Die angewandte Kunst, Fehler zu machen

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Ein Sonnenstrahl kitzelt das Gesicht, der Tag beginnt verheißungsvoll. Doch während ich mit traumwandlerischer Anmut in die Küche tapse, verdunkelt sich der Himmel: Kaffee leer, Badlicht kaputt, Hausmeister krank, Shampoo verschwunden, Bahn verpasst, in den Regen und zu spät gekommen …

Schuld sind immer die anderen

“Entschuldigen Sie bitte die Verspätung”, bat ich die Teilnehmer “aber die Bahn … äh …” – ja, wie wollte ich diesen Satz, der ebenfalls sehr verheißungsvoll begann, denn nun beenden? “Die Bahn kam pünktlich, aber scherte sich keinen Deut um meine Verzögerung?” Schließlich sind eigene Fehler in den meisten Fällen situationsbedingt, während das Fehlverhalten anderer oft auf den Charakter und die Persönlichkeit zurückgeführt werden. Oder anders: Fremde Fehler beurteilen wir als Staatsanwaelte, die eigenen als Verteidiger.

Scheinbar möchte sich in Deutschland kaum einer mit Fehlern auseinanderzusetzen. Und obwohl die Ausführungen zum Wort Fehlerkultur diverse Fachmagazine füllen, muss Prof. Frese von der Justus-Liebig-Universität Gießen feststellen: “Es gibt repräsentative Untersuchungen zur Frage, wie man in unterschiedlichen Kulturen und Nationen mit Fehlern umgeht. Unter 61 analysierten Staaten hat es Deutschland dabei auf den vorletzten Platz – vor Singapore – geschafft.”

Es irrt der Mensch, solang’ er strebt

Fehler sind unangenehm. Man will sie nicht haben. Man will sie nicht machen. Und das, obwohl sich alle einig sind, dass sie ungeheuer wichtig für jegliche Entwicklung sind, denn “Neues kann ohne Fehler nicht entstehen”. Fehler katapultieren uns aus unserer Komfortzone. Lieb gewonnene Gewohnheiten, alltägliche Routine oder eingespielte Abläufe – Fehler im System zwingen uns zum Nachdenken.

Wie der Philosoph Popper richtig anmerkte, ist es die “schlichte Wahrheit, dass wir fehlbar sind”. Alle Wissenschaften eint der Grundsatz, dass alle Theorien Hypothesen sind: “Das Spiel der Wissenschaft hat grundsätzlich kein Ende. Wer eines Tages beschließt, die wissenschaftlichen Sätze nicht weiter zu prüfen, sondern sie etwa als endgültig verifiziert zu betrachten, der tritt aus dem Spiel aus.”

Und wie eine alte Volksweisheit sagt: Durch Fehler wird man zwar klug – aber man muß nicht alle Fehler selber machen!

Quelle: brand eins, Fehlanzeige, 9. Jahrgang, Heft 08, August 2007

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

1 Kommentar

  1. Fehler

    Der Weise lernt aus den Fehlern anderer, der Kluge lernt aus seinen Fehlern, der Narr leugnet Fehler.
    Jeder Fehler ist die Chance etwas zu verbessern. Perfektes kann man nicht verbessern. Probieren Sie es aus. Verbessern Sie das Rad oder den Bleistift. Aber Vorsicht, vor dem Handeln sollte die exakte Fehleranalyse kommen, der ist-Zustand. Schlüsse zieht man zum Schluss.
    Erfolg heisst das richtige, zur richtigen Zeit, richtig machen. Auf Deutsch es bringt nichts wenn Sie das Bad putzen wenn es in der Küche stinkt.
    Der Mensch begeht zwei Fehler:
    Entweder er weiß alles und handelt nicht oder halbherzig, oder er weiß zu wenig und handelt zu schnell.
    Mehr unter:
    http://www.dpast.de/probleml.pdf
    Dieter Past

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