich die Frage, ob die Folgen überhaupt relevant und attraktiv für uns sind (Rotter, 1954). Fühlen wir uns in unserer Handlungsfreiheit eingeschränkt, kann es auch zu einer Art Trotzverhalten kommen (Brehm, 1976). Wir lehnen uns auf, indem wir z.B. genau das Gegenteil von dem tun, was von uns erwartet wird. Gehen also nicht wählen, obwohl unser politisches System es von uns verlangt.

Stöss von der FU Berlin (Zitty 19/2006) unterscheidet 5 Typen von Nichtwählern:

  1. ist unzufrieden mit allen Parteien.
  2. ist unzufrieden mit der eigenen Partei, will aber keine andere wählen.
  3. findet die politische Situation unspannend und glaubt mit der Stimmabgabe nichts bewegen zu können.
  4. ist mit dem Status Quo und der persönlichen Situation zufrieden.
  5. ist Nichtwähler aus Prinzip.

Der potentielle Wähler überlegt sich: Habe ich überhaupt wirklich eine Wahl? Wird sich in Deutschland durch meine Stimme irgendetwas verändern? Und ist es mir überhaupt wichtig, was in der Politik passiert? Wer diese bzw. eine der Fragen verneint, wird sich dann unter den genannten Typen von Nichtwählern wiederfinden. Wütend, hilflos, trotzig. Oder einfach nur desinteressiert.

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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