Wissenschaft auf die Straße!

Erst Brexit, nun Trump und als nächstes vielleicht Marine Le Pen als französische Präsidentin? Der Aufstieg der Rechtspopulisten ist nicht nur eine Krise der Demokratie, er ist auch eine Krise der Wissenschaft; präziser: der öffentlichen Wahrnehmung von Wissenschaft. Wissenschaftler gelten vielen als ewig streitende Wirrköpfe, die sich doch nie zu einer brauchbaren Schlussfolgerung durchringen können. So konnte die Brexit-Kampagne punkten mit Aussagen wie “we’ve had enough of experts”; im amerikanischen Wahlkampf wurde der menschengemachte Klimawandel zur Glaubenssache diskreditiert. Beginnt bald auch in Deutschland das “post-faktische” Zeitalter?

Zu lange haben wir auch in Deutschland toleriert, dass anti-wissenschaftliche Thesen in der Politik Gehör finden. Besonders deutlich ist dies in der Medizin, wo der “Binnenkonsens”, also die Aufgabe wissenschaftlicher Standards bei der Zulassung pseudomedizinischer Heilmittel, Gesetz ist. Die Verneinung von Fakten bedroht unseren Wohlstand (Brexit), unsere Gesundheit (Pseudomedizin) und unseren Planeten (Klimaleugner).

Noch ist der wissenschaftsfeindliche Populismus keine ernstzunehmende Gefahr für die Demokratie hierzulande. Und doch sollten wir Wissenschaftler uns gerade jetzt mehr denn je darum bemühen, den Dialog mit der Gesellschaft zu intensivieren. Wir müssen begreiflich machen, warum die wissenschaftliche Methode die einzige ist, die zu verlässlicher Erkenntnis und damit zu Wohlstand führt.

Diese Thematik wird seit einigen Tagen sehr aktiv auch in den deutschen Medien diskutiert. So fragte der Leiter des FAZ-Ressorts “Natur und Wissenschaft”, Joachim-Müller Jung, “Wo bleibt der Aufschrei gegen billigen Populismus?” und etliche Blogger haben darauf geantwortet. Henning Lobin forderte zur Diskussion auf, Jens Rehländer sieht die Wissenschaftskommunikation in der Pflicht, die Fahne der Wissenschaft hoch zu halten und Markus Pössel kommentiert, dass nicht die Inhalte fehlen, sondern, dass diese “nur” zu wenig sichtbar sind.

Ich stimme dem Kommentar von Joachim-Müller Jung allerdings zu und sehe in der Tat eine große Passivität hinsichtlich Wissenschaftskommunikation unter Forschern. Manche meiner Kollegen sind gar davon überzeugt, dass wissenschaftliche Institutionen sich gar nicht mit Öffentlichkeitsarbeit abgeben sollten, sondern sich auf ihre “Kernkompetenzen” besinnen sollten. Demnach solle die ESO (die europäische Südsternwarte) nur Teleskope bauen, aber darüber reden sollen andere (zum Glück sieht die ESO das selbst nicht so und ist eine der aktivsten Institutionen in der astronomischen Öffentlichkeitsarbeit). Ich halte das für eine falsche Einstellung. Es ist wichtig, dass gerade diejenigen, die selbst in der Forschung aktiv sind, sich auch zu ihrer Forschung äußern, denn das verschafft Authentizität. Meine Kolleginnen und Kollegen im Outreach sehe ich vor allem in der Verantwortung, Räume zu schaffen und Aktionen zu setzen, damit Wissenschaftler in die Öffentlichkeit kommen. Denn meiner Erfahrung nach sind viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereit, sich in der Öffentlichkeitsarbeit zu engagieren, aber nur die wenigsten werden von sich aus aktiv. Die meisten warten, bis ein “Profi” aus der Öffentlichkeitsarbeit sie anspricht oder anschreibt.

Ich sehe aber noch ein zweites Problem. Die meisten Programme für Wissenschaftskommunikation erwarten, dass sich die interessierte Öffentlichkeit in die wissenschaftlichen Institute begibt, nur selten kommen Wissenschaftler aus ihrem “Elfenbeinturm” auf die Straße. Wenn wir aber in der Öffentlichkeit Werbung für Wissenschaft machen wollen (und darum geht es!), dann müssen wir (Wissenschaftler) in die Öffentlichkeit gehen und dürfen nicht verlangen, dass die Öffentlichkeit zu uns kommt. Wir müssen neue Formate für die Wissenschaftskommunikation ausprobieren und wir müssen “Wissenschaft auf die Straßen” bringen (in Anlehnung an das erfolgreiche Didaktik-Programm “Wissenschaft in die Schulen“).

Wir könnten unsere besten und eindrucksvollsten Experimente in Fußgängerzonen aufbauen. Lasst uns vor dem nächsten Blockbuster-Film versuchen, science slams zu diesem Thema in den Kinos zu organisieren! Und wir können wissenschaftliche Bilder als “street art” präsentieren, wie es die FAU Erlangen-Nürnberg letztes Jahr vorgemacht hat. Das Ziel muss sein, eine breitere Gesellschaftsschicht zum Nachdenken zu bringen darüber, wie die Welt funktioniert, und Interesse und Begeisterung zu wecken, sich mit Wissenschaft und Technik zu beschäftigen.

[Edit 29.11.2016, 22.50] Siehe dazu auch den Beitrag von Marco Körner “Raus aus dem Elfenbeinturm!”

Veröffentlicht von

www.ileo.de

Nach dem Studium der Physik in Würzburg und Edinburgh, habe ich mich in meiner Diplomarbeit mit der Theorie von Blazar-Spektren beschäftigt. Zur Doktorarbeit bin ich dann im Herbst 2007 nach Heidelberg ans Max-Planck-Institut für Astronomie gewechselt. Von dort aus bin ich mehrere Male ans VLT nach Chile gefahren, um mithilfe von Interferometrie im thermischen Infrarot die staubigen Zentren von aktiven Galaxien zu untersuchen. In dieser Zeit habe ich auch den Blog begonnen — daher der Name…

Seit Anfang 2012 bin ich als Postdoc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching im Norden von München. Dort beschäftige ich mich weiterhin mit Aktiven Galaxien und bin außerdem an dem Instrumentenprojekt GRAVITY beteiligt, das ab 2015 jeweils vier der Teleskope am VLT zusammenschalten soll.

47 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, der politische Populismus hat sich mit Klimaleugnern, Vertretern von pseudomedizinischen Heilslehren und anderen sich antielitär gebenden Verkündern von kontrafaktischten Lehren verbündet. Den populistischen PolitikerInnen fällt das leicht, weil Klimaleugner, Impfgegner und Verfechter von alternativen Heillehren oft ähnlich argumentieren. Nicht selten nehmen sie deren Argumente – beispielsweise die der Klimaleugner – 1:1 in ihre politischen Programme auf (man lese das Klimkapitel des AfD-Parteiprogramms).
    Und ja, Binnenkommunikation – Wissenschaftler sprechen zu Gleichgesinnten – löst das Problem und die Polarisation nicht. Wollen Wissenschaftler alle und sogar Anhänger von populistischen Parteien erreichen müssen sie auf die Strasse gehen und sogar bei Veranstaltungen von populistischen Parteien auftreten. Dabei sollten sie vermeiden polarisierend zu wirken und sich dagegen wehren in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden. Letzlich müssen Wissenschaftler genauso wie die populistischen Politiker das “Volk” erreichen. Das ist gar nicht so schwierig. In Bezug auf den Klimawandel zeigen Umfragen in den USA beispielsweise, dass die Mehrheit der US-Bürger, selbst der Republikaner, davon überzeugt ist, dass die Temperaturen steigen und dass der Mensch dabei eine Rolle spielt. Es gilt also nur noch Klimaleugner-Argumenten wie “Das Klima ändert sich immer” entgegenzutreten.

    • Hallo Herr Holzherr,
      zum Thema “Das Klima ändert sich immer” empfehle ich immer wieder gerne die eindrucksvolle Darstellung von Randall Munroe auf XKCD: http://xkcd.com/1732/
      Eine kleine Klarstellung zum “Binnenkonsens”: Hierbei handelt es sich nicht um Kommunikation unter Wissenschaftlern, sondern um die völlig unsäglich, aber tatsächlich Gesetz gewordene, Vereinbarung, dass jede medizinische “Fachrichtung” ihre eigenen Prüfmechanismen verwenden darf. Für normale Medikamente muss in sehr teuren klinischen Studien die Wirksamkeit nachgewiesen werden; für homöopathische “Globuli” etwa muss aber lediglich gezeigt werden, dass sie nicht giftig sind (was meistens der Fall ist, denn sie bestehen ja fast nur aus Zucker). Dass sie in randomisierten Doppelblindstudien regelmäßig nicht besser als Placebos abschneiden spielt dabei dann keine Rolle.

      • Ja, Randall Munroe hat die Folgen des Klimawandels in mehreren Panels eindrücklich umgesetzt. Dazu gehören auch 1225: Ice Sheets, 887: Future Timeline, 164: Playing Devil’s Advocate to Win, 1379: 4.5 Degrees und einige mehr.
        Schade eigentlich, dass Munroes und die Bemühungen tausender Anderer die öffentliche Wahrnehmung des Klimawandels so wenig verändert haben.

        Zum „Binnenkonsens“. Diese Wort habe ich aus ihren Ausführungen aufgegriffen, meinte damit aber den Konsens zwischen Wissenschaftlern und ohnehin schon Gleichgesinnten. Die detaillierte Erklärung, was der Begriff „Binnenkonsens“ im medizinischen Umfeld mit ihren diversen Fachrichtungen bedeutet, war neu für mich. Interessant wie man sich dort eingerichtet hat.

  2. Also, ich verstehe nicht, wie sie (und viele andere) meinen können, das die “Krise der Demokratie” erst durch Rechtspopulisten existent ist. Ist der Rechtspopulismus nicht nur ein Symptom der eigentlichen Krise? Oder ist Rechtspopulismus..oder ein Rewchtsruck nicht einfach nur ein teil demokratischer Möglichkeiten?

    Wenn sie (und andere) einfach sagen würden, wir hätten eine Kulturkrise, die sich ungünstig auf Politik auswirkt, dann wäre man auch auf einem besseren Argumentationsweg.

    Aber so ist das alles nur seine eigene Weltsaicht entlarvent. Nämlich, dass der Rechtsruck gar keine demokratische Legitimation hat und daher dieser erst die Krise darstellt. Was letztlich vollkommener Irrsinn ist. Oder eben nur aus einer seltsamen Blase eigener (wenn auch kollektiver) Weltsicht entstammt. Der Wunsch aus der Subjektive, dass ein Rechtsruck politisch keine legitimität besitzt. Man kann dann ja auch alle Randhemisphären der Politik einfach verbieten, dann würde man das dahingegend wenigstens unterbinden können. Aber das würde dann die Demokratie selbst zur Diktatur machen, womit man dann auch in Erklärungsnot kommt.

    Also für mich besteht keine Krise der Demokratie, weil es einen Rechtspopulismus gibt. Für mich besteht eine Kulturkrise, die demokratisch in nicht erwünschte Richtungen führen kann.

    • Ach ja, darüber, wie die Welt und der Mensch funktioniert habe ich viel wissenschaftliches gelesen. Meine eigenen Forschungen betreffend des Menschen aber ergeben einige wesendliche Erkenntnisse, die in der Wissenschaft gar nie vorkommen und gar an allen Grenzfragen dazu immer geleugnet und als Irrsinn abgetan wird.
      Ich bin daher in Versuchung, der Wissenschaft “Lüge” oder Versagen vorzuwerfen, da es mir nicht einleuchten will, wie der Wissenschaft, die da ja so potent und hochtechnisiert und gut durchdacht sein soll, so viele wesendliche Erkenntnisse fehlen können.

      Und dazu gibt es noch allzuweltliche Bereiche, die gar nicht beforscht werden. Man hat da zuweilen auch mal ethische Bedenken. Das darf ja sein. Da gibt es eine ganze Reihe blinde Felder. Aber dann daarf die Wissenschaft nicht behaupten, sie sei die einzige Möglichkeit, die Welt zu erklären, wenn sie es doch nicht tut.
      Und verdammt:
      Wohlstand sollte nicht das erste Argument sein, zuwas Wissenschaft führt. Wissen und Erkenntnis seien hier die immer gültigen ersten Argumente. Und in Folge die Möglichkeiten daraus für die Menschheit und ihre Zivilisation.

    • Hallo Chris,
      ja, es stimmt, die Entscheidungen zu Brexit und Trump etc. waren demokratisch. Die Art und Weise, wie die Entscheidungen herbeigeführt wurden, waren es aber nicht. Denn Demokratie ist aus meiner Sicht nicht nur, die Meinung des Volkes abzufragen, sondern auch die Art und Weise mit der sich in einer Gesellschaft eine Mehrheitsmeinung bildet. Und dazu gehört unter anderem, dass man Fakten als solche akzeptiert und die Wahrheit nicht verdreht, bloß weil sie einem politisch nicht in den Kram passt. Dazu gehört auch, mit Minderheiten rücksichtsvoll umzugehen und die Institutionen der Demokratie, auch die freie Presse, zu respektieren. Ohne solche zusätzliche Spielregeln, auf die wir uns eigentlich schon längst geeinigt hatten, wird Demokratie zur Tyrannei der Mehrheit.
      Grüße,
      Leonard Burtscher

      • Ohne solche zusätzliche Spielregeln, auf die wir uns eigentlich schon längst geeinigt hatten, wird Demokratie zur Tyrannei der Mehrheit.

        ‘Wir’ offensichtlich nicht, vielen Dank, dass auf das Man verzichtet werden konnte.
        Tja, Demokratie ist in gewissem Sinne Herrschaft bis ‘Tyrannei’ der Mehrheit, den Gegner der Mehrheitsentscheidungen fühlen sich oft tyrannisiert, etymologisch ist der ‘Tyrann’ erst einmal wertfrei, Herrscher meinend.

        Die Demokratie benötigt eine gewisse Kultur, damit sie stattfinden kann, mit Analphabeten wäre insofern kein demokratischer Staat zu machen, dies nur ein Extrem-Beispiel, besondere ‘Spielregeln’ benötigt es nicht, nur eben ein bestimmtes Grundverständnis der Beteiligten, des Souveräns insbesondere, des Wahl- oder Staatsvolks, ein zivilisatorisches Grundverständnis sozusagen.
        Civis [1] = Bürger.

        [1]
        In diesem ‘Civis’ steckt schon eine ganze Menge, bereits hierzu ließe sich anthropologisch sehr weit ausführen, vgl. auch mit ‘Citoyen’.

      • Das ist doch paperlapapp.
        Falls das Volk zu dumm für ihre Vision von Demokratie ist, dann hat die Elite wohl irgendwas falsch gemacht. Oder das Bildungssystem hat nicht funktioniert oder irgendwas anderes hat die Gesellschaft versäumt.
        Sie können, wenn es beginnt nach ihrer Vision schiefzulaufen, nicht darauf bestehen, das nur hinreichend gebildete wählen dürfen, weil alle anderen wegen ihrer Dummheit nicht verstünden, was “das Beste” sei für das Land und die Welt.
        Sie können jedenfalls nicht sagen, dass “postfaktische” Entscheidungen und die Kommunikation, die dazu führte (die sie Populismus nennen), undemokratisch sind, wenn sie vorher nicht genug dafür getan haben, dass dieses Volk dazu fähig sei, “einsichtig” zu sein. Oder noch konkreter: Wenn die Elitären (und da zählen auch sie dazu) vorher Politik unterstützten, die eindeutig gegen dieses “Pack” gerichtet ist und sie noch schlechter stellten, als sie es eh schon waren. Damit also waren sie selbst einverstanden – nun aber dürfen die sich nicht gegen diese Politik aussprechen? Das passt nicht zusammen. Und ist ohne allem Klenkram a priori antidemokratisch. Man kann ja viel rumdrucksen um das Problem, letztlich bleibt die einzelne Stimme als jedermanns Recht.

        Was die “freie Presse” angeht, die wir alle zu respektieren haben, muß man ja auch einschränkend sagen, dass sie kaum so frei ist, wie wir uns das so gerne einbildeten. Wenn alle Zeitungen letztlich ungefähr 5 Besitzern gehören, dann ist da von der schönen Freiheit wenig übrig. Das ist ungefähr wie beim Strommarkt – da gibt es auch nur wenige Großkonzerne, die Deutschland unter sich aufgeteilt haben.
        Und die Sache mit den Minderheiten klappt noch viel schlechter, als sie eh schon glauben. Und da geht es gar nicht mal um die “üblichen” Minderheiten, wie sie vor kurzer Zeit noch übermütterlich in Schutz genommen wurden. Die waren damit recht fein raus. Aber es gab noch mehr. Es ist sowieso besser, sich nicht an erkennbaren Minderheiten zu orientieren, sondern an die Haltung, keinem Menschen irgendwie über die Maßen zu nahe zu treten. Dann kann man auch nicht mit den Minderheiten durcheinander kommen. Zum Beispiel sind arabische Migranten (inkl. Vorderasien) sicher keine Minderheit mehr und auch kaum einer echten Bedrohung ausgesetzt. Wenn man aber den Medienberichten glauben mag, dann waren sie hier in Deutschland kurz vorm Völkermord. Wie absurd. Da werden nicht nur Medienseitig (auch bei der Gutmenschengesellschaft) einzelne Ereignisse derart Fokussiert, dass man dadurdch eine völlig falsche Perspektive bekommt. Wer da nicht von Lüge spricht, der hat ein Problem mit der Wahrnehmung. Hat man je die Migranten befragt, wie sehr sie sich bedroht fühlen? Nein, oder wenn doch, dann kam dabei raus, dass sie sich nicht bedroht fühlen. Und das ist dann auch keine Schlagzeile wert. Resultat aus der Sache? Die Migranten sind erhaben darüber. Bloß wie kann das sein? Bei so vielen eindeutig konfrontativen Haltungen? Sie sind aus gewissen Bedingungen viel unantastbarer, als sich viele denken. Lassen sich kaum durch ein paar “Pöbelleien” gegen sie aus ihrer Souveränität bringen. Daran sollten sich die vielen “Gutmenschen” mal ein Beispiel nehmen.

        Abschliessend noch: Die Ereignisse sind sowieso nicht zu verhindern gewesen. Nicht jedenfalls durch die Maßnahmen, die da ergriffen wurden. Vielleicht aber war dieser Bruch, der nun eingetreten ist, sogar von irgendwelchen Eliten erwünscht? Ich gehe fast davon aus.

        Und ich erkläre ihnen noch, dass ich faktisch zu den “dunkeldeutschen” gehöre. Aber ich bin multikultureller, als alle Gutmenschen in meiner Denke. Das zwingt mich aber nicht, dass ich explizit für das große gute Zusammenleben sein muß. Ich bin liberaler, als der Gutmensch mit seinem diktatorischen Anspruch, Minderheiten vor allem anderen bevorzugt unter Schutz zu stellen. Denn gewissen Bedingungen in der Gesellschaft muß man sich einfach stellen und bestehen. Für mich gab es auch nicht die große Ausnahme, weil ich einer Minderheit zugehörig bin. Ich bin für Freiheit und ein konfrontationsloses Zusammenleben. Und da mach ich nicht allen um mir herum Vorschriften, wie das auszusehen hat.
        Ich war früher sogar mal Feminist – ohne dan ganzen ideologischen überbau – ganz von Herzen eben. Aber jetzt, wo ich ein solcher nicht mehr sein kann (was für mich keine Willensentscheidung war) stelle ich fest, dass ich in dieser feministischen Linkskultur konsequent diskrimminiert wurde. Nämlich weil ich ein Mann gewesen bin und damit einem Generalverdacht unterliege. Soweit zu Detailproblemen, die nie wahr genommen werden.

        Ich ging den Problemsituationen recht bereitwillig aus dem Weg (und es gibt sie immer – egal, wie man das Zusammenleben organisiert), um die kritischen und sinnlosen Konfrontation zu meiden. Ich tuhe das, weil ich genau wusste, dass meine Kritik sofort den diktatorischen Gutmenschen in euch auf den Plan rufen würde und mich nach allen Regeln und Kunst zurechtstutzen würde. Weil meine Perspektive gegen den “Herzensrassismus” der Mehrheitsgesellschaft gerichtet ist. Das ich mit meiner Perspektive nie Gehör finden würde, ist hingegen aber eben nur die Gegenseite der Deuthungshoheit und als individuelle Meinung dann auch ebenso diskrimminiert, wie die vielen vermeindlichen Minderheiten, die da als Argument immer hergeholt wurden. So ist das in Gesellschaften – je Kleinteiliger man sich hinabbegibt, desto mehr “Minderheiten” begegnet man. Und die werden alle durch dieses Diktat dieser wirren und undurchdachten Deutungshoheit diskrimminiert. Leitkulturdebatten sind allesamt vor dem Hintergrund echter demokratischen Verhältnisse völliger Nonsens und natürlich Populismus.

        Und auch sie wollen ja eine Art “Leitkultur” etabliert sehen, die da die Fähigkeit besitzt, Fakten zu erkennen, zu würdigen und als solche zu akzeptieren.

        Zudem, angesichts des Reizwortes “Leitkultur”, sei anzumerken, dass dieser Begriff mit Sicherheit aus Elitärer Richtung auf das Volk losgelassen wurde, damit sich das Volk daran “scheidet”. Stichwort “teile und herrsche” – nämlich im Volk hinreichend Stunk hineinbringen, damit man als etablierte Elite wieder souveräner über das Volk herrschen kann. Sogesehen auch ganz in ihrem Sinne (weil sie zu den Elitären gehören), damit wieder die Fakten regieren. Der Zeitpunkt, an dem diese Strategie effektiv losging, war im Frühjahr 2014 – als unter den Linken die Debatte um die Querfront losging. Und Leitkultur war parallel dazu ein Begriff in den Medien.
        Was meinen sie, warum Merkel immer von “Alternativlos” schwafelte? Weil in der zeit tatsächlich das Volk regierte. Nur leider war es absolut nicht produktiv organisiert, sodass diese Herrschaft auch Effektivität gezeigt hätte. Nun, da das Volk zerstritten und geteilt ist, darf das “Faktische” wieder regieren. Aber was sind Fakten? Und was spielen sie für den einzelnen Dunkeldeutschen überhaupt eine Rolle? Soweit wollen sie aber gar nicht denken. Sie unterwerfen sich auch allen sogenannten “Fakten”, weil es in ihrem Leben keinen Unterschied macht – sie sind eben Teil der Elite, die genau davon profitiert und damit die Deutungshoheit etabliert. Wie könnte ich verlangen dem kleinen Mann (etwa dem Dunkeldeutschen) mehr Aufmerksamkeit für seine Probleme zu widmen? In dieser Leistungsgesellschaft ist doch ihr Versagen eindeutig und deren eigene Schuld steht fest.
        So kann man das auch nur sehen, wenn man in der Elitenblase der Deutungshoheit “lebt”. Aber das zu reflektieren könnt ihr nicht.
        Sie halten sich für was besseres? Gegenüber all den flachen Geistern, die da populistisch wählen, aber am nächsten Tag die Gesellschaft am laufen halten – indem sie den Müll abholen, die Wohnung malern, Kanäle reinigen, Steckdosen reparieren, das Auto in der Werkstatt winterfest machen, die Möbel ihres Umzuges tragen, ihr neues Haus bauen… undsoweiter.
        Sie glauben, sie seien was Besseres? Fragen sie sich, ob sie ohne jene leben könnten, die all die Schwerst- und Drecksarbeit für sie machen, damit sie das Leben leben können, das die Eliten eben so lebt. Und dann fragen sie sich, ob es gerecht ist, das all diese Leute von ihrem Lohn und den davon eingezahlten Rentenanteilen jetzt und später einmal von leben können und wie gerecht es ist, den Druck auf die ganze Gesellschaft freiweg nach “unten” durchzureichen, indem man untangiert Niedriglohnsektoren ausbaut und auch sonst den Sozialstaat abschaft.
        Das Geheimnis warum es diese “Leistungsgesellschaftversager” überhaupt gibt, ist, dass notwendigerweise gar nicht jeder “gewinnen” kann. Es besteht in diesem Kontext überhaupt kein Versagen. Aber es besteht diese Ungerechtigkeit. Und die erzeugt dann “postfaktische” Irrationalität, wie sie sie bemängeln. Sie können nicht von Menschen verlangen, die voll damit zu tun haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, die europäische Union zu unterstützen, wenn sie durch diese “faktisch” gar nicht profitieren, weil sie weder Zeit noch Geld haben, um die “tollen” Vorteile zu nutzen (Reisefreiheit und keine Umstände wegen Geldwechseln und so seltsame Visionen). Und wie wir inzwischen wissen, profitiert das prekäre Pack auch nicht davon, das die Wirtschaft wegen optimalen Verhältnissen durch die Union “brummt”. Denn parallel zu den Erfolgsbilanzen der global payer wurden durch haufenweise “Reformen” noch jedem Dunkeldeutschen klar gemacht, wie sehr er doch versagt hat. Und das er letztlich absolut nichts zu sagen hat. “Versager, bleib bei deinen Leisten oder tu, was wir dir sagen”…ist der O-Ton in der Reflektion jedes Betroffenen aus dieser Welle an neoliberalen Anpassungsreformen und der darin mitschwingenden Deutungshoheit. “Teilhabe” an Gesellschaft heisst: Vollbeschäftigung. Nichts anderes – was blanker unsinn und grober Unfug ist. Zugespitzt bedeutet es nichts anderes, als Versklavung und Vereinnahmung für fremde Zwecke und … natürlich Profite, die nur in Form von Niedrigstlöhnen zu den gedungenen Subjekten zurück kommen.
        Ich verlange letztlich nur Verständnis für diese Dunkeldeutschen und ihre ausweglose Situation. Das sie durch die populistischen Parteien irgendwie profitieren würden, ist eine völlig falcshe Vision. Was auch daran liegt, das auch diese Parteien mit Sicherheit von gewissen Eliten gesteuert/in ihrem Sinne “geleitet” wird. Gewinnen tut in diesem Falle nur die schon etablierte Elite. Und da gehören sie sicher nicht dazu. Sie denken derzeit nur in deren “elitären” Visionen im Glauben daran, sich irgendwie Gutem zuzuwenden. Verständlich.
        Das war jetzt sicher viel zu viel. Aber das geht nicht in drei Worten zu erklären. Und da waren nur einge der vielen ideologischen Verwirrungen angesprochen und nicht mal echte Ursachen und Bedingungen der jetzigen Situation. Denn, das muß man einsehen, deutsche Innenpolitik ist wegen europäischer Stärke auf globaler Ebene ein hart umkämpftes Feld, worin sich auch haufenweise globale Interessen einmischen, um Europa zu schwächen. Daher kann man sich nicht kritikfrei einer globalen Vision anschliessen, deren Interessen einem gar nicht bewusst sind, weil man zu naiv an die Sache heranging. Und aus meiner Perspektive tat man das allzu bereitwillig und unhinterfragt – da waren in der Summe der Visionen haufenweise Detailinteressen, die eigendlich dagegen sprachen, was aber niemandem (von den Elitären) davon abhielt, “weiter, wie bisher” zu machen. Wegen den vielen unvereinbaren Verstrickungen musste man geradezu “populistisch” für den Liberalismus werben, aber in diesem Kontext bedeutet der Liberalismus eben auch: wir haben keine Ahnung im Detail oder wir wollen die Details gar nicht wissen (weil sie uns überfordern). Liberalismus ist also sogesehen “Faktenbefreitheit” und das Treiben lassen von den sogenannten Sachzwängen, die an die Politik herangetragen werden, anstatt die Politik sie souverän zu “regulieren” versuchte. Ausufernder Lobbyismus ist da ein deutliches Zeichen für, wofür es aber ein Gegengewicht benötigte, welches die Interressen vom Volk und Staat dagegen aufrecht halten sollte.
        Haben wir nicht gut organisierte und Kenntnisreiche Akademien der Wissenschaften? Und wäre es nicht von Nutzen gewesen, dieses Know How gegen den Wirtschaftsneoliberalismus in Stellung zu bringen? Kann man nicht Soziologen, Psychologen, Kultur-, kritische Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaftler…usw dazu befragen, wie das so ist mit den durch den Lobbyismus an die Politik herangetragenen Visionen? Wessen Politik das nicht tut, deren Verantwortungsfähigkeit und Loyalität für Land und Leute ist stark anzuzweifeln. Sogesehen ist das “postfaktische” ja schon seit Ewigkeiten am Werk und nicht erst seit Trump. Wie konnte das passieren? Trump hält uns zum Glück für uns nur den Spiegel vor.

        • Hallo Chris und Webbaer,
          ich kann leider nicht zu allen Kommentaren Stellung nehmen, aber hier ein paar Punkte von mir dazu:
          – ich habe nie eine Politik unterstützt, die sich gegen “das Pack” richtete; ganz im Gegenteil. Ich habe durch meine Stimme immer soziale Gerechtigkeit unterstützt, ohne die es auch keinen sozialen Frieden gibt. Die wirklich “Asozialen” sind aber bitteschön nicht die “Eliten” (ich mag das Wort übrigens genauso wenig und fühle mich dadurch auch nicht angesprochen), sondern das sind die Millionäre und Milliardäre, die ihr Einkommen nicht versteuern. Wenn Sie sich mal die Berichte über die “Panama papers” durchlesen, sehen Sie, wie viel Geld dem Staat eigentlich für seine Arbeit zu Verfügung stünde, wenn alle das zahlen würden, was sie zahlen müssten.
          – mir ist vollkommen bewusst, dass die Gesellschaft und insbesondere Akademiker auf die Arbeit einer breiten Gesellschaftsschicht angewiesen sind. Von kleineren Problemen abgesehen klappt das aber zum Beispiel an meinem derzeitigen Institut, dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik , recht gut. Die Putzfrauen scheinen ihren Job ebenso zu mögen wie die Forscher. Überhaupt ist die Astronomie keine “Eliten”-Angelegenheit. Bei einem Bau neuer Instrumente sind zum Beispiel neben den Astronomen (die in der Tat Physiker sind, meistens aber keine Physik-Lehrer) auch Ingenieure, Elektriker und Mechaniker beteiligt. Bei meinem letzten großen Instrumentenprojekt (GRAVITY) war es wirklich recht bunt: Vom Lehrling bis zum Institutsdirektor (Prof. Dr. …) war da alles dabei!
          – was die Dunkeldeutschen angeht: “jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten” (Quelle mir unbekannt). Wenn jemand *glaubt*, Asylbewerber seien generell kriminell, kann er dies gerne glauben. In einer funktionierenden Demokratie muss er aber die Statistik anerkennen, die zeigt, dass die Kriminalität in Deutschland auch nach Zuzug von über einer Million Asylbewerbern nicht nennenswert gestiegen ist. Wer Fakten ignoriert, auf Basis von Gefühlen Stimmung macht, und bei der Präsentation jedweder Daten eine Verschwörung vermutet (“korrupte Politiker”, “Lügenpresse”) ohne sich aber auf eine sachliche Diskussion einzulassen, der hat es nicht verdient, ernst genommen zu werden.
          Mit freundlichen Grüßen,
          Leonard Burtscher

          • @ Herr Burtscher :

            Sicher, im Web wird selektiv konsumiert und Feedback darf bis muss oft punktuell erfolgen, Zustimmung natürlich, weitgehende, nur hierzu noch eine kleine Anmerkung, denn sie ist ein “heißes Eisen” und bringt die von einigen im Moment als Problem aufgefasste pol. Lage vielleicht auf den Punkt:

            was die Dunkeldeutschen angeht: „jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten“ (Quelle mir unbekannt).

            Sie Sie es meinen, ist hier klar, dennoch ist das Geschriebene ein “heißes Eisen”.
            Dort, wo der szientifischen Methode (ganz bemerkenswerterweise ist in der bekannten Online-Enzyklopädie kein d-sprachiges Lemma vorhanden) gefolgt wird, haben Fakten oder Tatsachen eine besondere Bedeutung, nur dort ist es möglich auch Anwendungen bereit zu stellen, die teilweise sehr zuverlässig funktionieren.
            Dennoch bleiben Fakten Gemachtes und Tatsachen durch Tat Festgestelltes und jeder an der wissenschaftlichen Veranstaltung, die exoterisch (vs. esoterisch) ist, darf eigene Daten erheben.

            Im Politischen, auch die Humanities meinend, schaut es anders aus, denn diese schon sehr soft und Studien, die ja auch finanziert werden (wollen), wie auch Statistiken (hier steckt der Staat mit drinnen semantisch) sind ihrem Wesen nach weich und hier dürfen oft auch Interessen als den Inhalt anregend bis bestimmend vermutet werden.
            Politik ist ohnehin zuvörderst nicht als Ringen um Wahrheit zu verstehen, sondern als Veranstaltung, in der Wahrheit gerne (nur) behauptet wird.
            Nichts gegen diese Veranstaltung natürlich, Politik ist höchst relevant (aber immer auch lustig, Trump ist bspw. sehr lustig, er weiß, dass er sich dies dort nicht nur erlauben kann, sondern dass er so auch Authentizität und Klugheit ausstrahlt).

            Dort dürfen auch Sammlungen von Anekdoten eine empirische Wirkung zugesprochen werden.
            In der Politik darf jeder seine Fakten erheben, pflegen und kommunizieren, wenn nicht versucht wird mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu konkurrieren, Trump bspw. rudert hier auch fleißig zurück, den Klimawandel meinend.

            MFG
            Dr. Webbaer (der Gauck und seine ostentativ vorgetragenen Protestantismus schon sehr divisive findet, von dem Mann, den er mal gut fand, fast restlos enttäuscht worden ist)

    • Vermutung:
      Es gibt keine Krise.

      Was es gibt, ist demokratische Umwälzung, evolutiv sozusagen, der Guardian (laut der bekannten Online-Enzyklopädie ‘centre-left’, ‘left’ ginge auch) hatte bspw. zuletzt schwer zu schlucken, erst die Wiederwahl Camerons, dann der “Brexit” und dann Donald J. Trump – jeweils von den Meinungsforschungsinstituten explizit nicht vorhergesehen, was natürlich auch an deren Arbeit Zweifel weckt, gar (einige) vermuten lässt, dass von ihnen pol. geschult wird mittlerweile.

      Womöglich in der Folge sind dann Konzepte wie ‘Populismus’, ‘Postfaktizität’ und ‘Post Truth’ wissenschaftlich, manche meinen auch: “wissenschaftlich”, bereit gestellt worden.

      Demokratische Entscheidungen schmecken halt nicht jedem,
      MFG
      Dr. Webbaer

      • @ Dr. Webbaer

        Zitat:
        Vermutung: Es gibt keine Krise!”

        -> Meine Vermutung: Sie haben keinen Funken Durchblick und fügen sich widerstandslos in ihr Schicksal. Damit erfüllen sie indirekt das liberale Ideal, haben aber ansonsten absolut keine Position.

        Zugegeben:
        Es gibt absolut keine Wirtschaftskrise – die “Märkte” brummen, wie nie.
        Es gibt auch keine Krise der “Demokratie” (abgesehen von der Wahlbeteiligeung)

        Wir haben aber wohl eine Art Kulturkrise, die sich aufdringlich deutlich auf die Gesellschaften weltweit auswirkt.
        Und wir haben im Detail in Deutschland (und wohl auch weltweit) eine Krise der Repräsentation und Legitimation von Staat und Volk, wenn man bedenkt, dass seit jahrzehnten eine Politik für Globalinteressen gemacht wird.
        Wer für multikulturellen Liberalismus ist, der darf dessen Grundlagen nicht verleugnen (eben Staat und Volk) und meinen, es gäbe eine globale Deutungshoheit über kulturimmanennte Eigenarten und die erwünschte Diversität funktioniert nicht, wenn man diese durch Gleichmacherrei gleichzeitig marginalisieren will.

        Die Globalisierung hat nicht funktioniert und nun müssen sich die Menschen im gemeinsamen Backslash auf einen maximal möglichen Nenner wieder zusammenfinden.

      • @ Leonard Burtscher
        29. November 2016 @ 22:50

        Zitat:

        Ohne solche zusätzliche Spielregeln, auf die wir uns eigentlich schon längst geeinigt hatten, wird Demokratie zur Tyrannei der Mehrheit.

        -> könnte es nicht einfach nur sein, dass dieser Konsens aufgekündigt wurde, weil die für diese “Dunkeldeutschen” empfundene Demokratie sich wie eine Tyrannei der Mehrheit angefühlt hat? So ist nun jeder mal dran, die Tyrannei der Mehrheit zu beklagen. Nur von den Dunkeldeutschen hört man so manch Kritik nicht, weil die sich nicht mal hinreichend artikulieren können. Und die Elitären drehen sich dann um und erklären den Einwand, der gar nicht verbalisiert wurde, sei nicht relevant. Falls man die Arroganz ausmachen will, die zuweilen bemängelt wird: in solchen Reaktionen auf Begegnungen ist sie zu finden.

        Ich hatte oben in meinem Kommentaren auf die in der vergangenen Demokratie befindliche perspektivische Tyrannei der Mehrheit hingewiesen. Vor allem betreffend der Globalisierung und dadurch fourciertem Sozialdarwinismus.

        Hier:
        https://scilogs.spektrum.de/promotion-mit-interferenzen/wissenschaft-auf-die-strasse/#comment-4743
        und hier:
        https://scilogs.spektrum.de/promotion-mit-interferenzen/wissenschaft-auf-die-strasse/#comment-4744

  3. Ich schließe mich dem Text voll und ganz an. Das Problem der “Elfenbeintürme” ist meiner Ansicht nach strukturell bedingt und sehr tiefsitzend. Beispielsweise setzen sich bloggende Wissenschaftler immer dem Verdacht aus, nicht genügend Zeit für die Forschung aufzuwenden wenn sie sich nebenher noch ein Hobby gönnen. Einen guten Überblick über die Problematik hat Florian Freistetter schon vor vier Jahren gegeben: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/05/06/schadet-bloggen-der-wissenschaftlichen-karriere/

    Dazu kommt, dass (überspitzt gesagt) der gemeine Doktorand in der Regel einfach nur seinen Abschluss holen will um im Anschluss einen vernünftigen Job zu ergattern. Professoren wollen die nächste Publikation sichern und genügend Drittmittel eintreiben. Für alles andere gibt es eben die Pressestellen.

    Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus hat sich die Situation nicht gebessert. Gleichzeitig beobachte ich aber auch eine drastische Entfremdung zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft, die in den letzten Monaten endgültig offenbar wurde. Das halte ich für hochgradig gefährlich; nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Forschung, die zumindest teilweise immer noch von öffentlichen Geldern finanziert wird und auch zur Gesellschaft beitragen soll.

    Eine andere “Krankheit” von Wissenschaftlern ist, sich nicht festzulegen und sich nicht angreifbar zu machen. Jedenfalls ist das meine Beobachtung, auch an mir selbst. Fakt ist aber, dass die wissenschaftliche Arbeit als solche zur Zeit wohl so stark angegriffen wird, wie seit langem nicht. Ich denke, man kann dem nur begegnen in dem man eine klare Kante zeigt und dazu steht (Stichwort Integrität).

    Was kann man dagegen tun? Wie schon im Beitrag geschrieben wurde, bringt es wenig wenn man darauf wartet, dass die Leute in die Unis gehen. Das wichtigste ist meiner Meinung nach ein Dogmenwechsel in den Lehrstühlen, der Wissenschaftskommunikation nicht als lästig oder unnötig sieht, sondern sie begrüßt. Gerne auch in offizieller Zusammenarbeit mit den Stellen für Öffentlichkeitsarbeit.

    • Hallo Marco,
      danke für den detaillierten Kommentar! Ja, die Anreize im derzeitigen wissenschaftlichen System sind sicher an manchen Stellen fragwürdig. Und ich habe auch schon “senior scientists” erlebt, die Öffentlichkeitsarbeit als mangelndes Interesse an der Forschung interpretiert haben. Es gibt aber auch einige gute Entwicklungen. So wird zum Beispiel bei Anträgen an die DFG oder an den ERC mittlerweile eine “Outreach”-Komponente abgefragt und auch bei manchen astronomischen Beobachtungsprogrammen muss man erklären, ob und wie man vor hat, die Ergebnisse auch der Öffentlichkeit zukommen zu lassen. Allerdings erfordern all diese Formen von Öffentlichkeitsarbeit, dass die besagte Öffentlichkeit den ersten Schritt macht und sich auf die entsprechenden Webseiten begibt oder die entsprechenden Zeitschriften kauft…
      Ja, und was das Festlegen der Wissenschaftler angeht, so sehe ich auch die Tendenz, dass viele lieber im Konjunktiv sprechen, um möglichst Unangreifbar zu sein. Zu schwerwiegend ist der Makel des “Nicht-Recht-Habens”. Da würde eine bessere “Kultur des Scheiterns” sicher helfen, um mit den eigenen Fehlern und denen von anderen lockerer umzugehen, daraus zu lernen und gestärkt weiter zu machen.

    • Wissenschaftskommunikation muß es natürlich irgendwie geben. Aber sie ist meinen Erfahrungen nach zu einem wesendlichen Teil dazu da, die Leute zu unterhalten (und dabei wenigstens Wissenschaft zu schnuppern) und nicht wissenschaftlich zu bilden. Dazu sind Universitäten da, auf die man sich dann einschreiben kann/sollte. Oder wenigstens in der Grundbildung der Pflichtschuljahre zu vermitteln versucht werden sollte.

      Eine mir viel mehr am Herzen liegende Notwendigkeit sei dann auch, dass sich die Wissenschaft viel nachdrücklicher an politischen Entscheidungsprozessen beteiligen muß. So als Gegengewicht zum Lobbyismus aus Richtung Wirtschafts- oder anderen ausserstaatlichen Interessen.
      Die Globalisierung darf nicht dazu führen, dass nur globale Interessen gelten. Das erzeugt und verschärft nur den Sozialdarwinismus und verlagert ihn auf die globale Ebene, wo er dann unkontrollierbar wird. Auf globaler Ebene ist niemand mehr “konkurenzfähig”, weil es immer einen Besseren gibt.

      Wir können uns also nicht erlauben, eine teure und hochqualifizierte Akademie-Struktur zu unterhalten, die aber kaum Einfluß auf die politischen Entscheidungen hat. Etwa, weil sie nicht gefragt wird, wenn diese Entscheidungen anstehen. Lobbyismus aber wird als normal und notwendig akzeptiert? Anstatt man also Rechtsanwaltskanzleien zur Anfertigung von Gesetzestexten beauftragt, sollte man doch sinnvollerweise unabhängige Universitätsstrukturen (Rechts-, Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften) dazu verwenden, die von aller Wirtschaftsideologie untangierter ist. Um in der Bevökerung ein Vertrauen erwecken zu können, dass ein Staat sich nicht “nur” von stereotypen Profitdenken durch Lobbyismus treiben lässt. In der derzeitgen Handhabung scheint es so, dass Staat und Volk überhaupt keine Lobby haben.
      Das ist dann auch insgesamt das Problem, dass zur Politikverdrossenheit führt, weil man nicht versteht, wieso seine Stimme letztlich kaum dazu da zu sein scheint, das die Politik für Staat und Volk aktiv wird, sondern zu oft der Eindruck entsteht, es würde zu viel durch den Einfluß des Lobbyismus ausgehandelt und die globale Wirtschaft der Hauptprofiteur ist.

      Universitäre/akademische Strukturen damit zu beauftragen, erfordere aber, dass man diese Strukturen nachhaltig von ausserstaatlichen Institutionen und Organisationen in Schutz nimmt, damit diese nicht auf diesem Wege Einfluß nehmen und Partialinteressen in das System impfen können. Dazu ist und soll der Lobbyismus zuständig bleiben um seine Interessen darlegen zu dürfen. Wie da dann zwischen den Parteien Ausgleich geschaffen wird, muß man zusehen eine gute Lösung zu finden.
      Aber allein die Globalisierung und dessen Bedingungen als einzig wesendliche Vorgabe anzuerkennen, geht auf jeden Fall schief – und vor allem, wenn man derzeit erwartet, dass uns die multipolare Welt in der Zukunft bevorsteht.
      Zu denen, die da – wie öfters schon gehört – zukünftig mehr Verantwortung tragen müssen, gehört eben auch die akademische Elite auf den Universitäten. Nicht nur die “Bundeswehr” oder die Politik allein. Wenn also vom Nationalismus die Rede sei, dann in diesem Sinne, dass man national für sich selbst verantwortlich ist, anstatt auf Weltpolizisten zu zeigen, die die Dinge dann schon regeln würden. Nationalismus, wie er wegen der jüngeren Geschichte Mitteleuropas stereotyp gedeutet wird, ist damit nun nicht länger gemeint. Hier geht es um Nationalismus nach Innen, anstatt nach Aussen.

      In diesem Sinne – all ihr Akademiker:
      Seit Staatsmänner und Frauen … oder so ähnlich. Und meint nicht, mit Wissenschaftskommunikation nur das Volk “bespaßen” oder belehren zu müssen. Dann kann auch nichts… äh kaum was schiefgehen. Und auch ein Liberalismus kann erst dann zu seiner Blüte kommen und zeigen, wozu dieser gut ist in dieser Welt.

  4. Sie haben gut lachen, Herr Burtscher, weil Sie Physiklehrer oder kurz Physiker sind, Sie also von der Ausbildung her sozusagen hart sind, es gibt aber einerseits bereits in den Naturwissenschaften weiche Aspekte, bspw. in der Biologie und auch die Klimawissenschaften können ein wenig weich werden.
    Bei den Humanities, auch die Anthropologie meinend, könnte dies besonders klar werden.
    Webverweis:
    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Hard_and_soft_science

    Auch dieser Populismus-Begriff, der merkwürdigerweise kaum bei pol. Linken verwendet wird, ist so eine wissenschaftliche Leistung, die nicht von allen angenommen wird, nicht angenommen werden muss.
    Wäre es nicht sinnhaft anzunehmen, dass politisch Konservative, “Rechte” [1], schlicht pol. Meinung vertreten, die gar nicht populistisch [2] genannt werden muss?
    Darf auf Komposita wie ‘rechtspopulistisch’ oft verzichtet werden und stattdessen mit ‘pol. rechts’ ausgekommen werden?
    Bei der Postfaktizität, auch After Truth [3] (bes. verräterisch, wie einige finden), verhält es sich ähnlich, war der Brexit irgendwie “post-faktisch” motiviert, wie im WebLog-Artikel geschrieben stand?

    MFG
    Dr. Webbaer (der hier auch Vermessenheit erkennt, gelegentlich)

    [1]
    ‘Rechts’ und ‘Links’ meinen im Politischen eine bestimmte Metaphorik, die einstmaligen Sitzordnungen (!) in Parlamenten geschuldet ist.
    Liberale arbeiten in der Regel mit der Unterscheidung “liberal-kollektivistisch”, was besser passt.

    [2]
    Das Antonym zum Populismus ist der (nicht gerne genannte) Elit(ar)ismus.
    Irgendwie müssen alle Politiker zu einem Teil populistisch und elitistisch sein, sehr gerne auch in ausgewogener Form.

    [3]
    Konzepte wie die Postfaktizität, die idR anderen unterstellt wird, und wie diese Post-Truth-Idee missfallen einigen.
    Sehr.

  5. @ Leonard Burtscher
    29. November 2016 @ 22:50

    Zitat:

    Ohne solche zusätzliche Spielregeln, auf die wir uns eigentlich schon längst geeinigt hatten, wird Demokratie zur Tyrannei der Mehrheit.

    -> könnte es nicht einfach nur sein, dass dieser Konsens aufgekündigt wurde, weil die für diese „Dunkeldeutschen“ empfundene Demokratie sich wie eine Tyrannei der Mehrheit angefühlt hat? So ist nun jeder mal dran, die Tyrannei der Mehrheit zu beklagen. Nur von den Dunkeldeutschen hört man so manch Kritik nicht, weil die sich nicht mal hinreichend artikulieren können. Und die Elitären drehen sich dann um und erklären den Einwand, der gar nicht verbalisiert wurde, sei nicht relevant. Falls man die Arroganz ausmachen will, die zuweilen bemängelt wird: in solchen Reaktionen auf Begegnungen ist sie zu finden.

    Ich hatte oben in meinem Kommentaren auf die in der vergangenen Demokratie befindliche perspektivische Tyrannei der Mehrheit hingewiesen. Vor allem betreffend der Globalisierung und dadurch fourciertem Sozialdarwinismus.

    Hier:
    https://scilogs.spektrum.de/promotion-mit-interferenzen/wissenschaft-auf-die-strasse/#comment-4743
    und hier:
    https://scilogs.spektrum.de/promotion-mit-interferenzen/wissenschaft-auf-die-strasse/#comment-4744

  6. Zum Kommentar in der FAZ: Ich würde mich davon nicht ins Bockshorn jagen lassen. Schon einen Tag später, am 27.11.2016, schürte die gleiche Zeitung unter dem Titel “Das ganz und gar Undenkbare” neue Ängste, weil sich der künftige Präsident der USA, Trump, stärker auf die Innenpolitik konzentrieren möchte. Es wurde sogar über “die Frage einer eigenen nuklearen Abschreckungsfähigkeit” in Europa nachgedacht.
    Man sollte nicht vergessen, Trump wurde nicht nur wegen seines rückwärtsgewandten Gesellschaftsbildes und seiner Abschottungsabsichten gewählt. Vor allem sollte das Land nicht durch die hohen Ausgaben für Kriege weiter heruntergewirtschaftet werden. Hillary Clinton gilt ja als “Falke” und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie die Kriege der USA weiter unterstützt hätte. Viele Menschen leiden zudem noch unter der Finanzkrise, die maßgeblich durch die Deregulierung des Bankensystems durch Bill Clinton und seinem Nachfolger George W. Bush ausgelöst wurde. Viele Amerikaner haben sich also aus anderen Gründen für Trump entschieden und nicht weil sie Wissenschaft oder dergleichen ablehnen. Was natürlich nicht ausschließt, dass man die Bevölkerung über den Klimawandel und dergleichen aufklären muss.

    Werbung für Wissenschaft ist jedoch eine zwiespältige Angelegenheit. Wenn beispielsweise in Sendungen für Verbraucher Werbelügen durch die Wissenschaft enttarnt werden, dann stehen sich Werbung und Wissenschaft als eine Art Rivalen gegenüber. Außerdem beschäftigt sich die Wissenschaft naturgemäß nicht nur mit schönen Themen, wie der Astronomie, sondern auch mit solchen, die beängstigend auf die Menschen wirken. So ist beispielsweise auf der Website der Schering Stiftung zu lesen: “Je mehr die Öffentlichkeit über Wissenschaft weiß, umso mehr neigt sie dazu, ihr zu misstrauen. Angesichts dieses Paradoxons fragen sich Wissenschaftler, was sie tun können, um das Vertrauen einer zunehmend skeptischen Öffentlichkeit nicht zu verlieren.” http://www.scheringstiftung.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1481%3Avertrauen-in-die-wissenschaft-wissenschaft-und-gesellschaft-im-dialog&catid=24%3Adialog-mit-der-wissenschaft&Itemid=33&lang=de

    • @Mona: Die Motive der Trumpwähler waren nicht (Zitat):

      Vor allem sollte das Land nicht durch die hohen Ausgaben für Kriege weiter heruntergewirtschaftet werden.

      zumal Obama ja keine Kriege führte (einen Syrienkrieg vermied er, obwohl Assad rote Linien überschritten hatte) und Hillary Clinton die Obama-Politik fortsetzen wollte. Trump steht für die vergangene Grösse Amerikas und die vergangene Vollbeschäftigung für Qualifizierte und weniger Qualifizierte , für eine Zeit in der alles wichtige (Autos, Computer, Maschinen, Textilien, Stahl, Energie etc) im Land selbst produziert wurde und wo noch nicht (fast) die gesamte Fertigung, das Textilgewerbe und der Stahlbau (und vieles mehr) nach China ausgelagert war. Es stimmt, dass Trump auch glaubt, die USA gäben zuviel Geld für seine Verbündeten, für seine Rolle als Weltpolizist und für fragwürdige (weil nicht erfolgreiche) Kriege aus.
      Der Leitspruch “America First” und in der Konsequenz Protektionismus und Isolationismus passt am besten zu dem was Trump will und seit seiner Wahl hat er bereits dem Apple-Chef Tim Cook telephoniert und von ihm verlangt die Fertigung von Apple-Produkten von China zurück in die USA zu verlagern.

      Jetz noch zur ihrem Eingangs-Statement:

      Schon einen Tag später, am 27.11.2016, schürte die gleiche Zeitung unter dem Titel „Das ganz und gar Undenkbare“ neue Ängste, weil sich der künftige Präsident der USA, Trump, stärker auf die Innenpolitik konzentrieren möchte.

      In Europa und auch Deutschland überwiegt die Kritik an der Aussenpolitik der USA. Man kritisiert den Interventionismus und die Weltpolizistenrolle der USA. Auch viele US-Amerikaner inklusive Trump sehen keinen Sinn und keinen Gewinn dahinter. Nur glauben die Europäer die USA profitiere von seiner Rolle als Weltpolizist während Trump und viele seiner Anhänger glauben, die USA liesse sich übers Ohr hauen, verschwende Geld für Dienste, die ihr eigentlich von den Verbündeten, den Natostaaten, von Japan und Sükorea abgegolten werden sollten. Was stimmt nun? Ich behaupte, dass die USA durch ihre Weltpolizistenrolle und vor allem durch die Sicherheitsversprechen inklusive dem nuklearen Schirm andere Mächte im Zaum hält und Machtbestrebungen von Ländern wie Russland oder China ausbremst. Eine Welt mit einer isolationistischen USA ist eine gefährlichere Welt – auch für Europa. Allerdings hat der Isolationismus Trumps die Wähler nicht stark bewegt. Vielmehr war es sein Protektionismus, sein “America First” zu dem auch der Schutz vor Immigration und Terrorismus, aber auch sein Rassismus (Whites First) gehört.

      Im zweiten Teil sprechen sie über Werbung für Wissenschaft,und über Ängste ausgelöst durch Wissenschaft und Technik. Es braucht keine Werbung für Wissenschaft, aber es braucht vielleicht Angst vor einer Welt in der Wissenschaft und Technik sich nicht mehr weiterentwickeln und die (bald schon) 9 Milliarden Menschen nicht mehr ernähren und nicht mehr mit Energie versorgen kann. Ohne moderne Technolgie könnten niemals soviele Menschen in diesem Wohlstand (für viele muss der Wohlstand zudem noch kommen) auf der Erde leben. Die Wissenschaft muss den Mut finden das zu sagen und deutlich zu machen, dass man mit Ökolandbau und anderweitiger Rückkehr zu früheren Technologien die Welt nicht am Laufen halten kann, sondern dass dann – bei technologischem Stillstand – bald schon das grosse Sterben beginnt.

      • Nur hierzu kurz, Herr Holzherr :

        Vielmehr war es sein Protektionismus, sein „America First“ zu dem auch der Schutz vor Immigration und Terrorismus, aber auch sein Rassismus (Whites First) gehört.

        Es gibt bei Trump kein ‘Whites First’, wer hat Ihnen denn dies verklickert? Warum haben Sie es geglaubt?

        Zudem wird Trump keinen ‘Protektionismus’ anstreben, wenn seinen bisherigen Aussagen gefolgt werden darf, sondern er will die Nationalstaatlichkeit stärken, die u.a. auch reglementierte Zuwanderung meint, hier leidet ja auch die BRD >:-> , und Handelsverträge neu aushandeln suchen, wenn sie den USA schaden.
        Das klassische Beispiel sozusagen ist die Fabrik, die in Michigan abgebaut und “1:1” in Mexiko wieder aufgebaut wird.
        Handelsverträge dürfen gerne auch den Interessen der sie abschließenden Staaten folgen, übrigens ein sozialdemokratischer Grundgedanke (gegen den auch Liberale nichts haben).

        Schlecht wäre es, wenn Handelsverträge soz. suboptimal ausgehandelt werden, dafür Stiftungen der (ehemals) diese Verträge Abschließenden “aufspecken”.
        Denn es ist dann vglw. klar, warum dies der Fall ist.


        Insgesamt, diese Unterscheidungen, diese modischen Unterscheidungen mit ihren Modewörtern ‘populistisch’, ‘rassistisch’, irgendwo war auch ‘neo-nationalistisch’ zu lesen, Thomas Straubhaar sein Dank, nerven ab.
        Insbesondere, wenn “einfach mal so” behauptet wird und der Populismus-Vorhalt zumindest dem Anschein nach kaum anders als “Find ich nicht gut!” übersetzt werden kann.

        Ganz absehbarerweise wird die Welt nun einen neuen Donald J. Trump kennen lernen, hier muss auch die Wissenschaft keine Angst haben, denn Trump spielt seine Rollen (das Fachwort), es gab bisher ganz unterschiedliche Trumps zu begutachten, bspw. Trump, den Unternehmen, Trump, den Entertainer, Trump, den extra-bissigen US-republikanischen Präsidentschaftskandidaten und Trump, den (schon deutlich) präsidialeren Präsidentschaftskandidaten im Finale sozusagen.
        Nun kommt ganz absehbarerweise Trump als Präsident, der moderat ist, ohnehin der moderateste US-republikanische Präsidentschaftskandidat der Geschichte war, und er wird weiterhin adaptiv bleiben.
        Dies ist seine eigentliche Stärke, er macht Deals, er ist gerade dabei Mitt Romney zu schlucken, gegen starke Widerstände in seiner Partei, vermutlich auch um zu demonstrieren, dass er sich pers. zurücknehmen kann. [1]

        MFG
        Dr. Webbaer

        PS:
        Sollte er an “Rudy” vorbeikommen, OK, dies muss nicht sein.

        [1]
        Scott Adams (“Dilbert”) hat weitere Muster Trumps erkannt und bearbeitet, teilweise auch auf sehr lustige Art und Weise, vielleicht mal in dessen WebLog hineinschauen?!


        • For Trump, it’s (white) America First
          Zeigt, dass Trumps “America First” auch ein “Whites first” ist, genau wie es dieser schon früher verwendete Slogan auch schon früher war.

          Und klar ist es Protektionismus, wenn Donald Trump den Strukturwandel verhindern will (US-Fabrik, die in Mexiko wiederaufgebaut werden soll). Handel zwischen ungleichen Partnern (Mexiko mit 3$ Lohn pro Arbeitsstunde, USA mit 18$pro Arbeitsstunde) führt logischerweise zur Verlagerung von wenig qualifizierten Arbeiten in Länder mit tieferen Löhnen.
          Der Strukturwandel lässt sich nicht ohne massive Kosten in Form von teureren Produkten verhindern. Diese teureren, weil zu überhöhten Preisen im eigenen Land gefertigten Produkte, belasten dann gerade das Budget der Wenigverdiener.

          • @ Herr Holzherr :

            Wenn Sie Donald J. Trump Rassismus unterstellen, dann belegen Sie bitte an Hand von O-Tönen, nicht derart, was irgendwelche in diesem Zusammenhang eingeschätzt haben.
            Dies ist grundsätzlich eine wichtige Regel.

            Ansonsten kennt Ihr Kommentatorenfreund, der sich gerne auch spaßeshalber als Trumpologe (vs. ‘Trumpist’) bezeichnet, eine ganze Menge O-Töne und O-Dokumente aus dem Hause Donald J. Trump.
            Da gab es keinen Rassismus.

            Also nochmals: Gerne direkt zitieren und zwar so, dass Sie zeitgleich zu erkennen geben, dass Sie das Zitierte für authentisch betrachten, den Rassismus meinend.

            Rassismus zu unterstellen ist nämlich keine Kleinigkeit, der Rassist ist zumindest ein potentieller Verbrecher.


            Ansonsten haben Sie sich wohl nicht generell gegen Zölle ausgesprochen, oder?

            MFG
            Dr. Webbaer

      • @Martin Holzherr

        Bitte interpretieren Sie nicht alles nach Gutdünken, was ich geschrieben habe.
        Ich frage mich außerdem woher Sie die Information haben, dass “Obama ja keine Kriege führte”, wo man anderes doch überall nachlesen kann.

        Siehe hier: http://www.n-tv.de/politik/Obama-bricht-das-Recht-article13804066.html

        Und hier: https://www.heise.de/tp/features/Unter-Obama-waren-die-USA-am-laengsten-im-Krieg-3221957.html

        In Bezug auf “Werbung für Wissenschaft” habe ich einen Artikel der Schering Stiftung verlinkt, der mit einer Umfrage beginnt. Im weiteren Verlauf machen sich dann verschiedene Experten Gedanken, wie sich Wissenschaft gut kommunizieren lässt. Lesen Sie das Ganze doch einfach nochmal nach.

        • Obama hat die Kriege seines Vorgängers übernommen und er hat in Syrien wenn schon zuwenig und nicht zuviel getan, denn ein Eingriff der USA hätte wohl verhindern können, dass es im syrischen Bürgerkrieg 1/4 Million Kriegsopfer und die Vertreibung von 11 Millionen Syrern gab (mehr als 6 Millionen intern Vertriebene und fast 5 Millionen ausser Landes Geflohene). Der syrische Bürgerkrieg hätte frühzeitig gestoppt werden müssen, denn das Zusehen beim Morden dort bedeutet “unterlassene Hilfeleistung”, etwas was innerhalb Deutschlands oder den USA ein Straftatbestand wäre.

          • Zugegeben, die USA war auch in den Krieg in Lybien (gegen Gadaffi) involviert und die Enscheidung dafür fiel in die Amtszeit Obamas. Krieg gegen einen Autokraten wie Gaddafi und sein Regime zu führen ist allerdings nicht grundlegend falsch, nur bedeutet die Beseitigung eines Regimes immer ein Risiko, denn man weiss nicht wer nachkommt.

          • @ Herr Holzherr :

            Obama hat ganz ähnlich wie Jimmy Carter seinerzeit den Schah hat “hopp” gehen lassen, Ben Ami, Mubarak und Mouammar Kadhafi “hopp” gehen lassen, wie auch Assad jr. angegriffen.

            Dies war womöglich “nicht so schlau”.
            Hillary Clinton zwischendurch dabei sozusagen.

            Als sog. Frühlinge kommuniziert.
            Auch in der Ukraine wurde von einer sog. Orange Revolution geschwatzt.

            So sieht keine Realpolitik aus.

            MFG
            Dr. Webbaer (der hier, gerade auch in Anbetracht des Prager Frühlings, säuerlich wird, hier auch revolutionär Involvierte noch hat kennengelernt (wie auch andere >:-> ))

          • @Dr.Webbaer: Nun stimmt, Obama hat nur in Lybien militärisch eingegriffen, er hat den Sturz von Mubarak und Ben Ali nicht verhindert. Soll denn die USA überall eingreifen? Nein, natürlich nicht, im Gegenteil. Doch die USA sollten auch nicht zusehen wie 1/4 Million Menschen im Krieg getötet werden und wie 5 Millionen ihr Land wegen dem Krieg verlassen müssen und als Flüchtlinge dann in anderen Ländern eine Krise herbeiführen.

  7. Unter Trump soll der NASA die Erderkundung weggenommen werden, vielleicht werden sogar geplante Klimasatelliten gestrichen. Der US-Präsident kann damit und mit der Streichung und Verlagerung von Forschungs- und Bildungsgeldern (zum Beispiel weg von der Klima- zur Kohleforschung) das Umfeld in dem Wissenschaft betrieben wird, stark verändern. Ähnlich wie das in der Judikative mit der Ernennung von Bundesrichtern mit der “richtigen Gesinnung” geschieht.
    Damit landen wir tatsächlich im postfaktischen Zeitalter wo nicht mehr die Erkenntnis, nicht mehr das Faktum, sondern das gefühlt Richtige zählt, selbst wenn Fakten gegen dieses gefühlt Richtige sprechen. Mit der Anerkennung von alternativmedizinischen Behandlungsmethoden und ihrer Vergütung durch die Krankenkasse oder dem Streichen der Forschungsmittel für gentechnische Vetsuche sind wir im Prinzip schon länger dort angekommen – in der postfaktischen Welt nämlich. Waren es bis jetzt vor allem linksalternative Weltverbesserer und Weltbewahrer, haben nun auch die Rechtspopulisten die Wissenschaft als Betätigungsfeld entdeckt. Wenn die neue FPÖ-Umweltfachfrau von der Klimawissenschaft als Lügengebäude spricht sind wir sogar dort angekommen wo Politiker (und damit wissenschaftliche Laien) darüber entscheiden, was wissenschaftlich wahr und erhärtet ist und was nicht.
    Eine unschöne Entwicklung. Eine Gesellschaft, die in der Postfaktizität angekommen ist, ist eine Gesellschaft in der Wunschdenken und Ideologie beträchtliche Landgewinne gemacht haben und wo kritisch-/rationales Denken auf seinen Platz verwiesen wird. Doch wissenschaftliches Denken ist nicht nur für Wissenschaftler und von der wissenschaftlichen Methode überzeugten. Wissenschaftliche Erkenntnisse beispielsweise über den zu erwartenden Meeresspiegelanstieg betreffen alle – auch die, die nicht daran glauben.

  8. Mona spricht einen wichtigen Punkt an , den Inhalt von Aussagen , wie sie auch aus der Wissenschaft kommen.
    Immer , wenn lautstark über die schlechte Vermittlung von richtigen Inhalten gesprochen wird , lohnt es sich , zu prüfen , ob die Inhalte denn tatsächlich so richtig sind wie behauptet.
    Die Analysen , die auch aus Teilen der Wissenschaft kommen , was Trumps Wahl betrifft , sind leider häufig sehr oberflächlich , vereinzelt sogar dumm.

    Das ist besonders bedenklich , weil die Fehler auf etwas zurückgehen , was gerade Wissenschaftler können und vor allem wollen sollten , das Hinter-die-Kulissen-Schauen.
    Jetzt ist es nicht per se schlimm , wenn Wissenschaftler falsch liegen , wenn sie politische Analysen versuchen , denn sie sind diesbezüglich meist Normalbürger wie wir alle ( der Zustand der Politikwissenschaften ist allerdings fragwürdig).
    Nur sollten sie das eben – wie hoffentlich wir alle – wissen. Sich hinzustellen und von der Postfaktischen Gesellschaft zu erzählen , das ist wohlfeil und schon ein Hinweis auf mangelnde Denkbereitschaft , und ein beredter Hinweis darauf , daß die behaupteten Fakten wahrscheinlich nicht so dolle sind wie vorgeschoben.

    Interessanterweise gibt es einen Bereich , wo relativ wenig vom Postfaktischen geredet wird , die Klimaforschung. Vielleicht deshalb , weil sie gute Fakten hat und das Trommeln nicht braucht.

    • Nicht alle Wissenschaften sind exakte Wissenschaften (Politanalyse ist es nicht, Wahlanalyse nur begrenzt) und Wissenschaftler, die sich ausserhalb ihres Fachgebiets betätigen sind oft nicht besser als Laien. Dies zu:
      Zitat:

      Die Analysen , die auch aus Teilen der Wissenschaft kommen , was Trumps Wahl betrifft , sind leider häufig sehr oberflächlich , vereinzelt sogar dumm. … Sich hinzustellen und von der Postfaktischen Gesellschaft zu erzählen , das ist wohlfeil und schon ein Hinweis auf mangelnde Denkbereitschaft , und ein beredter Hinweis darauf , daß die behaupteten Fakten wahrscheinlich nicht so dolle sind wie vorgeschoben.

      “Postfaktisch” ist ein neu geschaffenes, spektakulär daherkommendes Wort, doch wenn man sich damit auf die Akzeptanz wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Gesellschaft bezieht, so gibt es das Phänomen des post- ja sogar kontrafaktischen sogar schon länger als es die aktuellen Rechtspopulisten mit ihrem lockeren Umgang mit der Wahrheit gibt. So war/ist der Kreationismus – also die Ablehnung der Evolution – immer wieder der Grund für Auseinandersetzungen zwischen Kreationisten, die ihre Lehre im Schulunterricht verbreiten wollen und Wissenschaftlern. Dies zeigt der Wikipedia-Eintrag Creation and evolution in public education in the United States.

      Was den Klimawandel betrifft, so leugnen ihn praktisch alle wichtigen US-republikanischen Politiker und die meisten rechtspopulistischen Parteien in Europa äussern sich entweder nicht zum Klimawandel oder nehmen eine negierende Position ein. Wenn diese Parteien an die Macht kommen muss man damit rechnen, dass klimawandelnegierende Positionen auch in der Schule und selbst an der Universität Einzug halten.

      Ihr obiger Kommentar macht letzlich die Aussage “postfaktisch” werde von Wissenschaftlern verwendet um Angriffe gegen wenig gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse abzufangen, schreiben sie doch

      Interessanterweise gibt es einen Bereich , wo relativ wenig vom Postfaktischen geredet wird , die Klimaforschung. Vielleicht deshalb , weil sie gute Fakten hat und das Trommeln nicht braucht.

      Mir scheint eher, dass die von Populisten negierten Wissenschaftsfelder Gebiete betreffen, die emotional/weltanschaulich besetzt sind wie der Kreationismus oder die Konsequenzen für das politisch/wirtschaftliche System haben wie beim Klimawandel.
      Zum Verhältnis Klimawandel Rechtspopulismus liest man gerade:FPÖ-Winter: Klimawandel ist “Lügengebäude”. Die AfD leugnet den Klimawandel in ihrem Parteiprogramm,

      Dem Front National von Marine Le Pen gilt die Klimarahmenkonvention der UN als “kommunistisches Projekt”.

      (ein Satz aus dem Zeit-Artikel “Zwei Fieberkurven”)

      • @ Herr Holzherr :

        So war/ist der Kreationismus – also die Ablehnung der Evolution – immer wieder der Grund für Auseinandersetzungen zwischen Kreationisten, die ihre Lehre im Schulunterricht verbreiten wollen und Wissenschaftlern.

        Es gilt zwischen exoterischer (“da, wo jeder mitmachen kann”) und esoterischer (“für Eingeweihte, die vorab einen bestimmten Glaubensentscheid zu treffen haben”) Vorgehensweise zu unterscheiden.
        Exoterische Vorgehensweise, Scientific Method und so, gut, auch Anwendungen erlaubend, anderes, Esoterik und so, eher für die anderen.
        Wie zumindest in einer wissenschaftsnahen WebLog-Einheit des Internets angemerkt werden darf, womöglich.

        Diese Sache mit dem “Populismus-Elit(ar)ismus” spielt auf einer anderen Schiene, in einer anderen Liga.
        Sie meinen’s ja auch politisch.

        Merkel (“Wir schaffen das!” und anderen Jokus meinend) ist höchst populistisch, auch weitgehend frei von eigener Überzeugung, von Überzeugung, die sie (“Merkel”) nicht dem eigenen Amts- oder Machterhalt meinend, jederzeit aufzugeben bereit wäre.
        Sie ist sozusagen: die idealtypische Populistin.

        Sie hat gar einen eigenen Politik-Stil geschaffen, der in etwa wie folgt beschrieben werden könnte:
        Höre frei von Überzeugung der Menge, insbes. auch pol. Mehrheiten meinend, >:->, achte auf Dein Amt und dessen Bewahrung, tue alles dafür diese Amtsausführung zu bewahren (und bring die sog. Union über die Vergabe von Ämtern oder die Bewahrung oder Aussicht auf Ämter auf Linie, auch (erkannte) sittliche Niedrigkeit in dieser “Union” ausnutzend).

        Irgendwie genial, irgendwie mies, aber auf jeden Fall: populistisch.

        HTH (“Hope this helps”)
        Dr. Webbaer (der sich nicht erinnern kann auf einen derartigen Politiker-Typus jemals getroffen zu haben)

  9. @Martin Holzherr

    Bei der Klimasache bezog ich mich auf die Forschung selber , die meines Eindrucks nach eher über Fakten redet ( und damit auch riskiert , angegriffen zu werden ) , als über die “postfaktische Gesellschaft” selber.

    Daß die Rechtspopulisten ganz vorne dabei sind , was den Unfug der Klimaleugnung angeht , ist völlig unbestritten ( womit sie übrigens eine historische Chance verpassen ).

    Ich will auch nicht jeden angreifen , der diesen Begriff verwendet. Wo der herkommt , weiß ich nicht , wenn mir jemand erklärt , er sei eine Erfindung von Leuten , die genervt auf die paranoiden Behauptungen reagierten , wie sie aus Pegida oder Teilen der AfD zu hören sind , will ich das gerne glauben.

    Mittlerweile aber ist der Begriff übernommen worden von Leuten , die nicht genau genug hinsehen und umso lautstärker Dinge verkünden , die lieber nicht so schnell als Fakt betrachtet werden sollten .
    Die amerikanische Wahl hat das gezeigt wie kein anderes Ereignis , unabhängig davon , wei man sie persönlich bewertet.
    Im Übrigen hat der Begriff etwas Anmaßendes an sich , weil man damit – oft wohl eher versehentlich – auch sagt , man selber wäre im Besitz der wahren Fakten. Wäre ich lieber vorsichtig mit.

    • “Post-Truth” liegt nach Oxford Dictionaries vor, wenn bei der Meinungsbildung nicht Tatsachen, sondern Gefühle und Überzeugungen dominieren. In «Postfaktisch» ist das internationale Wort des Jahres liest man dazu:

      «Angetrieben von dem Aufstieg der Sozialen Medien als Nachrichtenquelle und einem wachsenden Misstrauen gegenüber Fakten, die vom Establishment angeboten werden», habe das Konzept des Postfaktischen seit einiger Zeit an Boden gewonnen, sagte Oxford-Dictionaries-Chef Casper Grathwohl zur Begründung. Er sei nicht überrascht, «wenn postfaktisch eines der prägenden Wörter unserer Zeit würde».

      Post-faktisch bedeutet wörtlich “nach den Fakten” so wie Post-Modern “nach der Moderne” bedeutet. Die Fakten (bei postfaktisch) oder die Moderne (bei postmodern) wird damit quasi überwunden, man lässt sie hinter sich.

      • Es mutet schon irgendwie postfaktisch an, wie der Neologismus `postfaktisch’ zahlreichen Menschen zu suggerieren scheint, allein durch seinen inflationären Gebrauch etwas verstehen zu können, was andernfalls völlig unbegreiflich bleiben müsste.

        Die Frau Bundeskanzlerin Merkel hat uns also diese anscheinend nun systemrelevante Vokabel beschert, indem sie `post-truth’ mit `postfaktisch’ übersetzt hat? Ob diese Übesetzung sonderlich gelungen ist, sei mal dahingestellt, ist eigentlich aber auch egal. Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.

  10. @Martin Holzherr

    “Nach den Fakten” ist eine formell richtige Beschreibung und damit ein Grund mehr , diesem Begriff scharf zu widersprechen.
    Das wird jetzt rauf-und runtergebetet , (auch in guten ) TV-Formaten , der sogenannten Qualitätspresse usw.
    Die Frage , die nie gestellt wird , ist die , die dringend gestellt werden müsste , nämlich die nach der Qualität der eigenen Fakten.
    Es ist keineswegs so , daß sie in den etablierten Medien die Weisheit mit Löffeln gefressen haben , ganz im Gegenteil.
    Was da so zum Teil abgesondert wird , ist entweder bewußt gelogen oder einfach festgefahren in einem gestrigen Denken , daß es noch dazu gestern so nicht gegeben hat , auf beiden Seiten.
    Je lauter jemand “postfaktisch” schreit , desto höher ist die Wahrscheinlichkeit , daß er nur von den eigenen Nicht-Fakten (oder den eigenen Lügen) ablenken will.
    Daß auch Teile der Kritik nichts taugen , ist so unbestreitbar wie neu , das ist vielmehr immer so , wenn etwas nicht mehr stimmt im Mainstream.
    Wenn dieser uralte Umstand immer so herausgehoben wird , dann nur deshalb , weil der Mainstream von den eigenen Defiziten ablenken will , indem er nur den dummen Teil der Kritik heraushebt.

  11. @Martin Holzherr:
    Zitat von Ihnen: “Die AfD leugnet den Klimawandel in ihrem Parteiprogramm”

    Diese Aussage ist schlicht und ergreifend falsch. Oder, um es anders zu formulieren, die durch Herrn Holzherr zitierten Fakten halten einer Überprüfung nicht stand.
    Oder ist diese Aussage von Ihnen etwa auch “postfaktisch”?

    @Chris
    In der Politik geht es in erster Linie um politische Macht. Es geht nicht darum, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen und anzuwenden, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse werden von der Politik als Begründung für machterhaltende Strukturen und machterhaltende Maßnahmen verwendet.
    Gerade das von Herrn Holzherr immer wieder bemühte Beispiel Klimawandel zeigt dies meines Erachtens sehr deutlich. Wetter und Klima sind hochkomplexe chaotische Systeme. Wenn Wissenschaftler Zusammenhänge darstellen, dann machen sie das in Ihren Arbeiten sehr häufig mit der Konstruktion von Modellen. Diese Modelle sind immer vereinfacht, beruhen auf definierten Annahmen und liefern dann Erkenntnisse über mögliche Kausalitäten, qualitativ und quantitativ. Solche Modelle gibt es in der Klimawissenschaft sowohl für die Veränderungen des Klimas als auch für mögliche Auswirkungen. Dabei schreiben die allermeisten Wissenschaftler völlig korrekt von Modellen. Die Medien und die Politik aber machen aus den Ergebnissen der Modelle Prognosen, d.h. sie unterstellen den Modellen eine in die Zukunft gerichtete Abbildung der Realität, wie selbst die Urheber der Modelle nicht postulieren. Und auf der Basis dieser “Prognosen” werden dann politische Entscheidungen getroffen. Dabei haben die “Prognosen” die Aufgabe, den Menschen Angst zu machen und dann das Handeln der Politiker so darzustellen, dass die Politiker den Menschen die Angst nehmen und sie beschützen. Dieser Beschützermythos funktioniert seit Jahrtausenden als eine Grundlage für die Erhaltung politischer Macht. Dabei wurde und wird der Schutz vor realen Bedrohungen (wie dem räuberischen Nachbarn oder der Umweltvergiftung) mit dem Schutz vor mythischen Bedrohungen (wie dem Zorn der Götter oder dem Klimawandel) bunt vermischt.

    • Die Medien und die Politik aber machen aus den Ergebnissen der Modelle Prognosen, d.h. sie unterstellen den Modellen eine in die Zukunft gerichtete Abbildung der Realität, wie selbst die Urheber der Modelle nicht postulieren.

      Ein Merkmal dieser Modelle ist, dass sie Projektionen erlauben, die auch Prognosen genannt werden dürfen, auf die Schnelle gefunden:
      -> https://www.ipcc.ch/publications_and_data/ar4/wg1/en/spmsspm-projections-of.html

      Diese (szenarien-basierten) Projektionen, an Hand der Visualisierungen so auch leicht erkennbar, fächern sich immer mehr auf, je weiter es in die Zukunft geht, sogenannten Konfidenzintervallen folgend.

      Natürlich ist die hier gemeinte Modellerei ein “heißes Eisen”, Stochastik (“Ratelehre”) ist immer schwierig,
      MFG
      Dr. Webbaer (der aus AfD-Kreisen bereits, dezent formuliert, gewagte Meinung zum Klimawandel gehört hat, der zudem auf einen Vorschlag für das AfD-Wahlprogramm verweisen könnte, in dem der Klimawandel, nun, geleugnet worden ist)

    • Hallo Joesachse,
      korrekt, die AfD leugnet nicht den Klimawandel, sehr wohl aber (und darum geht es!) die Ursache des derzeitigen Klimawandels, nämlich die CO2-Emissionen des Menschen. Aus dem AfD-Grundsatzprogramm, Kapitel 12.1, S. 79:
      “Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. Die Klimaschutzpolitik beruht auf hypothetischen Klima-Modellen basierend auf computergestützten Simulationen des IPCC („Weltklimarat“). Kohlendioxid (CO2) ist kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil allen Lebens. Der IPCC versucht nachzuweisen, dass die von Menschen verursachten CO2-Emissionen zu einer globalen Erwärmung mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit führen. […] Die IPCC-Modelle können diese Klimaänderungen nicht erklären.”
      Das ist schlicht und ergreifend falsch.
      Laut Zusammenfassung des letzten IPCC-Reports (http://www.de-ipcc.de/_media/Kernbotschaften%20IPCC%20AR5%20WGI.pdf) ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch die Hauptursache für die Erwärmung im vergangenen Jahrhundert ist > 95%. Natürlich gibt es Rest-Unsicherheiten. Aber welcher vernünftige Mensch nimmt bei der Aussage “zu >95% wird es regnen” keinen Regenschirm mit?

    • @ Joesachse
      3. Dezember 2016 @ 23:04

      Ach ja, Klimawandel.
      Für mich ein schlechtes Beispiel. Es könnte natürlich sein, dass damit ein neuer Markt für Energieerzeugungstechnologie konstruiert werden soll. Weil der alte Markt gesättigt ist. Andererseits gibt es tatsächlich eine Energieträgerknappheit, wenn die weiterhin auf fossiler Basis erzeugt wird.
      Und durch die Klimawandelmaßnahmen abgelöste Umweltschutz kommt auch noch ins Spiel.
      Es spielt keine Rolle, ob man der Klimawandel-These glaubt oder nicht. Tausend andere Gründe sprechen für die Maßnahmen, die durch den Klimawandel langsam durchgeführt und installiert werden.

      Aber richtig: Weil es ein gefühlt verlogenes Projekt ist, erzeugt es Misstrauen. Und Grund für Annahme von Herrschaftsstrategien.

      Naja, aber mein Kernproblem betrifft es aber nicht.

      Sollte die Wissenschaft sich tatsächlich meh rin der Öffentlichkeit “zeigen”, dann hätte die Politik das schon gefordert. Aber die Politik scheint gewisse Vorbehalte dagegen zu haben. Also ob man seine akademische Elite zu schützen versucht. Denn in der Öffentlichkeit geht es ruppig und gefährlich zu. Es ist demnach gerade eine Gefahr, sich in die Öffentlichkeit zu begeben.

      Wer genau hinsieht, wird erkennen, dass sich derzeit eher nur das Pack und Dunkeldeutsche mit den Linken Asseln in der Öffentlichkeit zoffen. Und ein bischen noch welche aus der Mitte. Bevölkerungstechnisch und poliisch ist das gemäß dem Ideal der Mitte ein Idealumstand, weil sich dadurch alle unerwünschten “Subjekte” gegenseitig fertig machen. Das ist viel wert. Und die Demokratie sitzt das einfach aus. Weil sie es gar nicht anders will. Und hat sicher (geheimdienstlich und die Medien) seinen eigenen Anteil an dem Zoff und Hass, der da nun kursiert. Der wurde wahrscheinlich sogar herraufbeschworen und durch strategische, verdeckte Maßnahmen ausgelöst oder beschleunigt. Das ist schon eine extrem niederträchtige Selektion, die da einem Zufall überlassen wird und über, über die Folgen von solchem “Krieg” nicht eingeweihte Köpfe, ausgetragen wird.
      Aber ich wüsste auch keine Lösung für die im Kern bestehenden Probleme, über die auch niemand spricht – sie werden einfach verheimlicht.

      • Lieber Chris,
        bedenken Sie: Es ist sehr einfach, Verschwörungstheorien aufzubauen (sinngemäß: “Geheimdienste haben den Zoff und Hass hoch beschworen”) und sich dann daran zu erregen (“Das ist schon eine extrem niederträchtige Selektion”). Für eine vernünftige Diskussion ist es aber alles andere als zuträglich. Gerade in aufgewühlten Zeiten, ist es wichtig, sich an die Fakten zu halten, ansonsten erzeugt sich jeder seine eigene Realität und dann gibt es keine gemeinsame Basis mehr.
        Dass Sie vor allem “Linke Asseln” und “Dunkeldeutsche” in der Öffentlichkeit wahrnehmen, liegt wohl daran, dass die am lautesten schreien.
        Grüße,
        Leonard Burtscher

        • Für eine “vernünftige” Diskussion ist es nicht nur zuträglich, sondern nötig alle Möglichkeiten zu belichten. Wir diskutieren ja nicht aus langeweile, oder? Wir wollen ein Ergebnis, das uns in die Lage versetzt, die Wahrheit zu erkennen.

          Sie halten mich wohl für einen armen Irren? Ich habe gute Gründe anzunehmen, dass Geheindienste wichtige Akteure in der Ursache dieser jetzigen Situation sind. Ich selbst würde es sogar erwarten, dass sie das tun, wenn ich nicht selbst Opfer dieser Machenschaften wäre. Ich sage ja nicht, dass sie ausgerechnet das Chaos zielsetzten, was wir jetzt haben. Aber es wird ein Zustand/Umstand bestanden haben, der ein Eingreifen erzwang, egal, wieviel Chaos daraus hervorgeht.
          Wenn nicht Geheindienste, die gewisse Missstände in Gesellschaften beobachten sollen, wer sonst würde die richtige Adresse sein?

          Das wir glauben sollten, uns seien die nötigen “Fakten” zur Lösung von Problemen auch alle verfügbar, muß ich naiv nennen und daraufhin die Befassung mit den zuweilen banalen Fakten als eine Art Übersprung erklären.

          Müsste der “Normalmensch” sich auch noch mit den ganzen Wahrscheinlichkeiten, die so in eienr Gesellschaft auftreten können, alltäglich befassen, dann würde die moderne Gesellschaft nicht funktionieren können. Da braucht es Institutionen,die sich unsichtbar um die zwingend auftretenen Verwerfungen kümmern. Das man uns nicht konkret imDetail über die Machenschaften von Geheimdienstenunterrichtet, das sollte schon ein Anstoß zur kritischen Betrachtung sein – denn es könnte sein,dass die sich darum bemühen, gewisse metaphysische oder überempirische Phänomene zu bekämpfen und durch die Geheimdienstlichkeit auch zu verheimlichen, weil diese Begebenheiten unser aller Leben verändern würden – und zwar erheblich und nachhaltig.
          Es würde auch dazu beitragen, dass sie ihr Wissenschaftlerdasein in ganz anderem Licht sehen würden.
          Anyway, mehr kann ich nicht tun, um sie zumindest die Möglichkeit von Etwas als Möglichkeit nahe zu legen, ohne das sie neurotisch abwiegeln, weil es nach Nonsens klingt und scheinbar nichts zur Sache beiträgt.
          Ich gehe jedenfalls davon aus, das sie sicher nicht unbemerkt manipuliert werden wollen? Aber genau das kann eben passieren und sie bemerken im Zweifel noch nicht mal was davon. Leider müssensie dann trotzdem noch Ursachen für ihr seltsames verhalten finden – leider ohne Kenntnis der realen Ursachen. Raus kommt dabei eine Art kognitiver Nachvollzug als rechtfertigende Verstandesleistung. Alles im Nachhinein.

  12. Zitat: „Natürlich ist die hier gemeinte Modellerei ein „heißes Eisen“, Stochastik („Ratelehre“) ist immer schwierig,“

    Das belegt die von Ihnen verlinkte Webseite sehr eindrucksvoll. Wenn die Ergebnisse je nach Modell und Ausgangsparametern um mehrere 100% voneinander abweichen, dann wird die von der Politik postulierte 2 Grad Grenze zur Farce, das ist in meinen Augen Scharlatanerei.
    Ich bin kein AfD-Anhänger, im Gegenteil, aber die Aussage von Herrn Holzherr hat mich veranlasst, einfach mal das aktuelle AfD-Programm nach diesen Aussagen zu überfliegen, und da ist von einem Leugnen des Klimawandels nichts zu finden (auch wenn natürlich die Aussagen da drin Diskussionen und Widerspruch herausfordern).
    Ob bewusst oder unbewusst wurde hier ein alter rhetorischer Trick verwendet: Man unterstellt dem politischen Gegner falsche Aussagen und widerlegt diese dann. Eine Folge der Anwendung solcher Rhetorik ist Wut mancher Bürger auf die „Lügenpresse“

  13. Ergänzung:
    Leider haben die Vertreter der – mittlerweilen vermeintlichen – Vernunft eine Verhaltensweise ihrer – vermeintlichen – Gegner übernommen – es kommt oft zuerst darauf an , klarzustellen , wer der Gute und wer der Böse ist. Dabei werden auch nicht selten Dinge unterstellt , die schlicht und einfach nicht zutreffen , mit dem Ergebnis , daß man seine eigene Schlagkraft verliert , wenn es um tatsächlich vorhandene Unvernunft geht.

    Diese Haudrauf-Argumentation macht ein Gegenüber stärker , nicht schwächer , sie gibt fragwürdigen Kräften ein Alibi.
    Schon aus Eigennutz wäre es wichtig , hier klüger vorzugehen.

  14. Pingback:Zu viel Geschrei » Gedankenwerkstatt » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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