Meisterwerker oder die Motivation für kognitive, emotionale und psychosoziale Entwicklungen

Michaela Brohm

Meisterwerker® ist ein kognitiv-verhaltensorientiertes Trainingsprogramm, welches Antworten auf die Frage zu geben sucht, warum sich manche Menschen deutlich wahrnehmbar entwickeln, während andere still zu stehen scheinen. Warum also arbeiten einige kontinuierlich an ihrer Entwicklung, während andere sich eher von einem spontanen Impuls zum nächsten treiben lassen? Welche Ansätze fruchten wirklich, um kognitive, emotionale und psychosoziale Entwicklungen anzustoßen?® Version 2

Diesen Fragen geht die Abteilung „Empirische Lehr-Lern-Forschung und Didaktik“ der Universität Trier seit einigen Jahren nach und setzt in diesem Kontext das o. g. Trainingsprogramm zur Stärkung personaler und sozialer Kompetenzen insbesondere von Schüler/innen, Studierenden und Bildungsverantwortlichen ein. Im Mittelpunkt steht hier die intrinsische Motivation für kognitive, emotionale und psychosoziale Entwicklungsprozesse, da diese die Grundlage nahezu aller persönlichkeitsbezogenen Entwicklungen ist (vgl. Brohm 2009). Wer nicht motiviert ist, wird sich nur schwerlich entwickeln.

Der aktuelle Forschungsstand zur Leistungsmotivationsforschung offenbart wesentliche Elemente intrinsischer Motivation (also erfolgreicher “Selbstmotivierung”):

  • Eine positive Grundgestimmtheit in der Lern- und/oder Leistungssituation (also positive Gefühle),
  • eine positive Selbstwahrnehmung,
  • das Gefühl, wirksam sein zu können,
  • Erfolge und Misserfolge auf eine Weise zu begründen, welche die eigene Kontrolle über die Situation erhält (locus of control),
  • ein Gefühl der sozialen Eingebundenheit und ein positiv verstärkendes Umfeld,
  • sich selbst Ziele zu setzen (messbar, terminiert, positiv formuliert, realistisch und dennoch herausfordernd),
  • Selbstdisziplin und Willenskraft aufbringen zu können, um die Ziele zu realisieren (also Handlungskontrollstrategien einzusetzen, um die Zielerreichung gegen spontane Handlungstendenzen zu verteidigen).

Das Programm wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und hinsichtlich seine Struktur und Ergebnisse publiziert (Brohm 2009, 2012, 2014, Website unter meisterwerker.de). In den nächsten Wochen werde ich hier die einzelnen Elemente ausführlich beschreiben.

Positive Grundgestimmtheit

Hinsichtlich des ersten Aspekts, der positiven Grundgestimmtheit in Lern- und/oder Leistungssituationen (also positive Gefühle), sind die Erkenntnisse der Positiven Psychologie zielführend, denn jene die Leistungsfähigkeit unterstützende offene Bewusstseinslage (open mindedness), wird primär im Zustand des Wohlbefindens erreicht. Ausführlich habe ich das in diesem Videointerview erklärt: Lust zu Lernen: Die Grundlagen der Positiven Psychologie und wie Menschen sie nutzen können, um sich kognitiv, emotional und motivational zu entwickeln.

 

Literatur

  • Brohm, Michaela/Endres, Wolfgang (2015): Positive Psychologie in der Schule. Weinheim/Basel, BELTZ
  • Brohm, Michaela/Kürwitz, Thomas/Berend, Benjamin (2014)
    Motiviert bleiben. Positive Psychologie für die Grundschule. Weinheim/Basel 2014, BELTZ
  • Brohm, Michaela (2012): Motivation lernen. Das Trainingsprogramm für die Schule (Praxisband). Weinheim/Basel, BELTZ
  • Brohm, Michaela (2009): Sozialkompetenz und Schule. Theoretische Grundlagen und empirische Befunde zu Gelingensbedingungen sozialbezogener Interventionen. Weinheim/München, Juventa

Website Brohm

 

Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Professorin für Empirische Lehr-Lern-Forschung sowie Dekanin an der Universität Trier. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Motivation, Positive Psychologie, Leistung. Im Kern geht es somit um Konzepte, Strategien und Effekte positiver Energetisierung von Mensch und Organisation. Sie ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung (DGPPF).

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hier wird “Sich Entwickeln” in den Zuammenhang mit Lernen und wohl vor allem mit Lernen in der Schule oder Ausbildung gebracht.
    Menschen haben sich früher und zum Teil auch heute noch aber auch ausserhalb der Schule entwickelt: Sie machten erste Erfahrungen mit der Verantwortung als Erwachsene, sie entwickelten sich in einer Partnerschaft, sie entwickelten ihre Persönlichkeit – und alles ausserhalb der Schule oder Universität.
    Tatsächlich hat sich hier etwas geändert: Die Ausbildungszeit nimmt nun einen so grossen Teil des Zeitbudgets eines Menschen in Anspruch, dass das sich Entwickeln in der Ausbildung selber passieren darf oder muss, denn ein Ausserhalb gibt es viel weniger oder im Idealfall, der den Pädagogen und Ausbildern vorschwebt , überhaupt nicht mehr: Der ideale Auszubildende macht nicht nur seinen Job, sondern bringt sich mit Haut und Haar, von der Sohle bis zum Scheitel in den Ausbildungsprozess ein. Er ist transparent für die Ausildenden, offen für Veränderung – die von den Ausbildnern ausgeht -, motiviert und richtig getaktet.

  2. Dürfen beim ‘aktuelle[n] Forschungsstand zur Leistungsmotivationsforschung’ Talent und Wohlerzogenheit eine Rolle spielen?

    MFG
    Dr. W

  3. Was hier angestrebt wird, nämlich alles vorher Private wie etwa positive Gefühle, die sich in einer Partnerschaft, einer Freizeitbeschäftigung wie dem Gemeinsamen Bergsteigen oder in der Erziehung der eigenen Kinder etc. entwickeln, in den Ausbildungsprozess einzubringen und nun auch von den späteren Führungspersonen – aka Lehrern – nachzufragen und einzuforden, das ist in der Privatwirtschaft, schon etwas länger bekannt. Ich hab das selber schon erlebt, als ich mich dafür bewarb, einen Kurs zu geben. Da wurde man aufgefordert sich selbst vorzustellen und zwar in seiner Gesamthaft. Weil es doch noch etwas relativ
    Neues war, hat derjenige, der das Interview gab, es vorgemacht. Er hat sämtliche Freizeitaktivitäten, seine liberale und positive Gesinnung, sein Staatsbürgertum, einfach alles in ein Narrativ aufgenommen, das nichts anderes war als die Inszenierung seiner Person für die Aussenwelt.
    Wie ich schon angedeutet habe, wird mit dieser neuen Ausrichtung nichts anderes als die Selbstinszenierung als neue Art sich zu profilieren und auch als Mittel um die eigene Karriere zu befördern, propagiert. In meinen Augen wirkt sich das verheerend auf das innere Bild der eigenen Person ( nun kein freier Mensch mehr, sondern ein Schauspieler) aus und auf die Beziehung zu den Arbeitskollegen aus ( nun keine freien, auch schwachen, Menschen mehr, sondern konkurrenzierende Schauspieler, die einen an die Wand spielen wollen und dazu jede Schwäche ausnutzen), weil es die permanente Lüge zum beruflichen Alltag und zum Normalfall macht (Lüge ist schon Teil des beruflichen Alltags, aber bisher nur bei Intrigen).

    • Bis zum laut ausgerufenen Tschakka (Dudensprech) scheint es jedenfalls nicht mehr weit, wenn dem ‘aktuellen Forschungsstand zur Leistungsmotivationsforschung’, wie im WebLog-Artikel beschrieben, “püschologisierend” gefolgt wird.

      Wie bereits weiter oben kommentarisch angefragt, könnte Leistung und deren Motivation vielleicht auch anders grundiert sein.
      Beispielsweise kennt der Schreiber dieser Zeilen auch sehr bittere Menschen, die sich womöglich erst aus dem (falschen) Gefühl des Zurückgesetztseins auf ihr Talent beriefen.
      Wobei so natürlich auch “püschologisiert” wird, vielleicht geht’s auch ohne dem, möglich wäre es,
      MFG
      Dr. W (Sanguiniker)

      • O-kay, die obige Kritik war wohl nicht zwingend konstruktiv, darum einmal konstruktiv, nicht-püschologisierend, auch nicht sogenannten Motivationstrainern folgend, kurz vorgetragen, wie sich Erfolg in praxi einstellt, es gibt hierfür zwei grundsätzliche Varianten:
        A) Ziele definieren, diese an Hand einer Erfassung, die idR IT-basiert [1] zu sein hat, messen und verfolgen, akribisch Buch führen und über Jahrzehnte den Sinn seines Daseins darin sehen, dass die sogenannten Kennzahlen [2] stimmen.
        Was nicht gemessen werden kann, kann leider leider nicht gemanagt werden.
        Der Schreiber dieser Zeilen kennt mehrere Personen, die so “hoch gekommen” sind, nicht unbedingt durch Verständigkeit, sondern durch harte, sehr harte Arbeit.
        B) Einfach handeln und mit Glück Akzeptanz finden in einer freien Gesellschaft, die eine Abnehmerschaft bereit stellt, die Leistung zu vergüten weiß.
        Ist jetzt eher die seltene Variante, aber auch hier kann “hoch gekommen” werden. [3]

        Inwiefern hier wissenschaftlich beigetragen werden kann, ist dem Schreiber dieser Zeilen nicht ganz klar, korrekt bleibt, dass Kandidaten der Art A sich bspw. wie folgt habend beraten lassen, manche sind gar Leutz wie Horst-Eberhard Richter gefolgt, irgendwie zumindest, zumindest angegebenermaßen.
        Insofern scheint hier sehr viel zu gehen, wichtich wohl die allgemeine Kooperationsbereitsschaft wie -fähigkeit, das sich auch gelegentliche Ducken-Können und allgemeine Schmerzfreiheit, die jahrzehntelange derartige Konsistenz:
        ‘Hyman Roth hat stets Geschäfte für seine Partner gemacht.’ etc.

        MFG
        Dr. W

        [1]
        Auch Schrift und Buch waren einstmals “IT”.

        [2]
        Wirtschaftlich tätig zu sein, auf tragfähige Geschäftsmodelle verweisen zu können etc.

        [3]
        Sehr vermögend ist aber keiner so geworden.
        Wissenschaftler hätten als nicht selbstständig Handelnde wohl hier ihren Erwartungshorizont.

  4. Anstatt die Selbstinszenierung im Beruf zu propagieren, wäre das Umgekehrte, nämlich die Erfahrung, dass Berufskollegen auch Mitmenschen sind, mit denen man gemeinsame Erfahrungen machen kann, mit denen man befreundet oder im schlimmsten Fall verfeindet sein kann, weit wertvoller und hilfreicher für die eigene Entwicklung.

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