Beziehungs-weise

Gestern im Cafe konnte ich ein Paar beobachten, dass sich heftig stritt. Besser gesagt: Sie machte ihm Vorwürfe – er hörte ihr unmotiviert zu.

Hat diese Beziehung eine Chance?

Streiten ist nicht der Grund für das Scheitern einer Beziehung. Es gibt auch nicht die eine richtige Konfliktlösestrategie für Paare.

Der amerikanische Eheforscher Gottman (1993) klassifiziert drei stabil-zufriedene Paartypen anhand deren Konfliktverhalten:

  • impulsiv-leidenschaftlich
    Im deutschsprachigen Raum verkörpert der impulsiv-leidenschaftliche Typ die günstigste Variante (Bodenmann et al., 2004). Diese Partnerschaften weisen zwar ein relativ hohes Konfliktniveau auf, sind dafür jedoch in der Lage, ihre Beziehung längerfristig lebendig und bereichernd zu gestalten.
  • wertschätzend-verständnisvoll
    Beim lange in der Familientherapie bevorzugten wertschätzenden-verständnisvollem Typ tritt dagegen die so genannte Verstärkererosion (Weiss, 1978) auf, d.h. die ständige positive Kommunikation nutzt sich ab, wird fade und unbedeutend.
  • vermeidend-unengagiert
    Vermeidend-unengagierte Paare lassen sich weitgehend in Ruhe, haben eine eingeschliffene Kommunikation, die jedoch häufiger positiv ist.

Wann scheitern Beziehungen?

Problematisch wird es erst, wenn gegenseitiger Respekt und Achtung verloren gehen.

Dabei kann man wiederum zwei Typen unterscheiden:

  • feindselig-impulsive Paare
  • feindselig-distanzierte Paare

Erstere streiten sich oft, letztere selten, da sie sich aus dem Weg gehen. Für beide gilt jedoch: Kommt es zum Konflikt, wird dieser auf verletzend-feindselige Weise ausgetragen.

Typische Trennungssymptome sind:

  • Kritik: die sich gegen die Persönlichkeit des Partners richtet, nicht nur gegen sein Verhalten
  • Verachtung: Augenrollen, Sarkasmus, Verhöhnen und respektloser, abschätziger Humor dies ist der stärkste Prädiktor für Trennungen
  • Rechtfertigung: anstatt eines Einlenkens, durch eine Rechtfertigung wird in Wirklichkeit der Partner beschuldigt, der Konflikt eskaliert
  • Mauern: ein Partner klinkt sich aus, entzieht sich dem Streit, aber auch der Beziehung

Mein beobachtetes Paar zeigte leider ein alarmierendes Streitverhalten: sie überflutete ihren Partner mit Kritik, er mauerte. Männer reagieren mit stärkeren körperlichen Reaktionen (d.h. mehr Stress) und mauern daher eher: in 85% ist es der Mann, der sich ausklinkt.

Bei zufriedenen Paaren in den USA kommt auf fünf positive Interaktionen eine negative. In Deutschland zeigen zufriedene Paare lediglich ein Verhältnis von 2:1. Ein gleich häufig positives und negatives Verhalten reicht nicht aus, um die Beziehung zu retten.

Mein Paar hat also noch alle Chancen. Erst wenn sich obige Symptome dauerhaft in der Kommunikation festsetzen, sind 90 Prozent der Beziehungen zum Scheitern verurteilt.

(kat)

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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