Botschaften mit Du und Ich

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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und andere All-Gemeinheiten

Ein Streitgespräch:

  • Du wäscht nie ab und sitzt immer nur vor dem Rechner.“
  • Jedes Mal, wenn ich abwaschen will, unterbrichst du mich ständig.“
  • „Ja, weil du mir sonst nie zuhörst.“
  • „Jetzt fängst du wie immer an mich zu beleidigen. Kein Wunder, dass ich deine ewigen Beschimpfungen nicht hören will.“
  • Siehst du, immer dasselbe, du denkst dauernd nur an dich.“
  • „Na, wenn du meinst, dann setz ich mich eben an den Rechner.“

Exemplarisch habe ich einige Stolpersteine dieser Kommunikation hervorgehoben: Du-Botschaften, Vorwürfe, Verallgemeinerungen.

Ich- versus Du-Botschaften

Die Ich-Botschaft beinhaltet einen hohen Selbstoffenbarungsanteil und gibt etwas vom Innenleben des Senders preis, während die Du-Botschaft eine Aussage über den Empfänger macht (Gordon, 1972). Gerade in zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen werden eigene Gefühle („Ich fühle mich übergangen.“) in Behauptungen über den anderen („Du denkst nur an Dich.“) übersetzt. Das senkt nicht nur beim Empfänger die Bereitschaft, das Problem konstruktiv zu lösen, sondern entfernt auch den Sender von sich selbst (Schulz von Thun, 1981).

Feedback-Regeln

Wenn du die folgenden Empfehlungen beachtest, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass einer auf dem Sofa schläft, drastisch – ist aber nicht ausgeschlossen.

  1. Ich- statt Du-Botschaften
  2. Generalisierungen vermeiden – konkrete Verhaltensweisen beschreiben
  3. Keine Vorwürfe – Verhalten benennen ohne zu bewerten
  4. Nicht nur Negatives, sondern auch Positives rückmelden

Da dieser Beitrag mit einer Übersetzung des exemplarischen Streits vom Anfang in ein konstruktives Feedback-Gespräch anhand der vier Regeln zu lang wird, könnt Ihr Euch gern selber versuchen.

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Frau Schwab,
    ich habe eine Frau in meinem Bekanntenkreis, die es meisterlich beherrscht, den Ball immer wieder in mein Spielfeld zu spielen, indem sie “Du-immer” -Botschaften aussendet. “Man weiß ja nie, wann Du (ich) mal gesund bist; Du bist ja immer so empfindlich; Du legst ja alles auf die Goldwaage. Das ist ja alles nur in Deiner Vorstellung, usw.” Tatsächlich ist es so, dass dies nur von Zeit zu Zeit zutrifft, in weniger als einem Drittel der Fälle. Es wird also pauschalisiert und nicht differenziert. Es sind Schutzbehauptungen und Vorwände, warum nicht sie tätig werden muß. ” Melde Dich, wenn Du wieder gesund bist.”
    Das Einfachste wäre es natürlich, sich mit Ihr darüberauseinanderzusetzen. Auf der Sachebene ist das mit ihr schwer, da sie auf die Beziehungsebene ausweicht, und auf der emotionalen Ebene läßt sich das Problem schwer lösen.
    Mittlerweile empfinde ich Ablehnung und in manchen Momenten sogar Hass, was ich eigentlich gar nicht will, da Hass bekanntich verbindet.
    Wir haben uns als Paare zusammen mit einem anderen Paar früher recht offen gesehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden anderen Frauen eine starke bereits ins Lesbische gehende Zuneigung zueinander haben, wobei ich – liberal eingestellt – nichts gegen Lesben habe; wohl aber dann, wenn sie im Freudeskreis einen Club im Club bilden und dadurch die Gleichberechtigung unter uns sechsen nicht gewährleistet ist.
    Ich bin mir bewußt, dass es sich bei dem Geschilderten um zwei Sachverhalte handelt, die aber miteinander verwoben sind. Wichtiger ist mir der obere Absatz. Sollte Ihre Analyse etwas aufwändiger gestalten als durch Ihre Werbemaße gedeckt, informieren Sie mich bitte über deren Kostenpflichtigkeit. Ich würde Ihen dann das Honorar überweisen.

    Helmut Achilles
    Rechtsanwalt a.D.

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