Monster zwischen Nebel und Wolken

BLOG: Pictures of the sky

Eine fotografische Reise durch's All
Pictures of the sky

Angeregt durch Michael Khans Beobachtungen habe ich selbst gestern direkt nach Auflockerung des dichten Nebels über Riedstadt einen Blick auf die Sonne geworfen. Zunächst nur mit der Sonnenschutzfolie ohne Vergrößerungshilfe. Und da war ich schon verblüfft, wie stark dieses Monster von Sonnenfleck schon aus der Sonnenscheibe hervorstach. Einen solch großen Sonnenfleck habe ich noch nicht gesehen. Danach habe ich ihn direkt mit dem Fernglas, das natürlich auch mit Sonnenschutzfolie gesichert war, beobachtet.

Unglaublich, wie viele Details da schon beobachtbar waren! Man konnte mit meinen 10×42 Fernglas bereits zwischen Umbra (dem dunklen Sonnenfleckenzentrum) und der Penumbra (der hellere Bereich um das Zentrum herum) unterscheiden. Bei diesem Sonnenfleck ist doch alles etwas größer.

Nimmt man die Jupiterscheibe (normalerweise vergleicht man die Sonnenflecken oft mit Erdscheibchen), kann diese die gigantische Sonnenfleckengruppe nicht mal komplett abdecken.

Da der Nebel immer lockerer wurde und es aufklarte, habe ich dann kurzentschlossen das Teleskop in den Garten geschafft und losbeobachtet.

Leider zogen dann schon wieder Wolken von Westen auf und die immer tiefer stehende Sonne geriet in gefährliche Nähe der Wolken. Also habe schnell noch die Kamera an das Teleskop gehängt. Insgesamt konnte ich dann, bevor die Sonne hinter den Wolken verschwand, einen Film von ca. 11s aufnehmen.

Durch Übereinanderlegen von 25% der Einzelbilder mittels autostakkert und weiterer Bearbeitung durch fitswork kam dann dieses Bild heraus:

Sonnenfleck 2192 vom 24.10.2014
Sonnenfleck 2192 vom 24.10.2014

Es wurde fokal, d.h. die Kamera hängt ohne weitere Linsen direkt am 200/1000er Newtonteleskop, aufgenommen.

Die leichte Abschattung nach rechts unten ist nicht die Abdunklung durch den Sonnenrand, wie man meinen könnte, sondern eine Abdunklung durch die heranziehenden Wolken. Wenige Minuten später war die Sonne nicht mehr gut mit dem Teleskop beobachtbar.

 

Hier noch eine zeitnahe Aufnahme des Solar and Heliospheric Observatory:

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Credit: Solar and Heliospheric Observatory

Auf diesem Bild sieht man noch einmal schön die oben angesprochenen Größenverhältnisse.

 

Wer also noch irgendwo eine funktionierende Sonnenfinsternisbrille im Schrank liegen hat, dem sei geraten, sich diesen Fleck mit eigenen Augen anzuschauen, es ist immerhin die größte Fleckengruppe seit 24 Jahren!

Und niemals mit ungeschützten Augen in die Sonne schauen!

Kevin Gräff

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Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

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