Denk jetzt nicht an einen Pinscher!

Vor einiger Zeit hatte ich einen Kundentermin, dessen Ziel die Entwicklung eines PR-Konzeptes für ein Produkt seiner Firma war. Wir besprachen den Treffpunkt am Telefon: symphatische Stimme, netter Typ.

Zum Termin saß ich also entspannt in dem verabredeten Cafe am Hackeschen Markt und beobachtete wie ein BMW Z3 im Halteverbot parkte und ein Typ im auffälligen Anzug ausstieg. Die verspiegelte Sonnenbrille mit Headset am Ohr nahm mittels großspurigem Gang Kurs auf meinen Tisch. Als ich mein solariumverbranntes Gegenüber begrüßte, waren sämtliche Vorurteile aktiviert und ich bemühte mich im gesamten Gesprächsverlauf alle unfreundlichen Gedanken zu unterdrücken und den sympathischen Typen am Telefon zu entdecken – ohne Erfolg.

(Anmerkung: Er stand zwei geschlagene Stunden im Halteverbot und keine Politesse in Sicht, während ich ausnahmsweise 15 Minuten im Parkverbot stehe und schon …)

Stereotype gedanklich unterdrücken

Dazu gibt es ein faszinierendes Experiment (Macrae, 1994): Studenten bekamen ein Bild von einem Skinhead gezeigt, welches stark stereotype Gedanken aktiviert. Sie bekamen die Aufgabe einen kurzen Bericht über einen Tag im Leben dieser Person zu schreiben.

Während Gruppe A keine weiteren speziellen Instruktionen bekam, wurde Gruppe B instruiert Stereotypisierungen möglichst zu vermeiden. Und tatsächlich enthielten die Berichte von Gruppe B weniger Vorurteile.

Im zweiten Teil des Experiments wurden den Teilnehmern eröffnet, dass sie den Skinhead nun persönlich treffen und wurden in einen anderen Raum gebeten. In diesem standen mehrere Stühle zur Auswahl. Einer war bereits vom Skinhead besetzt (deutlich durch die typische Kleidung über der Stuhllehne), der scheinbar kurz den Raum verlassen zu haben schien.
Nun wurde die Distanz vom Stuhl des Skinheads zu dem Stuhl, den die Teilnehmer wählten, gemessen. Die Gruppe, welche ihre Vorurteile gegenüber dem Skinhead unterdrückt hatte, wählten den eindeutig größeren Abstand. Weitere Studien haben dieses Ergebnis belegt (Wegner, 1994).

Fazit: Einen Stereotyp zu unterdrücken macht es sogar wahrscheinlicher, dass er genau dann unsere Gedanken und Gefühle stärker beeinflusst (Monteith, Sherman & Devine, 1998).

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Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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