Bildung durch Reisen

Psychologieblog

"Moreover, as he slowly mastered the complexities of a given culture he was apt to feel that they could be understood in no other way than by prolonged experience; and that it was almost impossible to communicate this understanding to anyone who had not lived through the same experience." (Hall)

Im Alltag bewegen wir uns in unserem vertrauten Umfeld, in unserer Komfortzone. Wir kennen die meisten Abläufe. Die Personen, mit denen wir es zu tun haben, sind uns vertraut. In der Regel fühlen wir uns sicher. Die Reise in ein fernes Land ist ein bewusstes Heraustreten aus der Routine unserer Komfortzone. Ein Blick über den alltäglichen Horizont hinaus. Das Reisen durch die Fremde konfrontiert mit Situationen, die aus den vertrauten heimatlichen Gefilden unbekannt sind. Somit weiß man auch nicht, wie man reagieren wird und lernt sich tatsächlich ein Stück besser kennen. Die Suche nach der Fremde ist ein Verzicht von Sicherheit. In unserer Komfortzone, zum Beispiel unserer gewohnten sozialen Umgebung kennen wir die Regeln des menschlichen Miteinanders. Sie sind für uns normal. Wir stellen sie kaum in Frage. Die Macht der täglichen Wiederholung ist zu stark. Talia, 26, aus Melbourne: "Ich habe während des Reisens viel über Unterschiede gelernt. Was für uns normal ist, halten wir schnell auch für richtig. Dabei ist eine Bewertung von richtig oder falsch fehl am Platz. Ich habe gelernt Unterschiede zu akzeptieren." Hofstede (2001) macht sogar das Überleben der Menschheit weit gehend von der Fähigkeit abhängig, verschieden zu denken, um gemeinsam zu handeln.

„Die wichtigste Erfahrung, die ich von einer Reise mitgenommen habe, ist: Die Grenzen sind in dir. Und ich suche immer wieder nach Erfahrungen, um diese Grenzen zu erweitern“, schrieb eine Kommentatorin zu diesem Beitrag. Verhaltensforscher glauben, dass uns evolutionär bedingte Neugier dazu antreibt, die Grenzen unseres Handelns immer weiter zu verschieben, trotz des Risikos. In der menschlichen Stammesgeschichte hatten Eroberer größere Überlebenschancen als Nesthocker mutmaßen Burnham und Phelan in ihrem Buch „Unsere Gene“. Somit zahlt sich riskantes Verhalten langfristig aus. Und für den Augenblick belohnt uns der Dopaminkick. Menschen, die mit Vorliebe aus Flugzeugen springen oder ihr Glück durch hohe Wetteinsätze herausfordern, suchen häufiger das Risiko als andere. Zuckerman nannte diese Verhaltensdisposition sensation seeking und definierte sie „als ein Bedürfnis nach abwechslungsreichen, neuen Eindrücken und als Bereitschaft, auch physische und soziale Risiken auf sich zu nehmen, um sich diese Eindrücke zu verschaffen“. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie ein "sensation seeker" sind, dann testen Sie sich hier.

Quelle

Psychology Today, Zuckerman, M. „Are You  a Risk Taker?

Gehirn & Geist, Nikolas Westerhoff: "Lust am Risiko"

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

3 Kommentare

  1. Mein Testergebnis

    Aha…überall 5 von 10 Punkten, nur bei Disinhibition – da habe ich 10 von 10 Punkten…partielle Sensation Seekness

  2. Sensation Seeking

    Trotzdem bleibt ja noch die Frage, warum ein großteil der Menschen die eigenen 4 Wände einer interessanten, unkonventionellen Reise abseits vom Mallorca Ballermann vorzieht.

    Ich stimme übrigens mit dem Text voll überein.

    Die verlinkte Umfrage lässt meiner Meinung nach aber zu wünschen übrig.
    Es werden ja nur willkürliche vorhersehbare Extrema abgefragt, zum Beispiel individuelle Sportarten und die Wahl zwischen Alkoholiker und Asket…

  3. Ein wirklich sehr schöner Artikel, dem ich nur zustimmen kann. Ich finde, dass nicht mehr bildet als Reisen. Vor allem emotional bringt einen so eine Erkundung der restlichen Welt enorm weiter.

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