Abschied

BLOG: Psychologieblog

Das menschliche Miteinander auf der Couch
Psychologieblog

Lass’ uns gute Freunde bleiben

Trennung. Dieses Wort aktiviert bei den meisten Menschen Verlustängste. Für Liebende liegt es außerhalb ihrer Vorstellungskraft ohne ihren Partner weiterleben zu können. Ihr psychisches  Gleichgewicht gerät empfindlich außer Balance, wenn das Fundament der Beziehung in Frage gestellt wird.

Ohne Bindung keine Beziehung

Warum scheut der eine vor jedem Beziehungsangebot zurück? Warum stürzt sich der andere mit seiner ganzen Gefühlswelt in eine neue Partnerschaft?
Die Basis des Beziehungsverhaltens wird in der frühen Mutter-Kind-Bindung gesucht. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass auch Bindung zu anderen nahe stehenden Personen wie dem Vater, der Oma oder späteren Betreuungspersonen aufgebaut werden kann.

Konkretes Bindungsverhalten wird nur in Alarmsituationen ausgelöst. Um Bindung zu untersuchen, entwickelten Ainsworth und Wittig bereits 1969 einen Test, der durch Abschiedsszenen bei zweijährigen Kindern Explorations- und Bindungsverhalten provoziert. Das Kind ist mit seiner Mutter in einem Raum mit attraktivem Spielzeug. Eine fremde Person betritt den Raum und sucht die freundliche Interaktion mit Mutter und Kind. Weitere Belastungen werden  sukzessive eingeführt: die Mutter verlässt den Raum, während das Kind kurzzeitig mit der unvertrauten Person allein ist. Später verlässt die Mutter abermals den Raum und das Kind verbleibt einen Moment ganz allein im Zimmer.

Heraus kam eine Typologie der Bindungsbeziehungen. Sicher gebundene Kinder suchen in und nach den Trennungsmomenten den Kontakt zur Mutter. Bei ihrer Wiederkehr zeigen sie Freude und suchen ihre Nähe. Innerhalb des unsicheren Typs wird zwischen Beziehungsbindung mit vermeidender oder ambivalenter Natur unterschieden. Kinder, die dem unsicher-vermeidenden Bindungstyp zugeordnet werden, zeigen kaum Kummer oder Freude über Abschied oder Wiederkehr der Mutter. Scheinbar sind sie wenig an Kontakt und Nähe zur Mutter interessiert. Kinder der dritten Kategorie zeigen ein ambivalentes Verhalten. Obwohl sie den Weggang der Mutter nicht begrüßen, zeigen sie bei ihrer Rückkunft neben ihrem Wunsch nach Nähe auch auffallenden Widerstand gegen die mütterlichen Interaktionsversuche.

Diese Bindungsstile sind nach vorherrschender Meinung unter Psychologen erstaunlich stabil. Sicher gebundene Personen gehen auch nach schmerzhaften Trennungserfahrungen im Erwachsenenalter das Risiko einer erneuten Partnerschaft ein, in dem Wissen eine mögliche Trennung zu bewältigen. Unsicher gebundene Menschen weichen Beziehungen aus oder halten an einer unglücklichen Partnerschaft fest. Doch Verlust- und Trennungsängste hat jeder von uns. Woher sollen wir wissen, ob Trennungsangst unsere Wahrnehmung verzerrt und das Handeln steuert?

Immer noch begegnet man der Meinung, dass dem so genannten Bonding durch eine spezifisch zeitlich gebundene hormonelle Disposition ein Prägungsprozess zugrunde liegt. Die bisherigen Forschungsergebnisse bestätigen die These eines Prägungsprozesses nicht, weisen aber darauf hin, dass Erstkontakt und möglichst frühe Interaktion von Mutter und Kind die Entwicklung einer fürsorglich liebenden Beziehung vereinfachen. Ebenso scheint der Bindungstyp nicht durch eine Persönlichkeitseigenschaft des Kindes, sondern durch die Merkmale der personbezogenen Bindung aus Sicht des Kindes definiert ist.

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

2 Kommentare

  1. Guten Tag,

    hier würde ich gern eine Literaturempfehlung einwerfen.

    “A General Theory of Love” by Thomas Lewis, Fari Amini, and Richard Lannon.

    Die drei Autoren beschreiben auf sehr überzeugende Weise, menschliche Bindung, die sie als eine Form der von Bindung unter Säugetieren skizzieren, im Spannungsverhältnis von biologischen Abläufen, und dem, wie es sich von innen anfühlt.

    Ich fand’s klasse.

    Grüße & Danke für den Artikel,

    S. Großner

Schreibe einen Kommentar