Das sinkende Schiff

Psychologieblog

Komplexe Kausalketten vom eigenen Handeln hin zum großen Thema Klima lassen sich im Alltag leicht verdrängen. Zumal der Kampf für das Klima ein alltäglicher, unspektakulärer Kampf ist. Wie wird sich eine Familie entscheiden, die um die Umweltschädlichkeit von Flugzeugen weiß, aber die Osterferien gerne in Frankreich verbringen möchte? Um die Atmosphäre vor dem Kollaps zu retten, müssten viele von uns ihr Verhalten umstellen. Die individuelle Investition birgt allerdings Risiken: Wenn es uns nicht alle gleichtun, verlieren wir unseren Einsatz und müssen die Folgen trotzdem tragen.

Und konsequentes „grünes Handeln“ verlangt eine Menge Engagement, daher entscheiden sich viele für einen Mittelweg: Man fährt zwar nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit, kauft dafür aber immer die teuren Produkte mit dem Prädikat „umweltfreundlich“. Mit dieser Plakette wird dem Verbraucher suggeriert, dass er umweltfreundlich handelt. Das ist aber nicht der Fall, denn in der Regel erhalten nur schädliche Produkte das Prädikat „umweltfreundlich“. Nun werden Sie einwenden, dass es doch besser sei umweltfreundliche als umweltschädliche Güter zu verwenden. Diese Rechnung geht aber nur auf, wenn das Schiff noch kein Leck hat. Diesen Punkt verdeutlicht das folgende Gedankenspiel:

*Die Passagiere auf dem leckgeschlagenen Schiff

Pro Stunde fließen zehn Tonnen Wasser durch zahlreiche Lecks in der Außenbordwand. Bei 100 Tonnen Wassereinbruch schwimmt das Schiff noch, aber es ist nicht mehr zu retten, weil bei 100 Tonnen Wasser die Holzladung in den nächsten fünf Stunden dermaßen aufquillt, dass der hölzerne Schiffsrumpf birst. Der „point of no return“ ist also nach zehn Stunden und 100 Tonnen Wassereinbruch erreicht. Der sich dann anschließende Sinkprozess dauert fünf Stunden. Wenn wir nichts unternehmen, haben wir also alle noch 15 Stunden zu leben. Was machen die einzelnen Gruppen?

Da das Schiff starke Schlagseite nach Backbord hat, stimmen einige dafür, alle Passagiere sollten zum Ausgleich nach Steuerbord laufen. Das entspricht dem Vorschlag einer Regierungspartei, die meint: „Damit kommen wir bis zur nächsten Legislaturperiode erst einmal ohne großen Aufwand durch.“

Einige versuchen, die Lecks abzudichten. Sie stellen aber rasch fest, dass sie nicht ausreichende Mittel haben, dem enormen Wasserdruck von allen Seiten etwas entgegenzustellen. Das sind Leute mit dem guten Lösungsansatz, man müsse das Übel bei der Wurzel packen. Auf die Umwelt bezogen heißt das, wir bauen weniger Kraftwerke und schränken den Benzinverbrauch ein. Leider müssen wir feststellen, dass für jedes Kraftwerk, das wir einsparen, die Chinesen drei neue in Betrieb nehmen und dass sie mit immer mehr Autos immer mehr Kilometer fahren. Leider haben wir keinen Einfluss auf das Reich der Mitte. Aber die Hände in den Schoss legen, ist auch keine Lösung.

Einige spielen im Casino weiter, weil sie gerade ein verdammt gutes Blatt haben. Das sind Egoisten, die weder systemisch, global noch langfristig denken können.

Einige klettern in den höchsten Mastkorb. Das entspricht denjenigen, die sagen: „Wenn der Meeresspiegel um fünf Meter steigt und ich jetzt ein Haus sechs Meter über dem Meeresspiegel kaufe, dann habe ich bald eine wertsteigernde Immobilie mit Meeresblick am Strand.“

Ein Mann geht in inniger Verklärtheit durch die Kabinen und knipst die Lichter aus. Das ist der Mensch, der nur noch bei Tageslicht die Berichte über Klimakatastrophen liest, um sie so zu vermeiden.

Andere versuchen, Wasser aus dem Schiff zu pumpen. Sie stellen fest, dass zu jedem Zeitpunkt zehnmal so viel Wasser eindringt, wie sie herauspumpen können. Sie geben aber nicht auf und jeder, der sich besonders emsig an der Pumpe betätigt, erhält den blauen Engel dafür. Das sind die Leute, die sagen: „Aber etwas mehr Wasser aus dem Schiff zu pumpen ist doch besser, als etwas weniger rauszupumpen.“ Sprachlich eleganter wird das verkauft als: „Es ist uns gelungen, in der zweiten Stunde die Auspumpmenge um 3 % zu steigern. Die Schiffsführung plant, bis zur dreißigsten Stunde die Auspumpmenge um jeweils 4 % pro Stunde zu steigern.“ Das kann zwar keiner der Passagiere in Litern ausrechnen, was aber unter Wasser keine Rolle mehr spielen wird.

Einige sagen: „Wir müssen erst einmal herausfinden, warum wir so viele Lecks im Schiff haben.“ Sie stoßen schnell auf die Ursache: Viele der Passagiere hatten Feuer im Schiffsrumpf gemacht, um sich daran zu erwärmen. Dadurch entstehen aber große Löcher im Schiffsboden. Man kann die Leute zwar nicht überzeugen, davon Abstand zu nehmen, denn sie behaupten zu Recht, sie würden sonst frieren. So einigt man sich darauf, kleinere Feuer als bisher zu entfachen mit kleineren Löchern im Schiffsrumpf. Man beschließt dies als „seenotrettende“ Maßnahme zu bezeichnen und all denen, die sich daran halten, eine Plakette zu verleihen. Dies entspricht den „umweltfreundlichen“ Maßnahmen für nicht ganz so umweltschädliche wie zuvor.*

Die letzte Gruppe von Passagieren veranschaulicht, dass es bei sinkenden Schiffen keine gute Idee ist, Maßnahmen, die weiterhin zum Schiffbruch führen als „rettend“ zu bezeichnen. Diese Strategie wäre sinnvoll, hätten wir endlos viel Zeit. Haben wir aber nicht.

*Verwendung des Gedankenspiels um die Passagiere auf dem sinkenden Schiff mit freundlicher Genehmigung von Hartwig Eckert und dem Ernst Reinhardt Verlag aus: „Sprechen Sie noch oder werden Sie schon verstanden? Persönlichkeitsentwicklung durch Kommunikation“ (S. 58 bis 60)

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

19 Kommentare

  1. Der letzte macht das Licht aus

    Das scheint eine ausweglose Situation. Das was vorgeschlagen wird, rettet nicht, es verlangsamt den Untergang nur. Doch, was würde retten? Konsequent und radikal zurück zur Natur? Allen Forstschritt abschwören, wie es diese religiöse Sekte in den USA tut? Leben wir nun wirklich auf Terra – Titanic? Der letzte Klimagipfel hat sehr deutlich gezeigt, das alle Klimaschutz wollen, doch darf es das Wirtschaftswachstum nicht verringern, es darf die Wettbewerbsfähigkeit nicht mindern, also Umweltschutz ja, aber bitte zum Nulltarif. Nun, es gibt ja bald nur noch Sparlampen. Den Kniefall vor der Wirtschaft gegen die Umwelt zeigt deutlich die Diskussion um die Laufzeiten der Atomreaktoren. Die Atomenergie sei umweltfreundlich, sagen die Betreiber.
    Die beschriebene Situation macht Angst und ich wünscht, es wäre lediglich das Szenario eines neuen Emmerich – Filmes. Ist’s aber nicht. Hat Terra – Titanic den Eisberg schon geschrammt?

    Melanie

  2. Desinteresse

    Was Sie beschreiben, interessiert letztlich niemanden.
    Schon Justus von Liebig wies darauf hin, dass die ausbeutbaren Mineralvorkommen begrenzt sind. Und die Thesen des Club of Rome zeigten mit ihren Rechenbeispielen sehr unangenehme Szenarien auf.
    Trotzdem steigt die Weltbevölkerung immer mehr an. Weil wir alle nach der Devise leben – carpe diem.

    Ob jemand mit gutem oder schlechtem Gewissen nach Frankreich fliegt, ist völlig egal – denn Gewissen ist klimatisch irrelevant. Die Abgase des Flugzeugs aber nicht.

  3. Ein neues Gleichgewicht

    Es stellt sich nur ein neues Gleichgewicht ein.

    Wenn die Klimaveränderung für den Einzelnen stark spürbare negative Auswirkungen hat, dann werden die meisten Menschen ihr Verhalten verändern.

    Wenn die Luftverschmutzung so gross ist, dass man im freien kaum noch atmen kann, dann werden die Menschen etwas dagegen unternehmen.

    Wenn die fossilen Energieträger sehr selten und sehr teuer geworden sind, dann können sich nur wenige Menschen leisten, diese zu verwenden.

    Wenn die fossilen Energieträger sehr selten und sehr teuer geworden sind, dann lohnt es sich aus Profitgier, Energie aus anderen Quellen zu erzeugen.

    Wenn die Bevölkerungsdichte so gross geworden ist, dass viele Menschen verhungern, dann kann die Bevölkerungsdichte nicht mehr weiter ansteigen.

    Wenn Bäume sehr selten und sehr teuer geworden sind, dann wird man Wälder aus Profitgier anlegen, und auch scharf bewachen.

    Die ausbeutbaren Mineralvorkommen bestehen aus nahezu unzerstörbaren Atomen (Ausnahme: Kernphysik), und diese können auch die Erdoberfläche praktisch nicht verlassen (Ausnahme: Raumfahrt).

    Wenn irgend ein Element sehr selten und sehr teuer geworden ist, dann lohnt es sich aus Profitgier, dieses Element auch aus Abfällen und Lagerstätten mit einer sehr geringen Konzentration dieses Elementes zu gewinnen.

    Wenn irgend ein Element sehr selten und sehr teuer geworden ist, dann wird man nach einem Element suchen, das das seltene Element ersetzen kann.

    Auch Hefe stellt ihr Wachstum ein, wenn entweder der Traubenzucker verbraucht ist (Rohstoffverknappung), oder der Alkoholgehalt über 14 Prozent gestiegen ist (Umweltverschmutzung).

  4. klimasünder..

    klimasündern wird versucht, ständig ein schlechtes gewissen zu machen, um sie so zur änderung ihres lebensstils zu bewegen.

    ehrlich gesagt, interessiert mich diese gewissensbissemacherei nicht. tatsache ist: ich bremse auch für klimaschützer!

    und “nach uns die sintflut” beschreibt meine einstellung auch nicht korrekt – denn für den planeten erde wird die menschheit des 19./20./21. jahrhunderts nur eine (tragische?!) episode sein. weiter geht es für das leben an sich immer – bis die sonne zum roten riesen wird. und wer weiss schon, was danach oder woanders im gange ist…

    viel interessanter finde ich, dass es immer noch zahlreiche mütter und väter gibt, die in der aktuellen situation ihren kinderwunsch nicht hinten anstellen können und stetig neue kinder ins künftige chaos entlassen.

  5. … um in ihrem bild zu bleiben

    das heisst, zahlreiche menschen verhalten sich so, dass sie stets neue schiffbrüchige ins sinkende schiff holen, um am ende gemeinsam unter zu gehen.

    vermutlich eine folge der ubiquitären und meines erachtens falsch verstandenen polotical correcnes – denn geholfen ist dadurch niemandem. aber das ist eine gänzlich andere geschichte…

  6. Ich tippe mal, dass die meisten Menschen zu vernünftigen Investitionen in die Zukunftsvorsorge bereit wären. Es fehlt aber die Transparenz, wie zielführend ein konsequentes „grünes Handeln“ im Einzelfall ist. Wer finanziert schon gerne Alibiaktionen zur Weltrettung, hinter der sich nur Industriepolitik und Lobbyismus verstecken. Z.B. werden, in Deutschland an einem für Solarstrom völlig ungeeigneten Platz, zig Milliarden per Gesetzeszwang für Solarstromsubventionen ausgeben, die keinen messbaren Effekt auf die globale Welttemperatur haben werden. Würden die Milliarden stattdessen in die Modernisierung alter ineffektiver Kohlkraftwerke gesteckt werden, würde sich ein ca. 30fach höherer CO2-Einspareffekt ergeben. Einen transparenter und damit akzeptablen Weg zur CO2-Vermeidung, wie eine globale CO2-Verbrennungssteuer wird es wegen dem Einfluss der Lobby nicht geben, weil Investoren und Lobby sich daran nicht angemessen bereichern können. Deswegen gibt es ja auch keine Mineralölsteuer auf Flugbenzin.

  7. … dann machen wir mal …

    Hallo,

    … machen wir mal eben, dass sich die Atmosphäre nur um ein paar wenige Grad erhöht, wir bremsen den Temperaturanstieg! Gemeinsam sind wir stark und mächtig! … Hat denn jemand mal gefragt, ob unsere Erde das genauso sieht?

    Genauso, wie wir unser „ich“ von Grund auf revidieren müssen (siehe „Der Ego-Tunnel“ T. Metzinger) … und somit unser „Verhältnis“ zu dem, was uns umgibt, genauso werden wir uns auch von der „Macher“-Ideologie verabschieden müssen, mit der wir uns, wie die Geschichte zeigt nur immer tiefer ins selbst“gemachte“ Chaos verstricken.

    Weiter oben steht es bereits (Karl Bednarik), es ist ein einfacher Satz, – und eine trockene Feststellung: Ein neues Gleichgewicht wird sich (im geologischen Sinn „vorübergehend“) einstellen! Mit oder ohne uns, kann sich jeder von uns sicher hinzudenken. Wer nimmt schon zur Kenntnis, dass sich die Erde vor unserer Zeit (… des Menschen) immer wieder kolossal verändert hat und „höhere“ Lebensformen schon seit hunderten von Millionen von Jahren vor uns ihre Umwelt und somit die Erde immer wieder veränderten. Oft genug führte dies ins Abseits … und je größer die Katastrophen umso größer war anschließend die „Erneuerung“.

    Klar, dass niemand bei einer globalen Brandrodung draufgehen will, oder (in der Geschichte oben) mit dem sinkenden Schiff absaufen möchte. Ebenso klar ist es auch, dass wir zusehends ins „machen wollen“ verfallen. Es mag für viele weit hergeholt sein, für andere vielleicht schwarzmalerisch, destruktiv oder gar feige … wer sich traut, liest im Wikipedia die fünf Phasen des Sterbens (und besinnt sich dann hoffentlich) von Elisabeth Kübler-Ross

    http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_K%C3%BCbler-Ross#Die_f.C3.BCnf_Phasen_des_Sterbens

    Die Schlüsse daraus kann jeder für sich herleiten. Diese Phasen zeigen sich so oder ähnlich in jeder „ausweglosen“ Situation (weil außerhalb einer „machbaren“ Rettung). Immer wieder, wenn wir die Kontrolle (die Macht) über das Geschehens verlieren und uns offensichtlich zu Statisten verurteilt sehen, dann treffen wir auf diese Phasen …

    Ich bin durchaus kein Schwarzseher. Ich vertraue darauf, dass in der oben geschrieben Geschichte einige Menschen beizeiten von Board springen (dürfen!) um ihr Glück in den „stürmischen“ Fluten zu suchen … und vielleicht doch an einem neuen Strand landen. Warum auch mit dem Schiff untergehen, absaufen ist jederzeit auch beim schwimmen möglich … und wer weis, vielleicht retten sich so doch ein paar Menschen.

    Aber … vielleicht „läuft“ alles dann doch ganz anders … und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute …

  8. Das Überleben der Menschheit

    Um das Überleben der Menschheit würde ich mir keine Sorgen machen.

    Schon in der Steinzeit konnte die Menschheit kalte und heisse, feuchte und trockene Lebenräume besiedeln.

    Das zeigen die Eskimos, Beduinen, Polynesier und Buschmänner.

    Mit moderner Technologie können wir in Raumstationen, Bunkern und U-Booten beliebig lange überleben.

    Der Mensch passt sich nicht genetisch an seine Umwelt an, sondern er passt seine Umwelt technologisch an sich an.

    In der Eiszeit haben viele Tiere ein dichtes Fell bekommen.

    Der Mensch hat hingegen Kleidung, Feuer und Behausung entwickelt.

    Was man sonst noch machen kann:

    Der Staub-Torus:
    Bild:
    http://members.chello.at/karl.bednarik/STAUBTOR.PNG
    Text:
    http://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?26579

    Was sich praktisch von selbst entwickelt:

    Todeszonen:
    Text:
    http://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?25475

  9. Nicht für Menschheit

    Die fünf Phasen des Sterbens von Elisabeth Kübler-Ross sind ja ganz hübsch hässlich, aber sie gelten nur für Individuen, und nicht für die ganze Menschheit.

    In den letzten zwei Millionen Jahren gab es etliche Vulkanausbrüche, Flutwellen, Meteoriteneinschläge, Sonnenstürme, Magnetfeldumpolungen und Eiszeiten, von den Seuchen und Kriegen ganz zu schweigen.

    Der Mensch blickt immer noch zu den Sternen auf, und sagt: “Lasst sie nur kommen.”

    Ich sage: “Per aspera ad astra.”

  10. Weltuntergangserfahrung

    Ich spreche dabei aus ganz persönlicher Weltuntergangserfahrung.

    Im zweiten Weltkrieg starben von damals 6 Millionen Österreichern 300000.

    Das waren also einer von 20, und 19 von 20 davon überlebten das alles.

    Im Jahre 1945 gab es fast keine Nahrungsversorgung, fast keine Wohnungen mehr, keine Energieversorgung, keine auch noch so primitiven Informationsdienste, keine sozialen Dienste und auch keine Politiker (das war das einzig gute daran).

    (Hinweis für Anfänger: Nix Computer, nix GPS, nix Internet. Das ist alles nicht zum Überleben erforderlich.)

    Ich wurde im Hungerwinter 1946 geboren, und ich habe die Ruinenstadt Wien noch gut in Erinnerung.

    Irgendwann hat dann die USA Care-Pakete geschickt, und dann später den Marshall-Plan beschlossen.

    Egal warum die USA das getan hat, aber entscheidend ist, dass Österreich im Jahre 1965 ein wenig besser ausgesehen hat, als im Jahre 1935.

    Die nächste Katastrophe kommt bestimmt.

    Und auch diese wird uns nicht kaputt kriegen.

    Wollen wir wetten?

  11. Weitere Beispiele:

    Hiroshima wurde im Jahre 1945 ziemlich gründlich vernichtet.

    Im heutigen Hiroshima sucht man vergeblich nach einem Atombombenkrater, denn es wurde alles wesentlich besser wieder aufgebaut.

    *****

    In den letzten 2000 Jahren haben viele übelwollende Menschen versucht, die Israeliten auszurotten.

    Bis jetzt ist das aber noch keinem gelungen.

    Ab und zu erwischt es die Möchtegern-Ausrotter aber auch selbst.

    (Meine Eltern hatten einen Arier-Ausweis, aber ich kann nichts dafür, denn ich wurde erst 1946 geboren.)

    *****

    Wenn jemand sagt: “Das geht nicht”, dann ist das in den meisten Fällen falsch.

    Bis 1903 ging das Fliegen schwerer als Luft nicht, und bis 1969 ging das Fliegen zum Mond nicht.

    Bis 2004 gab es auch noch keine privaten Raumschiffe.

    Gebt uns ein paar Jahre, und wir fliegen zu den Sternen.

  12. … immer wieder die alten Egozentriker

    Hallo,

    Der Fortbestand der Menschheit macht mir weniger Sorge. Der schein mir „gesichert“, obwohl immer mehr Menschen offensichtlich beflügelt durch ihre Dummheit, gepaart mit beispielloser Überheblichkeit immer hartnäckiger daran arbeiten, die Arche, die Erde, die sie bisher sicher durch den Kosmos trägt, insoweit zu verändern, dass sie für den Menschen zur Todeszone wird. Die Erde wird weiter bestehen und weiter ihre Bahnen um die Sonne ziehen (bis diese verglüht), gleich wie die Erde sich auch verändern mag. Und die Erde verändert sich ständig, wenn auch in, für ein kurzes Menschenleben unendlich langsamen Schritten. Der Mensch muss sich auf dieses (ultralangsame) Fliesgleichgewicht immer wieder einstellen. Er scheint dafür gut gerüstet.

    Das ist keine überraschende Neuigkeit, denn Hoimar von Ditfurth beschreibt dies bereits 1985 in „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen …“ (oder auch in „Innenansichten eines Artgenossen“ – überaus lesenswert!).

    Mein Hinweis auf die Sterbephasen, die Kübler-Ross beschreibt, bezieht sich durchaus auf die Menschheit. Unabhängig davon, ob die Menschheit als solche direkt von „Aussterben“ bedroht ist (was ich verneine!) sind diese Phasen durchaus mit dem vergleichbar, was im Verhalten und Argumentieren der Menschen seit langem immer deutlicher offenbar wird. Das dort beschriebenen Verhalten beschreibt ziemlich genau, wie sich die Menschen als solche im Bezug auf ihre, sich abzeichnende Zukunft verhalten. Und es macht vor allem ihre Hilflosigkeit deutlich!

    Wir können uns glücklich schätzen, denn unter all den Spezies, die unsere Erde bisher hervorgebracht hat, gehören wir (bisher) zu den Überlebenden! Und dazu haben wir im Sinne von „Machen wir mal …“ am wenigsten beigetragen. Das Gegenteil scheint eher der Fall zu sein. Und das scheint wohl daran zu liegen, das wir das mächtigste Potential des Menschen, das zu unserer Anpassungsfähigkeit bisher wesentlich beitragen hat, die Flexibilität unseres Gehirns und des „Erbgutes“ dazu verwenden, uns als „Macher“ in dieser Welt als Herren über die Natur zu stellen. Anstatt nur wiederum der ewig herrschenden Egozentrik im menschlichen Dasein zu verfallen, sollten wir besser soviel Einsicht und „Bescheidenheit“ zeigen und unser Potential, vor allem also unser Gehirn als ein universelles Werkzeug zur Anpassung an die sich ändernde Umwelt sehen. Das hat bisher unser Überleben gesichert und wir können darauf vertrauen, das es auch weiterhin, so oder so helfen wird, auch wenn wir hier und da, wie immer wieder geschehen an die Grenzen unseres Überlebens stoßen werden!

    Ich sehe durchaus positiv in die Zukunft, denn gerade die neuen Wissenschaften (Beispiele: Neurowissenschaften, Molekularbiologie) werden sicher dazu beitragen, uns selbst aus dem Mittelpunkt der „Schöpfung“ zu vertreiben. Wir werden unsere Vorstellungen von der Welt, das Paradies, das wir immer noch zu „beherrschen“ glauben, eines Tages vielleicht sogar freiwillig verlassen (andernfalls werden wir es „müssen“!) … und sicher sind wir, wenn auch unter Druck auf dem besten Weg, uns im Laufe der Zeit Schritt für Schritt daran zu gewöhnen uns der „Natur“ unterzuordnen.

    mfG

  13. Apokalypse

    Spätere Generationen werden sich wundern, dass eine globale Erwärmung von etwa 0.8 Grad Celsius innerhalb von hundert Jahren zu solch irrationalen, apokalyptischen Szenarien und Ängsten führte.

    Ein etwas optimistischeres Szenario wäre : Das Energieproblem wird durch die Entwicklung des Fusionsreaktors gelöst, die geringfügige, vom Menschen verursachte Erwärmung der Erde hat mehr positive als negative Effekte. Es gibt keinen Grund, das Klima um 1950 als ideal zu behaupten und jede Veränderung als negative Entwicklung zu deuten.

    Die Erdbevölkerung wird bis 2050 ihr Maximum erreicht haben und dann zu sinken beginnen.

    Entschuldigen Sie, dass ich nicht an die nahende Apokalypse glaube. Diese wurde seit Jahrtausenden beschworen, und die Gründe sind vielmehr psychologischer als rationaler Natur.

  14. Vielleicht hinkt der Vergleich…

    … mit dem Schiff ein bisschen. Als gelernte Umweltingenieurin ist meine Erfahrung eher die, dass wir es ganz gut hinkriegen, wenn wir die Folgen unseres Handeln direkt zu spüren kriegen.

    Also wenn wir schon im Wasser stehen, dann klappts auch mit der Motivation, Löcher nicht nur zu stopfen, sondern sie auch gar nicht erst zu machen.

    Die Schwierigkeiten liegen darin, auch dann etwas zu tun, wenn es darum geht, zu vermeiden, in 50 Jahren nasse Füsse zu kriegen.

    Das hinterhältige am Klimawandel ist ja, dass es (zumindest da wo auch politische Macht sitzt) vorerst mit ganz wohligen warmen Füssen im Trockenen sitzen lässt.

    Beste Grüsse (und Kompliment an den wunderschönen Blog)

  15. Menschen sind träge

    Bis der Mensch sich entwöhnt von Dingen die er gewohnt ist, dauert es. Der Mensch ist halt träge.

  16. das sinkende Schiff

    sinkt wegen Schwermut, Bewußtseinsbetäubung und leichtfertiger Kapitulation vor einem entmenschlichenden System

    @Melanie Burghardt

    Nein, die Situation ist nicht ausweglos. Der Ausweg paßt bloß nicht zur allgemeingültigen Bewußtseinslage im System des “freiheitlichen” Wettbewerbs um “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” – es herrscht Konfusion im geistigen Stillstand, bei GLEICHERMAßEN unverarbeiteter / gepflegt MANIPULIERBARER Bewußtseinseinsschwäche in Angst, Gewalt und “Individualbewußtsein” auf Sündenbocksuche.

    Die größtmögliche Kraft des Menschseins liegt in der Fusion – Maßnahmen im geistig-heilenden Selbst- und Massenbewußtsein könnten das schöpferische Schicksal / die “göttliche Sicherung” abwenden, einen “point of no return” gibt es nicht!?

    Aber egal, der Klimawandel, der nur durch Dummheit zur “Klimakatastrophe” wird, wird die Menschheit noch nicht vernichten.

    Wenn GRUNDSÄTZLICH alles allen gehört, kann PRINZIPIELL alles eindeutig-gerecht / wirklich-wahrhaftig ORGANISIERT werden, aber vor allem gibt es keine intrigant-verkommenen Fragen und stumpfsinnigen Aktionismus mehr – “wenn wir Helium 4 vom Mond wirklich brauchen, dann holen wir es auch, OHNE … ” 🙂 !?

  17. Das sinkende Schiff

    Ich finde diese Metapher sehr überzeugend. Letztlich geht es um eine neue Haltung, die wir der Umwelt entgegenbringen müssen und nicht nur um das kurzfristige Beruhigen unseres Gewissens!

  18. Sinkendes Schiff ist noch nicht am Grund

    Jedes Gleichgewicht, das wir im persönlichen Leben aufbauen ist gefährdet. Doch wegen einer Phase von Ennui die Ehe aufgeben, wegen einem bösen Wort die Stelle wechseln, wegen der Gefahr sich mit BSE zu infiziern kein Fleisch mehr essen, das können wir uns gar nicht leisten. Ohne dass wir uns immer dessen bewusst sind, sind wir jeden Tag und fast jede Minute damit beschäftigt das fortzuführen was wir begonnen haben: Wir setzen die Ehe fort, den Job, das Leben. Und wenn es Störfaktoren gibt, können wir versuchen sie zu ignorieren oder wir können kleinere Korrekturen anbringen. Werden die Störungen aber allzu gross oder gehen uns plötzlich die Augen auf und wir erkennen das wir ins Verderben stürzen – dann stürzen wir auch oft ins Verderben und in die Katastrophe. Die Menscheitsgeschichte mit ihren vielen Konflikten, die sich schliesslich zu Kriegen auswachsen, zeigt das.

    Es sind immer nur ein paar Unentwegte, die das angestammte Land verlassen um ihre Zukunft woanders zu suchen, die ihr Leben radikal ändern, weil sie erkannt haben, dass sie es ändern müssen.

    Auch mit dem Klimawandel könnte es so sein. Den Klimawandel können wir Menschen nämlich nur vermeiden, wenn wir wirklich radikale Konsequenzen ziehen und schon in 2 bis 3 Jahrzehnten kaum noch und in 7 Jahrzehnten überhaupt kein Öl, keine Kohle und kein Erdgas mehr nutzen.
    Mit dem Verzicht auf den Ferienflug ist es nicht getan und der Verzicht auf Fleisch als klimaschonendes Verhalten kann vielleicht den Vegatarier beruhigen und bestärken, aber er ändert an der Gesamtsituation beinahe nichts.

    Deshalb – weil etwas tun nicht reicht und weil fossile Energien heute noch so wichtig sind – sind auch Lösungen wie sie Björn Lomborg anstellt überdenkenswert. Lomborg ist der Überzeugung, dass CO2-Emissionsvermeidung heute viel zu teuer ist und dass die prioritäre Verfolgung dieses Ziel die Entwicklung in den Schwellen-und Entwicklungsländern hemmen würde, was für die Menschen dort viel schlimmere Konsequenzen hätte als eine Erwärmung des Klimas in der (fernen?) Zukunft. Lomborg würde statt CO2-Emissionen direkt zu vermeiden, die Erforschung von Alternativen zu den fossilen Energiequellen intensivieren in der Hoffnung, dass die Alternativen bald einmal so gut und billig werden, dass sie von den Leuten von selbst ohne jede Subventionierung eingesetzt werden.
    Um im Bild mit dem sinkenden Schiff zu bleiben, denkt Lomborg also, dass das Schiff sehr langsam sinkt und wir schon bald den Superkleber oder die Superabdichtung finden mit der wir die Löcher stopfen können.

    Meiner Ansicht nach gibt es auch einen Zwischenweg zwischen der radikalen CO2-Emissionsvermeidung jetzt und dem Lomborg’schen Warten bis wir die billige Lösung finden. Die Pro-Kopf-CO2-Emissionen sind nämlich je nach Land sehr unterschiedlich und wir könnten sie ohne grosse Anstrengung – nur mit etwas Disziplin und Umsicht – auf einen Weltdurchschnitt von 4 Tonnen pro Jahr reduzieren. Frankreich hat bereits Pro-Kopf-Emissionen von weniger als 6 Tonnen pro Einwohner, was im Verhältnis zum Pro-Kopf-BIP wenig ist. Und die Schweiz nähert sich sogar 5 Tonnen an. Die USA dagegen haben eine Pro-Kopf-Ausstoss von 15 Tonnen. Eine “Mässigung” beim Verbrauch von fossilen Rohstoffen hätte zudem viele positive Sekundäreffekte, so würde der Öl-, Kohle- und Erdgaspreis weniger stark ansteigen. Für jeden Anstieg des Rohölpreises von 50 Dollar werden zsätzliche 3% des Welt-Bruttoinlandprodukts ausgegeben. Ein Minderverbrauch bei den fossilen Rohstoffe würde ihren Preis erniedrigen. Das hätte allerdings den unbeabsichtigten Effekt, dass fossile Rohstoffe so auch attraktiver würden.

    Das ist ein anderes psychologisches Problem, ja sogar Dilemma, das nach einer kongenialen Umsetzung in ein lehrreiches Video ruft.

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