Mikroplastikverluste im kunststoffverarbeitenden Gewerbe verringern

Plastikschnipsel

In Betrieben, die Kunststoffe verarbeiten, fällt Mikroplastik an. Wenn Regenwasser unbehandelt vom Gelände, beispielsweise von Aussenlagern, abfließt, können diese Kunststoffpartikel in die Umwelt gelangen. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, mit welchen gut umsetzbaren Methoden man gegensteuern kann.

Wo Kunststoffe verarbeitet werden, lässt sich die Entstehung von Mikroplastik praktisch nicht vermeiden – auch, aber nicht nur in der Fertigung. Doch wo entstehen welche Mengen, wieviel davon gelangt in die Umwelt, und was wären geeignete Gegenmaßnahmen? Forschende aus dem Verbundvorhaben EmiStop im Forschungsschwerpunkt „Plastik in der Umwelt“  haben sich mit diesen Fragen beschäftigt und dabei auch untersucht, wie viele Mikroplastikpartikel in den Abwässern insbesondere der Kunststoffindustrie enthalten sind, wie diese Einträge vermieden werden können und welche wirksamen Reinigungstechnologien es gibt.

Dafür nahm das EmiStop-Team die gesamte Wertschöpfungskette bei der Herstellung von Kunststoffprodukten unter die Lupe. „Insbesondere beim Be- und Entladen, bei der Lagerung und beim Handling von Abfall gelangen Plastikteile in die Umwelt“, sagte Projektmitarbeiter Felix Weber von der Hochschule RheinMain beim Webinar „Herausforderungen bei der Messung von Mikroplastik im Regen- und Mischwasser“ (28.2.2022), wo er einen Teil der Projektergebnisse vorstellte. Um das Mikroplastikaufkommen zu erfassen, fegten die Forschenden die jeweiligen Hot Spots der Betriebsgelände ab. Die Analyse des Kehrichts stellte das Team vor Herausforderungen, auch weil die Partikel mit abnehmender Größe beim Fegen schwieriger aufzunehmen sind; deswegen berücksichtigten die Forschenden nur Partikel mit einer Größe von mehr als einem Millimeter. Die daraus resultierende „grobe“ Partikelzahl ist trotzdem beeindruckend:  Sie fanden mehrere Gramm Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter.

In die Umwelt gelangt solches Mikroplastik vor allem dann, wenn das Regenwasser auf dem Gelände direkt, also ohne vorherige Reinigung, in die Oberflächengewässer eingeleitet wird. Hierzu befragten die EmiStop-Forschenden 42 Betriebe der kunststoffverarbeitenden Industrie. Bei 35 Prozent von ihnen erfolgt eine solche Direkteinleitung. Offensichtlich ist dies keine wünschenswerte Lösung, so sehen auch die befragten Industrie- und Behördenvertreter*innen eine Optimierung des Regenwassersystems als wichtigen Ansatz an, um Mikroplastikeinträge in die Umwelt zu reduzieren.

Mikroplastikemissionen durch Regenwasserabläufe lassen sich auch vermeiden, indem die Kleinstplastikteile gar nicht erst entstehen. Das sei oft mit einfachen Maßnahmen möglich, machte Projektmitarbeiterin Luisa Barkmann von der Technischen Universität Darmstadt beim Webinar „Mikroplastik in Abwasser – Eintragspfade, Regulierung und Handlungsempfehlungen“ (1.3.2022) durch einige Beispiele klar: Kunststoff-Lagerplätze sollten überdacht beziehungsweise eingehaust werden. An Abfallsammelstellen ist zu empfehlen, alte, unzureichend abgedeckte oder dichte Container, in denen Kunststoffabfälle gesammelt werden, durch neue zu ersetzen. Indem Flächen vor allem im Bereich von Hotspots regelmäßig abgekehrt werden, können Plastikteile eingesammelt werden, bevor sie verwehen oder bei Regen weggespült werden. In der Produktion spielt dabei die Einbeziehung der Mitarbeitenden eine zentrale Rolle: Bei bestimmten Prozessschritten kann man vermeiden, dass Mikroplastik in die Umwelt gelangt, indem man sorgsam agiert und beispielsweise zusätzliche Reinigungsschritte von Geräten einführt. Zuletzt ist die Behandlung von anfallenden Abwässern wichtig, um die Mikroplastikteilchen hieraus zu entfernen. Dies bedeutet jedoch meist größere und teurere technische Veränderungen, erklärte Luisa Barkmann.

Bild: Rittec Umwelttechnik GmbH

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Dr. Ulf Stein ist als Senior Fellow für das Ecologic Institut tätig und koordiniert die Aktivitäten im Bereich Wasserpolitik. Gerade arbeitet er schwerpunktmäßig zu Plastik in der Umwelt. Er schwimmt gerne in mikroplastikfreien Gewässern und sieht noch viel Handlungsbedarf auf dem Weg zum nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen.

2 Kommentare

  1. Ergänzend dazu,
    kunstoffverarbeitendes Gewerbe, dabei müssen auch die Hersteller von Spanplatten genannt werden. Die verkleben Holzspäne mit E1- Leim. Das ist ein Kunststoff auf Basis von Harnstoff.
    Wenn man den als bedenklich ansieht, dann enthalten alle Sägeabfälle, Schleifabfälle Kunststoffteilchen.

  2. Vor einer Woche hatte ich das konkrete Problem mit einem Wegegitter als Wasserablauf. Da es die mittlerweile auch in Kunststoff !! gibt, soll die Problematik der Materialverschwendung aufgezeigt werden.
    Das Gitter war also durchgerostet und musste erneuert werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten.
    1. man lässt es auf Maß fertigen und muss nicht mehr nacharbeiten.
    2. man kauft die Stahlgitter in Normgröße und sägt sie hinterher zu.

    Der Preis soll entscheiden.
    Das Normgitter 60 x 40 cm kostete 30 €.
    Ich brauchte nur 17,5 cm x 48 cm, das kostet zugeschnitten über 60 €.

    Also, musste ich zuschneiden mit einer Flex, die 3 Trennscheiben kosteten 3 €.
    Aber, welche Materialverschwendung. Und was geschieht mit dem Materialabrieb in form von Stahlstaub und geschmolzenen Stahl in Kugelform.
    Der landet im Garten.
    Da man das gleiche Problem auch bei Kunstoff hat, schreibe ich über dieses Beispiel.
    Die Normgitter in Kunststoff kosten übrigens doppelt so viel wie die aus Stahl.
    Zum Glück kann man in diesem Zusammenhang sagen, denn die Kunststoffstäube beim Sägen müssen ja abgesaugt werden.

    Es wäre also schon mal ein Vorteil, wenn man die Gräben in den Wegen in Normmaßen bauen würde, dann bräuchte man die Bearbeitung der Gitter gar nicht mehr.

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