Der Monopoly-Effekt

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Wer kennt nicht das Vorurteil, dass gerade die Reichen mit Geld geizen. Ich erinnere mich tatsächlich noch an so manch verstörende Monopoly-Runde in früheren Jahren, in der sich die großzügigste Freundin mit wachsendem Reichtum in eine erschreckend ernsthafte Dagoberta Duck verwandelte.

Eine aktuelle Untersuchung von US-Wissenschaftlern belegt jetzt anhand unterschiedlicher Laborexperimente, in denen die Probanden verschiedenste Aufgaben lösen sollten während sie in unterschiedlicher Art und Weise mit Geld in Berührung kamen, dass die Präsenz von Geld soziale Verhaltensweisen beeinflusst.

Beispielsweise füllten die Teilnehmer, allesamt Studenten, einen Fragebogen vor einem Computermonitor aus, auf dem nach sechs Minuten einer von drei verschiedenen Bildschrimschonern zu sehen war: schwimmendes Geld, schwimmende Fische oder ein leerer Bildschirm. In der Folge wurden die Versuchspersonen gebeten zwei Stühle zusammenzustellen. Diejenigen, welche vor dem Bildschirm mit dem schwimmenden Geld saßen, "platzierten die Stühle deutlich weiter auseinander als die anderen Studenten". Die Wissenschaftler interpretieren dieses Ergebnis so, dass bereits die Vorstellung von Geld ausreicht, um soziale Distanz zu schaffen.

Ein anderes Experiment dieser Untersuchungsreihe fokussierte auf die Hilfsbereitschaft in Form einer Spendengabe. Die Probanden wurden gebeten Sätze zu bilden und danach zu einer Spende aufgefordert. "Mussten die Teilnehmer im Spiel Sätze bilden, die mit Geld zu tun hatten, opferten sie durchschnittlich 77 Cent. Die anderen hingegen – sie formten x-beliebige Sätze – spendeten mit 1,34 Dollar fast doppelt so viel."

Doch die Präsenz von Geld scheint Menschen nicht nur negativ zu beeinflussen. Die Vorstellung von Geld scheint auch "die Motivation, eine Aufgabe zu lösen, dranzubleiben, hart für ein Ziel zu arbeiten und nur selten um Hilfe zu bitten" zu steigern.

Quelle: Psychologie Heute, April 2007, "Geld hat einen schlechten Einfluss" Originalquelle laut PH: Science Bd. 314/2006

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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