Unliebsame Andenken aus den Tropen

Cook it, peel it, boil it or leave it! Dieser Grundsatz ist den meisten Tropenreisenden wohl bekannt. Doch empfiehlt sich dies nicht nur um den klassischen Reisedurchfällen vorzubeugen, welche oft durch Bakterien ausgelöst werden, auch Parasiten wie die Bandwürmer können ein unliebsames Mitbringsel von der Tropenreise sein.

Bandwurmarten gibt es viele, den Fischbandwurm, den Rinder- und den Schweinebandwurm zum Beispiel. Akira Ito von der Asahikawa Medical University in Japan und Christine M. Budke vom College of Veterinary Medicine & Biomedical Sciences in Texas haben in einem 2014 in der Zeitschrift Travel Medicine and Infectious Disease veröffentlichtem Review die wichtigsten Fakten zu diesen kleinen Quälgeistern zusammengetragen.

Der Fischbandwurm

Der berühmteste aller Bandwürmer ist sicher der Fischbandwurm. Dessen Larven werden vom Menschen durch den Genuss von rohem oder nicht vollständig gegartem Fisch auf. Entgegen dem allgemeinen Glauben, kommen Fischbandwürmer übrigens nicht nur in Süßwasserfischen sondern auch in Meeresfischen vor. Die meisten Fälle treten in asiatischen Ländern wie Malaysia, Indonesien, Taiwan und Japan, aber auch in Neuseeland auf. Durch den Import von Fisch aus diesen Ländern sowie durch Reisende kommen auch immer wieder Fälle nach Europa. Manche Fischbandwürmer sind aber sogar in Schweizer Alpenseen heimisch. Auch die zunehmende Beliebtheit von mit rohem Fische zubereitetem Sushi trägt zu der Globalisierung des Fischbandwurms bei.

Andere Bandwürmer

Der Rinder- und der Schweinebandwurm brauchen da nicht so viel Hilfe durch den Menschen: Sie sind sowieso schon weltweit verbreitet. Die Zysten dieser Bandwürmer werden durch den Verzehr nicht vollständig gegarten infizierten Fleisches aufgenommen.

Andere Bandwürmer verbreiten sich über ungewaschenes Obst und Gemüse oder über die Aufnahme fäkaler Verunreinigungen, also wenn Spuren von infiziertem Stuhl mit der Nahrung aufgenommen werden. Klingt ekelig- ist es auch. Umso wichtiger ist gründliches Händewaschen…

Vorsicht ist geboten – besonders auf Reisen

Wer es auf seinen Reisen exotisch mag, sollte besonders aufpassen. Einige außergewöhnliche Bandwurmexemplare finden sich in “Hinterhofhühnern”, Schnecken, Schlangen und Fröschen…

Und was empfehlen die Forscher den Reisenden nun? In erster Linie natürlich Prävention. Also auch wenn der Genuss lokaler Speisen für viele zum Reiseerlebnis dazugehört, empfiehlt es sich nicht nur aus ethischen und ökologischen sondern auch aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch und Fisch von unklarer Herkunft zu verzichten. Zumindest die Sorgen um Parasiten kann man jedoch durch vollständiges Kochen der Gerichte loswerden. Das Argument, dass es nur halb so schlimm sein kann weil die Menschen im Reiseland sich schließlich auch so ernähren würden zählt übrigens hier genauso wenig wie in der Malariaprophylaxe. Denn viele Menschen leiden an parasitären Erkrankungen, oft auch lange ohne es zu merken. Bei schwereren Verlaufsformen können jedoch Schmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit und Durchfall auftreten.

Vorsicht beim Essen auf Reisen ist also geboten, auch wenn dies die Traveller-Ehre so manch eines Backpackers verletzt. Auch eine regelmäßige visuelle Inspektion des eigenen Stuhls ist empfehlenswert. Sollte sich etwas darin bewegen oder weiße Wurmfragmente vorzufinden sein, ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Und dann hilft nur noch die schonungslose Ehrlichkeit wenn es um die Beschreibung der Urlaubsküche geht…

Literaturquellen

Ito, A.; Budke, C. M. Culinary delights and travel? A review of zoonotic cestodiases and metacestodiases Travel Med. Infect. Dis. 12 582–591 (2014)

 

Veröffentlicht von

Dr. Anja Rüther testet an der Monash University in Melbourne spektroskopische Methoden zur Diagnose von Infektionskrankheiten, insbesondere Malaria. Ihre Forschung bringt sie in die entlegensten Ecken Südostasiens, wo sie Proben von Malariapatienten mit Infrarotspektroskopie untersucht. Nach dem Pharmaziestudium in Berlin und Innsbruck hat sie in pharmazeutischer Chemie in Freiburg promoviert. Während ihrer Promotion hat sie chiroptische Spektroskopiemethoden zur Untersuchung dynamischer Systeme verwendet.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ** .. auch wenn dies die Traveller-Ehre so manch eines Backpackers verletzt. ** Nett/lieb formuliert – ich hab letztens zwei längere Reisen als backbacker rund um die Erde gemacht. Halt auch gespart an Esslokalitäten .. Durchfall in „bescheidenem“ Rahmen ist (insb. bei backpackern) normal. Schlimm hat’s mich Mal erwischt in Afrika – Folge von, nehm‘ ich an, unsauberem Wasser trinken. Aber letztlich dann „überstanden“ .. Übertriebene Angst (wäre allerdings näher zu „definieren“) ist nicht so gut .. Vertrauensvoller Leichtsinn („Liebe zur Natur“) aber auch nicht …

  2. Ja, so sammelt man seine Erfahrungen. Und zum Glück geht es ja meistens gut aus… Das habe ich auch „auf die harte Tour“ lernen müssen – in der Traveller-Ehre so manch eines backpackers steckt natürlich auch ein Fünkchen Selbstironie 😉

    Mit übertriebener Angst kann man sich eine Reise sicher ganz schön vermiesen. Nur den gesunden Verstand sollte man vielleicht doch mit ins Gepäck nehmen und sich vorher informieren, wo die Gefahrenquellen lauern.

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