Dämonen I

Psychologieblog

»Ich weiß gar nicht, wann es begonnen hat. Das Problem ist, dass man sich nicht mehr sicher ist, was man empfindet. Man weiß nicht, ist das normal oder ist das nicht normal. Bei manchen Sachen ist es eindeutig, da weiß man, es ist nicht normal, zum Beispiel wenn man ein komisches Gefühl in den Händen hat. Das kennt man nicht. Aber andere Dinge, die sind halt nicht eindeutig, zum Beispiel diese ewige Selbstbeobachtung. Früher dachte ich, das ist ganz normal. Macht jeder, ständig und immer. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es nicht jedem so geht.

Es gibt einen Zustand, wo ich sage, da bin ich normal. Und dann merkst du, du redest nicht mehr, du bist schneller erschöpft. Selbst das Nichtstun erschöpft dich. Und immer laufen Gedanken mit, die alles noch schlimmer machen. Du willst was tun und schaffst es nicht, und dann weißt du nicht mehr, was du überhaupt tun könntest und warum … Ich weiß nicht mehr, warum ich mich anstrengen soll. Man sieht zwar alles noch, aber nichts davon ist mehr erstrebenswert. Zusätzlich überkommt meinen Körper eine gewisse Taubheit. Mir ist aufgefallen, dass ich auch anders laufe. Ich stoße mich häufiger.

Ein ganz großes Problem sind Verwirrung und Unsicherheit. Man versucht natürlich herauszukommen. Man macht sich viele Vorwürfe. Ich mache mir oft den Vorwurf, dass ich meine Depression benutze, um ein leichteres Leben zu haben. Und dann frage ich mich, was an dem Plan so gut sein soll, denn ich finde mein Leben ist anstrengend. Die Sache wird dadurch erschwert, dass man Gedanken nicht zu Ende denkt. Man muss sich das einfach mal vorstellen, man sitzt da und findet sich selbst einfach nur Scheiße. Eigentlich läuft man die ganze Zeit gegen ein Gummiband. Das macht es schwerer zu laufen. Alles ist schwerer.

Auch heute versuche ich immer noch eine Lösung zu finden. Ich habe zwei Therapien gemacht, beide abgebrochen. Die Tabletten helfen, ohne sie wäre es wesentlich schlimmer. Es wäre ein akuter Dauerzustand: An der Wand sitzen, sich umbringen wollen, sich nicht bewegen können, hilflos sein und dabei die ganze Zeit denken: Komm’ doch einfach nur mal klar. Und dann geht’s wieder los mit den Selbstvorwürfen, was an diesem Punkt nur noch destruktiv ist. Als ich noch keine Tabletten genommen habe, war ich teilweise schon morgens betrunken. Bin weinend durch die Stadt gelaufen. Und es ist immer noch ein Kampf und die Motivation zum Kämpfen nimmt über die Zeit ab.

Jetzt ist es so, das ich sage, mal kucken, wie lange das noch so weitergehen kann. Es gibt immer noch die Möglichkeit, dass es aus irgendwelchen unklaren Gründen doch besser wird. Ich genieße die guten Phasen. Man ist wie überwältigt und staunt, wie schön das Leben sein kann. Man kann sich den jeweils anderen Zustand nicht vorstellen. Man vergisst, wie es ist, wenn man nicht depressiv ist. Dabei ist das für die meisten Menschen der Normalzustand. Irgendwer hat geschrieben, dass er auf der Strasse Menschen in zwei Kategorien einteilt: Menschen, die leben wollen und Menschen, die leben müssen. Ich gehöre zu den letzteren.« 

* Auszüge aus einem Interview zum Thema Depression

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

14 Kommentare

  1. Dämonen

    In den Arm genommen werden und vom anderen hören:”Du mußt nicht besonders gut sein, ich liebe dich so wie du bist”
    kann manchmal lebensrettend sein(vertreibt Dämonen besser als Knoblauch und Antidämon-Pillen).
    S.R.

  2. @ Katja

    Sorry.
    Ich dachte, DICH hätte es erwischt. Es war so innig geschrieben, ich konnte es so gut nachvollziehen, es fehlten die Anführungsstriche…
    Verzeih’!
    Helmut

  3. Ich habe zuerst auch gedacht, es ist ein Eigenbericht und mich über die Offenheit gewundert.

    @ Katja:
    Warum eigentlich die Überschrift Dämonen? Was ist damit in diesem Zusammenhang gemeint. Ich verstehe unter Dämonen böse Geister aber keine Krankheit.

  4. Ommmmmmmmmmmmmm….

    Hallo,
    Mediessssssssssssssssssssssssssssssssss,
    TTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTherapie und den kranken Menschenverstad akzeptieren und als das nehmen was er ist Menschenverstand.
    Wrong information on a wrong place, and you are in a other world.
    So zu sagen Psycholandkarten wie im neuronalen Sinn.
    Hund anschaffen, gassi gehn den rechten PFC trainieren (Der wars doch oder?)

    Gruß Uwe Kauffman

  5. down, down down

    Hallo,
    ja ich gebe es zu, der Beitrag ist kaum zu verstehen, wenn er den mal aus dem Spamfilter purzelt.
    Er ist ein Plädoyer, für den Einsatz von Therapiehunden. Sozusagen jeder Langzeittherapieeinrichtung ein Tierheim angliedern. Die Hunde sind nämlich die zweite Gruppe von Säugetieren, die in ihrem Verhaltensrepatruar, so auf Gruppen und soziale Abhängigkeiten getrimmt sind wie Wir.
    Und sehr gut, sie nehmen einen nicht für voll, wenn man keine echte soziale Beziehung, mit ihnen aufnimmt.
    Das fiel mir ein, weil ich unmittelbar oder gerade danach noch mit meinem Kampfhunden 🙂 raus muste. Mit einer Zicke und einem Spinner.
    Siri (die Zicke) ihres Zeichens nach ein Yorkyweibchen. Schulterhöhe 12-15cm ein fast Alphaweibchen (Wir sind nur zu dumm das zu begreifen.), mit der Charactereigenschaft, hinterm Zaun:’Komm nur her wenn du was willst.’Vor dem Zaun:’Hallo Du, komm mal her. Was willst’n Du?’ Voll durchgeknallt, also ein echter Characterhund.
    Der Spinner (Brombär) ein Neufunfländerrüde, voll Boris Becker mäßig (Ähmm..). Dampf ohne Ende, aber mental oft adipös.
    Ihr Lieblingsspiel:
    Ich:’Siri, Siriee hier ran der Hund.’
    Siri:’Ich verstehe dich nicht richtig. Ich gehe schon mal vor,Ja!’
    Brombär:’Ähm…, oh prima, ich komm mit.’

    Und ffffth.., sin’se weg.

    Mir und meinem rechten PFC, gefällt das echt gut und egal wie schlecht meine Laune vorher war, nach dem Hundespaziergang bin ich zumindest ausgeglichen.
    Soweit zur Entwirrung. Einen schönen Sonntag noch, habe jetzt ein Date mit den beiden.

    Gruß Uwe Kauffmann

  6. bloggen alsa therapie

    bloggen alsa therapie sehe ich aber gefährlich, das kann jeder lesen, und man wird leicht schnell attackiert

  7. Dämonen

    Einige Leute hier scheinen es sich etwas leicht zu machen. Schnell ist man mit einem Urteil bei der Hand, wenn man nicht einmal in einer ähnlichen Situation steckte.

    Meine Natur (und meine gesamte seelische Entwicklung) bringt es mit sich, dass ich mich recht stark von dem abhebe, was mein Gehirn für den normalen Mensch hält. Und wer nicht normal ist, für den sind Depressionen, wie stark auch immer, ein ständiger Begleiter.

    Ich für meinen Teil habe zumindest nie vor, mir das Leben zu nehmen, oder mir sonstwie Schaden zu zu fügen. Stattdessen schaffe ich es sogar manchmal, meine Dämonen auf produktive Weise einzusetzen, als Musiker zum Beispiel.

    Wie auch immer, ich danke für diesen Text, er zeigt mir, dass ich nicht allein bin. Und hiermit möchte ich auch allen Gleichgesinnten mitteilen: Ihr seid nicht allein.

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