Kleiner Bruder des Herkuleshaufens

BLOG: Pictures of the sky

Eine fotografische Reise durch's All
Pictures of the sky

Beim Ordnen meiner Festplatte fiel mir wieder Rohmaterial in die Hände, das ich schon längere Zeit vermisst hatte. Ich wusste, dass ich den Kugelsternhaufen M 92 beobachtet und fotografiert hatte. Auch wusste ich, dass ich die Daten auf dem Laptop gespeichert hatte, doch sie waren unauffindbar… Wie sich nun herausstellte, habe ich sie wohl einfach in einem Ordner mit Bildmaterial von vor zwei Jahren abgespeichert und es aus den Augen verloren. Das schlechte Wetter zur Zeit (welches mich zum Sortieren der Festplatte motivierte), hatte wohl doch einen Hauch einer guten Seite.

Nun ist es wenigstens wieder da und ich konnte das Rohmaterial in ein vorzeigbares Bild verwandeln:

 

M 92 26.7.2012

Das Bild zeigt den Kugelsternhaufen M 92 und ist eine Kombination aus mehreren Bildern, die jeweils zwischen 30 und 100 Sekunden belichtet wurden.

M 92 wird oftmals als “kleiner Bruder” des Herkuleshaufens (M 13) betitelt, was wohl damit zusammenhängt, dass sich die beiden Kugelsternhaufen im selben Sternbild, nämlich Herkules, befinden. Leider wird dieser Sternhaufen, der nicht weniger spektakulär als M 13 ist, bei vielen Beobachtungen im Sommer/Herbst oftmals stillschweigend übersehen.

Er hat zwar mit einem Durchmesser von ca.110 Lichtjahren eine um ca. 30% kleinere Ausdehnung als der Herkuleshaufen und mit ca. 400.000 Sonnenmassen auch eine um ca. 33% geringere Masse, aber das macht ihn noch lange nicht unauffällig.

Diese kompakte Sternenansammlung, deren Komponenten gravitativ aneinander gebunden sind, befindet sich mit ca. 27200 Lichtjahren Entfernung von der Erde bereits “leicht außerhalb” unserer Galaxie in deren Halo. Ein Umlauf des Kugelsternhaufens um unsere Galaxie dauert um die 200 Millionen Jahre.  

Obwohl M 92 kleiner und auch weiter entfernt ist, lässt er sich dennoch problemlos mit einem einfachen Feldstecher beobachten. In meinem 8″-Teleskop waren die äußeren Sterne visuell bis zur Hälfte des Durchmessers aufgelöst. In der Mitte des Sternhaufens wird es dann schwierig, die einzelnen Sterne zu trennen.

 

 

Beim genauen durchmustern des Bildes sind mir noch zwei verschwommene Fleckchen aufgefallen, die verdächtig nach weit entfernten Galaxien aussahen.

Es stellte sich heraus, dass es sich um die Spiralgalaxie PGC59984 und die linsenförmige Galaxie PGC59938 handelte. Die Positionen der beiden Objekte sind im folgenden Bild markiert:

M 92 PGC59984 PGC59938 26.7.2012

Bei meiner Recherche fand ich leider keinerlei Entfernungsangaben, was wohl daran liegt, dass die Galaxien einfach noch nicht vermessen wurden.

 

Bearbeitet wurde das Bild mit DeepSkyStacker, fitswork und Photoshop.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass sich das Wetter bald bessert, vor allem wenn uns der nahe Vorbeiflug des Asteroiden 2012DA14 am 15.2.2013 bevorsteht. In diesem Sinne

CS Kevin

Veröffentlicht von

Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

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