Die Monster sind unter uns

… in uns

„Wir können nie ganz sicher sein, welche Untiefen in uns schlummern – niemand kann garantieren, dass er nicht unter den entsprechenden Voraussetzungen und dem Druck eines passenden Umfeldes zu einem Folterer werden würde.“ Dr. Janßen

Ist das wahr?

Wenn sich Menschen in der Masse bewegen, können sich die Regeln des menschlichen Miteinanders verändern. Der Mob ist weniger rational, unberechenbarer und oft auch gewalttätiger (LeBon, 1908). Diese Beobachtungen werden mit Entindividualisierung, die durch Gruppen begünstigt wird, begründet.

Die Norm der Gruppe

Zimbardo hat 1971 ein Experiment an der Standford-Universität durchgeführt, dessen Ergebnisse die Menschen beunruhigten. Es verdeutlicht den enormen Einfluss von Gruppennormen auf unser Verhalten. Die Norm der Gruppe dominiert, so dass Menschen sich nicht mehr den persönlichen Wertvorstellungen verpflichtet fühlen (Reicher, 1987).

Auch andere Forschung zum Thema stützt dieses unglaubliche Ergebnis. Eine Gruppe der Probanden wurden in Uniformen gekleidet, die an Krankenpfleger erinnerten. Die Uniformen der anderen Teilnehmer wurde mit der Kluft des Ku Klux Klan assoziiert. Einige Gruppenmitglieder waren maskiert und konnten nicht identifiziert werden im Gegensatz zu den anderen. Alle Teilnehmer mussten entscheiden, wie stark der Elektroschock andere für Fehler in einer Aufgabe bestraft.

Anonyme Teilnehmer der „bösen“ Gruppe verabreichten die härtesten Schocks im Gegensatz zu den identifizierbaren Klanmitgliedern. Anonyme Probanden der „helfenden“ Gruppe gaben geringere Elektroschocks als identifizierbare Versuchsteilnehmer in der Krankenpflegerkleidung (Johnson & Downing, 1979).
Nicht nur die Gruppennorm, sondern auch die Anonymität hat einen Einfluss auf das menschliche Verhalten

Gruppen fördern Anonymität

Man kann in der Masse untertauchen. Anonymität und das Wissen, nicht erkannt zu werden und somit keine Bestrafung zu bekommen, fördern Gewaltbereitschaft. Die klassischen Thriller-Elemente des Bösen sind nicht zu Unrecht das Dunkle, Maskierung … und das Internet.

In Foren und Chats kann man sicher häufiger aggressive Kommunikation als im realen Dialog beobachten. Hier wird Anonymität und Gruppennorm wirksam.
Ist das Internet somit die ideale Spielwiese des Bösen?

Quelle:

  • Dr. F. Janssen, Leiter des Behandlungszentrums für Folteropfer Berlin (bzfo), gefunden in Galore Vol 22, Oktober 2006
  • Zimbardos Experiment wurde verfilmt:“Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel – nicht zu 100 Prozent realitätsgetreu, aber trotzdem empfehlenswert

Weitere Beiträge zum Thema:

Die Macht der Mehrheit Gehorche!

(kat)

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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